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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am Dienstag 8. September 2020

Macht, was ihr wollt, aber macht was

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Durch die Woche mit Adriane Lemme

Der Tod des US-Anthropologen David Graeber gibt zu denken: Schlägt das Pflegen Alter bei der Frage nach sinnvollen Tätigkeiten nicht das Schreiben?

Diese Woche musste ich mal wieder viel über Bullshit-Jobs nachdenken. Und das nicht erst, seit am Donnerstag bekannt wurde, dass der Autor des gleichnamigen Buchs, David Graeber, mit nur 59 Jahren verstorben ist. Der US-Ethnologe und Occupy-Aktivist hatte als Bullshit-Jobs all jene bezeichnet, bei denen derjenige, der ihn ausübt, sich insgeheim denkt: Es gibt keine Existenzberechtigung für meine Tätigkeit.

“Wenn Sie glauben, dass die Welt ohne Ihre Tätigkeit gleich oder sogar etwas besser wäre – das ist ein Bullshit-Job.“ Dafür müsse er weder unangenehm, schlecht bezahlt und ohne Status sein, oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Das kann man nun natürlich auf alle Jobs anwenden, die auch ein Algorithmus stemmen könnte, die keinen Mehrwert schaffen, die nur repräsentativ sind. Die jedes noch so nutzlose System nur perpetuieren.

Man kann es aber auch gut auf meinen Job anwenden, auf meine ganze Branche. Das zumindest war mein Gefühl diese Woche. Welchen Zweck hat denn all das Recherchieren und bedachte Meinen, das Ausgraben, Abwägen und Kommentieren, wenn sich dann doch Zehntausende mitten in der Pandemie ohne Mundschutz zusammenrotten.

Wenn einige von diesen Zehntausend glauben, Putin sei die bessere Alternative zu Merkel, und andere, dass ein deutscher Kaiser für Menschlichkeit steht, und die Dritten übelsten antisemitischen Irrsinn verzapfen, fällt es mir schwer zu glauben, dass unser Job als Journalisten mehr schafft als den Bekehrten zu predigen. Arbeiten wir nicht nur für die Echokammer? Denn klar, Ihnen muss weder ich noch sonst jemand erklären, was für ein Quatsch das alles ist – und die anderen halten es alles eh für nichts als Lügen.

Die Leere starrt zurück

Die Welt, dachte ich also diese Woche, wäre wohl besser dran, wenn ich Menschen, die es selbst nicht können, den Hintern abwischte oder ein paar Alte besuchte, die einsam sind, statt zu glauben, dass eine linke Zeitung irgendjemanden erreicht außer Linken. (Verdienen würde ich dabei, by the way, auch kaum weniger.) Ich starrte also in die Leere meines Seins und also ins Internet, nur um festzustellen, dass die Leere zurückstarrt:

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Selbst ein Favorit im Rennen um das Jugendwort des Jahres – erstmals nicht von alten Langenscheidt- und Pons-Weisen ausgegraben, sondern angeblich tatsächlich von Jugendlichen selbst gewählt – atmet den Geist der unerträglichen Sinnlosigkeit des Seins. Es ist, so las ich auf zett: „Mittwoch“ – in Anspielung auf das Mittwochsfrosch-Meme, das – uralte Geschichte also – 2014 jemand auf Tumblr hochgeladen hatte und das später vom Youtuber Jimmy Here aufgegriffen wurde.

Quelle       :       TAZ          >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben         :          Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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