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RENTENANGST

Auferstanden aus Ruinen

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 19. November 2015

Könnte Politik auf einem  Foto festgehalten werden:

In einem politischen Tagebuch beschreibt Angela Merkel ihren ersten Tag als Bundeskanzlerin der neuen Volkspartei SPD.

von Harriet Wolff

Freitag der 13., 4.55 Uhr

Weckruf! Schlummere wie stets noch fünf Minuten weiter. Punkt fünf bringt mir Joachim dampfenden Muckefuck ans Bett. Ach, nie haben wir Zeit für mehr … Das Gebräu habe ich urst nötig. Was aber auch für ein Eiertanz gestern im Reichstag. Doch hat es ja noch geklappt mit dem konstruktiven Misstrauensvotum! Wie weiland bei Schmidt, nur dass der damals nicht wie ich jetzt Kanzlerin geblieben ist und dazu die Partei gewechselt hat. Aber er war ja keine Frau, sondern Hanseat. Ich auch, aber dann bin ich in die DDR verzogen worden, was gut war, sonst hätte ich Joachim nicht kennengelernt. Und Lothar de Maizière auf keinen Fall.

5.19Uhr

Katzenwäsche. Dass ich nicht schweißel, obwohl ich so viel unterwegs bin – hab echt Glück. Im Gegensatz zum dicken Gabriel, der roch streng gestern am Mikro: „Herr Bundestagspräsident, sehr verehrte Damen und Herren, meine Partei …“, Pause, „also, die SPD, kündigt die Große Koalition auf!“ Gelächter im Rund, alle gucken mich an, ich guck auf mein Blackberry. Ich wusste ja schon, was kommt. „Wir von der SPD haben uns mit der Linken und den Grünen verständigt, dass wir den CDU/CSU-Ministerinnen und Ministern unser Misstrauen aussprechen, weil – verarschen können wir uns selber!“

Der Lammert hat den Gabriel dann zur Mäßigung aufgerufen, aber der Gabriel hat weitergebellt und „Politikwechsel, jetzt!“ gerufen, und dass das hier alles im konstruktivem Rahmen bleibe, weil „Frau Dr. Merkel davon nicht betroffen ist“. In dem Moment hat sich die Bremse beim Schäuble gelöst und er ist voll mit seinem Rolli gegen die Regierungsbank gekracht.

5.35 Uhr

Beim Joggen zum Kanzleramt gedacht, dass ich früher damit hätte anfangen sollen, „kommt echt fresh“, würde LeFloid sagen. Wie meinte Ulbricht schon: „Jedermann an jedem Ort – einmal in der Woche Sport!“ Meine Leibwächter sind auch nicht schlecht gebaut, fällt mir jetzt erst auf. Bitte Beate aus meinem Büro, dass sie Ersatz für meine Schlabbershirts besorgt. Für gestern Abend hatte ich extra keinen roten Blazer rausgelegt. Wäre billig gewesen. Trug ein maronifarbenes Teil, Intershop 1988, Lieblingsstück. Sind ja auch wieder angesagt die Achtziger, laut LeFloid.

Quelle: TAZ >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber CPL MACE M. GRATZ, USMC — / — Gemeinfrei

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