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Archiv für Januar 21st, 2023

Merz – Er kann nicht anders

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2023

Die CDU unter Friedrich Merz

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So sind die Republikaner – ein Stuhl ersetzt auch manchmal die Fahne!

Ein Artikel von Sabine am Orde

Merz ist seit einem Jahr Chef der Christdemokraten. Wie läuft es, wenn jemand mit dem Hang zum Polarisieren eine Partei einen soll?

s ist früher Nachmittag, als Friedrich Merz am zweiten Samstag im Januar in einem Hotel am Weimarer Goethepark vor die Presse tritt. Im Nebenraum räumen Servicekräfte die Reste des Mittagessens ab, mit dem die Klausur des CDU-Bundesvorstands gerade zu Ende gegangen ist.

Zwei Tage lang hat sich die CDU-Spitze mit den Themen Wirtschaft, Energie und Klima beschäftigt, mit dem Ökonomen Clemens Fuest vom Ifo-Institut und der Bremer Meeresbiologin Antje Boetius waren hochkarätige Gäste geladen. In der Wirtschaftspolitik, traditionell eigentlich ein Kernthema der Partei, sind die Kompetenzwerte der CDU eingebrochen. Bei der Klimapolitik waren sie noch nie sonderlich hoch.

Das Treffen soll Abhilfe schaffen, und natürlich soll darüber berichtet werden. Deshalb steht der CDU-Parteivorsitzende nun vor dem Mikrofon. Doch schon der zweite Journalist, der das Wort erhält, fragt nicht nach Wirtschafts- oder Klimapolitik. Es habe doch eine Diskussion über den integrationspolitischen Kurs und Kritik an seiner Wortwahl gegeben: „Werden Sie an diesem Kurs etwas ändern, werden Sie sich zusammenreißen?“

Merz hatte vier Tage zuvor in der Talkshow von Markus Lanz im Zusammenhang mit der Silvesterrandale pauschalisierend arabische Jungen „kleine Paschas“ genannt und von Menschen gesprochen, „die nicht in unser Land gehören“. Das hat für Wirbel gesorgt, auch in der Partei. Migration ist für die CDU ein schwieriges Thema, nicht erst seitdem der Flüchtlingsherbst 2015 die Union fast zerrissen hat. Hier stehen sich Modernisierer und Konservative besonders unversöhnlich gegenüber – auch wenn inzwischen jeder in der Partei weiß, dass es ohne Fachkräftezuwanderung nicht mehr gehen wird.

Im dritten Anlauf

Merz wiegelt ab. Diskussionen dazu habe es keine gegeben, nur einige wenige Wortmeldungen, sagt er auf der Hotelbühne. Und ohnehin: Die Partei sei sich weitgehend einig. Doch da war die Mahnung von CDU-Generalsekretär Mario Czaja, man möge Menschen mit Migrationsgeschichte gegenüber sensibel mit Sprache umgehen, schon längst aus der Klausur nach außen gedrungen. Und die kritischen Äußerungen der Vorstandsmitglieder Hermann Gröhe und Serap Güler ebenfalls. Die Auseinandersetzung überlagerte die Berichterstattung verhagelte der CDU den Jahresauftakt und sagt viel über die Schwierigkeiten von Friedrich Merz als Parteichef.

Seit gut vier Jahren ist der Sauerländer, Millionär und ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende von Blackrock Deutschland zurück in der Politik. Seither hat es viele polarisierende Einwürfe von Friedrich Merz gegeben. Als er erst gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und dann gegen Armin Laschet um den CDU-Vorsitz kämpfte, haben ihn seine kernigen Aussagen zum vermeintlichen Heilsbringer für all jene gemacht, die eine Kehrtwende der Partei und ein stärker konservatives Profil wollten, möglichst weit weg vom mittigen Kurs Angela Merkels. Verloren hat Merz die Wahlen trotzdem.

Doch im dritten Anlauf hat die Partei Merz schließlich doch noch zu ihrem Vorsitzenden gewählt, nach einer Mitgliederbefragung, die eindeutig ausging: 62 Prozent stimmten für ihn, beim Parteitag wurden über 94 Prozent daraus. Selbst Merz-Gegner*innen konnten das Mitgliedervotum nicht ignorieren. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen dachte manch einer aber wohl auch: Dann soll er es halt selbst versuchen.

Als Merz im Januar 2022 die CDU übernimmt, gleicht sie einem Trümmerfeld. Zwei Parteivorsitzende hat sie in kürzester Zeit verschlissen, das Verhältnis zur Schwesterpartei ist zerrüttet, die Bundestagswahl ging verloren, das Kanzleramt an die SPD. Niemand weiß mehr, wofür die CDU steht und wohin sie will. Es ist eine Herku­les­aufgabe: Der neue Vorsitzende muss die Partei einen, inhaltlich neu aufstellen und mit der CSU versöhnen.

Er beteuert, wie wichtig Klimaschutz für die CDU sei, und jettet mit seinem Privatflieger nach Sylt zur Hochzeit von Christian Lindner

Anfangs scheint es, als hätte der heute 67-Jährige bei seinem langen Weg an die Spitze der Partei gelernt. Mit zugespitzten Äußerungen hält er sich zurück, stattdessen sagt er Sätze wie „Die CDU muss modern werden“. Er verspricht, mit ihm werde es keinen Rechtsruck geben, und beteuert die Bedeutung von sozialer Gerechtigkeit. Es scheint, als wolle Friedrich Merz sich neu erfinden. Weg von dem neoliberalen Anti-Merkel mit viel Arroganz und wenig Empathie.

