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RENTENANGST

Griechenland: Der Gabriel-Quatsch

Erstellt von Gast-Autor am Dienstag 23. Juni 2015

Weniger Rentner als in Deutschland

Autor: Michael Schlecht, MdB
Datum: 22. Juni 2015

Die Sparpakete von EU und Internationalem Währungsfonds haben in Griechenland ein beispielloses Desaster angerichtet. Dennoch beharren die Gläubiger – allen voran die Bundesregierung – auf weiteren Kürzungen. Um die zu rechtfertigen, wird kräftig Stimmung gegen Athen gemacht. „Wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen“, tönte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Tenor: Wir zahlen, die machen sich ein schönes Leben. Als Beispiel für diesen Quatsch werden derzeit die griechischen Renten herangezogen.

Die Griechen, so heißt es, haben ein extrem teures Rentensystem. Kein Wunder – schließlich gingen viele Griechen schon mit 56 Jahren in Rente. Damit ist das Bild rund: Faule Griechen leben auf unsere Kosten. Daran ist so viel falsch, das man es kaum aufzählen kann. Hier die wichtigsten Fakten:

Ja, das griechische Rentensystem ist teuer, seine Kosten betragen 16 Prozent der Wirtschaftsleistung. Aber das ist auch kein Wunder, schließlich ist diese Wirtschaftsleistung dank Spardiktat um ein Viertel gesunken. Ein Viertel!
„Gezahlt“ haben „wir“ den Griechen noch gar nichts. Athen erhielt Kredite, die muss es bedienen, inklusive Zinsen. Allein diesen Monat sind 1,6 Milliarden Euro fällig, die das verarmte Land zahlen muss.

Leben Griechenlands Rentner im Luxus? Kaum. Nach acht Kürzungsrunden in vier Jahren beträgt die Durchschnittsrente 713 Euro im Monat. Drei Viertel der Rentner haben weniger als 1000 Euro. Die ärmsten von ihnen erhalten zwar einen Zuschuss von 169 Euro. Dennoch leben fast 50 Prozent der Rentner unterhalb der von der EU definierten Armutsgrenze von 665 Euro. Nichtsdestotrotz verlangen die Gläubiger hier weitere Kürzungen der Altersbezüge von fast zwei Milliarden Euro dieses und nächstes Jahr.

Gehen die Griechen früh in Rente? Eher nicht. Nur 15 Prozent aller Rentner sind jünger als 60 Jahre alt. Die griechische Regierung hat vorgeschlagen, das Rentenalter schrittweise zu erhöhen.

Wer die griechischen Renten immer noch für üppig hält, der sollte bedenken: In Griechenland gibt es weder private noch Betriebsrenten. Die Staatsrente ist alles. Viel wichtiger noch: Von den Pensionen leben Millionen, nicht nur die Rentner, auch Kinder und Arbeitslose. 25 Prozent der Griechen sind ohne Job, und da es Arbeitslosenhilfe nur für maximal ein Jahr gibt, bedeutet das: 90 Prozent der Jobsucher erhalten keinen Cent. Sozialhilfe? Hartz IV? Gibt es alles nicht.

Dass viele Griechen früh in Rente gegangen sind und das System überlastet ist, liegt ebenfalls an der Krise. Der Staatssektor hat seine Bediensteten unter dem Spardiktat um ein Drittel reduziert, häufig wurden die Menschen in die Frührente abgeschoben. Zudem flüchteten sich viele Griechen in die Frühverrentung, weil ihr Job gefährdet war und es in Griechenland keinerlei Aussicht auf einen neuen Arbeitsplatz gibt – und man ohne Job schnell ganz ohne Geld dasteht. Die Rente ist das einzig halbwegs sichere.

So stieg auf der einen Seite die Zahl der Anspruchsberechtigten – wobei man anmerken muss, dass die Zahl der Ruheständler an der Gesamtbevölkerung in Griechenland sogar niedriger liegt als hierzulande.
Auf der anderen Seite schrumpften die Einnahmen der Rentenkasse durch Massenentlassungen und Lohnkürzungen. Und als Sargnagel kam dann auch noch der Schuldenschnitt für Griechenland. Der belastete die Gläubigerbanken in Europa zwar kaum, dafür aber das griechische Rentensystem, das seine Reserven in Staatsanleihen angelegt hatte. Diese Reserven schrumpften durch den Schuldenschnitt um 60 Prozent.

Ohne Zweifel muss das griechische Rentensystem reformiert werden. Dafür braucht es aber Zeit. Das Beharren der Gläubiger auf Kürzungen führt das Land nur immer tiefer in den Abgrund – in den ökonomischen und den sozialen.


Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Michael Bruns
Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.

3 Kommentare zu “Griechenland: Der Gabriel-Quatsch”

  1. Didi sagt:

    LINKE Logik:
    Man nehme Rentner, Rentensummen, Arbeitslose und ein wenig Wissen in der Sache, schüttele diese Mixtur kräftig durch, und erhalte die Feststellung:
    Weniger Rentner als in Deutschland. Wobei, GR hat 11,03 Millionen Einwohner und 2,65 Millionen = 24,02% Rentner. Deutschland leben 80,6 Millionen Einwohner, davon sind 16,82 Millionen, runde 20% über 65 Jahre. Bezahlt werden in D insgesamt 25,16 Millionen Renten etwa 32%:

    Wer wie Michael Schlecht, MdB, DIE LINKE erkennt:
    75% der Griechen haben eine Rente unter 1000,00€. Dann aber feststellt: Die Durchschnittsrente beträgt 713 Euro im Monat.
    Etwa 50% der Rentner hat eine Rente von weniger als 665,00 EURO
    zuzüglich eine unbekannte Zahl an Rentnern die 169,00 Euro Zuschuss bekommen. Der sollte doch auch erklären woher er seine Zahlen und sein Wissen, z.B.,
    „Wer die griechischen Renten immer noch für üppig hält, der sollte bedenken: In Griechenland gibt es weder private noch Betriebsrenten. Die Staatsrente ist alles“
    hat.

