DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Corona und die Politik

Erstellt von DL-Redaktion am Sonntag 21. Februar 2021

Die Sorge um das Leben

Wounded Triage France WWI.jpg

Von Robert Misik

Pandemien sind widersprüchlich: Der Staat wird zum Kümmerer, der kommandiert, vor allem aber freiwilliges Mittun braucht.

Lockdowns werden verhängt, Verordnungen erlassen, Regeln aufgestellt, jeden Abend beherrschen die Corona­schlagzeilen die Nachrichtensendungen und in Talkshows wird das Immergleiche geredet. Aber jenseits dieser Meta-Politik ist unser Alltag, die neue „Mikrophysik unseres Lebens“ – um nicht zu sagen, eine „Mikrobiologie“.

Schon das Wort „uns“ ist fragwürdig, da noch mehr als sonst sichtbar wird, dass es ein „Wir“ nicht gibt. So verschieden sind die Lebenslagen, nicht nur nach den soziologischen Großkategorien wie „arm“ und „reich“ oder „privilegiert“ und „unterprivilegiert“. Jeder Alltag ist anders, für ein achtjähriges Kind ist es anders als für eine Siebzehnjährige, der Single ist einsam und fürchterlich gelangweilt, die vierköpfige Familie, die in der Zweizimmerwohnung Distance-Learning betreibt, geht dagegen die Wände hoch. Tausende Lebenslagen, die alle unterschiedlich sind.

„Jetzt ist es nun einmal so. Das lässt sich nun einmal nicht ändern.“ Phrasen wie diese begleiten uns durch diese Monate, während deren wir unsere Leben einstellen. Alle machen sich heute um alle Sorgen, das ist jetzt normal, so wie wir jetzt leben. Umarmungen, Berührungen, Küsse, Gespräche, bei denen man sich lachend näherkommt, all das könnte jetzt eine tödliche Gefahr darstellen. Berührungen, Nähe, soziale Interaktionen, sie sind eine elementare Seite des Lebens, des Seins. Diese Berührungen verbinden diese Person und mich, aber jeden von uns auch mit vielen anderen, unbekannten Anderen, „und diese große Kette des Seins ist auch eine Kette des Todes geworden“ (Susan Sontag: „Wie wir jetzt leben“).

Wir merken, wie uns die informellen Begegnungen abgehen, gerade diese vielen belanglosen Gespräche, die uns unter normalen Bedingungen nicht wichtig erscheinen.

Innen leben ist schlecht fürs Innenleben. Wir sitzen unsere Zeit ab.

Zurück zur verordneten Hygiene

Pandemien waren immer schon Übergangzeiträume, teilweise mit revolutionären Wirkungen. Sie änderten das Verhältnis von Staat und Gesellschaft und das Funktionieren von beidem. Temporär, oft aber auch langfristig. Mit Blick zurück und Blick auf uns reiben wir uns die Augen. Heutige Containment-Politik „basiert auf traditionellen Methoden, die auf die staatliche Gesundheitspolitik während der Beulenpest zurückgehen: Ansteckungsfälle aufspüren, isolieren, in Quarantäne stecken, die Absage von Massenveranstaltungen, Überwachung Reisender, Empfehlungen für persönliche Hygiene, und Schutz durch Masken, Handschuhe, Mäntel“ (Frank M. Snowden).