Zum Generalsekretär macht er Mario Czaja, Mitglied in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), dem Arbeitnehmerflügel der Partei – und damit parteiintern weit entfernt von Merz. Auffällig oft spricht Merz vom „Team“ und davon, dass eine Partei wie die CDU viele Köpfe brauche. Auch Karin Prien, die liberale Bildungsministerin aus Schleswig-Holstein, und der Klimaexperte Andreas Jung werden stellvertretende Parteivorsitzende.

Seitdem aber sendet Merz widersprüchliche Signale: Er hat eine parteiinterne Frauenquote durchgesetzt und sich bei einer Rede von Außenministerin Annalena Baerbock mit theatraler Geste ans Herz gefasst, um ihre Ausführungen über feministische Außenpolitik ins Lächerliche zu ziehen. Er hat beteuert, wie wichtig der Klimaschutz für die CDU sei, und ist im Privatflieger zu Christian Lindners Hochzeit nach Sylt gejettet. Er ist früh in die Ukraine gereist, um Solidarität zu bekunden, und hat ukrainische Geflüchtete als „Sozialtouristen“ beschimpft. Für Letzteres hat er sich später halbherzig entschuldigt.

Das eine und das andere Ende der Partei

Was die Frage aufwirft, ob er sich wirklich verändert hat. Kann einer, der immer „ich“ gesagt hat, plötzlich im „Wir“ denken? Kann einer, der so oft polarisierte und ausgrenzte, plötzlich zusammenführen? Wo also steht Friedrich Merz – und wo steht seine Partei nach einem Jahr mit ihm als Vorsitzenden?

Anrufe bei zwei CDU-Kennern, die es wissen könnten. Beide haben die Partei professionell im Blick und sind auch eng mit ihr verbandelt. Der eine, Andreas Püttmann, Politikwissenschaftler und Publizist aus Bonn, nennt sich selbst „ideeller Christdemokrat ohne Parteibuch“. Er ist dem sozialliberalen Parteiflügel zugetan und hat aus seiner Gegnerschaft zu Friedrich Merz nie einen Hehl gemacht. Rechtspopulistische Abwege sind Püttmann ein Graus. Er sagt: „Friedrich Merz ist zu der notwendigen geistigen Führung der Partei nicht in der Lage.“

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Die Jagd wird eröffnet in der richtigen Umgebung

Der andere: Andreas Rödder, Geschichtsprofessor in Mainz, gilt als konservativer Vordenker. Seit Merz CDU-Chef ist, leitet Rödder die Grundwertekommission der Partei und wollte prompt den Begriff Gleichstellung aus ihrer Grundwertecharta streichen. Identitätspolitik hat er als zentrale Gefahr für die Demokratie ausgemacht. Rödder, der eigentlich Merz-Fan ist, sagt: „Ich habe Hoffnungen, die sich noch erfüllen lassen.“

Püttmann steht also für das eine, Rödder für das andere Ende der CDU, zufrieden ist keiner der beiden mit dem Vorsitzenden – und manche ihrer Begründungen ähneln sich. Beide finden gut, wie Merz im Bundestag den Kanzler herausfordert. Beide sind der Ansicht, dass er sich zu sehr auf die Fraktion konzentriert und die Partei vernachlässigt. Dass der CDU weiterhin eigene Konzepte fehlen, ein echtes Manko. Und dass Merz im ersten Jahr einige gravierende Fehler gemacht hat.

Parteichef, Fraktionschef, Oppositionschef – Kanzlerkandidat?

Es ist Anfang Juni, Generaldebatte im Bundestag, als Merz den Kanzler zum ersten Mal aus der Reserve lockt. Lässig steht er mit seinen 1,98 Metern am Rede­pult. Warum Olaf Scholz nicht endlich sage, dass die Ukraine den Krieg gewinnen müsse, fragt Merz. Welche Waffen er wirklich liefern wolle. Und wie der Kanzler abstimmen werde, wenn es im Europäischen Rat um einen EU-Kandidatenstatus für die Ukraine geht. 20 Minuten läuft das so. Der CDU-Mann macht klar: Der Kanzler wird dem Begriff Zeitenwende nicht gerecht.

Olaf Scholz liest seine Reden gewöhnlich vom Blatt ab, fürs Zuhören ermüdend. Doch an diesem Tag lässt er sein Manuskript liegen – und koffert zurück. „Sie sind hier durch die Sache durchgetänzelt und haben nichts Konkretes gesagt.“ Merz stelle nur Fragen und positioniere sich nicht. „Damit werden Sie nicht durchkommen.“ Dann listet er, sogar mit einer gewissen Leidenschaft, auf, wie Deutschland die Ukraine unterstützt. Ein Moment, in dem auch Geg­ne­r*in­nen der Union einräumen: Für die Debatte im Bundestag ist Merz ein Gewinn.

Dem CDU-Mann gefallen Auftritte wie dieser – wenn er auf großer Bühne auf einer Stufe mit dem Kanzler agieren kann. Mitte Februar hat er dafür Ralph Brinkhaus geschasst und den Fraktionsvorsitz selbst übernommen. Sein Teamgeist hat Grenzen, wenn es um die eigenen Pläne geht. Merz hat damit die beiden Top-Posten der CDU besetzt – und die Pole-Position für die Kanzlerkandidatur. Geht es in der Presse um die Bundes-CDU, kommt vor allem einer vor: Friedrich Merz.

