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Das Stigma Antisemitismus

Erstellt von Gast-Autor am Dienstag 19. Mai 2015

Wer Antisemit ist, bestimmt der Mainstream

File:Bundesarchiv Bild 133-075, Worms, Antisemitische Presse, "Stürmerkasten".jpg

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Mai 2015
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Buchtitel: Rufmord – Die Antisemitismus-Kampagne gegen Links
Buchautor: Wolfgang Gehrcke
Verlag: PapyRossa

Das ist das Bequeme am Antisemitismus-Vorwurf: Er muss nicht belegt, nicht argumentiert werden. Auch die Kritik am Staat Israel ist in der deutschen Öffentlichkeit durchweg als Antisemitismus eingeordnet. Beweise für den Vorwurf? Die braucht der gewöhnliche Redakteur, der übliche Politiker nicht. Es reicht aus, das Wort Antisemit zu benutzen, und der so stigmatisierte ist erledigt. Das weist der LINKEN-Abgeordnete Wolfgang Gehrcke gründlich nach, wenn er in seinem Buch „Rufmord – Die Antisemitismuskampagne gegen Links“ sorgsam die Vorwürfe mit den Fakten vergleicht und unter den vielen Anwürfen auch jenen gegen Oskar Lafontaine findet – dem von Dieter Graumann, einem Funktionär des jüdischen Zentralrates – „krankhafte“ Feindseligkeit gegen Israel vorgeworfen wurde. Dass der Graumann mit dem Wort „krankhaft“ die Sprache der Nazis benutzte, fiel der allgemeinen Öffentlichkeit einfach nicht auf.

Die wohl berühmteste jüngere Antisemitismus-Vorwurf-Kampagane zitiert Gehrcke, wenn er an den „Fall“ Günter Grass erinnert, der vor dem atomaren Erstschlag der Regierung Netanjahu gegen den Iran warnte und dafür monatelang auf der Antisemitismus-Bestseller-Liste des kompletten Medienmainstreams stand. Auch weniger Prominente gerieten auf diese Liste: Jakob Augstein, der zum lupenreinen Antisemit gemacht wurde, auch weil er Günter Grass verteidigt hatte und Gehrcke selbst, der von Christian Bommarius in der „Berliner Zeitung“ zum „Gesinnungsgenossen“ des „rechten Mob“ gestempelt wurde, weil er mit Ken Jebsen einen Aufruf der Friedensbewegung unterzeichnet hatte. Und Jebsen sei nun mal Antisemit. Der ist zwar keiner, aber warum soll man etwas beweisen, was sich schon durch die einfache Behauptung beweist.

Es war die deutsche Linke, so erinnert Gehrcke, die historisch mit den Begriff „verjudet“ gebrandmarkt wurde. Das Wort vom „jüdischen Bolschewismus“ war lange virulent, wurde dann aber im westlichen Nachkriegsdeutschland aus Rücksicht gegenüber dem Bündnispartner Israel eingemottet. Bis es in den 80ern durch den Historiker Ernst Nolte wiederbelebt wurde. Was aus der heutigen, umgedrehten Vorwurfslage vollständig ausgeblendet wird, ist die Tatsache der Nazi-Rettungs-Aktion in der jungen Bundesrepublik, die den praktizierenden, den mörderischen Antisemiten das soziale Überleben in der Justiz, in den Geheimdiensten und der Politik ermöglichte. Der Nazi-Kanzler Kiesinger und der Nazi-Bundespräsident Carstens verschwinden hinter dem dreckigen Vorwurf gegen die Linke fast völlig.

Zwar stellt die Studie von Werner Bergmann vom „Zentrum für Antisemitismusforschung“ fest, dass Antisemitismus bei Linken nur unterdurchschnittlich anzutreffen ist. Aber was soll solchen verblendeten Linken-Hassern wie Volker Beck von den GRÜNEN schon die Wissenschaft, wenn er auf dem Halstuch einer linken Abgeordneten, das den nahen Osten zeigte, die israelischen Grenzen nicht erkennen konnte und der interessierten Öffentlichkeit deshalb meldet: „Israel ist dort bereits verschwunden!“ Dass man genau dieses Tuch überall in Israel kaufen kann und die Grenzen fehlen, weil der Staat Israel seine Grenzen nun mal nicht festlegen will: Was soll´s. Kaum hatte die falsche Beck-Behauptung die Öffentlichkeit erreicht, wurde sie zur anerkannten Wahrheit: Wer Antisemit ist, bestimmt der Mainstream.

Längst hat der bequeme Antisemitismusvorwurf gegen die Linken auch die LINKE selbst erreicht. Der Berliner Chef der LINKEN-Landespartei, Klaus Lederer, behauptete jüngst, dass zwei Unterzeichner der Aktion „Friedenswinters“ eine Nazi-Nähe haben. Das „bewies“ er mit zwei entstellten Zitaten. Und lieferte so eine gründlich gefälschte Steilvorlage für jene Medien, die ganz sicher nicht mit der Linkspartei befreundet sind. – Eine besonders anrührende Stelle findet sich in Gehrckes Buch, wenn er über die emotionale Auswirkung der Antisemitismus-Beschuldigung berichtet: „Sie macht hilflos und drängt dazu, sich zu verteidigen, zu rechtfertigen, wohl wissend, dass das gänzlich sinnlos ist“. Dass es Wolfgang Gehrcke – der in den 70er Jahren mit an der Spitze der linken Aktionen gegen die antisemitische NPD stand – mitten ins Herz trifft, wenn ausgerechnet solche wie er als Antisemiten bezeichnet werden, ist mehr als verständlich. Vielleicht deshalb schließt er sein Buch mit den Worten: „Antisemitismus und Antikapitalismus schließen sich aus wie Wasser und Feuer.“

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2 Kommentare zu “Das Stigma Antisemitismus”

  1. Helga Mense sagt:

    Wieder so ein armer Hungerleider welchen die Diäten die das Volk für
    seinen Platz im Bundestag bezahlt nicht ausreicht. Wagenknecht, Gehrcke usw. – alles Linke welche nur zum Abschröpfen der Steuerzahler dort sitzen.
    Geld, Geld, Geld, wo ist der Unterschied zur CDU oder SPD ?
    Die bezahlte Arbeitszeit wird zum Schreiben von Büchern benutzt und die Fehlzeiten am Arbeitsplatz immer länger. Das bedeutet dass die Bücher doppelt bezahlt werden.
    Ein sofortiger Parteiausschluss wäre unabdingbar.

  2. Pobacke sagt:

    Menschenskinder, was ich denk und tu, ist allein meine Sache, ob Anti dies und Anti jenes un für das und dies…
    Ich bin gegen Islamunterricht an deutschen Schulen, deshalb bin ich noch lange nicht Feind.
    „Helga Mense“ geb ich Recht. Das Durcheinander in unserem Land ist die Geldgier einzelner an der falschen Stelle sitzende.

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