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Die neue Blase am Markt

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 10. Januar 2014

FREITAGSCASINO VON ULRIKE HERRMANN

Die digitale Währung Bitcoin soll demokratischer sein als Geld. Das ist Unfug

Wie funktioniert Geld? Diese Frage beschäftigt die Menschen, seitdem es Geld gibt, also seit Jahrtausenden. Neuerdings gibt es eine weitere Variante, wie man Geld verstehen kann. Sie nennt sich Bitcoins. Wie der Name sagt, soll es sich um digitales Geld handeln, das durch komplizierte Algorithmen per Computer erzeugt wird.

Diese Bitcoins wurden 2009 erfunden, und im Internet kann man damit auch Computerspiele oder Designdienstleistungen kaufen. Trotz dieser eher eingeschränkten Nutzbarkeit haben es die Bitcoins zu großen Ehren gebracht: Die Bundesbank findet sie so bedrohlich, dass sie regelmäßig davor warnt. In dieser Woche hieß es wieder, Bitcoins seien „hochspekulativ“.

Wie richtig diese Einschätzung ist, lässt sich am Kursverlauf im Jahr 2013 erkennen. Anfangs kostete ein Bitcoin etwa 13 Dollar, sprang in wenigen Monaten auf 266 US-Dollar, und stürzte in nur einem Tag auf weniger als 100 Dollar ab. Im November stieg der Preis plötzlich auf mehr als 1.200 Dollar und reduzierte sich erneut auf 475 Dollar. Jetzt steht der Bitcoin wieder bei etwa 1.000 Dollar.

Ein Märchen, beliebt bei Linken

Selbst Aktien schwanken nicht so dramatisch, und Währungen schon gar nicht. Es stellt sich daher eine naheliegende Frage: Sind Bitcoins wirklich Geld?

Seine Schöpfer behaupten dies natürlich. Sie schwärmen von einer „demokratischen Währung“, die ihren Nutzern gehören würde. Nicht mehr der Staat oder die Banken würden das Geld kontrollieren – sondern gleichberechtigte Bürger an ihren Computern.

Das klingt so anarchisch-widerständig, dass Skepsis meist nicht aufkommt. Dabei wäre eine Frage: Wer kontrolliert die Bitcoin-Herstellung tatsächlich? Wer also kassiert die Seigniorage? Denn eine Seigniorage entsteht immer, sobald Geld kreiert wird.

Seigniorage stammt von Seigneur, dem französischen Wort für Herrscher. Im Mittelalter durften nur die Fürsten Geld prägen, und sie wussten schon damals ganz genau, wie man davon profitiert, dass sich die Funktion des Geldes nicht mit den Kosten seiner Herstellung deckt. Sie brachten Münzen mit geringem Edelmetall in Umlauf, die aber angeblich einen hohen Wert besaßen. Dieser Trick funktionierte, weil das gepanschte Geld seinen Zweck erfüllte: Man konnte dafür Waren kaufen. Wichtig an dem Geld war nicht, wie viel Silber es enthielt – sondern dass es nicht beliebig vermehrt werden konnte. Dies garantierte der Fürst.

 

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :    Ulrike Herrmann (2011)

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