In Zeiten des russischen Angriffkrieges muss die Union staatstragend sein, aber sich gleichzeitig gegen die Regierung profilieren. Beim Sondervermögen für die Bundeswehr und beim Bürgergeld gelingt ihr diese Gratwanderung, manchmal, wie beim Mindestlohn, geht es daneben.

Merz konzentriert sich auf die öffentlichkeitswirksamen Auftritte und auf die Fraktion, das hat seinen Preis: Für die Partei hat er wenig Zeit, dabei soll hier die CDU inhaltlich neu aufgestellt werden. Carsten Linnemann, Parteivize und ehemaliger Chef der Mittelstandsvereinigung, schiebt zwar das neue Grundsatzprogramm an, doch das ist ein zäher Prozess. 2024, zur Europawahl, soll es fertig sein. „Innerparteilich sind stärkere Akzente nötig, um diese heterogene Partei zu führen“, urteilt Historiker Andreas Rödder.

In der CDU-Zentrale laufen die Dinge alles andere als rund. Merz hat den alten Bundesgeschäftsführer spät ausgetauscht, aber bereits zwei Bü­ro­lei­te­r*in­nen verschlissen, die neue Kommunikationschefin wurde groß angekündigt und war dann schnell wieder weg. Der Generalsekretär wird quer durch die Parteilager als schwach kritisiert, die stellvertretende Generalsekretärin gilt als noch schwächer. Deren Posten hat Merz extra geschaffen, damit er beim Kampf um den Parteivorsitz zumindest eine Frau vorweisen kann. „Wenn die anderen nicht glänzen, kann Merz besser strahlen“, kommentiert ein Parteifunktionär Merz’ Personalauswahl.

Dass Mario Czaja es nicht schafft, so richtig zu punkten, könnte aber auch an seiner Rolle liegen. Generalsekretäre sind meist dazu da, die Position des Parteivorsitzenden zuzuspitzen. Sie testen, wie Aussagen wirken. Und greifen an. Manchmal macht Czaja das auch, wie zuletzt mit der Forderung, eine Deutschpflicht auf Schulhöfen einzuführen. Aber er ist als liberales und soziales Korrektiv zu Merz ins Amt gekommen, sollte parteiintern für Zustimmung jenseits der eigenen Fanbase sorgen. Jetzt setzt Czaja sich mitunter merklich von seinem Chef ab.

Czaja weiß, dass die CDU andere Wählergruppen ansprechen muss, will sie zurück an die Macht. Der Unmut über die Bundesregierung ist derzeit groß, doch in Umfragen ist die CDU bei knapp 30 Prozent wie festgenagelt, sie überzeugt nur ihre Kernklientel. Der Generalsekretär will Frauen, junge Familien, Menschen mit Migrationsgeschichte für die CDU ansprechen. Und weiß natürlich, wie schädlich dafür Merz’ „kleine Paschas“ sind oder auch die Frage des Berliner Landesverbandes nach den Vornamen der Tatverdächtigen mit deutscher Staatsbürgerschaft aus der Silvesternacht.

Die Gesellschaft ist weiter

Schaut man sich Merz’ Auftritt bei Lanz genau an, sieht man einen Mann, der sich in Fahrt redet. Der immer schneller spricht und im Ton bestimmter wird. Merz wirkt nicht so, als wolle er nur rein strategisch an den Stammtischen punkten. Sondern wie einer, der meint, was er sagt. Der nicht wirklich versteht, was Aladin El-Mafaalani, der Integrationsforscher, der im TV-Studio neben ihm sitzt, überhaupt von ihm will. Merz wirkt wie einer, der nicht anders kann.

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Seine Fahnen weisen auf  die Herkunft seiner Ahnen ?

Am Abend darauf ist Carlo Masala, Sohn eines italienischen Gastarbeiters und Militärexperte von der Universität der Bundeswehr, in Lanz’ Talkshow zu Gast, er wird auch von der Union geschätzt. „Ich bin über die Maßen erzürnt“, sagt Masala zu den Äußerungen von Merz und die Debatte rund um die Silvesternacht. „Man spuckt all denen, die seit zwei oder drei Generationen hier leben, ins Gesicht.“

Merz wird Masalas Auftritt gesehen haben, kurze Clips davon schwirren tagelang durch die sozialen Netzwerke. Doch eine Irritation, ein Innehalten sind ihm nicht anzumerken. Das mag auch daran liegen, dass in der CDU-Zentrale auch Zustimmung für den Parteichef ankommt. Immer wieder verteidigt Merz seine Äußerungen. „Ich habe dem Volk aufs Maul geschaut“, sagt er etwa dem Tagesspiegel, und das sei Demokratie. Dass große Teile des Volkes inzwischen längst anders ticken, dass sich die Gesellschaft in den Jahren, die er jenseits der Politik verbracht hat, weiterentwickelt hat, das sieht Merz nicht. Oder er will es nicht sehen.