Wir fühlen uns da ein wenig an jene Art Generäle erinnert, die neue Schlachten mit den Methoden früherer schlagen wollen, wenn wir Berichte wie von Daniel Defoe über die Pest in London aus dem Jahr 1665 lesen. Eine Gesellschaft in Furcht, die erstmals „rational“ zu reagieren versuchte. Die Obrigkeit erließ die Anordnung, „Leute in ihren eigenen Häusern abzusperren“; Staatsdiener hatten die Möglichkeit, „sich zwangsweise Eintritt (zu) verschaffen, bis die Art der Erkrankung festgestellt ist“; das Haus wurde abgesperrt, zwei Wächter für jedes Haus abgestellt, jedes verseuchte Haus wurde in der Mitte der Tür mit einem roten Kreuz bezeichnet und die Wächter hatten auch die Aufgabe, „die Eingeschlossenen mit dem Notwendigsten“ zu versorgen. In engen Gassen kehrten die Einwohner um, wenn sie Gefahr verspürten. Man achtete darauf, „sich mit kleinem Gelde (zu) versehen, um das Wechseln unnötig zu machen“. Die meisten Geschäfte lagen darnieder und die Armen hatten kaum mehr eine Möglichkeit, „ihr Brot zu verdienen“. In Droschken stieg praktisch niemand mehr, „weil man nie wusste, wer zuvor damit befördert worden war“.

Bochum - Alleestraße144 14 ies.jpg

Ohne die Pest wäre die Entstehung des absolutistischen Staates und einer rationalen, zentralisierten Verwaltung anders verlaufen. Seuchen wie die Cholera stärkten die Idee, dass nur ein Gesundheitssystem, das für alle funktioniert, das Individuum schützen kann. Es war die Geburt des öffentlichen Gesundheitswesens. Ansteckungsketten verbinden uns – wir werden als Gesellschaft noch mehr zu einem Organismus, als wir es ohnehin sind. Das Volk wurde, nachdem die Keime entdeckt waren, zu Sauberkeit erzogen. Als die Tuberkulose wütete, wurde der Besen durch den Wischmopp ersetzt, weil man lehrte, die Keime am Boden werden mit Besen nur aufgewirbelt. Seife, Wischmopp, Wasserleitung – alles Produkte von Seuchen.

Der autoritäre Zugriff auf das Individuum

Epidemien sind, wenn man so will, ein foucaultscher Moment. Sie stärken eine rationale Verwaltung, etablieren autoritären Zugriff auf das Individuum, zugleich aber auch paternalistische Effekte von Erziehung und Selbsterziehung, sanitäre Vorschriften und hygienische Ratschläge, deren Befolgung sozialer Kontrolle unterliegt, die aber wiederum auch den ­Individuen zur zweiten Natur werden sollen. Sie etablieren Gesundheitsinstitutionen vom Pesthaus über die Klinik bis zum Sanatorium, Forschungseinrichtungen später auch, und während der Epidemien und in ihrem Nachgang gehen sozialer Fortschritt und autoritärer Verwaltungsstaat ein seltsames Bündnis ein.

Robert Misik, Michael Kellner.jpg

Michel Foucault nannte das „Biopolitik“, die ihren Urspruch darin hatte, dass der Staat sich überhaupt mit der Bevölkerung zu beschäftigen begann, von der Geburtenrate bis zur Volksgesundheit, und darauf achtete, dass Körper fit bleiben und deviantes Verhalten unterbunden wird, und zwar weniger, um Deviante zu bestrafen, sondern mehr wegen des damit verbundenen Effektes gegenüber allen anderen, nämlich der Etablierung eines gängigen Konsenses von „normalem Verhalten“.

Bevor der absolutistische Staat entstand, begegnete die Regierung den Bürgern vor allem strafend, letztendlich mit einer Todesdrohung. Die Pestära war der historische Übergang, als die „Sorge um das Leben“ plötzlich eine Aufgabe von Behörden wurde. Die Menschen in den Risiko­zonen wurden quarantänisiert, zugleich aber mit dem Nötigsten versorgt, von Staatsdienern, die von Haus zu Haus gingen und durch die Fenster nach der Gesundheit fragten.

