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Die Künstliche Intelligenz –

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 2. Januar 2022

– imitiert Intelligenz nur. Trotzdem ist sie gefährlich

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Interview von Michael Wolf

Gaspard Koenig ging auf Weltreise, um zu erfahren, wie Technologie den freien Willen bedroht, wenn sie falsch eingesetzt wird. Er warnt: Wir Nutzer leisten dem Missbrauch durch unser Verhalten Vorschub.

Reisend erschließt sich Gaspard Koenig die Welt. Auf seiner Stute Destinada folgte er den Routen, die 1580/81 Montaigne von Bordeaux nach Rom geführt hatten; auf sein Buch Voyages d’un philosophe aux pays des libertés (dt. „Reise eines Philosophen ins Land der Freiheit“) folgt das nun auf Deutsch erschienene Werk Das Ende des Individuums. Reise eines Philosophen in die Welt der künstlichen Intelligenz.

Der französische Philosoph sprach hierfür mit mehr als 100 Forschern, Politikern, Aktivisten und Unternehmern über das Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

der Freitag: Herr Koenig, Sie rufen in Ihrem Buch dazu auf, Alexa, Amazons Sprachassistentin, zu beschimpfen. Warum das?

Gaspard Koenig: Alexa verfügt über eine Funktion, die gutes Benehmen belohnt und Kinder dazu erzieht, höflich zu sein. Das Programm reagiert nur, wenn Sie „Bitte“ sagen. Auf diese Weise werden Roboter vermenschlicht. Im 19. Jahrhundert waren Maschinen einfach nur Objekte, heute wird die Vorstellung verbreitet, man könnte mit ihnen sprechen oder sie hätten Gefühle. Ich sehe darin einen zivilisatorischen Rückschritt in animistische Zeiten.

Aber intelligent ist die künstliche Intelligenz doch schon?

Die KI ist nicht mit der menschlichen Intelligenz vergleichbar, sie imitiert sie nur. Ein Beispiel: Man liest oft Schlagzeilen wie: „Algorithmus schlägt Ärzte bei der Krebserkennung“. Das ist aber nicht korrekt. Tatsächlich wird ein Programm wie dieses mit Hunderttausenden Bildern von Tumoren gefüttert, die zuvor von Medizinern kategorisiert wurden. Ärzte haben die Krebszellen entdeckt, die Maschine identifiziert nur Unterschiede zwischen Bildern. Wer behauptet, das Programm wäre einem Arzt überlegen, verwechselt Kausalität, die der menschlichen Intelligenz eigen ist, mit der Fähigkeit zur Korrelation.

Und trotzdem wird die KI vielen Menschen ihre Jobs wegnehmen.

Diese Gefahr wird überschätzt. Man kann das Risiko im Übrigen gut kalkulieren. Es hängt davon ab, wie viel Gemeinsinn eine Tätigkeit erfordert. Gemeinsinn bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, etwas in seiner Gesamtheit wahrzunehmen. Die KI kann das nicht, sie fügt lediglich einzelne Sinnesdaten zusammen. Das ist etwas völlig anderes, so entsteht keine sinnvolle Wahrnehmung der Welt. Deshalb könnte eine KI zum Beispiel niemals kellnern, obwohl man für diesen Job keine besondere Expertise benötigt. Ein Kellner muss ständig wechselnde Situationen einschätzen und auf sie reagieren. Bei einem Gast mit ausländischem Akzent bietet er Hilfe mit der Karte an. Am Nebentisch bemerkt er, dass die Gäste ungeduldig werden und fragt in der Küche nach. Woanders bricht ein Streit aus, woraufhin er die Lage beruhigt. Eine KI könnte sich in dieser Umgebung niemals orientieren.

Worin liegt der größte Nutzen der KI?

Als Informationskatalysator kann sie in fast allen Feldern eingesetzt werden, Schreiben eingeschlossen. Sie verwirklicht damit Leibniz’ Traum vom universellen Rechnen. Wir sollten diese Technologien unbedingt nutzen und vorantreiben, solange sie nicht dazu dienen, das menschliche Verhalten zu manipulieren. Auf Waldspaziergängen nutze ich eine App, die Bäume nur anhand des Fotos von einem Blatt bestimmt. Das ist reine kollaborative KI in der ausgefeiltesten Form des Deep Learning. Millionen von Nutzern erhöhen mit den von ihnen vorgenommenen Bestimmungen die Genauigkeit der Ergebnisse. Ganz im Interesse des Wissens und der Biodiversität.

Sie sehen KI doch als Bedrohung?

Ich habe große Bedenken, was ihre kommerzielle Verwendung angeht. In den USA gilt in der Psychologie, der Verhaltensökonomie und der Neurowissenschaft als Konsens, dass es keinen freien Willen gibt, dass Menschen nicht fähig sind, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Und die Digitalkonzerne leiten daraus die Berechtigung ab, Menschen zu steuern und ihr Verhalten zu manipulieren. Die Leute wissen nicht, was sie wollen? Dann bestimmen wir einfach, was das Beste für sie ist. Die Nutzer selbst ermöglichen diese Bevormundung, indem sie ihre Daten abgeben. In China entscheiden Plattformen schon über ganze Existenzen, sie wählen Schulen und Studienfächer, Arbeitsplätze und Partner aus. Es ist sehr bequem, sich von diesem System leiten zu lassen. Doch man verliert dabei die Fähigkeit, für sich selbst zu entscheiden und ein vollwertiger Mensch zu sein.