Wie gespalten die CDU beim Thema Migration ist, zeigt sich im Dezember in der Bundestagsfraktion, bei der Abstimmung über das Aufenthaltsrecht. Die In­nen­po­li­ti­ke­r*in­nen wollten die Fraktion auf ein Nein einschwören, dass es zum internen Konflikt kommen würde, war vielen Beteiligten klar. Nach allem, was man aus der Fraktion hört, ließ Merz, in dieser Frage selbst Hardliner, das Problem schleifen. Erst kündigte er einen eigenen Antrag der Union an, hinter dem sich die ganze Fraktion versammeln könnte, dann war dieser plötzlich wieder vom Tisch. 20 Abgeordnete scherten schließlich aus der Mehrheitsmeinung aus. Sie enthielten sich bei der Abstimmung und gaben dazu eine Erklärung ab. Gröhe und Güler waren dabei, auch Armin Laschet, Helge Braun und Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas.

Es ist ein Abwehrkampf, klar, aber man darf dies wohl auch als Warnzeichen verstehen, dass die Liberalen in der CDU ihre Grenzen haben.

Am Rande des Plenums beobachten mehrere Politiker*innen, wie Merz mit erhobenem Zeigefinger auf Serap Güler eingeredet. Der Eindruck der Beobachter*innen: Der Fraktionschef staucht eine Abgeordnete zusammen, die nicht hinter ihre Positionen als NRW-Integrationsstaatssekretärin zurückfallen will. Am 24. Januar soll es eine offene Fraktionssitzung geben, in der das Thema Migration auch mit Experten von außen besprochen wird.

Quelle        :          TAZ-online          >>>>>>          weiterlesen  

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Oben      —       Der Struwwelpeter: Die Geschichte vom bösen Friederich Tafel 1

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2.) von Oben     —  Die USA und ihre Verbündeten proben mit willkürlichen Raketenangriffen den Weltuntergang

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„Avatar. The way of water“

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2023

Große amerikanische Philosophie der Gegenwart:

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Von Dr. Nikolaus Götz

Große amerikanische Philosophie der Gegenwart: „Der Schwanz ist zu klein!“ Eine Rezension des Filmes „Avatar. The way of water“

Auch „die Deutschen“ wissen seit März 2022, dass „wir“ in der Ukraine einen guten Krieg führen! Zu diesem großen, medial eingebläuten geostrategischen Denkansatz passt es, dass die Illusionsfabrik von Hollywood mit dem neustem Film von James Cameron nun den besseren, den richtigen amerikanischen Traum eines „Way of life“ in die deutschen Kinos gebracht hat: nämlich Avatar: The way of water (Teil 2) (1). Und wieder ’reiten’ in diesem Fortsetzungsfilm, wie im alten ’Wilden Westen’, die ’guten’, noch mit der unzerstörten Natur in Einklang lebenden, ’Indianer’ gegen die ’bösen Cowboys’ an, wobei dem biederen Kinogänger vorab schon klar sein dürfte, dass nach dem kommenden blutrünstigen ’Shoot down’ pünktlich um ’12 Uhr mittags’ (2) natürlich die ’Guten’ zum ’happy end’, dem glücklichen Filmende nämlich, gelangen und gewinnen werden. Und so greift das neuste Drehbuch des Oskar gekrönten Regisseurs Cameron auf die bewährten schwarz-weiß Vorlagen mit all jenen alten ’positiven’ Klichees zurück und passt die erneut präsentierten Planetenbewohner einer ’Letzten Generation’ der ’Neuerde’ Pandora der aktuellen 3D Realisierungstechnik an: Doch ohne Brille geht die Chose nicht!

Die Handlung des Films, an die Darstellungsvorlage von Avatar Teil 1 anknüpfend, springt nach einer Walt Disney-Micky Maus-zeichentrickgleichen bunten Präsentation des glücklich zufriedenen Lebens der Heldenfamilie des Filmes auf dem Planeten Pandora mitten in die ‚Action’. Der urplötzlich und supernovahell am Sternenhimmel von Pandora aufleuchtende näherkommende ’Stern’ (von Bethlehem?) verkündet das Ende des ’happy family’-Daseins und den Anfang einer erneuten kriegerischen Invasion. Die Lichtreflektion im Weltall signalisierte die Rückkehr der Spezies Mensch nach Pandora (3), die nämlich diesen noch ökologisch intakten Planeten als neuen Wohnraum dringend benötigt. Die sogenannten ’Stern-Menschen’ haben nämlich inzwischen ihren Planeten, die sogenannte ’Erde’, einen einst blauschimmernden, wundervollen Wasser-Festplaneten durch ihre hirnlose militärisch-kapitalistische Zivilisation restlos zerstört, was so der zuhörende Kinogänger nur schnell in einem Nebensatz erfährt. Wie in einem alles vernichtenden Vulkanausbruch erfolgt der dargestellte erste Landgang der so präsentierten „kriegsgeilen Menschen“ auf Pandora, deren Kriegsphilosophie durch einen Erdengeneral in die Gehirne der Zuschauer implantiert wird: „Ein Marine kann keine Niederlage erleiden. Man kann ihn töten, doch er wird in der Hölle neu aufgestellt.“ (4) Und so erfolgt umgehend der Neubau der ersten technologisch fortschrittlichen Kolonie auf Pandora, auf einem Gelände ähnlich vergleichbar dem durch einen Feuersturm gerodeten Waldgebiet am Amazonas. Zeitgleich starten die verantwortlichen Conquistatores in spanischer Vernichtungsmanier auch die Suche nach dem damaligen Menschenkrieger ’Jake’ (5), der im Avatar Teil 1 die Planeteneroberung von Pandora durch seinen Seitenwechsel verhindert hatte.

