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Schland in der Coronakrise

Erstellt von DL-Redaktion am Samstag 13. November 2021

Dumm-Land wird allenfalls aus Schaden klug

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Wer spricht schon im Dumm-Haus ?

Von Uli Hannemann

Wir stecken mitten in einer Coronawelle: Die Betten auf den Intensivstationen sind voll, das Pflegepersonal überlastet. War da nicht was? Die Überforderung mit der Pandemie wird langsam zur traurigen Tradition.

Und jährlich hustet das Seuchen­tier. Der Radiowecker weckt uns im November 2021 mit dem altbekannten Pandemielied „I Got You Babe“, und wir erleben ein krasses Déjà-vu.

Die Ereignisse des Jahres 2020 wiederholen sich in Dauerschleife: Im Sommer ist alles gut, die Menschen bewegen sich froh im Freien, die Inzidenz ist niedrig, die Leute sterben wieder vermehrt an Drogen, Softeis und Badeunfällen; die Virologen erinnern daran, sich für den Herbst zu wappnen, die Politik macht Urlaub. Im Spätsommer und Frühherbst mahnen die Mediziner verstärkt, die Politik wiegelt ab. Im Spätherbst sagen die Fachleute: „Wir haben es ja gesagt“, die Politik fragt: „Was denn?“. Im Winter resigniert die Wissenschaft und die Politik gerät in Panik. Also „same procedure as last year, Miss Sophie?“. Anlass für eine Bestandsaufnahme: Was ist gleich, was ist ähnlich, was ist anders als vor einem Jahr?

Dank der Impfungen gibt es bislang weniger Tote und Schwer­erkrankte als 2020, doch die Intensivstationen laufen voll. Und die Lage in den Krankenhäusern droht noch weitaus angespannter zu werden, da viele Pflegekräfte mittlerweile frustriert gekündigt haben. So ist es nur eine Frage der Zeit, wann clevere Checker wieder Bilder von leeren Betten in leeren Krankenzimmern posten: Seht her, ihr Bürger, alles Lüge; es ist noch jede Menge Platz auf den Stationen.

Platz ja, aber kein Personal. Und wo kein Personal, da keine Behandlung. Ein Bett ist erst mal einfach nur ein Bett. In einem Bett kann man schlafen, lesen und fernsehen. Man kann darin krümeln, vögeln und vor allem sterben. Um darin gepflegt zu werden, bedarf es zusätzlicher Hilfe.

Die wird zurzeit allerdings oft nur mit Murren in Anspruch genommen. Wo im November ’20 dankbare Patienten um Luft rangen, konzentrieren sich laut Aussagen von Ärzten und Pflegekräften nun statistisch zwangsläufig die schwierigen Charaktere: die Renitenten, die Unkooperativen, die Zweifler, die Ungeimpften.

Die Lernfähigkeit eines toten Meerschweinchens

Einige sterben mit einem Fluch auf den Lippen – das ist so wenig Grund zum Spott, wie wenn sich jemand totgeraucht, totgesoffen oder aus eigenem Verschulden mit dem Auto um den Baum gewickelt hat, sondern tragisch, überflüssig und dumm zugleich. Aber man kann die Leute ja nicht ein Leben lang rund um die Uhr betreuen oder in Heime für schwer erziehbare Erwachsene stecken.

In Spanien, Portugal, Italien – überall da, wo es harte Lockdowns und viele Tote gab – wird sehr konsequent geimpft, was sich vorteilhaft auf die Fallzahlen auswirkt. Nicht so aber in Dummland. Dort hat man die Lernfähigkeit toter Meerschweinchen. Dummland hat im bisherigen Verlauf der Pandemie relativ viel Glück gehabt, das Präventionsparadox in Verbindung mit geringer Frustrationsresilienz gerade auch der weniger Betroffenen (Schauspielerinnen, Großschriftsteller) stellt dieses Glück nun erneut auf eine harte Probe.

Denn in Dummland wird man allenfalls aus Schaden klug (Erster Weltkrieg), und das sehr langsam (Zweiter Weltkrieg) oder leider oftmals überhaupt nicht (AfD, Corona). Die heiße Herdplatte weist bei uns schon abgegriffene Stellen auf, den vorigen Winter hat man schlicht vergessen.

Wie vor einem Jahr bollert der Sensenmann auch heuer besonders laut an die Türen der Pflege- und Seniorenheime und holt sich Ungeboosterte und Vorerkrankte, wo er im Vorjahr unter völlig Ungeschützten mähte. Gevatter Tod trägt bunte Crocs. Gerade in der Altenpflege beträgt die Impfquote unter den Beschäftigten oft nur um die fünfzig Prozent. Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, freut sich dennoch, dass sich die Pflegenden „ihrer Verantwortung für die Patienten absolut im Klaren“ seien. Das ist ja schön, aber warum kommen sie dieser Verantwortung dann nicht nach?

Weil sie auf einmal entdeckt haben, was für wunderbar freie Menschen sie sind. Mit Grundrechten wird in diesem Land zwar traditionell gern nach Gutsherrenart verfahren, ob beim Thema Abtreibung, Staatsbürgerschaft, Asylrecht, Homo-Ehe oder Betäubungsmittel, doch daran hat sich stets nur eine Minderheit gestört. Plötzlich aber pochen alle auf ihr Recht zum Beispiel auf Nicht- und Fehlinformation, doch dahinter steckt lediglich verdruckster Trotz, der schnell dem üblichen Opportunismus Platz macht.

Dieses Jahr on top: die Grippe

Quelle          :       TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —        Olaf Scholz bei der SPD Regionalkonferenz zur Wahl des SPD-Vorsitzes am 10. September 2019 in Nieder-Olm.

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Unten       —     Moderne Karikatur.

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