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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 7. Februar 2023

Scholz durch Südafrika, FPÖ und Bali – Wien ist immer noch Wien

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Durch die Woche mit Hasnain Kazim

In Brasilien steht Scholz bedröppelt da, Gottfried Waldhäusl von der FPÖ gibt sich fremdenfeindlich – und die Letzte Generation ist geflogen.

Frau Dr. Bohne, meine Hündin und Assistentin, fragt mich: „Was bedeutet eigentlich der Spruch ‚Gute Miene zum bösen Spiel machen‘?“ Ich antworte ihr: „Es bedeutet, etwas Unangenehmes notgedrungen und widerwillig hinzunehmen, ohne es sich anmerken zu lassen.“ Bohne ist irritiert. „Warum sollte man so etwas tun?“, fragt sie. Das war mir klar, dass sie das nicht versteht. Impulskontrolle ist nicht so ihr Ding. Menschen haben das besser drauf als Hunde.

Olaf Scholz zum Beispiel. Ich erzähle ihr, dass der deutsche Bundeskanzler diese Woche auf Südamerika-Tour war. Dort traf er unter anderem den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Der Brasilianer schien bald ein Jahr nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine immer noch nicht ganz kapiert zu haben, wer schuld an diesem Konflikt ist. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte Lula allen Ernstes: „Ich habe nicht ganz verstanden, wer diesen Krieg angefangen hat.“ Scholz stand ziemlich bedröppelt da. „Bedröppelt?“, fragt Bohne. „Ja, bedröppelt. Das sagt man so, wenn man unerwartet in Verlegenheit gebracht wird.“

Jedenfalls machte Scholz da gute Miene zum bösen Spiel. Er beschwor, und das wirkte dann etwas bizarr, ständig eine „klare gemeinsame Haltung“ Deutschlands mit Brasilien und umarmte Lula umso herzlicher. „Warum tat er sowas?“, will Bohne wissen. „Ganz einfach: Scholz will Fortschritte beim Freihandel, außerdem sucht Deutschland neue Rohstoffquellen, und deshalb musste das Treffen unbedingt ein Erfolg werden, Ukraine hin, Russland her.“ Bohne staunt. „Ihr Menschen seid wirklich merkwürdige Wesen“, sagt sie. „Fast möchte ich sagen: charakterlos.“

„Den Eindruck kann man in der Tat haben“, antworte ich. Ich erzähle ihr von dem österreichischen Politiker Gottfried Waldhäusl von der in Teilen rechtsextremistischen FPÖ, der diese Woche in einer Talkshow von einer Schülerin gefragt wurde, wie er eigentlich die Schließung der EU-Außengrenzen bewerkstelligen wolle, was die FPÖ ständig fordere.

Was für a deppata Oasch

„Wenn Sie Ihre Maßnahmen schon vor Jahren umgesetzt hätten, würde die Hälfte dieser Klasse das Gymnasium in Wien heute nicht besuchen. Was sagen Sie dazu?“, fragte die Schülerin. Waldhäusl antwortete: „Wenn das schon lange geschehen wäre, dann wäre Wien noch Wien.“ Bohne schaut mich schockiert an. „Was für a deppata Oasch, Volltrottl, bleeder“, sagt sie und lässt die Wienerin raushängen. „Und wieder ‚gute Miene zum bösen Spiel‘?“

„Nein, zum Glück nicht“, sage ich. Und zähle auf, dass doch Menschen aus allen Richtungen diesen Typen kritisiert haben: Seine Aussage sei rassistisch, menschenverachtend, eine Unverschämtheit, vor allem und gerade gegenüber einer Schülerin, der Typ sei untragbar und spreche Menschen mit Migrationsgeschichte pauschal die Existenzberechtigung in Wien ab. Eine konservative Ministerin sagte, sie sei „fassungslos“. Ihr fehlten „eigentlich die Worte“, weil sie das „an die dunkelsten Kapitel in der Geschichte dieses Landes“ erinnere. Ich sage zu Bohne: „Eine gute Miene hat da zum Glück niemand gemacht.“

Qielle       :       TAZ-online          >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben        —     Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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