Der Filmheld ’Jake’, inzwischen Vater von 4 Kindern, zieht es aus Raison jedoch zunächst vor zu flüchten und sich in den Weiten des südseeartigen Planeten zu verstecken. Typisch, dass seine Söhne, noch Jungs in der Adoleszenzphase, die Entscheidung ihres anführenden Vaters für das Familienteam nicht akzeptieren wollen. Und das auch, weil ihnen, nach der Aufnahme im neuen Gastfamilienclan der Meeresavatars, ehrverletzend mitgeteilt wird: „Der Schwanz ist zu klein!“ -deutsche Version-, um damit im Wasser ausreichend kräftig steuern zu können. Diese konkrete Kritik an ihrem Körperbau empfinden die betroffenen ’Dschungeljungs’ als Beleidigung! Doch die beiden ’Boys’ beweisen ihre Tugenden auch im Meer und können sich so gegen die rivalisierenden jugendlichen Eingeborenen der Gastfamilie behaupten. In wundervollen Filmsequenzen wird die Wasserwelt des Planeten Pandora, der irdischen Tiefsee nachempfunden, mit ihren Geschöpfen sichtbar und „der Weg des Wassers“ als spirituell-philosophische Lebensweise beschworen: „Das Wasser ist der Anfang und das Ende“ (Deutsche Kurzversion), womit der zusätzlich gewählte Untertitel des zweiten Teiles des Science-fiction Filmes Avatar eine Erklärung findet.

Mit der Entdeckung des Fluchtortes von Jake beginnt der obligatorische ’Shoot down’ oder der befreiende „Tag der Abrechnung“ des 193 Minuten langen Filmes. Dabei werden die zahlenmäßig weit überlegnen menschlichen Invasoren nur so weggeballert, wobei ein einfacher Pfeilschuss der sich wehrenden Ureinwohner die dickwandigen Panzerglasscheiben der Angreifer durchbricht. Wau! Auch das überlegene Herumgeballere von großkalibrigen Angriffswaffen der Menschen bringt fast keinen Treffer, weswegen natürlich die Ureinwohner den Endsieg erringen. Bedauerlicher Weise kommt in diesem Endkampf einer der Söhne von Jake ums Leben. Erneut fließt jetzt die steinzeitphilosophische Erkenntnis in die matialisch-brutale Szenerie: Jake erkennt und bekennt in dieser Situation, dass es sich lohnen würde, für den Erhalt seiner Familie zu kämpfen.

Ja, der Film Avatar passt wie „die Faust aufs Auge“ als Heils-Botschaft zum aktuell laufenden Krieg in der Ukraine. Der ’Mensch’ braucht halt Durchhalteparolen und Hollywood liefert prompt. Dass die im Film angezeigten ’ewigen’ menschlichen Konflikte zur Erziehung Heranwachsender, zur Ökologie wie zur kapitalistischen Ökonomie letztendlich nicht gelöst, sondern komplett ausgeblendet werden, ist wohl volle Absicht der ’absolut unpolitischen’ Filmemacher. Die vordergründige individuelle Handlungsebene verschluckt komplett die hintergründige Filmbotschaft, was die Lobeshymnen der stets angepassten Fake-Schreiberlinge der vielen Kino-News nicht reduziert, wie überall zu lesen ist. So folgt mit dem zu konstatierendem finanziellem Filmerfolg schon ein weiterer Teil des ’Planeten der Affenmenschen’ Avatar Teil 3 (6). Darin könnte beispielsweise der inzwischen zum Mann gereifte ’Spider’ und Sohn des geretteten letzten ’Stellar Soldier’ eine neue versöhnende Rolle als Mediator zwischen den friedlichen Ureinwohnern mit ihren Walen und der Menschheit spielen.

John Lennon, der “Träumer” für eine kriegsfreie Welt meinte so schon 1971: „Imagine there’s no countries It isn’t hard to do Nothing to kill or die for And no religion, too…” Für den „Kampf um Pandora“ wäre im Zitat des intellektuellen Beatles nur das Wort „Land“ gegen den „Planeten“ auszutauschen. Doch die Realität der ewigen für ihre Lügen bezahlten oder einfach unwissenden Schreiberlinge dominiert im Geschäft: Und so geht auch bei Cameron der in die Weiten des Weltalls verlagerte „Krieg“ weiter, denn „Krieg ist ja so schön!, besonders wenn es, wie im Film gezeigt, um ’action’ pur geht.

Anmerkungen:

1 Nach dem Film ’Avatar – Aufbruch nach Pandora aus dem Jahr 2009 nun ein zweiter Teil: Avatar: The way of water (engl.): dt.: Avatar: Der Weg des Wassers.

2 ’12 Uhr Mittags’ (High noon) ist ein bekannter Western aus dem Jahr 1952. Der ’Höchststand der Sonne’ kündigt in diesem Film die ’Abrechnung’ an. Auch im aktuellen Film Avatar 2 signalisiert eine ’Sonnenfinsternis’ den kommenden Filmhöhepunkt.

3 Der Name ’Pandora’ greift auf die griechische Mythologie zurück. Dort wird mit dem Namen ’Pandora’ eine „schöne Frau“ verstanden. Diese jedoch hat von Zeus als Geschenk eine Dose erhalten, die sogenannte „Büchse der Pandora“. Durch die Öffnung dieser Dose entweichen alle Untugenden und Laster der Menschen, weswegen die Erde nun zu einem trostlosen Ort verkommt (Siehe auch: WIKIPEDIA.org/wiki/avatar_(internet)). Diese Drohung ergreift im Film nun auch auf die ’Neuerde’ über, wenngleich die Filmverantwortlichen ihre Namensgebung des Planeten ’Neuerde’ nicht thematisieren.

