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Geld stinkt doch

Erstellt von Gast-Autor am Donnerstag 22. Mai 2014

Deutsche Bank nimmt Blutgeld aus Katar

Judas gibt die dreizig Silberlinge zurück / Tribute Money

Autor: U. Gellermann

Rationalgalerie

Datum: 22. Mai 2014

Vom römischen Kaiser Vespasian soll die Spruchweisheit „Pecunia non olet – Geld stinkt nicht“ stammen. Der Kaiser hatte eine Latrinensteuer eingeführt und hoffte, durch die Umwandlung von Urin in Geld, die Geruchsspur verwischt zu haben. Nicht, dass die Deutsche Bank ein Ort körperlicher Erleichterung wäre. Und doch geht eine Witterung von ihr aus, die von der Nase unmittelbar zum Brechreiz führt: Das Königreich Katar kauft sich gerade mit Milliarden in die Deutsche Bank ein, wird mit sechs Prozent der Aktien zum größten Einzelaktionär, und will diese Beteiligung noch bis zu acht Prozent ausweiten.

Sie heißen in den deutschen Medien Herrscherfamilie, Scheichs, gern auch Könige oder Prinzen, so wird die Sippe in Katar veredelt. Dass es sich um eine gewöhnliche, brutale Diktatur handelt, ist erstmalig in Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft zum allgemeinen Thema geworden: Der Gestank von Sklavenarbeit wehte aus den Baracken der Bauarbeiter rund um die WM-Stadien. Rechtlos, extrem schlecht bezahlt, wurden nicht wenige von ihnen zu Tode geschunden. Rund 4.000 Opfer zählt der Internationale Gewerkschaftsbund bisher. Deutsche Menschenrechtspropheten, wie der Pfarrer Gauck, haben bisher ihre Teilnahmen an der Fußballweltmeisterschaft nicht absagen wollen.

Man will teilnehmen am Glanz und Reichtum eines grausamen Systems, man will doch den engen Partner der amerikanischen Freunde nicht verärgern, die dort einen Militärstützpunkt mit etwa 5.000 Soldaten unterhalten, auf dem 2002 die Generalprobe für den Irak-Krieg abgehalten wurde. Und schließlich möchte man es sich auch nicht mit einem guten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie verderben: Erst jüngst haben die katarischen Sklavenhalter deutsche Panzer und Haubitzen für fast 2 Milliarden Euro geordert, da müssen Merkel und Gauck den üblen Geruch der Diktatur flugs in den erotischen Duft des Geldes umdeuten.

Die Deutsche Bank war noch nie zimperlich, wenn ihr investiertes Geld vom Odeur des Todes umweht wurde: Tapfer hielt man sich die Nase zu, wenn die Bank Bauarbeiten in Auschwitz finanzierte, auch der Handel mit dem Zahngold ermordeter Juden war für sie nicht mit üblem Geruch behaftet. Man verdiente gut an der Arisierung jüdischer Konzerne wie dem Bankhauses Mendelssohn & Co, wie Ullstein oder Salamander. Und auch der Gestank, der aus den braunen Hosen der Naziführung aufstieg irritierte die Deutschbänker nicht, wenn sie die Nähe von Herrmann Göring suchten. Mit Karl Ritter von Halt platzierte man sogar einen Vertrauten im „Freundeskreis Heinrich-Himmler“. Wer an der Finanzierung des deutschen Krieges verdienen wollte, der musste oben mitspielen.

Bis heute ist die Bank im Rüstungsgeschäft. Man unterhält Geschäftsbeziehungen zu diversen Anbietern und Herstellern von Streumunition wie „Alliant Techsystems“, man hat im Portfolio Unternehmen wie GenCorp oder BAE Systems, die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind, und natürlich ist die Deutsche Bank über ihre Tochter DWS auch am schmutzigen Geschäft mit der Uranmunition beteiligt. Kein noch so widerliches Geschäft stinkt ihr, der Verwesungsgeruch des Krieges zieht sie geradezu an, denn dort werden außergewöhnliche Profite gemacht: Das Ziel einer zwölfprozentigen Eigenkapitalrendite muss erreicht werden.

Der neue Großaktionär aus Katar ist mit Geld und Waffenlieferungen an radikale Islamisten am mörderischen Krieg in Syrien beteiligt, die islamischen Taliban unterhalten ein „Verbindungsbüro“ in der Hauptstadt Doha und das Land ist ideologisch vom dogmatischen Wahabitismus geprägt, jener Form des Islam, die Homosexualität für ein Verbrechen hält und Frauenrechte für Unsinn. Und dass Zensur im katarischen Internet an der Tagesordnung ist, rundet das Bild ab. „Leistung aus Leidenschaft“ lautet der Slogan der Deutschen Bank. Mit besserem Recht sollte er in „Leistung, die Leiden schafft“ umgewandelt werden. Auch „Nase zu und durch“ wäre angemessen für eine Bank, deren Geschäftsmoral zum Himmel stinkt.

Fotoquelle: Wikipedia – Künstler Mattia Preti (1613–1699) Auf die Infoboxvorlage des Erstellers verlinken wikidata:Q468632 / Pinacoteca di Brera Link zurück zur Museums Infobox-Vorlage wikidata:Q150066

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