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Das Maß aller Dinge

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 17. Februar 2022

Macht über Menschen und die Welt

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Quelle:    Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Darüber hat schon Protagoras (490 – 411 v.u.Z.) nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei. Wie heute gefiel auch damals dieser Satz einigen nicht, und prompt musste er nach dem Genuss eines Schierlingsbechers sterben.

Seinerzeit war der Mensch geradezu rechtlos den Göttern und dem jeweiligen Herrscher unterworfen. Diese wiederum herrschten einvernehmlich oder im Streit über die Menschen, ohne nach deren Bedürfnisse und Vorstellungen zu fragen. Der Mensch war also schutzlos der Macht und Willkür der Herrscher und/oder Priester ausgesetzt. Im spannungsvollen Verhältnis zwischen Herrscher, Gott und Mensch sah Protagoras aber den Menschen und seine Lebenswelt als das eigentliche Maß an, mit dem alle Entscheidungen im Staatgetroffen werden müssen.

Kurioserweise lebte etwa gleichzeitig im fernen China Konfuzius, der sich auch Gedanken über den Menschen in der Gesellschaft machte. Er tat sich dabei insofern leichter, als Religion in seinem Menschenbild und auch im Staatsgefüge keine durchgreifende Rolle spielte. So postulierte er: “Zwinge niemals anderen auf, was du nicht für dich selbst wählen würdest”, und prägte damit die heute so hochgehaltene „Goldene Regel“, bevor diese im Matthäusevangelium (Mt 7.12) als christliche Weisheit beansprucht und von Kant im kategorischen Imperativ arabesk verschnörkelt wurde.

Heute, sind wir trotz der Zeit der Aufklärung mit Descartes (cogito ergo sum), Montesquieu (Gewaltenteilung), Voltaire (Bildung, Staats- u. Kirchenkritik) und Rousseau (Contrat Social) und nach der französischen Revolution mit der Erklärung der Menschenrechte wieder in autoritären Denk- und Verhaltensweisen verfangen, in denen unsere Demokratie zu versagen droht. Stillschweigend nehmen wir die Kämpfe oder Verabredungen zwischen der Politik, der Religion und der Wirtschaft hin, obwohl deren Ziele und Handlungen oft ganz und gar nicht mit dem Gemeinwohl vereinbar sind.

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Dazu gehört z.B. die US-Kriegspolitik. Und zu dieser verzerrten Situation kommen jetzt auch noch die geopolitischen Verschiebungen mit China als der neuen, zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt nach nur 40 Jahren stürmischer aber wohlkontrollierter Entwicklung, eben nicht mit turbo-kapitalistischen Methoden, sondern gemeinwohlorientiert. China hat noch kein Land mit Krieg bedroht, um es dann wirtschaftlich auszuplündern. Ganz im Gegenteil! Im Geist einer friedlichen Koexistenz und eines gegenseitigen Vorteils hat China weltweit ein neues Seidenstraßensystem gestartet, in dem die Partner gefördert und nicht kapitalistisch unterjocht werden.

Erstaunlicherweise sind es die USA und die gesamte westliche Wirtschaft, die in China zunächst nur einen billigen und zuverlässigen Zulieferer sahen und jetzt ganz erstaunt sind, dass hinter China eine Kultur und ein System stehen, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg zielstrebig anders realisieren als der westliche Kapitalismus. Das macht dem Westen Angst, und insbesondere für die USA wird aus dem willkommenen Zulieferer der große Feind schlechthin. Die Macht der USA über Menschen und die Welt wandelt sich zusehends in Hilflosigkeit und üble, haltlose Schimpftiraden. Die Goldene Regel wurde eben in China so formuliert, wie wir sie heute noch leben sollten. Das aber scheint dem stolzen Westen inakzeptabel, ja geradezu demütigend.

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