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Assange-Appelle :

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 15. November 2021

Julian Assange: -Whistleblower, Folteropfer, Kulturprojekt-
Wenn Kultur politisch wird.

Davide Dormino - Alles zu sagen.jpg

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Hannes Sies

Wenn Kultur politisch wird wenden Mainstreamer sich ab. PEN-Schriftsteller und Berliner Akademie der Künste appellierten Pro-Assange, doch die Medien-Resonanz blieb mau. Immerhin ließen sich die prominenten Aktivitäten nicht ganz verheimlichen. Doch anders als Skandälchen von Kunst-Promis, die es auf Seite 1 schaffen oder im Kulturteil viele Seiten füllen, blieb es hier, wo es um Julian Assange geht, meist bei kurzen Meldungen, siehe etwa WDR. Beim Wallraff-für-Assange-Promi-Appell 2020 setzte der Deutschlandfunk neben die abwiegelnde Berichterstattung sogar noch ein ellenlanges Interview mit einem bornierten CDU-Hinterbänkler, der den Wikileaksgründer als Spion diffamierte, sich voll und ganz auf die Seite der US-Ankläger schlug und alle von UNO-Folterexperte Nils Melzer enthüllten Untaten der schwedischen Justiz ableugnete.

Aktuell gibt sich auch die Süddeutsche (SZ) sparsam mit ihrer Reaktion auf den PEN-Appell pro Assange: „Assange wird seit mehr als zwei Jahren in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis festgehalten. Eine Haftstrafe wegen des Bruchs von Kautionsauflagen hat er bereits abgesessen. Ein weiteres Urteil gab es bislang nicht. Das PEN-Zentrum Deutschland sprach von Justizwillkür. Der Freiheitsentzug von Assange sei eine ungeheuerliche Menschenrechtsverletzung…“ SZ

Der politische Gefangene habe eine Haftstrafe „abgesessen“? Dass diese maßlos verlängerte Haft angeblich „wegen Kautionsauflagen“ allein eine perverser Bruch der Rechtsstaatlichkeit war, vergisst die SZ zu erwähnen; wie auch alle anderen Hintergründe, die den Schauprozess gegen Julian Assange für ihre Leser verstehbar machen könnten. Es ist unerträglicher Feigenblatt-Journalismus, wie hier der PEN-Bericht auf die Ignoranz der SZ für den Justizskandal Assange geklebt wird.

Seitens der Kultur-Prominenz hört man bezüglich Assange oft verwunderte Worte, dass Mainstream-Medien und Politik, die sonst an ihren Lippen hängen und sich mit ihrem Glanz schmücken, in diesem Menschenrechtsfall so wortkarg bis gar nicht reagiert. Politische Blogger verwundert dies weniger -würden die Kulturmenschen Politblogs lesen anstatt des SZ-Feuilletons, wären sie auch weniger überrascht: Assange als Kulturprojekt.

Im Folgenden eine Dokumentation von PEN- und Kunst-Akademie-Appellen.

Appelle aus der Kultur PEN-Zentrum und Akademie der Künste Berlin

Akademie der Künste verurteilt die anhaltende Missachtung rechtsstaatlicher Standards im Umgang mit Julian Assange

(Berlin 27.10.2021) Am 27./28. Oktober 2021 wird das Auslieferungsverfahren gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange vor Gericht in London fortgesetzt. Die Akademie der Künste wiederholt ihre Forderung nach einer humanen und rechtsstaatlichen Behandlung des Journalisten, Publizisten und Verlegers. Der bisherige gerichtliche Umgang mit Julian Assange ist ein Beispiel der Erosion demokratischer Grundwerte. Die zu erwartende Überstellung an US-amerikanische Gerichte wird weitreichende Konsequenzen für die Situation aller Journalistinnen und Journalisten weltweit haben, in der direkten Folge auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Künstlerinnen und Künstler. Bedroht ist nichts weniger als die Freiheit des Wortes. Julian Assange ist das Exempel, das statuiert wird, um eine Einschüchterung und Schwächung der vierten Gewalt zu erwirken. Einem Angriff auf die Freiheit der Presse, der Wissenschaft und der Kunst darf nicht über vermeintlich demokratische Instanzen stattgegeben werden. Im Juli 2021 hatte die Akademie der Künste auf Initiative von Günter Wallraff gemeinsam mit vielen anderen Unterstützern in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert, sich für die Freilassung von Julian Assange einzusetzen.