Quelle         :      TAZ       >>>>>       weiterlesen

*********************************************************

Grafikquellen       :

Oben         —     „I had just read Ernst Jünger’s brutal World War I memoirs, ‚Storm of Steel‘, and was really inspired to do some imagery from that time period. Naturally, I went looking for the Marine Corps‘ side of the story and read up more on the Battle of Belleau Wood. Initially I thought about doing this with traditional paints, but there’s already a lot of incredible paintings depicting Belleau Wood. So I did a sketch in ink brush, which I then scanned and colored in Adobe Photoshop. Although I do love doing drawings from real life, with this image I deliberately took a more exaggeratedly stylized approach to make something that looked like it could be a screencap from an animated film about Belleau Wood.“ (U.S. Marine Corps Artwork by Cpl. Reagan Lodge)

__________________________

2.) von Oben      —     Graffiti „Destroy Capitalism!“ auf einer Fabrikmauer

8 Kommentare zu “Corona und die Politik”

  1. Fantomas sagt:

    AstraZeneca ist ein internationaler Pharmakonzern, der 1999 aus der schwedischen Astra AB und der britischen Zeneca PLC entstand. Zeneca war 1993 aus der Pharmasparte des britischen Chemieunternehmens Imperial Chemical Industries entstanden.

    Dänemark, Norwegen, Holland und andere Länder stoppen Impfungen mit AstraZeneca.

    Keine Kritik aus Deutschland!

    Gibt es Abgeordnete, die schützend die Hand über den Pharmakonzern halten? Die Schamlosigkeit einiger Abgeordneter macht vor nichts halt.

  2. Fantomas sagt:

    Die Impfkommission in Irland hat sich für einen vorübergehenden Stopp der Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca ausgesprochen.

  3. Fantomas sagt:

    Ohne Worte

    https://scontent-frt3-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/160668629_4064429650236005_7697105952236913291_n.jpg?_nc_cat=107&ccb=1-3&_nc_sid=730e14&_nc_ohc=kwWKl0NnT5QAX-6iTqx&_nc_ht=scontent-frt3-1.xx&oh=a6ad19b2814d54856667f310cd1cfcaa&oe=60741B1F

  4. Regenbogenhexe sagt:

    Astrazeneca sieht kein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen
    Eine Datenanalyse zeigt keine Belege für ein höheres Risiko für Lungenembolien und andere schwere Nebenwirkungen. Die Niederlande stoppen Impfungen trotzdem.
    https://www.tagesspiegel.de/politik/daten-von-17-millionen-geimpften-astrazeneca-sieht-kein-erhoehtes-risiko-fuer-schwere-nebenwirkungen/27005336.html

  5. Regenbogenhexe sagt:

    Netzfund – Susan Bonath

    Bundesweit Zehntausende gehen trotz teilweisen Verbots gegen den massenhaft Kollateralschäden produzierenden autoritären Maßnahmenstaat auf die Straße. In Dresden, Düsseldorf und Stuttgart durchbrechen wütende Demonstranten Polizeiketten.

    Und das Gros der Linken (nicht nur die Partei) sitzt in der Ecke und jammert gemeinsam mit CDUSPDFDPGRÜNEN über ungehorsame Untertanen, fordert in den Parlamenten und auf Twitter brutaleres Vorgehen der staatlichen Knüppelgarde.

    Das muss man sich mal reinziehen.

    Wie tief können Menschen, die sich Linke nennen, sinken.

    Wie tief stecken die eigentlich im Allerwertesten des Machtorgans der herrschenden Klasse.
    Was für ein jämmerlicher Haufen zur Kommunikation mit dem gemeinen „Volk“ unfähiger, visionsloser, Moral heuchelnder Feiglinge. Marx und viele andere würden sich im Grabe umdrehen, könnten sie sehen, was abgeht.
    Und noch ein Wort zu den echten Nazis, die da sicher auch waren: JA, verdammte Scheiße, Nazis versuchen in fast jede Bewegung einzudringen und dort zu rekrutieren. Das taten sie schon 1989, das taten sie bei den Anti-Hartz-IV-Demos, bei Occupy und bei den Mahnwachen.