4 „A marine can’t be defeated. You can kill us, but we’ll just regroup in hell.” „Ein Marine kann keine Niederlage erleiden. Man kann uns töten, doch wir werden in der Hölle neu aufgestellt.“

5 „Jake“ englisch-amerikanischer Name zurückzuführen zu ’Jack’ oder John im Französischen ’Jacques’, was in der deutschen Sprache einfach ’Jakob’ bedeuten würde. Damit ist aber klar, dass der Name ’Jakob’ oder ’Israel’ auf die Schilderungen der Bibel zurückzuführen ist und damit erneut auf die Bedeutung „Stammvater“ verweist. Diese Konnotation wird von den Filmverantwortlichen vielleicht auch intendiert, da der Erdenmensch ’Jake’ als Avatar mit seiner neuen Gefährtin vom Planeten Pandora, zum ’Stammvater’ einer neuen Lebensform (anatomisch beispielsweise mit „5 Fingern“ und einem „kleineren Schwanz“) wird.

6 Wie auf Internet schon publiziert, soll eine weitere Version von Avatar als Teil 3 um den 24. Dezember 2024 in die Kinos kommen (Siehe beispielsweise die Ankündigung auf www.kino.de

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Grafikquellen      :

Oben      —     Estrena especial de la versió en català d’Avatar: El sentit de l’aigua, als cinemes Cinesa Diagonal de Barcelona

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Ende Gelände-Grüne Erfolge

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2023

Ende Gelände – Grüne Erfolge, wohin man schaut

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Quelle:    Scharf  —  Links

Von    : DR. Renate Dillmann

Die Sache, um die es geht, ist ein Stück kapitalistischer Alltagspolitik: die per Gesetz verfügte Räumung eines Dorfs für den Braunkohletagebau. Gleichzeitig ist sie ein Beispiel dafür, wie dieser Alltag unter grüner Herrschaft funktioniert. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Note Beeindruckend! Maximale Punktzahl für die Politdarsteller in Grün, die in der Sache kompromisslos das durchsetzen, was der Standort braucht, und es zugleich schaffen, ihre Taten in bester Manier „weißzuwaschen“, so dass die stets großgeschriebenen WERTE noch als Produktivkraft, als „soft power“, beim Baggern und Räumen wirken. Im Einzelnen.

Eine grüne Ministerin

Mona Neubaur ist die erste grüne NRW-Landesministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie. Als solche hat sie die Aufgabe, die benötigte Energie für die Wirtschaft, d.h. vor allem für Industrie, bereit zu stellen. Dafür soll – Klimawandel hin, Umweltschutz her – im rheinischen Revier weiter Braunkohle abgebaggert werden; der „Kohledeal“ vom Oktober 2022 sieht dazu vor, dass das bis 2030 weiter gehen und dafür ein weiteres Dorf, Lützerath, geräumt und abgebaggert wird, weil sich gerade hier die Kohle sehr rentabel gewinnen lässt.1 Nach Auskunft der Regierenden ist das „rechtsstaatlich“ final beschlossen und deshalb umzusetzen, auch wenn eine neue Studie des DIW zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es dafür weder „eine energiepolitische noch eine klimapolitische Rechtfertigung gibt“. So weit, so normal: Man bestellt sich Gutachten, benützt die passenden, ignoriert die unpassenden…

Weil Mona Neubaur aber eine Grüne ist, schafft sie es, die 280 Millionen Tonnen fossiler Brennstoffe, die bis 2030 aus der rheinischen Landschaft gebaggert und anschließend verstromt werden sollen, im Sinne höherer Werte umzudeuten. Ihre Empfehlung an Klimaschützer lautet, die Sache so zu sehen: Man habe hier nicht 280 Millionen Tonnen mehr Braunkohle vor sich, die in den nächsten Jahren verheizt werden und entsprechende CO2-Emissionen verursachen, sondern 280 Millionen Tonnen weniger als ursprünglich mal geplant und deshalb ist das, was da in den nächsten Jahren an Baggern und Verheizen passiert, ein – Zitat Neubaur in der „Welt“ – „großer klimapolitischer Erfolg und auch ein Erfolg der Klimaschutzbewegung.“

So geht der Umgang mit der eigenen Wählerbasis, von der man weiß, dass sie beim Kreuzchenmachen auf was anderes gehofft hat. Großartig, wie die der Sache nach hundertprozentig konträre Praxis ungerührt als Umsetzung der Wahlversprechen zurechtgebogen wird.