H.S.: Der Offene Brief war der Promi-Appell pro Assange, erfolglos weitergeführt.

London: Julian Assange wird Ehrenmitglied des deutschen PEN

Veröffentlicht am von PEN-Zentrum

Pressemitteilung, Darmstadt, 2. November 2021. Das deutsche PEN-Zentrum ernennt den investigativen Journalisten Julian Assange zum Ehrenmitglied. Assange befindet sich seit April 2019 im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh in Einzelhaft, nachdem er 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London Asyl beantragt und dort fast sieben Jahre als politischer Flüchtling gelebt hat.

Der 1971 in Australien geborene Julian Assange ist der Gründer sowie Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Mit der Veröffentlichung von geheimen Militärdokumenten prangerte WikiLeaks 2010 die systematische Folter und weitere Kriegsverbrechen der US-Militärstreitkräfte in Afghanistan sowie im Irak an. Wenige Monate später begannen die Ermittlungen gegen Assange, die schließlich zu seiner Verhaftung durch die Londoner Polizei führten.

Wandbild FreeAssangeYestertag in der Stresemannstraße 15 in Berlin Kreuzberg (1v3).jpg

Die Ernennung zum Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums ist verknüpft mit der Sorge um die Gesundheit von Julian Assange, dessen Haftbedingungen von Amnesty International als Folter bezeichnet werden. Die Justizwillkür und der Freiheitsentzug von Assange sind eine ungeheuerliche Menschenrechtsverletzung – und dies geschieht inmitten einer westeuropäischen Demokratie und nicht etwa in einem despotischen Regime. Das deutsche PEN-Zentrum nimmt die Vorwürfe der sexuellen Übergriffigkeit ernst, wir wissen aber auch um die von Nils Melzer, dem UN-Sonderberichterstatter für Folter, wiederholt formulierten Zweifel an diesen Beschuldigungen und die Gefahr ihrer unzulässigen Instrumentalisierung.

„Wir fordern die zuständigen Beho?rden in England auf, unser Ehrenmitglied Julian Assange nicht an die Vereinigten Staaten von Amerika auszuliefern, wo ihm bis zu 175 Jahre Haft drohen, sondern ihn sofort und bedingungslos aus dem Gefa?ngnis zu entlassen. Seine fortdauernde Haft ist einzig politisch begru?ndet und daher weder hinnehmbar noch berechtigt. Sie widerspricht dem Recht auf Meinungsfreiheit und daher der Charta des internationalen PEN. Wir versichern ihm, wie unseren anderen Ehrenmitgliedern, unsere uneingeschränkte Solidarität“, erklärt Ralf Nestmeyer, Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des deutschen PEN.

Mehr…
siehe auch:

Julian Assange: Whistleblower, Folteropfer, Kulturprojekt

http://scharf-links.de/45.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=74681&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=03ba0ae485

H.Sies: Vergewaltigungs-Lüge – ARD soll sich bei Assange entschuldigen!

http://scharf-links.de/45.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=72636&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=4efd6ad012

H.Sies: Medienkritik an Assange-Berichterstattung der ARD

https://www.demokratisch-links.de/lob-fuer-die-linke

H.Sies: Whistleblower – Von Regierungen wie Tiere gejagt

https://www.demokratisch-links.de/assange-snowden-manning

H.Sies: „Tatort“ gegen WikiLeaks: Kriminelle Propaganda

https://www.rubikon.news/artikel/kriminelle-propaganda

H.Sies: Deep State hinter Trump

https://www.heise.de/tp/features/Deep-State-hinter-Trump-4519775.html

H.Sies: Linke Polit-Promi-Petition pro Assange

https://www.demokratisch-links.de/staatsfunk-wiegelt-ab

Urheberecht
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Grafikquellen      :

Oben          —   Bronzeskulptur Anything To Say? und Kunstinstallation des Italieners Davide Dormino, die am Maifeiertag 2015 auf dem Berliner Alexanderplatz aufgestellt wurde.

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