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DIE * WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 13. Juni 2022

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

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Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Merkel, Atwood -summende Autos und Züge mit dicken Backen: Der Glaser schmeißt Scheiben ein. Die Altkanzlerin erfrischt mit faktenreicher Sturheit und der Tankrabatt ist gescheitert. Außerdem: der britische Snobismus des Boris Johnson.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: „Früher war alles besser.“

Und was wird besser in dieser?

Steinmeier fordert neues soziales Pflichtjahr.

Das Misstrauensvotum gegen den britischen Premier Boris Johnson ist gescheitert. Ist das nun das Ende der „Partygate“-Affäre?

Vorname „Boris“ derzeit kein Selbstläufer in England. 2019 wählten viele Brexit oder Johnson oder beides, zusammen eine fette Mehrheit.

Die zerfällt nun in Mehrbrexiteers, Wenigerbrexiteers, Gefrustete und Gefrostete. Und nicht zu wenige, die die Flegeleien des Struwwelputer als Ausdruck britischen Snobismus quite amusing finden. Thatcher rettete sich in den bizarren Falklandkrieg, May begegnete einem Untergang namens Johnson. Der selbst stellt den Briten die Frage, ob es auch mit einem Entertainer geht, wo kein Nachfolger sich aufschwingt. Prognose: Why not?

Eine feuerfeste Ausgabe von Margaret Atwoods „Report der Magd“ wurde für 130.000 Dollar versteigert – um gegen die Verbannung bestimmter Bücher zu protestieren. Ist das eine gute Idee?

Autorin und Verlag feuern Aufmerksamkeit auf ein Buch, das uns 1985 ein ziemlich mieses Jetzt vorhersagte. Die „Magd“ beschreibt eine Diktatur fundamentalistischer Eiferer vor allem gegen Frauen; der Albtraum ist auch heute in den USA nicht final erschlagen. Man könnte schlechtere Bücher nicht verbrennen.

Angela Merkel ist zurück – oder so ähnlich. Im ersten Interview seit Langem gesteht sie kaum Fehler in ihrer Politik ein. Richtig so?

„Jurassic Park“ läuft doch auch gut. Merkel plädiert für Diplomatie, die nicht widerlegt sei, wenn sie scheitert: Für den Satz braucht es jetzt mehr Mut als für ein Dutzend hofreiternde Wehrertüchtigungsreden. Die Altkanzlerin verzichtete auf das Argument, 2014 mit dem Minskprozess die Katastrophe acht Jahre aufgehalten zu haben.

Acht Jahre, in denen die USA, die Nato, der Westen die Ukraine mit Geld, Waffen, Beratern vollpumpen konnten. Das unterscheidet auch Minsk von München 1938 und dem allfälligen „Appeasement“-Vorwurf.

Nachdem Steinmeier die letzten 20, Kubicki gleich die letzten 50 Jahre ihrer Politik bedauert haben, erfrischt Merkel mit faktenreicher Sturheit. Sie spazierte fünf Wochen an der Ostseeküste und fing sich keinen Bückling.

Seit knapp zwei Wochen gilt nun das 9-Euro-Ticket. Zeit für ein erstes Resümee: Alles ein kurzer Spaß oder der Beginn einer Verkehrswende?

Viele Züge machen so dicke Backen wie sonst nur die Konten der Mineralölkonzerne. Der ÖPNV erbringt für das Staatsgeld eine Mehrleistung: mehr Passagiere, mehr Fahrten, mehr Ärger. Die Tanken tun, was sie immer tun, und kassieren 3 Milliarden dafür.

Das ist von vornherein ein Konstruktionsfehler. Nun hagelt es hilflose Versuche, von „Übergewinnsteuer“ über neues Kartellrecht bis zu rhetorischen Drohungen.

Die FDP tremoliert, hat’s verbockt und zeigt nun auf Habeck: Der Glaser schmeißt die Scheiben ein und sagt: Da müssen neue rein. Einmal vollzanken, bitte. Stand jetzt ist die Spritsubvention gescheitert und das Günstigticket eine Chance.

Apropos Verkehrswende: Ab 2035 soll laut EU der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor verboten sein. Wie geht es dann weiter?

Quelle      :       TAZ-online            >>>>>         weiterlesen

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