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Ein Ukraine – Tagebuch

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 26. Juli 2022

„Krieg und Frieden“
Schwimmen und Sonnenbaden mit Treibminen

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Aus Odessa von Tatjana Milimko

Kürzlich war ich am Meer und wurde dort Zeugin einer Situation, die so nur in Odessa passieren kann. Auf dem heißen Sandstrand lief ein Polizist entlang. Er sah die ganze Zeit in die Ferne, so, als ob er nach jemandem Ausschau hielte.

Wir sind ein neugieriges Völkchen und ich und ein paar andere Odessiten wollten gerne wissen, wen oder was er dort eigentlich sehen wollte. Vor ein paar Wochen waren russische Kriegsschiffe am Horizont mit bloßem Auge zu erkennen. Waren sie jetzt wieder dort? Wir näherten uns langsam dem Polizisten. Und wurden Ohrenzeugen des folgenden Dialogs.

„Mädchen, kommen Sie aus dem Wasser zurück. Hier ist Baden verboten!“, sagte der Polizist zu einem schwimmenden Mädchen. „Aber das Wasser hat 25 Grad“, antwortet diese. „So bewältige ich schon mein ganzes Leben persönlichen Stress, ich bade im Meer. Ohne Wasser kann ich nicht leben.“ – „Und was ist mit den Treibminen? Sie haben sicher gehört, wie viele Leute dadurch schon umgekommen sind.“ – „Aber ich bin kein Mensch!“, schreit das Mädchen. „Was sind Sie dann?“, schreit der Polizist in gleicher Lautstärke zurück. „Ich bin ein Fischlein. Ich darf das Wasser nicht verlassen. Das ist übrigens ziemlich warm. Vielleicht tauchen Sie auch mal kurz unter?“ – „Das darf ich nicht. Ich bin im Dienst. Ich beobachte feindliche Schiffe – und solche Fischlein wie Sie. Schwimm, Fischlein, schwimm. Ich warte.“

Das Mädchen musste eine Geldstrafe zahlen, als sie aus dem Wasser kam. In Odessa ist es jetzt verboten, ins Meer zu hüpfen, an einigen Stränden darf man nicht einmal entlang laufen. Darauf weisen Schilder hin: „Vorsicht, Minen!“ Den Menschen jedoch, die ihr ganzes Leben am Strand verbracht haben, ist nur schwer zu erklären, dass genau das gerade sehr gefährlich ist. Odessiten gehen also trotzdem sonnenbaden oder schwimmen, in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut geht. Leider geht es nicht bei allen gut. Im Gebiet Odessa gab es an den Stränden schon vier Todesfälle durch explodierende Minen. Die russischen Streitkräfte hatten die Bucht von Odessa zuvor vermint. Einige Minen wurden auch am Strand deponiert, wo sie von ukrainischen Soldaten entschärft wurden.

Polizisten sollen dafür sorgen, dass Menschen sich daran halten. Ihre Arbeit hat was von einem Angelausflug. So wie der Polizist auf das Mädchen gewartet hatte, das sich selbst als Fisch bezeichnete. Die städtische Verwaltung hat die sicheren Strandabschnitte mit einem Netz umgeben, sodass die Menschen sich dort sonnen können. Künftig soll mit Hilfe von Unterwasserdrohnen das Schwarze Meer von Minen geräumt werden. Aber bis dahin sollte man sich besser gedulden.

Quelle       :       TAZ-online         >>>>>      weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —    Anne Frank in 1940, while at 6. Montessorischool, Niersstraat 41-43, Amsterdam (the Netherlands). Photograph by unknown photographer. According to Dutch copyright law Art. 38: 1 (unknown photographer & pre-1943 so >70 years after first disclosure) now in the public domain. “Unknown photographer” confirmed by Anne Frank Foundation Amsterdam in 2015 (see email to OTRS) and search in several printed publications and image databases.

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Unten     —   Вид на пляж

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