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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 1. November 2022

Twitter und Aufmerksamkeit: Weltrettung wird nicht getwittert

Roter Faden Hannover rote Zusatzmarkierung.jpg

Durch die Woche mit Ariane Lemme

Die Bad Boys der Welt beherrschen das Spiel der negativen Aufmerksamkeit. KlimaaktivistInnen ziehen jetzt nach mit Kartoffelbrei – gut so!

Heute Morgen war ich kurz versucht, mal wieder bei Twitter vorbeizuschauen. Es war die sensationslustige Stimme in meinem Kopf, die, im Kreis tanzte und rief: Elon Musk ist jetzt Chef, mal gucken, wie abgeknallt es da jetzt zugeht! Allein sein überall zitierter Tweet „the bird is freed“ – der Twitter-Vogel ist befreit – hat mich so aufgeregt, dass ich, wie nach dem ersten köstlich-fettig-knusprigen Chip, sofort mehr wollte.

Hab’s dann aber doch gelassen, erstens hätte ich mir ein neues Passwort überlegen müssen, zweitens las ich das Kleingedruckte: Die Plattform müsse „warm und einladend für alle“ sein, schrieb Musk. Och nö, gähnte die Stimme und drehte sich nochmal um. Und erinnerte sich dann auch schnell wieder daran, dass genau dieser koffeinhigh-ähnliche permanente Erregungszustand – oh – jemand ist genau meiner Meinung!; iih – jemand ist komplett irrer Meinung – mich ja vor ein paar Jahren überhaupt erst müde aus dieser Voliere namens Twitter hatte schleichen lassen.

Bislang war es ja so, dass vor allem die Falschen – im Sinne von natürlichen politischen Gegnern von Linken, Liberalen, Liebevollen – das Prinzip verinnerlicht hatten, dass negative Aufmerksamkeit gute Aufmerksamkeit ist. Trump hat damit immerhin eine Wahl gewonnen, Netanjahu steht mit einem Bein beinahe im Knast und gewinnt bald vielleicht noch eine Wahl – die Liste von Leuten, über die medial wenig Gutes gesagt wird und die trotzdem triumphieren, lässt sich beliebig verlängern.

Klar, Trump, Netanjahu, all die Bad Boys der Politik vertreten halt auch einfach die Interessen ihrer Wähler. Aber das Spiel, auch noch so begründete und berechtigte Kritik für sich zu verwandeln, haben sie trotzdem besser drauf als Grüne, Linke und Sozis zusammen. Ich hab nie ganz verstanden, wie der Trick funktioniert, die Bad Boys aber oft darum beneidet.

In die Erregungsfalle getappt

Ziemlich gut also, dass es jüngere und smartere Leute gibt als mich, die den Trick einfach anwenden, statt ihn psychologisch nur ergründen zu wollen. Ich gebe zu, erst bin ich wieder in die Erregungsfalle getappt, fand es ein bisschen blöd, ausgerechnet Kunst mit Kartoffelbrei zu beschmieren. Warum nicht lieber ganze Straßenzüge parkender Autos? Die Kunst kann doch nun wirklich nichts dafür. Wieder also hab ich nur aus meiner eigenen politischen Anschauung heraus gedacht.

Dabei ist es doch brillant. Kunst und Natur sind schließlich die unveräußerlichen ideellen und materiellen Werte, die allen und keinem gehören. Quatsch ist deshalb die Kritik von links an den Aktionen von Letzte Generation und Co, Museen seien elitäre Orte und Kunst den Unterprivilegierten ohnehin schnuppe.

Ja, Sammler kaufen Kunst für unfassbare Summen – aber eben um sie zu zeigen, sie zu pflegen und für die Nachwelt zu bewahren, fast nie, um sie in ihren Wohnzimmern verstauben zu lassen. Gehören im tieferen Sinn tun sie – wie die Natur – natürlich der Menschheit selbst. Deshalb stimmt es halt auch nicht, dass dieses Gemälde nichts mehr wert sei, „wenn wir uns um Essen streiten müssen“, wie eine der Aktivistinnen sagte (Deshalb achten sie ja auch darauf, dass den Werken nicht wirklich etwas passiert).

Tauglicher Protest

Quelle        :       TAZ-online           >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben        —     Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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