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RENTENANGST

Die Linke in München

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 17. Dezember 2013

Amigos blieben unter sich bei der Listenaufstellung

Da geht es „Hoch“ her auf Facebook nach der Listenaufstellung für die BewerberInnen in den Münchener Stadtrat und es fühlen sich wohl Einige von der MdB Gohlke über den, wie wir so schön sagen, Tisch gezogen.

Die Liste findet ihr >>>>> HIER <<<<<

Liebe Freund*innen,

mir fehlten bis eben die Worte, um meine Empfindungen nach der gestrigen „Aufstellung“ zu beschreiben. Eben habe ich auf Facebook ein paar Gedanken dazu in Worte gefasst, die ich Euch auch mitteilen möchte.

Anlass für den Aufsatz war ein Streit über die Motive einer Kandidatur und die Aufrichtigkeit der diesbezüglichen Erläuterung des Betroffenen.

Was ich so unsäglich enttäuschend finde, ist die Tatsache, dass es keinen Raum in der Partei für solche Diskussionen gibt. Stattdessen immer nur dieses Einerlei des 3-minütigen „Ich bin verheiratet, bei Verdi und Attac. Engagiere mich hier und da…“ Zur Kompensationen einer echten kontroversen, inhaltlichen Debatte, eines Streits um das Für und Wider, mit verschiedenen Meinungen finden dann Facebook-Gefechte statt.

Aber sie können eine offene Real-Time-Debatte niemals ersetzen. Und das ist im Hinblick auf die Tradition von Debatten in der Arbeiterbewegung ein jämmerlicher Rückschritt, sterbenslangweilig, von Missverständnissen durchtränkt und Konsolen Autismus geprägt.

Die eine Feigenblattfraktion klärt die andere Feigenblattfraktion über den Status ihrer Marginalität auf. Auf FB im ausgewählten Kreis kann dann mal gesagt werden, was wirklich bewegt. Ein fragwürdiges Ventil ohne Konsequenz und Bewegung. Aber nicht-virtuelle Konfrontation ist ja so anstrengend. Diesen Reflex habe ich auch. Es macht aber letztlich krank und verhaltensgestört.

Heutzutage werden Redebeiträge unterbrochen, weil die eine oder drei Minuten abgelaufen sind, nicht weil das Gesagte von fünf Vorredner*innen in der einen oder anderen Form bereits gebracht wurde. Drei Minuten für eine Bewerbung auf sechs lange Jahre Mandat, Aufwandsentschädigung und das Gesicht der Partei in der Öffentlichkeit ist allein schon ungeheuerlich. Dafür aber minutenlange hohle Lobeshymnen oder unverschämte Fragen/Unterstellungen.

Auf Menschen, die in dieser Hinsicht nicht konditioniert wurden, wirkt es kalt, teilnahmslos, ritualisiert und abschreckend. Dieses ritualisierte Spiel mag solang interessant sein, wie es neu ist und erprobt werden kann, wie gut -mensch selbst in dieser Disziplin ist. Ein echter Austausch ist so nicht möglich. Da ist allenfalls zu erahnen, welche Beweggründe oder welche analytischen Schlussfolgerungen die Grundlage für einen Redebeitrag oder eine Meinung bilden könnten.

So eine Art Speakers Corner oder Indemnität wie im Bundestag, dass wäre das Mindeste wenn Kommunikation und Konformität oder wenigstens Synchronizität erwünscht sind. Stattdessen werden Top-Down Disziplin (Wahlkampf) und Korporatismus (Zusammenhalt) wie ein Mantra vorgebetet, ohne dass die dafür notwendigen Grundlagen geklärt und darüber Konsens hergestellt wurde und zwar mit allen die darin eingebunden werden sollen. Aber das war schon in dieser unberechenbaren WASG lästig und wird in der Linken generell als Zumutung betrachtet.

Hinterzimmerzirkel sind zwar effektiver aber nicht besser als Threads in Foren. Nein, so wird das nichts, und die Kraft die da entstand, ist alles anderes als ein neues politisches Projekt. Es ist nur eine Austausch-Plattform für eine SPD Kultur, die bei den Konferenzen der SPD zum GroKo-Vertrag beobachtet werden konnte (siehe Anhang). Diese Debattenkultur kommt mir nur allzu bekannt vor. Gut, es ist vielleicht in der Linken noch nicht gar so abgeschmackt wie dort. Viel fehlt jedoch nicht.

