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China und die EU

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 4. April 2022

Arroganz und Blindheit führen zu keiner Verständigung

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Foto: Als Beispiel einer Video-Konferenz

Quelle:    Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Die aktuelle Diskussion um die Videokonferenz zwischen China und der EU (in Sachen Krieg in der Ukraine) zeigen die erschreckend unproduktive und engstirnige Einstellung des Westens (USA, EU, Nato) bei der Lösung internationaler Konflikte. Seit Generationen wird uns im christlichen Abendland eingehämmert: Wer nicht hören will, muss fühlen!

Probleme werden also nicht durch Gespräch und Überzeugung gelöst, sondern durch Strafe, einseitig, willkürlich und ohne Regel. In dieser weltweit bedrohlichen Situation mahnt China nun zur Verblüffung des Westens, kein Öl ins Feuer zu gießen, und benennt frei heraus als Grundursache der Ukraine-Krise die sich über Jahre aufgebauten regionalen Sicherheits-spannungen in Europa.

Das will man natürlich ganz und gar nicht hören, schon gar nicht von einem Land, dessen Aufstieg man arrogant als Erfolg von des Westens Gnaden sieht, und dabei blind ist für die Kultur und Entwicklung eines über 2000 Jahre alten Gesellschaftssystems. China ist gegen Sanktionen, sagt es und unterstützt solche konsequent auch in keiner Weise. Seit dem 2. Weltkrieg sind die USA die Treiber militärischer Zwangsvollstreckungen. Mit weit über 700 Militärstützpunkten weltweit und ausserhalb des eigenen Territoriums suchen sie, ihren Willen durchzusetzen, und scheuen dabei nicht vor erbärmlichen Greueltaten zurück (Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, Agent Orange in Vietnam u.v.m.) bis hin zu den Fake News und Kriegssticheleien bis zum Ausbruch des Krieges in der Ukraine.

Soll das etwa ein Vorbild für die Lösung von Problemen sein? Und die Entwicklung der Nato seit 1999 – wieder unter USA-Leitung – ist für die Nicht-Nato-Welt nicht unbedingt beruhigend. Was hat z.B. ein deutsches Kriegsschiff (Fregatte ‚Bayern‘) im Chinesischen Meer zu suchen? Und da kommt China in bester Bahr’scher Entspannungspolitik daher und mahnt, kein Öl aufs Feuer zu gießen. Dabei ist das Motiv doch sehr einleuchtend, denn, was man selbst nicht erfahren möchte, soll man auch keinem anderen zufügen (Confuzius). Keiner will Krieg, insbesonder China nicht.

Aber auch unser Wirtschaftssystem darf nicht „beliebig gestört“ werden. Und „noch weniger dürfen Versuche zugelassen werden, die Weltwirtschaft als Waffe einzusetzen und als Werkzeug, eigenen Ansichten zu dienen, weil solche Versuche eine ernste Krise der globalen Finanzen, von Handel, Energie, Technologie, Nahrung, Industrie und unter anderem der Lieferketten auslösen“, so Xi Jinping. Also regt er einen fairen Interessenausgleich im Ukraine-Konflikt an und ein Ende des noch wütenden Krieges. Das drückt er aber mit Worten aus, die zwar vernünftig, dem Westen in seiner Alles-oder-gar-nichts-Attitüde aber fremd geworden sind.

Ursula von der Leyen mahnt China hingegen arrogant und blind für die Realität, dass es „zu einem großen Image-Schaden für China hier in Europa führen“ würde, wenn es nicht genau das macht, was die EU sich vorstellt. Selbstverständlich verbunden mit der Drohungen, dass die Wirtschaftsbeziehungen mit Europa schaden nehmen würden. Von gegenseitigem Respekt keine Spur! Weiß die Dame wirklich nicht, dass unsere Wirtschaft ohne die geradezu untadeligen Wirtschaftsbeziehungen mit China schlicht und einfach zusammenbrechen würde? Verhandlungen auf Augenhöhe und ohne Drohungen führen, ist dem Westen unangenehm bis fremd. Arroganz und Blindheit führen mit Sicherheit zu keinerlei dauerhafter und regelbasierter Verständigung.

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Grafikquellen      :

Oben       —     TANDBERG T3 Telepresence High Definition Konferenzraum; ca. 2008.

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