Weiter im Text: „Dass die Kohle unterhalb von Lützerath kurzfristig für die Verstromung gebraucht wird, ist schmerzlich, aber auch rechtlich und durch Fachgutachten eindeutig geklärt. Unser Ziel bleibt die Transformation hin zu einer klimaneutralen Produktionsweise, und das ohne Wohlstandsbrüche. (…) Wir müssen den Beschäftigten von RWE Respekt zollen und dafür danken, dass wir in der jetzigen Übergangsphase die notwendigen Stromkapazitäten kurzfristig in den Energiemarkt bekommen!“

Hier kommt die grüne Spezialität mit voller Wucht zum Einsatz: Stets kommt als erstes „die Realität“ mit einem ganz großen „Leider, leider, leider“; nicht selten verbunden mit Seitenhieben auf die vorgefundene, von anderen zu verantwortende „Lage“. Das „schmerzt“ sehr, Zerknirschung, Dackelblick, Stirn in Falten. Es folgt das mit festen Worten vorgetragene Bekenntnis zu den gemeinsamen Fernzielen im Klimaschutz, dem Ideal, dem man weiterhin mit vollem Herzen verpflichtet ist. Dann, wieder relativierend, der „Respekt“ vor den vielen gesellschaftlichen Interessen und Sachzwängen (wie dem „Energiemarkt“), derentwegen man sich nun mal nicht 1:1 durchsetzen könne: „Wohlstandsverluste“ drohen nämlich, als deren Sinnbild in diesem Fall die RWE-Arbeiter mit ihren national wichtigen Arbeitsplätzen aufmarschieren, mit denen indirekt auch noch die „Versorgungskrise“ „dank Putin“ angespielt wird – all das natürlich wesentlich geschickter als über die Gewinne von RWE zu sprechen, die sich laut Oxfam in 2022 verdoppelt haben.

Wer jetzt noch keine Einsicht zeigt und verstockt auf irgendeinem Schnee von gestern besteht, kann nach so viel vorbildlicher PR keine weitere Unterredung erwarten: „Am 12. Januar besetzten Aktivisten das Grünen-Büro in Düsseldorf. Sie wollten ein Gespräch mit NRW–Wirtschaftsministerin Mona Neubaur über ihr Versprechen, dass Lützerath bestehen bleibe, erzwingen. Neubaur erschien nicht, dafür in den frühen Morgenstunden am 13. Januar ein großes Polizeiaufgebot, das das Büro kurzerhand räumte.“ (Terz, Düsseldorfer Stattzeitung, Februarausgabe)

Die grüne Ministerin nimmt also die Hilfe der Polizei in Anspruch, um zu verhindern, dass sie mit den Protestierenden reden muss. Gleichzeitig lässt sie verkünden weiter, „gewaltfreien und kreativen“ Protest unterstützen. Dieser Frau ist offenbar nix zu peinlich (und ihrer Anhängerschaft anscheinend auch nicht). Aber sie muss sich ja auch „zeitgleich um die Zukunftschancen dieser Region kümmern, die zwischen den Hochschulstandorten Aachen, Düsseldorf und Köln mit vielen starken Unternehmen traumhaft gelegen ist.“ Ja klar, liebe Mona, zwischen „Hochschulstandorten“ und „vielen starken Unternehmen“ ist eine Region wirklich traumhaft gelegen, schöner könnte es gar nicht sein!

Ein grüner Polizeichef

Federführend beim Einsatz der Polizei in Lützerath ist Dirk Weinspach, Aachener Polizeipräsident und ebenfalls Grüner. Auch er ist im Herzen selbstverständlich ein Klimaschützer, und zwar einer mit großen Sorgen. Zitat: „Zuallererst ist es mir wichtig festzuhalten, dass ich große Achtung vor dem Einsatz derer habe, die sich an dieser Petition beteiligt haben, vor den über 32.000 Unterstützerinnen und Unterstützern und allen, die sich im Klimaschutz engagieren. Ich teile deren Sorge vor einer weiteren Erderwärmung und vor den Folgen, die es haben wird, wenn es nicht gelingt, das völkerrechtlich vereinbarte 1,5-Grad-Ziel einzuhalten“.

Da aber nicht die Polizei, sondern die zuständigen Behörden die Entscheidungen treffen, muss jetzt eben – wir können es uns schon denken: leider, leider, leider und mit viel „Achtung vor dem Einsatz“ der Klimaschützer! – geräumt werden. „Dabei ist für uns das Wichtigste, dass die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet wird.“ Wenn das Bedauern des Polizeichefs vielleicht sogar ehrlich gemeint war, ist es dieser Satz gewiss nicht. Denn natürlich ist der Zweck des Polizeieinsatzes nicht die Gewährleistung der „Sicherheit aller Beteiligten“, sondern die staatlich verfügte Räumung des Geländes. Und dabei setzt die Polizei die Gewaltmittel ein, die ihr Chef für geboten hält, und kalkuliert damit selbstverständlich auch Verletzungen ein – die in aller staatlichen Nüchternheit so genannten „Kollateralschäden“. So rechnet der grüne Staatsdiener und setzt es dann „professionell“ durch – über die Etappen berichtet anschaulich die Süddeutsche Zeitung.

Zehn bis fünfzehn bürgerkriegsmäßig ausgerüstete Hundertschaften aus 14 Bundesländern räumen dann seit dem Morgen des 11.1. im Schichtbetrieb 24/7 das Dorf. Die Polizei setzt offenbar auf eine riesige zahlenmäßige Überlegenheit, mit der die Besetzer nicht gerechnet haben. Über das Vorgehen berichtet die Düsseldorfer Stattzeitung Terz in ihrer Februarausgabe: „Die Polizeiführung mit ihrer Übermacht an Einsatzkräften hatte jedoch auch ihr Konzept. In kleinen Gruppen sprachen sie einzelne Dorfbesetzer an, klärten sie über die Rechtslage auf und begleiteten sie mit der Drohung, bei Weigerung, das Gelände zu verlassen, Gewalt anzuwenden, hinaus aus dem Dorf.“

Mit anderen Worten: Die Leute, die sich im Dorf aufhalten, werden vor die Wahl gestellt, aufzugeben oder eine Anzeige wegen Landfriedensbruch zu kassieren; wer sich weigert, hat darüber hinaus erst mal mit unmittelbarer Gewaltanwendung durch die massiv ausgerüsteten Polizisten zu rechnen.