Deswegen verstehe ich auch nicht, dass kürzlich wieder ein Genosse von uns in die SPD gewechselt ist. Weil es da authentischer ist, als die dilettantische Performance unserer kompetenzzertifizierten Spitzenfunktionär*innen, den Chargen der B und C Klasse?

Dagmar bekam nach Jahren, in denen sie sich vergeblich bemüht hatte, auf KMVs aktuell aus dem Stadtrat berichten zu können, bei der OB-Aufstellung/KMV erstmals ein Referat. Dabei kann Dagmar viel vorgeworfen werden, aber nicht dass alles was sie im Stadtrat tut kein solides analytisches Fundament hätte. Ich habe mich gelegentlich mit ihr über die Stichhaltigkeit der Analyse gestritten und war nicht immer der selben Meinung. Das Niveau dieser Auseinandersetzungen übertraf aber regelmäßig alles, was ich auf Parteitagen erleben musste. Dieses Wissen und die Analyse nicht mitteilen und zur Diskussion stellen zu können, ist das eigentlich Armseelige (entsprechende Texte im mitLINKS wurden vielleicht von fünf oder zehn Leuten gelesen. In fünf Jahren kamen vielleicht vier Leser*innenbriefe).

Es wollte nicht zur Kenntnis genommen und eine Auseinandersetzung sollte nicht geführt werden. Über den Haasenburg Skandal durfte Dagmar berichten. Ohne sie wüsste heute in München niemand, dass die Stadt München über Jahre regelmäßig Kinder/Jugendliche in diese Bootcamps geschickt hat. Dagmar ist bei den Recherchen auch auf ein autistisches Kind gestoßen, für das der Aufenthalt in einem geschlossenen Heim wie Folter gewesen sein muss. Die Haasenburg hat so viele Facetten und es tun sich solche Abgründe an neuzeitlicher Menschenverachtung (oder roher Bürgerlichkeit) auf, dass es mich erschüttert hat, wie wenig Interesse daran bestand. Es gab etwas höflichen Beifall. Bei der äußerst interessanten Veranstaltung die Woche darauf, waren im Publikum lediglich zwei Parteimitglieder unter den wenigen Gästen (siehe neues mitLINKS, demnächst hier). Die traumatisierten Jugendlichen hat es viel Überwindung gekostet dorthin zu kommen und von ihren Erlebnissen zu berichten. Ganz wunderbar und sehr einfühlsam war übrigens der Podiumsgast und Genosse Mehmet Yildiz aus der Hamburger Bürgerschaft. Zur Kenntnis haben es neben einem Traumapsychologen nur eine Hand voll Menschen genommen.

Sind Linke Mitglieder wie Bild-Leser*innen, dass sie insgeheim hoffen, dann vor diesen „kriminellen“ und „drogensüchtigen Kindern“ in Sicherheit zu sein, wenn dieser menschliche „Unterschicht-Abfall“ eingesperrt und hart diszipliniert wird?

Auch die exzellente Beilage „München solidarisch: Gute Arbeit – Soziale Stadt“ (ist online und nicht vom Titel irritieren lassen) die wir gemeinsam mit Orhan entwickelt haben und bei der besonders seine Mitarbeiterin Maren tolle Arbeit abgeliefert hat, gab es keine Reaktionen, Rückmeldungen aus bzw. Diskussionen in der Partei. Dafür haben sich aber immerhin gemeinnützige Träger und Verbände interessiert. Das ist doch das Verhalten einer hirntoten Masse und nicht einer politischen Partei! Klar steht die Essenz dann irgendwo im Kommunalprogramm, aber wurde dann eine der wichtigsten Grundlagen linker kommunaler Arbeit überhaupt nur vorgestellt? Nicken dann alle, weil sie das auch gut finden? Da gab es erhebliche inhaltliche Differenzen mit Kreissprecher Jürgen. Ist das nicht interessant oder wäre einer Diskussion würdig gewesen? Stattdessen wird eine Redaktion, die erste Glättung in der Programm AG vollenden und am Ende kommt vielleicht noch eine Frage oder ein Änderungsantrag auf der Programm KMV. Wer möchte mit mir wetten, ob das überhaupt geschehen wird? Sicher wollen an dem Tag alle schnell nach Hause. Funktionären*innen denen so was über die Lippen geht, sind eine Fehlbesetzung. Denn sie missachten die Arbeit vieler Stunden, die darin steckt sowie das Bedürfnis des Austauschs und der Erörterung. Wer das nicht will soll sehen, ob sie/er in einer der Kirchen nicht besser aufgehoben ist.

