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Deutsche Gastfreundschaft

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 25. September 2022

Zu Hause bei Feinden

Der Glaube soll ja selig machen !

Eine Kolumne von Samira El Ouassil

Deutschland hat ein neurotisches Verhältnis zum Begriff »Gast«: Es existiert hierzulande kein Recht, einer zu sein – aber stets die Pflicht, sich wie einer zu benehmen.

In meinem Land wird der Satz »Du bist hier Gast!« verwendet, um Menschen einzuschüchtern. Er wird von Personen benutzt, die anderen vermitteln möchten, dass sie Ärger bereiten und unerwünscht sind. Das Wort »Gast« soll an die Vorläufigkeit eines Status erinnern, daran, dass jemand nicht als vollwertiges Mitglied der deutschen Gesellschaft wahrgenommen wird.

Der bürokratisch deklassierende Begriff »Gastarbeiter« und die Wendung in »Du bist Gast in unserem Land!« bedeuten, dass andere Menschen nicht besonders, sondern andersartig sind – und auf keinen Fall hier zu Hause. Eine Ausnahme schien das offizielle Motto der WM 2006 »Die Welt zu Gast bei Freunden« zu sein, mit dem Fußballdeutschland seine überbordende Gastfreundschaft feierte – allerdings ist, wenn man mal genauer überlegt, die Logik doch etwas sportlich, dass dabei zwischen uns und der Welt unterschieden wird. In Deutschland ist also der ganze Planet nur zu Gast.

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