    Nachzulesen ist im Griechenland-Block:
    Zitat:
    Nach Kategorien aufgeschlüsselt beträgt in Griechenland die durchschnittliche Monatsrente 664,69 Euro bei den Hauptrenten und 168,40 Euro bei den Zusatzrenten.

    44,8% der griechischen Rentner (1.189.396 von insgesamt 2.654.784) beziehen sogar eine Rente unterhalb der stabilen relativen Armutsgrenze, die in Griechenland bei 665 Euro liegt. Jedenfalls ist anzumerken, dass der durchschnittliche Wert der monatlichen Renten in Griechenland und Deutschland ungefähr der selbe ist.
    Zitat Ende:
    Quelle:
    http://www.griechenland-blog.gr/2015/06/wahrheit-ueber-die-renten-in-griechenland/2135266/

    http://www.griechenland-blog.gr/tag/rentenkuerzung/

    Diese gravierenden Renteneinschnitte waren nur kurzlebig.
    Zitat:
    Der Staat hat die Lücke mit jährlichen Zuschüssen gestopft, doch auch sie werden abgeschmolzen. Der Zuschuss betrug 2009 noch 20 Milliarden Euro, heute sind es 14 Milliarden Euro. Dazu wurden Leistungen gekürzt, und das Renteneintrittsalter wurde zunächst von 62 auf 65 Jahre, zuletzt auf 67 Jahre erhöht. Gestrichen wurden Leistungen wie die 13. und 14. Monatsrente, massiv beschnitten – in der Regel auf ein Drittel – wurden Leistungen für Rentner, die schon nach 25 Beitragsjahren in Rente gegangen sind, was in der Vergangenheit für allem für Angehörige der griechischen Armee und für Mütter möglich war, die aber heute noch keine 55 Jahre alt sind.
    Zitat Ende:
    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/griechenland-das-maerchen-von-den-luxusrenten-13503873.html
    Zitat:

    Dieses Urteil versetzt den griechischen Rentner wieder seinen alten Stand.
    Oberstes Verwaltungsgericht Rentenkürzungen in Griechenland waren rechtswidrig
    In der Schuldenkrise wurde Griechenland von internationalen Gläubigern ein umfangreiches Sparprogramm auferlegt, dem 2012 auch die Renten zum Opfer fielen. Das könnte sich jetzt wieder ändern.
    10.06.2015
    Zitat Ende.
    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/gericht-rentenkuerzungen-in-griechenland-waren-rechtswidrig-13640784.html

    Dieses Urteil bedeutet für die 44,8% der griechischen Rentner, denen, bei einer Durchschnittsrente von 664,69€, relativen Armutsgrenze in GR 665,00€ exakt 0,31€, fehlen um als arm zu gelten. Addiert man allerdings die Zusatzrente von 168,00€ dazu, dann ist bei einer mtl. Rente von 832,69 € schon jetzt nichts mehr von der Armutsgrenze zu sehen.
    Bei 14 Renten im Jahr hat der bemitleidenswerte Rentner ein Jahreseinkommen von 11657,66€.

    Und ganz frisch zum Thema mit den neusten, angepassten, Zahlen dieses.
    Zitat:
    Altersbezüge Griechenland zahlt höhere Renten als Deutschland
    Am Abend empfängt Kanzlerin Merkel den griechischen Ministerpräsidenten zum Essen. Für Zündstoff sorgen neue Zahlen über die Höhe der griechischen Renten.
    23.03.2015
    ………..ist die durchschnittlich gezahlte Rente in Griechenland höher als in Deutschland. In Griechenland liegt die Durchschnittsrente demnach bei knapp 960 Euro, was 63 Prozent des Durchschnittseinkommens entspricht. In Deutschland liegt die Durchschnittsrente im Westen Ende 2013 bei 734 Euro und im Osten bei 896 Euro.
    Ein etwas differenziertes Bild ergibt sich, wenn man statt der Durchschnittsrente die sogenannte Standardrente vergleicht. Sie gibt an, wieviel ein Arbeitnehmer erhalten würde, der 45 Jahre lang ein Durchschnittsgehalt bezogen und in die Rentenversicherung eingezahlt hat. In Griechenland liegt die Standardrente laut Handelsblatt bei rund 1100 Euro, was etwa 80 Prozent des Durchschnittslohnes entspricht. In Deutschland liegt sie zwar absolut gesehen mit 1287 Euro im Westen und 1187 Euro im Osten geringfügig darüber, doch gemessen am Durchschnittslohn mit 48 Prozent deutlich darunter.
    Insgesamt gibt Griechenland 17,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Renten aus, das ist mehr als die 13,2 Prozent, die EU-Staaten durchschnittlich ausgeben. Und: Griechenlands Renten sind trotz aller Spar-Rhetorik in den vergangenen Jahren kaum gesunken.
    Zitat Ende:
    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/griechenland-zahlt-hoehere-renten-als-deutschland-13501028.html

    Ein Tipp an Michael Schlecht, MdB, DIE LINKE. Einfach mal nur die Klappe halten.

  2. BadBoy sagt:

    Nur wenige Linke können die Klappe halten. Überall mitquarken haben Gewerkschaftler so an sich.

  3. Schichtwechsler sagt:

    #1
    Typisch für einen Gewerkschaftler.

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