Man könnte doch auch sagen, die KI unterstützt die Nutzer in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Die Daten enthüllen Wünsche, die man selbst nie so klar formulieren könnte.

Nehmen wir an, jeder würde im Alter von 18 Jahren eine KI damit beauftragen, den perfekten Partner zu finden. Das wäre das genaue Gegenteil von dem, was wir unter romantischer Liebe verstehen. Dazu gehört eine Entwicklung. Man verliebt sich, es geht nicht gut aus, man trennt sich, man hat mehrere schlechte Beziehungen, bereut frühere Entscheidungen und geht künftige anders an. Diese Ereignisse formen einen Menschen zu einer reifen, einzigartigen und eigenständigen Persönlichkeit. Freier Wille bedeutet Entscheidungsgewalt. Er ist nicht einfach gegeben, sondern erfordert beständige Anstrengungen.

Wie kann man seine Individualität schützen?

Ich zum Beispiel nutze zwar Google Maps, gebe aber meine Standortdaten nicht frei. Ich folge also nicht dem blauen Punkt und lasse mir auch keine Route anzeigen, sondern suche sie mir selbst. Auf diese Weise bewahre ich meine Entscheidungsgewalt. Ein Wissenschaftler, den ich in Berkeley getroffen habe, besiegt so jeden Morgen Google.

Wie das?

Er kennt die Straßen sehr gut und versucht jeden Tag weniger Zeit für seinen Weg zu benötigen, als Google Maps für die vorgeschlagene Route kalkuliert. Denn die App zeigt Ihnen nicht die beste Route für Sie an, sondern die beste für die Gesamtheit der Nutzer. Sie könnten schneller ankommen, wenn Sie ein Stück über die Umgehungsstraße fahren. Aber wenn die Verkehrsdaten ergeben, dass so ein Stau entstehen könnte, was die Fahrtzeit aller anderen Fahrer verlängern würde, schlägt Ihnen die App einen Umweg vor. Genau so funktionieren auch Dating-Apps. Ein sehr großer Anteil der Männer wünscht sich eine 23-jährige Frau als Partnerin, nicht älter, nicht jünger. Wenn die Plattformen lediglich diese dezidierten Wünsche berücksichtigen würden, bräche das System sofort zusammen. Die Algorithmen geben ihren Nutzern nicht, was sie haben wollen, sondern das, was im Interesse der Allgemeinheit ist. Deshalb werden die Plattformen als utilitaristisch bezeichnet. Sie wollen das Glück der ganzen Gruppe heben, nicht aber das Glück des Einzelnen.

Sie sehen das Individuum gefährdet. Aber handelt es sich nicht vor allem um ein ästhetisches Problem? Weil die KI die Welt so öde und gleichförmig macht?

Quelle          :      Der Freitag-online           >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —   Gaspard Koenig lors d’un colloque sur le revenu de base au Sénat – 19 mai 2015

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Unten        —       Bordeaux

Ein Kommentar zu “Die Künstliche Intelligenz –”

  1. Jimmy Bulanik sagt:

    Die künstliche Intelligenz stellt eine Gefahr dar. Deshalb ist es sinnig in die verschlüsselte Kommunikation zu Investieren. Wie dem TOR Netzwerk beispielsweise.

    https://donate.torproject.org

    https://tails.boum.org/donate/?r=topbar

    https://onionbrowser.com/donate

    https://play.google.com/store/apps/details?id=org.torproject.android&hl=de&gl=US

    https://play.google.com/store/apps/details?id=org.torproject.torbrowser&hl=de&gl=US

    Hier gibt es vom TOR Netzwerk ein Rechenschaftsbericht und Auskünfte für die Projekte der Zukunft.

    https://www.youtube.com/watch?v=mNhIjtXuVzk

    Dann begreifen die Menschen wofür sie ihr Geld für das TOR Netzwerk spenden.

    Was von Bedeutung ist in TOR Knotenpunkte Geld zu investieren. Die Kundschaft muss nur Geld haben. Die technische Arbeit können andere bewerkstelligen.

    https://www.zwiebelfreunde.de/contact.html

    Auch der Signal Messenger ist gut und es wert mit einer Spende zu unterstützen.

    https://signal.org/donate

    Die KI kann uns auch im Alltag unterwegs eine Gefahr sein in Verbindung mit einer Erkennungssoftware für das Gesicht und Körperbewegungen.

    Darum macht es Sinn Geld zu investieren in ganz schlichte Dinge wie in einer Kopfbedeckung, einer Sonnenbrille, einem Schal, FFP2 Masken, für Menschen mit einer Radtasche, Kraftfahrzeug etwas an Wechselkleidung ein neues Oberteil, Hose, Schuhe.

    Natürlich sollte ein Mensch das eigene Mobilfunktelefon für unterwegs richtig einpacken.

    https://shop.reporter-ohne-grenzen.de/detail/d/No-Signal-Handytasche/3

    Naturgemäß keine Smarte Armbanduhr am Handgelenk tragen.
    Sich zu organisieren und Proviant von Zuhause aus mitnehmen. Außer Haus mit Bargeld anstatt mit einer Karte zu bezahlen.

    Kein Konto bei einer Plattform wie Google, Fratzenbuch, Twitter usw. anmelden oder solch eines Kunden. Wir wurden nicht als Menschen geboren, um als ein Produkt des Überwachungskapitalismus zu enden.

    Die KI wäre der Traum der Geheime Staatspolizei, Heinrich Himmler gewesen.

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