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Da war sie schon, die Revolution

Erstellt von Gast-Autor am Dienstag 18. August 2015

Lieder der Französischen Revolution auf CD

Bildergebnis für Wikimedia Commons Bilder Debatte deutsche Rüstungspolitik

Autor: U. Gellermann
Datum: 17. August 2015

Revolution? Nun bitte ich Sie aber. Das ist doch alles Zeugs von gestern. Früher mag das ja möglich gewesen sein, aber . . . Aber, aber, aber, haben nach der Französischen Revolution – die Dieter Süverkrüp auf seiner Ça ira-CD in höchsten Tönen besingt – viele ihrer Erben gesagt. Von den russischen Oktober-Revolutionären über die deutschen November-Revolutionäre bis zu denen, die gern die DDR zu einem besseren Land gewandelt hätten: Sie haben es erneut versucht. Alles gescheitert! Rufen die Gescheiterten von den Höhen ihrer Hypotheken triumphierend, dazu schrillen die Ketten an den Knöcheln der Zeitverträgler, und dumpf schlägt die Trommel der Kriege, deren mehr und mehr geworden sind. Als der Liedermacher Dieter Süverkrüp 1962 die Texte von Gerd Semmer in schneidend scharfen Gesang umsetzte, gab es im grauenhaft trauten Westen Deutschlands kaum eine Hoffnung auf irgend etwas, das Veränderungen ankündigte. Wir haben keine Chance, sagten damals die Leute des kleinen, unbekannten Pläne-Verlags, machen wir was draus, und pressten die ersten vier Ça-ira-Lieder auf Vinyl, die nächsten, nun waren es schon 20, folgten 1969 und heute tönt das revolutionäre Erbe auf einer neuen CD.

„Man sagt uns, Knechtschaft sei nicht bitter“, singt Dieter Süverkrüp im Abgesang auf die verlorene Revolution, „da könnten wir glücklich sein“ und der komplette, große Liedermacher ist schon damals zu hören: Die scharfe Stimme dringt noch heute aus der Geschichte auf den Wühltisch der marktförmigen Demokratie. Dunkle, warme Töne grundieren den Widerstand und jeder, der Ohren hat zu hören, weiß: Knechtschaft macht auf Dauer nur die Kastraten glücklich, die Freiwilligen an der Front deutsch-amerikanischer Freundschaft, die Eingeschläferten vor den TV-Geräten. Und wenn der damals ziemlich junge Süverkrüp noch heute den immerwährenden alten Verhältnissen von König und Vater vorsingt, der dem Volke hold sei, dann braucht es keinen Übersetzter aus dem Historischen, um an die gott-gütige Mutti zu denken, von der immer noch so mancher sagt: Wenn das die Führerin wüsste!

Warum der tapfere „Conträr-Musik-Verlag“ nicht erwähnen mag, dass der Arrangeur der 69er Platte Henry Krtschil DDR-Bürger war, und auch nicht, wer die vorzügliche Begleitmusik gespielt hat (ganz sicher DDR-Musiker) liegt in der Düsternis neuerer Geschichte: Da die DDR verloren hat, scheinen auch ihre besseren Leistungen verloren zu sein. Ach, herrjeh. Man gewinnt die Geschichte nicht, wenn man sie verschweigt, eher reproduziert man die Niederlagen, statt sie aufzuarbeiten und aus ihnen zu lernen. Wenn Süverkrüps Stimme im Lied zu den französischen Spekulanten quetscht und knödelt, die am Leid der Armen gut verdienen, dann ist die Lehre aus der Geschichte nicht fern, näher noch als Griechenland, dem Land, aus dem die Spekulanten auch den letzten Tropfen Armeleute-Saft quetschen.

Dieter Süverkrüp singt nur noch selten. Es wäre ein elender Jammer, wüsste man nicht, dass er malt. Und er ist ein guter Maler und Zeichner. Leider ist es bei ihm wie immer: Er macht nichts von sich her, bescheiden beugt er sich am Düsseldorfer Karlsplatz über seinen Tisch und arbeitet. Als habe er noch nie vom Klappern gehört, das auch das beste Handwerk begleiten muss, um die Öffentlichkeit zu erreichen. Ein paar seiner Mal-Miniaturen schmücken das Booklet der CD. Und warum uns der durchaus verdienstvolle Musik-Verlag nicht wenigstens etwas über das reiche Titelblatt erzählen mag – üppig coloriert, vom Schlaf der Revolution erzählend wie Goya vom Schlaf der Vernunft – bleibt verborgen.

„Die Kritik ist keine Leidenschaft des Kopfes, sie ist der Kopf der Leidenschaft“, schrieb Karl Marx den Revolutionären in die Bücher. Nicht, damit sie das auswendig lernen, sondern damit sie das inwedig wissen. Diese Leidenschaft atmen die alten Aufnahmen der Ça-ira-CD. Diesen Kopf brauchen wir dringlich, um dem neuen König Markt und seiner NATO-Garde in den Arm zu fallen.

Die CD ist bei info@contraermusik.de erhältlich.

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Gtafikquelle    :       Kaiserstandarte Wilhelms II., darauf der preußische Wahlspruch Gott mit uns

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