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RENTENANGST

Gysi auf dem Holzweg

Erstellt von Gast-Autor am Dienstag 25. August 2015

Wagenknecht mit linkem Navi

File:Wagenknecht, Sahra, 2013.JPG

Autor: U. Gellermann
Datum: 24. August 2015

Gelassen hat Sahra Wagenknecht jüngst in der WELT eine schlichte Wahrheit ausgesprochen: „Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert, sondern immer größere wirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugt, und am dramatischsten zeigt sich das eben in Griechenland.“ Dass Regierungslautsprecher wie der DEUTSCHLANDFUNK sie daraufhin in die Nähe der AfD rücken: Versteht sich. Dass die üblich-üble deutsche Medienfront ihre Dummheit über sie ausgießt: Langweilig. Aber dass ein scheinbar intelligenter Mensch wir Gregor Gysi folgende Antwort auf Wagenknecht findet: „Ein Zurück zu den alten Nationalstaaten in Europa, auch zum alten deutschen Nationalstaat, darf es mit der Linken nicht geben“, das ist peinlich.

Nun ist Gysi bisher noch nie durch besonderen ökonomischen Sachverstand aufgefallen. Sondern leider häufiger durch bewusstes Missverstehen seiner klügeren Parteifreunde. Denn an keiner Stelle ihres Interviews hat Frau Wagenknecht gesagt, sie wolle zum „alten Nationalstaat“ zurück. Auch ist ihr Text nirgendwo so zu interpretieren. Dass die abgefeimten Berufs-Lügner auf den Regierungs-Redaktions-Sesseln sich solch mieser Deutung bedienen: Geschenkt. Dass aber ein linker Frontmann aus purem Neid und der tiefen Lust an einer Regierungs-Beteiligung eine linke Frontfrau derartig dumm diffamiert, das ist ärmlich und für die Linkspartei sogar ziemlich schädlich.

Denn bisher war die LINKE mit ihrem klaren NEIN zum Schröder´schen Agenda-Sozial-Fallbeil eher vordenkend. Ausgerechnet jetzt, wo dieses Fallbeil von Frau Merkel als Exportschlager in der EU angewandt wird und die ersten griechischen Rümpfe ohne Kopf bereits auf dem Boden liegen, will Gysi seiner Partei offenkundig den Rückschritt verordnen. Dass der Euro die soziale Ungleichheit unter den Ländern in diesem Währungsraum betoniert, ist eine Binsenweisheit. Dass die Armut überall im Euro-Raum wächst während die Zahl der Milliardäre munter steigt, ist sattsam bekannt. Und dass mit der festgeschriebenen Währung jede Alternative zum neoliberalen Mainstream blockiert wird, könnten sogar diplomierte Milchmädchen wissen.

Nun hat Simone Peter, GRÜNE Bundesvorsitzende, ein Diplom in Mikro-Biologie und nicht in Makro-Ökonomie, aber tapfer bläst sie in das selbe Horn wie der gelernte Rinderzüchter Gysi: „Für mich bewegt sich die Linkspartei weiter weg von einer europäischen Partei“ fällt ihr als Reaktion auf Sahra Wagenknecht ein. „Sie begibt sich damit auf die Ebene der Nein-Sager in der Union, die ja auch den Grexit befürworten und damit die Einheit Europas in Gefahr bringen“. Frau Peter muss sich in der selben Kneipe wie Gysi dumm und dusselig gesoffen haben. Welche Einheit meint sie? Die der EU-Mächtigen gegen die Ohnmächtigen? Die der Bankenretter gegen die kleinen Sparer? Oder die wunderbare Einheit der europäischen Rüstungsindustrie gegen den Frieden?

Der reale Holzweg, jener Weg, der nur durch den Wald zum Abholzplatz führt und nirgendwohin sonst, hat dem geflügelten Begriff seinen Namen gegeben. Mit dieser geringen Verkehrsfähigkeit kommt man leider nicht durch den Dschungel des Kapitalismus. Man wird ganz sicher andere Wege gehen müssen, wenn man an einer Euro-Dominanz vorbei navigieren will, die auf ihrem Weg nach Kiew geradewegs in den Krieg geführt hat. Und während Gregor Gysi noch ziemlich blind rumholzt, hat Sahra Wagenknecht offenkundig ein Navi, das linke Wege aus der EU-Krise ansagt: „Zu ihrem Ziel sollten Sie konsequent links abbiegen. Links hab ich gesagt, Gregor, links!“


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Ein Kommentar zu “Gysi auf dem Holzweg”

  1. [bremer] sagt:

    Habe eher den Eindruck, Wagenknecht & Gellermann sind „auf dem Holzweg“. Oder anders ausgedrückt: Fiskalpolitik scheint nicht deren Metier zu sein. Die DDR ist auch nicht an ihren „Alu-Chips“ zugrunde gegangen.

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