Erst jetzt, mit etwas Abstand, treten mir die Ungeheuerlichkeiten, ja die Zumutungen der letzten Jahre deutlich vor Augen. Im Hinblick auf das „Dossier“ muss ich im Wesentlichen feststellen: „mission accomplished“ beziehungsweise „target assimilated“.

Mit herzlichen Grüßen

XXXXXXXX   XXXXXXX

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Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten >>>>> weiterlesen

Fotoquelle: Fotoquelle: Die Linke Bayern / Creative Commons Lizens CC BY 2.0.

eigene Fotomontage DL

3 Kommentare zu “Die Linke in München”

  1. Resi sagt:

    Die Linke
    Kreisverband Aschaffenburg und
    bayerischer Untermain
    c/o Georg Liebl
    Hauptstraße 14
    63849 Leidersbach
    Telefon: 06028 / 977 83 03
    georg.liebl@fewo-wiesengrund. de
    Mobil: 0151 / 14 24 94 14

    Werte Genossinnen + Genossen
    des Bayerischen Untermains
    (von euch habe ich eine E-Mail-Adresse),

    hiermit gebe ich euch die nächste parteiöffentliche Kreisvorstandssitzung bekannt;

    Der Kreisvorstand trifft sich zu seiner

    Sitzung am Freitag, den 17. Januar 2014 um 17.00 Uhr in Leidersbach.

    Lokalität:
    Landgasthof „zum Hilar“, Ebersbacher Straße 49, 63849 Leidersbach (Nebenzimmer)

    Dies ist nicht der Normalfall.
    Wir sind dran, dass wir zukünftig in einer Aschaffenburger Lokalität tagen.

    Es war aber auf die Schnelle schwierig ein passendes Lokal zu finden, das auch noch zu dem von uns gewünschten Termin einen Raum frei gehabt hätte.

    Die geplante Tagesordnung wird noch bekanntgegeben.

    Ich wünsche euch/ihnen

    Ein frohes, besinnliches und friedliches Weihnachtsfest
    und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014,
    vor allem aber Gesundheit und viel Kraft, Mut und Ausdauer
    für den politischen Kampf in 2014.

    Mit solidarischen Grüßen

    Georg Liebl
    Kreisvorsitzender

    😀 😀 😀

  2. Resi sagt:

    Hochsaison der Narren beginnt erst später …

  3. Franziskus sagt:

    # 1

    Es ist das erste Mal seit der Gründung des KV Aschaffenburg, dass eine KMV ( aus der Einladung wird nicht deutlich ob es sich um eine Sitzung des Kreisvorstandes oder aller Mitglieder handelt ) außerhalb Aschaffenburg stattfindet. Leidersbach ist der Wohnort des Kreisvorsitzenden und ca. 20 km weit von Aschaffenburg entfernt.
    Für den alten KV gab es allen den Jahren nie ein Problem passende Lokalität für die Sitzungen des KV in Aschaffenburg zu finden.
    Es ist mehr als fraglich ob überhaupt Mitglieder des KV bei dieser Sitzung erwünscht sind.

    Die, die kein Pkw haben oder die Kosten der Fahrt scheuen, haben zwar die Möglichkeit mit Omnibus nach Leidersbach zu kommen, aber auch diese „Tour „ kostet 5,00 Euro für die einfache Fahrt.

    Es bleibt uns demzufolge kaum etwas anderes übrig als in Aschaffenburg eigene Treffen der Mitglieder zu organisieren um von solchen unliebsamen Überraschungen sicher zu sein.

    Mit sozialistischen Grüßen

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