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RENTENANGST

Der Russe als solcher ist ein Oligarch

Erstellt von Gast-Autor am Mittwoch 3. Februar 2016

Der US-Amerikaner ist einfach nur reich

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dc/Tagesschau_logoen_2013-07-11_13-56.jpg

Autor: U. Gellermann
Datum: 01. Februar 2016

Sie haben schon lange nicht mehr gelacht? Das lässt sich ändern. Lesen Sie einfach den § 5 des NDR-Statsvertrages, der mit „Programmauftrag“ überschrieben ist: „Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.“ Das irre Gelächterwort ist „objektiv“ (unvoreingenommen, nicht von Gefühlen und Vorurteilen bestimmt). Die unermüdliche ARD-Beobachtungsstelle BRÄUTIGAM & KLINKHAMMER hat am Beispiel der TAGESSCHAU-Verarbeitung einer Oxfam-Studie über Superreiche erneut die „Objektivität“ der Nachrichtensendung als Täuschung entlarvt. Und während der Volksmund behauptet, Lachen sei gesund, bleibt einem bei der TAGESSCHAU das Lachen im Halse stecken.

Programmbeschwerde: Tagesschau-Propaganda mittels Wortwahl 62 Milliardäre
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/oxfam-studie-101.html

Sehr geehrter Herr Marmor,

wir waren perplex, als wir in der neuesten Ausgabe der NDR-Mitarbeiter-Zeitschrift „Wir im NDR“ in dem Gastbeitrag von Brigitte Baetz  „Ein Plädoyer für Qualität“ lesen durften:
„….Das Vertrauen in die Medien muss wieder hergestellt werden. Das heißt. dass mehr denn je auf Qualität – im Journalismus und in den Unterhaltungsformaten – gesetzt werden muss. Es muss recherchiert und eingeordnet werden statt nur der offiziellen Agenda der Politik zu folgen. Es braucht mehr nachhaltige Dokumentationen statt der reißerischen Anhäufung von Details schlimmer Ereignisse…“
Das hätte tatsächlich fast von uns sein können.
Der ARD-aktuell-Alltag ist von den Baetz-Erkenntnissen ja auch noch gänzlich unbelastet:
Das Internet-Produkt der Hauptabteilung ARD-aktuell, „tagesschau.de“ vom 18.01. 2016, veranlasst uns entsprechend zu einer weiteren Programmbeschwerde.
Natürlich ist es auch aus unser Sicht völlig korrekt, über die katastrophale Anhäufung privaten Vermögens einiger Super-Milliardäre zu Lasten – der oft hungernden – Weltbevölkerung zu berichten. Aber wie das so häufig bei ARD-aktuell geschieht, mit reißerischem Effekt, Unsachlichkeit, Irreführung, falschen Informationen und propagandistischer Tendenz, „ohne Einordnung und reißerisch“(B. Baetz).
Bitte richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den ersten Satz im Absatz gleich nach dem Vorspann:
„Oligarchen, Ölscheichs und Milliardenerben:“ (…)
Es wird der Eindruck erweckt, als bildeten diese drei Personengruppen das Gros der Superreichen, das ist aber sachlich  falsch, weil sie nur eine Minderheit darstellen. Mit keiner Silbe erwähnt ARD-aktuell, dass zwei Drittel der Super-Milliardäre aus den USA kommen.
Typen wie Bill Gates, Warren Buffett, die Kochs, Waltons, Mark Zuckerberg, George Soros und die Mehrheit der anderen Superreichen auf dieser Liste sind weder Milliardenerben noch Ölscheichs. Sie haben ihre Vermögen selbst zusamengerafft.
Irreführend – und damit verlassen wir den Kritikpunkt der Falschberichterstattung und werfen ARD-aktuell einen weiteren Fall von tendenziöser, manipulativer Berichterstattung vor – ist die Titulierung „Oligarchen“. Der Begriff assoziiert heutzutage in unserem Publikum sofort  „Russen“, denn nur von russischen Oligarchen ist in neuerer Zeit in unseren Mainstream-Medien immer wieder einmal die Rede. Friede Springer oder Liz Mohn als Oligarchinnen abzumalen, würde sich Dr. Gniffkes ARD-aktuell-Truppe sicher nicht getrauen, obwohl der Begriff nicht nur für diese beiden, sondern für gut hundert weitere deutsche Superreiche eine durchaus passende Charakerisierung wäre.
Dass sich unter den 62 von Oxfam zitierten Superreichen gerade mal eine Handvoll Russen und Chinesen befinden, fast zwei Drittel der Gelisteten US-Amerikaner sind und eine gute Dreiviertelmehrheit der Raffkes dem „Westen“ unserer ungerechten Welt entstammt, wird in dem Bericht unterschlagen.
Der propagandistische Zweck der manipulativen Wortwahl ist ersichtlich: Mal wieder Stimmungsmache gegen „den Russen“. Gegen Russland. Fein gesponnen … Ersichtlich ist hier die propagandistische Absicht, weil, wie bereits angemerkt, der ganze Satz zum Verständnis der nachfolgenden Information vollkommen unnötig ist.
Im englischsprachigen Original des Oxfam-Reports ist übrigens das Wort „Oligarch“ nicht zu finden. Auch das abfällig konnotierte „Ölscheich“ nicht, realiter handelte es sich ohnehin nicht um Scheichs, sondern um Emire, Sultane bzw. (Saudi-Arabien) um Könige. Nicht einmal von „Milliardenerben“ ist im Oxfam-Report die Rede.
http://www.oxfam.org.uk/media-centre/press-releases/2016/01/62-people-own-same-as-half-world-says-oxfam-inequality-report-davos-world-economic-forum?intcmp=HPWWLWP_grid_davospr
Unzweifelhaft ist die Absicht der Redaktion, die genannte Personengruppe aus dem bösen Osten und dem kriegerischen Orient in den Vordergrund zu stellen, um – in propagandistischer Extraleistung –  die Mitverantwortlichen für den nach Dollarmilliarden bemessenen Erfolg der viel bedeutenderen westlichen „Wertegemeinschafts- Raffkes“ sorgfältig aus dem Blickfeld zu halten: Es sind die politischen Handlanger dieses Geldadels, die mit Auftragsbotschaften abgefüllten Präsidenten, Ministerpräsidenten, Kanzler/Kanzlerin, Finanzminister, deren Steuerpolitik den exzessiven Raubzug der Superreichen erst ermöglichte. Information hat nach dem Verständnis von ARD-aktuell offenbar nichts mit Aufklärung als dienlich zu unabhängiger Meinungsbildung zu tun sondern alles mit einer Wahrung der transatlantisch verbogenen Optik.
Wir betonen es noch einmal: Wir empfinden kein Bedauern, wenn ARD-aktuell den Superreichtum und das von ihm verschuldete Elend der Armen skandalisiert. Wir bedauern nur, dass die Empörung des Publikums absichtlich in eine diffuse Richtung gelenkt wurde.

Wir bitten um Prüfung

Höflich grüßen
F.Klinkhammer & V. Bräutigam

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Grafikquelle :     User:Sogndal 123Eigenes Werk

Ein Kommentar zu “Der Russe als solcher ist ein Oligarch”

  1. exespenhainer sagt:

    Diese Einseitigkeit liegt vielleicht daran, dass „der Russe als solcher“ früher ein lupenreiner Kommunist und Antifaschist war. Herr Putin, ehemals KGB, soll schon einige Milliarden schwer sein .Das reizt, während der US-Amerikaner als solcher schon immer Kapitalist war und mit linken Ideen wenig am Hut hatte und hat.

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