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DIE * WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 5. September 2022

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

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Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Anstand für Ströbele, Putin für Gorbatschow und Verteidigungsmechanismen von Seegurken und RBB: Lästiges Entwuchtungspaket. – Eine Woche voller Abschiede. Rentner und Studierende bekommen, was anderen längst versprochen ist.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: 9-Euro-Ticket futsch.

Und was wird besser in dieser?

Wieder mehr Schwarzfahrer.

Die taz trauert um Mitbegründer Hans-Christian Ströbele„Integer bis in die Haarspitzen“, schreiben die Kol­le­g*in­nen. Möchten Sie etwas hinzufügen?

Hat das Leben schon: Er kam stets circa im bereits laufenden Vorspann ins TV-Studio, Maske brauche er nicht, und kein Auto hinterher, er sei ja mit dem Rad. Einmal erklärte er, dann doch verspätet: Fahrrad geklaut. Paar Tage drauf: Es sei als das Ströbele-Rad erkannt worden, man habe es ihm zurückgebracht. Das Aufregungsgewerbe TV wies er durch schiere Gegenwart in Schranken, und im tragbaren Dorf rings um ihn strahlte er so viel Zuversicht auf Anstand aus, dass der mitunter eintrat. Daran war nichts Pastorales, eher der Chuck Norris der Rechtschaffenheit.

Putin am Sarg von Michail Gorbatschow. Was war Ihr erster Gedanke bei diesem Bild?

Vertane Chance: Da fehlen alle, die keinen besseren Vorwand bekommen könnten als diesen, Putin auf ein paar Sätze zur Seite zu nehmen. In Putins Erzählung über Putin ist das Bild schlüssig: Als anständiger Staatschef erweist man auch einem gescheiterten und in Misskredit gefallenen Vorgänger die Ehre. Mehr auch nicht, Beerdigung macht er blau, wäre unpopulär. Sollte Gorbatschow gehofft haben: „Friedensgespräche? Nur über meine Leiche!“, ist auch das schiefgegangen.

Noch immer keine Nachfolge beim RBB. Gilt hier: „Was lange währt, wird endlich gut“?

Die Seegurke erwehrt sich ihrer Gegner, indem sie im Verteidigungsfall ihr Gedärm nach außen stülpt. Aber man kann’s auch übertreiben mit „Bloß nicht langweilen“. Der Gremieninfarkt lädt zu gründlicherer Aufarbeitung ein, eine neue Nase allein wird’s nicht richten. Im Rundfunkrat ist zwischen Bauernvertreter und Sorbin vom Dienst kein Stimmrecht für den Personalrat, der nur „beraten“ darf. Der RedakteurInnenausschuss, der den Journalismus gegen Übergriffe verteidigt – darf gar nicht rein. Diese Gremien sind so mitbestimmt wie sagenwirmal die katholische Kirche. Aber die darf ja rein.

Viele Lufthansa-Pilot*innen streiken. Diesmal mit Erfolg?

Je höher die PilotInnen abschließen, desto dringlicher wird Lufthansa neben seiner Günstigtochter Eurowings eine zweite, bereits geplante „Cityline2“ forcieren. Der Tarifkampf kann also aus Gutverdienern Besserverdiener machen und dafür drunter neue Holzklassen von Minderpiloten schaffen. Die knüppeln dann Kerosinhüpfer von Frankfurt nach Hamburg und Köln nach München. Klimapolitischer Grusel. In der Pandemie war Lufthansa zu 20 Prozent beim Staat notgelandet. Der hat am Wiederverkauf solide verdient, schön. Doch mit noch knapp unter 10 Prozent hat er offenbar zu wenig Macht, faire Gehälter und vernünftige Routen durchzusetzen. Dieser böse Staat aber auch immer.

US-Präsident Joe Biden wirft dem Trump-Lager Extremismus vor. Wünschen Sie sich ein bisschen mehr dieser Aggressivität auch von Kanzler Scholz?

Gegen Friedrich Merz? Eben fuhr ich durchs Sauerland, die junge Blüte der Region trug Schützenuniform und Ballkleid zum Kirchgang, das sah nicht nach Sturm auf den Reichstag aus. Merz wirkt noch stets wie der Interimsintendant der CDU, da ist jede Polemik vergeudet. Das rhetorische Naturschutzgebiet Habeck würde durch jeden Angriff gestärkt, und Christian Lindner sieht sich am Maximum seiner Karriere. Viele wählten Scholz, weil er das merkelste war, was im Regal lag – daran hält er mit einigem Recht fest.

Wie „wuchtig“ ist das Entlastungspaket der Regierung?

Quelle          :       TAZ-online         >>>>>        weiterlesen

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