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Splitter im Auge

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 10. November 2022

Den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen sehen

Quelle       :        Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

In unserem christlich geprägten Abendland sollte diese Rüge aus der Bergpredigt (Mtth:7,3) wohlbekannt sein und entsprechend Zurückhaltung bzw. kritische Überprüfung eigener Ansichten und Aussagen anmahnen.

Ein Blick in die Presse lässt uns aber über das Gegenteil erstaunen. Da grassiert z.Zt. die durch Fakten nicht belegte Behauptung, dass China in Europa illegale Polizeistationen betreibe (Splitter), während man geflissentlich übersieht, dass die USA bei uns und weltweit auf fremden Territorien über 700 völlig autarke Stützpunkte mit Militär und Polizei und bei uns sogar mit Atombomben und Kommandozentrale für Kriege weltweit betreiben (Balken). Solange aber nichts nachgewiesen ist, ist es nicht einmal ein Splitter, sondern nur eine ebenso böswillige wie dumme Lüge. Kein Staat der Neuzeit, außer Hitlerdeutschland, die USA und das imperiale England, hat bisher Polizeistationen im Ausland errichtet, auch China nicht.

Gerade in der heutigen Zeit der großen Umbrüche weltweit müssen wir zwar kritisch aber vor allem objektiv sein. Fehleinschätzungen oder gar böswillige Unterstellungen führen unweigerlich zu Eigentoren. Zur realen Einschätzung gehört dabei unbedingt der Respekt vor anderen Kulturen und Meinungen, selbst wenn man sich ihnen nicht anschließen kann. Das hat schon Voltaire so gesehen: “Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen“.

Aus materieller und geistiger Bequemlichkeit wollen viele Menschen, dass nur alles so bleibt wie es ist. Gleichwohl sollten wir spätestens seit Heraklit wissen, dass alles immer in Bewegung ist, sich stetig ändert, panta rhei. Und in einer eben solchen Zeit der Veränderungen leben wir jetzt, angestoßen insbesondere durch China. Dieses Land hat sich von einem der ärmsten Länder der Welt in nur 40 Jahren zur mittlerweile zweiten Wirtschaftsmacht entwickelt und ist darauf stolz und selbstbewusst geworden. Und selbstverständlich will China an der Gestaltung der Beziehungen rund um die Welt mitwirken. Um das richtig zu verstehen, braucht es Bildung und nicht Vorurteile, die nach Voltaire die Vernunft der Narren ist. China kann stolz auf seine Geschichte und Kultur sein. Dabei hat es noch nie einen Krieg ausserhalb seines Territoriums geführt und auch keine Polizeistationen im Ausland betrieben oder gar Kolonien ausgeplündert.

Wozu westliche Meinungssteuerung führen kann, sieht man am Beispiel Vietnamkrieg. Dieser verheerende Krieg ist nur aufgrund einer von den USA verbreiteten Lüge losgetreten worden. Wenn diese Art von Meinungsbildung mit schlimmen Folgen für andere nicht aufhört, wird der Westen die immer wieder stattfindenden Veränderungen wegen des Balkens im eigenen Auge nie richtig einordnen oder gar nutzen können. Ganz anders China: „Wenn der Wind der Erneuerung weht, dann bauen die einen Menschen Mauern und die anderen Windmühlen“.(Konfuzius)

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Grafikquellen       :

Oben      —    Domenico FettiVom Splitter und vom Balken (um 1619, Metropolitan Museum of Art)

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