DER ROTE FADEN
Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 10. Februar 2019
Als Theresa May zu den Fehlfarben tanzte
Durch die Woche mit Johanna Roth
Diese Kolumne erreicht Sie aus dem sogenannten Homeoffice, und zwar aus besonderem Anlass: Das Recht darauf, von zu Hause aus zu arbeiten, will die SPD jetzt gesetzlich verankern, als einen der Bestandteile des neuen sozialpolitischen Reformpapiers, das an diesem Wochenende vom Parteivorstand beschlossen werden soll. Tolle Sache, da hab ich doch gleich mal zugegriffen und exklusiv für Sie getestet. Und was soll ich sagen? Bis jetzt ist die Erfahrung durchweg positiv. Das Telefon klingelte genau nullmal, ich weiß jetzt, wann die beste Zeit ist, um beim Bäcker an der Ecke warme Brötchen zu erwischen, und auch, wer der Mistkerl ist, der seit einiger Zeit meine Balkonpflanzen ausbuddelt, um sie dann samt einem ordentlichen Schwung Erde auf die Straße runterzuschmeißen (kann man Krähen eigentlich essen?).
Die Wahl des passenden Outfits zum Tag fällt zwar nicht eben leichter als sonst (Hosenanzug? Trainingsanzug? Schlafanzug?), dafür kann man sich in der Cafeteria so viele Kekse zum Kaffee nehmen, wie man will, ohne dass die Kollegen komisch gucken, und nebenbei auch noch das Kind/den Hund/das frisch gestochene Tattoo in Ruhe versorgen. Habe nur noch nicht ganz verstanden, wie sich die SPD das für die vielen Krankenpfleger*innen und Handwerker*innen vorstellt, die sie irgendwann mal wieder wählen sollen, aber da hat man vielleicht eine ähnlich kreative Idee im Hinterkopf wie die, das Konzept, mit dem wir Hartz IV „hinter uns lassen“ (Andrea Nahles), in schönster Analogie zur Agenda 2010 „Sozialstaatsreform 2025“ zu nennen.
Die SPD-Vorsitzende ist derzeit noch weniger zu beneiden als ohnehin schon. Ihre Woche begann denkbar schlecht, weil zuerst zwei der Hauptverursacher der ganzen SPD-Misere Nahles „Amateurfehler“ und Mangel an ökonomischer Kompetenz (Gerhard Schröder im Spiegel) vorwarfen und zweitens Hubertus Heil nun das Sozialministerium „auf Kurs [bringt], das noch vor zwei Jahren die Grundrente gemeinsam mit dem Kanzleramt verhindert hatte“ (Sigmar Gabriel auf Twitter). Vor zwei Jahren hieß die Ministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles und galt noch als Parteilinke, und dass ausgerechnet diese Frau gemeinsam mit einer CDU-Kanzlerin ein soziales Rentenkonzept, das Altersarmut tatsächlich verhindern könnte, aktiv versenkt – daran dürfte nicht mal Schröder glaubt haben, der eine durchaus muntere Fantasie zu haben scheint, mutmaßte er doch im Spiegel auch, dass Wladimir Putin ja selbst der Meinung sei, das könne nicht so weitergehen mit Korruption und dem Fehlen von Rechtsstaatlichkeit
Nein, mit konstruktiver Kritik hat die Schröder-Gabriel-Nummer nichts zu tun. Es ist vielmehr eine weitere Aufführung des immer wieder gern vor möglichst großem Publikum gegebenen Zweiakters „Ein Mann scheitert und mobbt dann aus der politischen Bedeutungslosigkeit heraus die Frau, die versucht, das Ganze wieder zu richten“.
Quelle . TAZ >>>>> weiterlesen
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Grafikquellen :
Oben — Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs