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Ein Ukraine – Tagebuch

Erstellt von DL-Redaktion am Mittwoch 6. Juli 2022

„Krieg und Frieden“
Nach hundert Tagen zurück in Kyjiw

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Aus Kyjiw  Roman Huba

Ich habe Kyjiw am ersten Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine verlassen. Seit diesem Tag habe ich die Geräusche der ersten Detonationen im Kopf und das Dröhnen der Hubschrauber über Hostomel. Das Kriegs-Kyjiw habe ich kaum gesehen, ich erinnere mich nur an Staus und verstörte Menschen in der Metro.

Jetzt ist Sommer in Kyjiw. Hundert Tage nach der Evakuierung bin ich in die Stadt zurückgekehrt, in der ich die letzten sechs Jahre gelebt habe. In diesen sechs Jahren habe ich meine Heimatstadt verloren – sie ist jetzt von Russland besetzt, ich habe mein Elternhaus verloren – es wurde zerstört. Kyjiw ist jetzt meine einzige Heimat, und ich möchte sie gerne behalten. In meiner alten Wohnung kann ich nicht mehr wohnen – dort sind überall Kampfeinheiten. Als ich das Haus verließ, sahen mich die Nachbarn wie einen Verräter an. Ich, Untermieter, kann einfach wegfahren, während es für sie die einzige Bleibe ist.

Kyjiw ist jetzt eine ganz andere Stadt. Der Wald, in dem ich früher gerne spazieren ging, ist von Flatterband und „Minen“-Schildern umgeben. Der Fluss Dnipro, einst Lieblingsfreizeitort der Kyjiwer, ist zu einem Massengrab für die russischen Landungstruppen geworden. Mehrere ihrer Hubschrauber sind über Kyjiw abgeschossen worden, und jetzt assoziiert man den Fluss nicht mehr wirklich mit Freizeit.

Viele Besitzer bekannter Cafés haben nicht wieder aufgemacht – entweder weil sie kein Geld mehr für Miete und Löhne hatten. Oder weil sie auf bessere Zeiten warten. Der Krieg hat Kyjiw verschont, die Hauptlast lag auf den Vororten, aber noch sind nicht alle bereit, zurückzukehren. Und deshalb brennt nur hinter der Hälfte der Fenster meines Wohnhauses abends Licht.

Aber es gibt auch einiges, was verlässlich gleich geblieben ist. Nach wie vor ist es schwierig, eine Wohnung zu mieten, wenn man in der Region Donezk registriert ist: „Vielleicht sind Sie ja ein Saboteur?“, fragt der Immobilienmakler verschreckt am Telefon.

Quelle      :        TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —    Anne Frank in 1940, while at 6. Montessorischool, Niersstraat 41-43, Amsterdam (the Netherlands). Photograph by unknown photographer. According to Dutch copyright law Art. 38: 1 (unknown photographer & pre-1943 so >70 years after first disclosure) now in the public domain. “Unknown photographer” confirmed by Anne Frank Foundation Amsterdam in 2015 (see email to OTRS) and search in several printed publications and image databases.

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Unten     — 9-storey residential building in Kyiv (Bohatyrska Street) after shelling 14 March 2022 during Russian invasion of Ukraine. One person is known to be killed and 3 persons hospitalized (an article).

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