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RENTENANGST

Der Gewinner der Krise

Erstellt von Gast-Autor am Donnerstag 13. Oktober 2011

Der autoritäre Kapitalismus ist der Gewinner der Krise

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Ein großes Problem in der Partei DIE LINKE: Sie gibt auf den im folgenden Interview gestellten Fragen eine autoritäre Antwort. In der westlichen Gesellschaft gibt es seit 1989 einen radikalen Schwund emanzipatorischer Kräfte, in der Partei DIE LINKE sind diese eine verschwindende Minderheit, die dennoch gefürchtet, denunziert, bekämpft und vor allem ignoriert wird. Die Sozial-Autoritären und deren WählerInnen (innerparteilich und gesellschaftlich) sind überwiegend Vertreter der „Normalverdiener“, heute die Zukurzgekommenen, die Aussortierten, die immer noch um die Gabe „ihres angestammten Kuchenstücks“ im System und durch das System betteln, hingegen die „verworfenen Leben“ vertritt niemand, sie versinken in Depression und Lethargie oder sie verbrennen in den Strohfeuern ihrer Gewaltausbrüche…

Hier das Interview von ZEIT ONLINE:

„Der autoritäre Kapitalismus ist der Gewinner der Krise“

Der Philosoph Slavoj Žižek ist einer der wortgewaltigsten Kritiker des Kapitalismus. Im Interview erzählt er, warum er wenig von den Protesten in London und Madrid hält.

ZEIT ONLINE: Herr Žižek, leben wir „in der Endzeit“, wie der Titel Ihres letzten Buchs, dem bislang nur auf Englisch erschienenem Buch Living in the End Times, suggeriert?

Slavoj Žižek: Ich enttäusche Sie jetzt wahrscheinlich: Ich bin kein linker Triumphalist, der eine perverse Lust aus Leid zieht. Wenn ich in meinem Buch von „Endzeit“ spreche, geht es mir nicht um einzelne Katastrophen. Es geht mir um die Krise des globalen Kapitalismus aus der Perspektive einer Kritik der politischen Ökonomie. Auf verschiedenen Ebenen – Ökologie, Biogenetik, intellektuelles Eigentum und neuen Formen von Apartheid – steuern wir auf einen Nullpunkt des Kapitalismus zu. Die größte Utopie ist heute, dass wir dieses System mit ein paar kosmetischen Veränderungen unendlich lange aufrechterhalten können.

Worin besteht die augenblickliche Krise des Kapitalismus?

Da der Kapitalismus heute keinen äußeren Feind mehr hat, stößt er an seine inneren Grenzen. Dies geschieht vor allem im Hinblick auf die Frage der Ökologie und die des intellektuellen Eigentums. In beiden Bereichen wird das Privateigentum als universelles Prinzip infrage gestellt. In beiden Bereichen sind wir mit Gemeingütern konfrontiert, die sich nicht in diesen Kategorien denken lassen. Bei Luft und den Meeren zum Beispiel ist das offensichtlich, aber auch in Computernetzwerken finden sich ähnliche Phänomene. Dort handelt es sich fast um klassischen historischen Materialismus. Die Produktionsmittel haben sich gewandelt und erfordern neue gesellschaftliche Modelle.

Sind die Unruhen in London ein Teil der Suche nach neuen Modellen jenseits des Kapitalismus?

Nein, ganz bestimmt nicht. Ich teile da auch nicht die Bigotterie vieler Linker, die im selben Atemzug die Gewalt verdammen, in dem sie für Verständnis für diese Leute werben – etwa was soziale Ursachen anbelangt. Nein. Was man hier sieht, ist genau die post-ideologische Gesellschaft, wie die Neoliberalen sie so gerne wollten. Zygmunt Bauman war auf dem richtigen Weg, als er von der Randale unbrauchbarer Konsumenten sprach. Es handelt sich um enttäuschte Konsumenten, die einer perversen Form des Konsums, einem Karneval der Zerstörung, nachgehen. In viel schlechteren Situationen haben es Menschen geschafft, sich politisch zu organisieren, was hier vollkommen misslang.

Quelle: Zeit Online >>>>> weiterlesen

Hierzu einige Gedanken aus einen Papier von autonomen Studenten der HUB:

„(1) Worin unterscheiden sich die Farbenparteien (Schwarz, Rot, Grün, Röter, Gelb, Braun)? Erkennen wir Entgegengesetztes oder nur Differenzen im Immergleichen (vgl. Han)?

(2) Wäre eine „andere Politik“ überhaupt möglich – unter den Sachzwängen der Forderungen des Wählerklientels nach Bestandssicherung und Immer-mehr-haben-wollen, unter der globalen Standortkonkurrenz und der Staatsverschuldung resp. den rechtsstaatlichen Verpflichtungen? – wie würde ein AutS-Kabinett regieren können?

(3) Wer regiert wen? Regiert das Politische die technisch-kapitalistischen Verhältnisse oder regieren die technisch-kapitalistischen Verhältnisse das Politische? (vgl. Heidegger)

(4) Wenn aber die technisch-kapitalistischen Verhältnisse nicht regierbar sind, welchen „Sinn“ hat dann Politik?

Und schließlich die entscheidende Frage:

(5) Kann es neben der „system-kompatiblen Politik“ (also einer Politik, die aus der Seinsvergessenheit kommt) so etwas wie eine „Seinspolitik“ geben?

Das wäre eine Politik, die aus der Erinnerung an das Sein kommt; eine Politik, die sowohl das Seiende als solches (Welt und Erde) in Obhut nimmt, als auch das Sein als solches hütet. Wäre eine Politik des Seins die Anwendung einer Philosophie, die das Unmögliche denkt? (vgl. Heidegger und Han)

(6) Und wenn ja, wie würde eine solche unmögliche „Politik des Hütens, Schonens, Lassens und Wachens“ den Alltag verändern?

Wir könnten das  thematisieren, zumal sich die  Frage bald erneut stellen wird und zwar so: „Wen wählst Du im September 2013 am Tag der Bundestagswahl?““

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