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Eine Deutsche Ausstellung

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 25. August 2022

Die Documenta – Leitung
kann beim besten Willen keinen Judenhass entdecken

Früher waren es die Hexen und Hexer und wer hat die Rolle heute übernommen?

Eine Kolumne von Sascha Lobo

Es hört einfach nicht auf mit dem Antisemitismus in Kassel. Bleibt nur eine Konsequenz: Macht die Ausstellung zu – sofort.

Es war ein Geniestreich des verstorbenen Martin Kippenberger, als er 1984 das Bild malte mit dem Titel »Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken« . Das Werk müsste eigentlich bei der Antisemita fifteen, pardon: Documenta fifteen ausgestellt werden, als Leitmotiv im Umgang mit dem Antisemitismus auf der wichtigsten Kunstausstellung des Universums.

Moment, schon wieder Documenta, schon wieder Antisemitismus, schon wieder diese Debatte? Ja, leider, und leider ist es notwendig, denn es hört und hört und hört nicht auf.

Seit der ersten, großen Eskalation um das Banner der Gruppe Taring Padi mit mehreren judenfeindlichen Inhalten haben sich verschiedene Menschen und Institutionen die ausgestellten Werke angeschaut. Die Documenta ist sehr groß und sehr inhaltsmächtig, umfasst eine Vielzahl verschiedener Ausstellungsteile und Veranstaltungsbereiche, daher kann man dort nur schwer an einem Wochenende alles durchzappen. Auch deshalb ist nach und nach bekannt geworden (leider ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Weil man es – trotz jahrhundertelanger Forschung und wissenschaftlicher Aufarbeitung insbesondere auch durch Betroffene – nicht ausreichend oft sagen kann, hier noch mal die Kurzzusammenfassung, warum das alles antisemitisch ist, wenn auch zugegebenermaßen in verschiedener Intensität:

Die Gleichsetzung von Juden und/oder Israelis (»israelische Armee«) mit Nazis (»SS-Runen«) ist antisemitisch, weil so der Holocaust verharmlost und zugleich die Selbstverteidigung des jüdischen demokratischen Staates Israel delegitimiert wird.

Die Darstellung von Juden als Kindermörder ist eine mittelalterliche antisemitische Erzählung, die als emotionalisierte Begründung für eine Anzahl von Pogromen verwendet wurde. Sie wird auch heute noch (»Kindermörder Israel«) als antisemitische Parole gegen Israel verbreitet.

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Der »Wanderjude« oder »ewige Jude«  basiert auf der Erzählung, ein Jude trüge die Schuld an Jesu Tod und sei deshalb zum ewigen Wandern verflucht worden. Geldbezüge sind oft antisemitisch, weil sie die Erzählung der »stets reichen, mächtigen, sich im Hintergrund verschwörenden Juden« transportieren. Ein sehr gefährliches Klischee, das auch außerhalb von so begründeten Pogromen nachweislich bereits Opfer gefordert hat, katastrophal mustergültig etwa bei einer Entführung eines jüdischen jungen Mannes in Paris 2006. Die Entführer, eine Jugendgang, hatten von der weitgehend mittellosen Familie 450.000 Euro Lösegeld gefordert, weil sie der Meinung waren, dass alle Juden reich seien oder zumindest an Geld herankommen könnten. Als die Angehörigen nicht zahlen konnten, interpretierten die Entführer das als bösen Willen und folterten das Opfer zu Tode.

Die BDS-Bewegung  ist unter anderem von Parlamenten oder Regierungen Österreichs, Tschechiens, Deutschlands sowie von mehr als dreißig US-Bundesstaaten als antisemitisch eingestuft worden (weil sie antisemitisch ist). Warum schließlich im jüdischen Kontext Haken- und Bogennasen-Darstellungen, wulstige Lippen und Schweineköpfe antisemitisch sind, muss ich wohl nicht begründen.

Quelle         :         Spiegel-online        >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Einblattdruck zu einer Hexenverbrennung in Derenburg (Grafschaft Reinstein) 1555

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