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DIE * WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 5. Juli 2021

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

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Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Fehlende Inhalte, Fußball und Delta. Ein modernes Männerbild, das Paradies für Klimaleugner und ein gepolsterter Fall. Deutschland zieht seine Truppen aus Afghanistan ab und Joachim Löw hört auf. Eine Woche voller Abschiede und Vorwürfe.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Paranoia-Schorsch hat Angst vor der „Tagesschau“.

Und was wird in dieser besser?

Guten Abend, das Wetter.

Ein österreichischer Medienwissenschaftler will im Buch von Annalena Baerbock Plagiate entdeckt haben. Die Grünen beklagen eine Rufmordkampagne gegen ihre Kanzlerkandidatin. Reden wir in diesem Wahlkampf irgendwann auch einmal über Inhalte?

„Ad rem“, sagt Schopenhauer; zur Sache! „Ad hominem“, gegen die Person, macht aber mehr Spaß. Das kann man auf der Website des „Plagiatsermittlers“ Stefan Weber ordern, von „kostenlosem Rückruf“ bis „Stundenhonorar 350 € für Lebenslauf-Screenings“. Weber hat eine österreichische Ministerin erlegt und Bundestagspräsident Lammert angefräst. Baerbock erlebt, dass man nur hochgeschrieben wird, damit es nachher schöner plumpst. Wer da überrascht guckt, ist neu im Geschäft. Noch heute ist Baron Guttenberg auch den Grünen ein schmieriger Schwindler, wo er – ad rem – die Wehrpflicht fräste, eine desorganisierte Berufsarmee in alle Welt schickte und mit Kriegsrhetorik verzierte. Wer nicht ad hominem holzen will, kann mit gutem ad rem vorangehen.

Ach ja! Am 1. Juli verstrichen 10 Jahre, seitdem die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Vermissen Sie sie?

Ich vermisse seinen hellsichtigen Blinddarm, den Zivildienst. 2,7 Mio. junge Männer leisteten für ein modernes Männerbild mehr als jede Joboffensive der Arbeitsämter. Allein der „Klebeeffekt“ – Jungs blieben in Berufen, die sie im Dienst lernten – schredderte sprechende Dummheiten wie „Krankenschwester“ und „Kindergärtnerin“. Das inverse Fräuleinwunder der alten Bundesrepublik.

Die Aussetzung der Kriegsdienstverweigerung ist eine zivilisatorische Selbstverstümmelung. Möchte jemand hier mal „Pflegenotstand“ dazwischenrufen? – Den Rest der Empörung kann man an die Union und Ministerin Kramp-Karrenbauer delegieren: „Bundesfreiwilligendienst“, „Dein Jahr für Deutschland“, „Freiwilliges Soziales Jahr“ – niedliche Bastelarbeiten am Unwillen gerade konservativer Zielgruppen, und am nach rechts verzerrten Recruitment einer Berufsarmee. Selten, dass sich fast alle einig sind, einen schweren gesellschaftlichen Fehler erbittert durchzuziehen.

Knapp 20 Jahre nach Beginn des Afghanistaneinsatzes sind die letzten deutschen Sol­da­t:in­­nen zurückgekehrt. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sieht den Einsatz als vollen Erfolg. War er das?

Manche Historiker erspüren Nachbeben des Dreißigjährigen Krieges bis ins Heute. Deutscher Föderalismus, die Kata­strophe des 20. Jahrhunderts, ein zerbrechliches Europa. Das ist gut 350 Jahre her. Afghanistan ist nun im 35-jährigen Krieg, Fragen Sie mich 2371 noch mal. Bis dahin, provisorisch: nein.

Deutschland ist raus bei der EM – und damit ist auch Jogi Löw nach 15 Jahren als Bundestrainer Geschichte. Haben Sie ein paar nette Worte zum Abschied für den 61-Jährigen?

Quelle       :      TAZ-online       >>>>>         weiterlesen

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