    Eine Linke hätte die Aufgabe, zu verhindern, dass solche Bewegungen vielleicht in die falsche Richtung abdriften. Und die Aufgabe ist nicht mal schwer, wenn das Ziel der Bewegung ein linkes ist, wie das Gegenwärtige: Recht auf Grundrechte für alle, weg mit dem autoritären Maßnahmenstaat. Was aus einer Bewegung wird, entscheidet sich in der Bewegung. Menschen lernen in Bewegungen. Eine Linke, die auch nur einen Hauch von klassenpolitischem Verständnis hätte, wüsste das. Aber statt Klassenpolitik zu betreiben, wird nur stumpfes Zeug herummoralisiert. Es ist so traurig.

  6. Fantomas sagt:

    Deutschland setzt Corona-Impfung mit AstraZeneca-Impfstoff aus
    Auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts setzt die Bundesregierung sämtliche Impfungen mit der AstraZeneca-Vakzine aus. Hintergrund sind Berichte von sieben Fällen von speziellen Hirnvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung.

    https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Deutschland-setzt-Impfung-mit-AstraZeneca-Impfstoff-aus-417900.html

  7. Hanns Dieter sagt:

    Impfexperte zu AstraZeneca-Stopp: „Das ist ein Mega-GAU“
    „Schlamperei nicht nur bei Entwicklung, sondern auch Herstellung“
    VERÖFFENTLICHT AM 15. MÄRZ 2021

    Mit der Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca stehe die Corona-Strategie der Bundesregierung vor einem Scherbenhaufen, sagte Stefan Hockertz, Immunologe, Toxikologe und Pharmakologe sowie Professor an der Universität Hamburg, im Gespräch mit mir gerade. Er habe genauso eine Entwicklung befürchtet – dass massive Nebenwirkungen aufträten, weil die Impfstoffe nicht ausreichend getestet seien. „Wir sehen, dass offensichtlich so schludrig hergestellt wird, dass wir Chargen-Ungleichförmigkeiten haben, es ist ja nicht jede Charge, die jetzt diese Zwischenfälle verursacht hat. Das zeigt, dass nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der Herstellung große Mängel vorhanden sind.“

    „Das eine ist Sicherheit und Qualität in der Entwicklung, das andere sind Ungenauigkeiten und Fehler in der Herstellung, und das darf einem Arzneimittelhersteller einfach nicht passieren, das ist ein Mega-GAU,“ warnt der Professor, der seit Wochen massiv vor den Risiken der neuen Corona-Impfungen warnt: „Ich freue mich, dass Deutschland diese Maßnahmen ergriffen hat. Wenn auch als eines der letzten Länder. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Herr Söder gestern noch gesagt, dass alle jetzt mit AstraZeneca durchgeimpft werden sollen. Da muss man schon sagen, und da muss man ganz offen sagen, das zeigt wieder einmal den Sachverstand derjenigen, die bei uns regieren.“ Man müsste sich vergegenwärtigen, dass Söders Aussage erfolgte, nachdem bereits viele europäische Staaten die Impfungen mit dem umstrittenen Vakzin ausgesetzt haben.

    https://reitschuster.de/post/impfexperte-zu-astrazeneca-stopp-das-ist-ein-mega-gau/?fbclid=IwAR0pSdtP_mnaOP5xEZI0Q-y3VPNyOatUYqYyPTNruPLJKAdF0l7U10naKw0

  8. Regenbogenhexe sagt:

    Maßnahmen-Zoff zwischen Forscher und Lauterbach: „Das ist doch absurd!“ | stern TV

    „Das Problem ist, dass die Bürger es nicht verstehen – und die Wissenschaftler auch nicht“, sagt der Virologe Prof. Alexander Kekulé bei stern TV über die Maskenpflicht im Freien. Sie sei „virologisch absoluter Unsinn“, denn: das gefährliche Superspreading sei nur in Innenräumen möglich, wie auch Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch bestätigt. Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach (SPD) hält dagegen: „Die Maßnahmen sind richtig!“

    https://www.youtube.com/watch?v=uolr9RW36Vk

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>