Das sieht dann für Dirk Weinspach so aus (Tagesthemen vom 11.1.23): „Überwiegend ist es friedlich verlaufen, über den Tagesverlauf. Darüber bin ich froh und was mich besonders befriedigt, dass über 200 Besetzerinnen und Besetzer das Angebot genutzt haben, hier freiwillig und ohne polizeiliche Maßnahmen den Einsatzraum zu verlassen.“

Der Mann hat Humor. „Friedlich“ und „freiwillig“ – das ist wirklich spaßig angesichts der polizeilichen Machtdemonstration, die er hat auffahren lassen. Der Aufmarsch seiner gesammelten Polizeikräfte zählt für ihn offenbar nicht als „Maßnahme“. Und von Einschüchterung kann bei Tausenden schwer ausgerüsteten Polizisten gegen ein paar Hundert Jugendliche erst recht nicht die Rede sein – so etwas können Grüne nur in den schlimmen „autoritären Regimen“ sehen, aber niemals in unserer bis an die Zähne bewaffneten „wertebasierten“ Demokratie.

Weinspach gibt sich insofern „persönlich sehr befriedigt“ angesichts des Wirkens seiner Deeskalationsstrategie durch eine ungeheure polizeiliche Übermacht, registriert „lediglich“ 124 Festnahmen mit Anzeigen wegen Landfriedensbruch und gibt höchstpersönlich vor den Kameras eine perfekt gegenderte Stellungnahme ab. Das Dorf ist so gut wie geräumt, die Häuser sind schon abgerissen und RWE verhindert mit schnell gebauten Zäunen, dass nochmal jemand aufs Gelände kommt.

Am Samstag verdirbt die Demonstration mit mehr als 35.000 Teilnehmern (die Polizei will allen Ernstes 8.000 gezählt haben! soviel zu Polizeiberichten als „privilegierter Quelle“ für Journalisten) die tolle Bilanz ein wenig. Das macht aber nichts, weil sich daran gleich wieder die gute alte Debatte über die schreckliche „Gewalt“ aufziehen lässt. Damit ist natürlich nicht die Staatsgewalt mit ihren Hundertschaften samt schwerem Gerät gemeint, sondern die „gewaltbereiten Protestierer“, die es gewagt haben, von der vorgeschriebenen Route abzuweichen. Sie „mussten“ mit Polizeiknüppel und Pfefferspray von weiteren Straftaten abgehalten und auch vor Unfällen „an der Abbruchkante“ geschützt werden – in ihrem eigenen Interesse natürlich!

Fazit

Die Staatsgewalt in Grün hat in Lützerath demonstriert, dass sie „es“ kann. Den etwas heiklen Fall dieses „Symbols“ der Klimabewegung, an dem diese zeigen will, wie wenig ernst es Deutschland mit seiner Klimapolitik meint, hat das grüne Duo geschmeidig bewältigt – und das vermutlich durchaus besser als es andere (bei der Klima-Bewegung verhasste) Figuren aus dem liberalen Lager oder von der Christenpartei gekonnt hätten.

Mit ihren ausgereiften PR-Techniken – der schmerzhaften Abwägung von Idealen und Realität, der Äußerung von ganz viel Respekt vor allen betroffenen Interessen, der unverfrorenen Berufung auf das Recht (das sie dauernd ändern) als fixe Größe usw. – beanspruchen die grünen Staatsfunktionäre in von keinem Zweifel angekränkelter Selbstgerechtigkeit, ihre Wählerbasis bei der Stange zu halten.

Sie lassen den Protest gegen die Durchsetzung der von ihnen ausgemachten Staatsnotwendigkeiten gewaltsam wegräumen und fordern gleichzeitig dazu auf, „gewaltfrei und kreativ“ weiter zu protestieren. Wow! – und Frage an die grünen Wähler, auf wie viel dreiste Heuchelei sie auch in Zukunft noch reinfallen wollen…

PS: Die Mainstream-Medien machen sich wie gewohnt zum kompetenten Helfer bei der Sortierung des Klimaprotestes. Sie behandeln die hehren Anliegen der jugendlichen Klimaschützer wesentlich wohlwollender als manch andere Proteste: Klimaschutz, Rettung der Menschheit und des Planeten – das sind Ziele, die in Ordnung gehen und dem deutschen Führungsanspruch gut zu Gesicht stehen. Dass man dafür demonstriert, auch. Spätestens nach der (erlaubten) Demonstration müssen die Protestierer allerdings auch nach Hause gehen und sich den rechtsstaatlich angeordneten Maßnahmen beugen.

Das erwartet man in den deutschen Redaktionen einfach. Wer sich dem nicht beugt und etwa die Klimarettung so ernst nimmt, dass er sich mit erzwungenen Braunkohletagebau unter grüner Regie nicht abfinden will, gehört für sie dann auch sehr schnell zu den „gewaltbereiten Chaoten“, die zurecht die Härte eines Polizeiknüppels oder einer Strafanzeige zu spüren und dann natürlich auch eine ziemlich schlechte Presse bekommen (Tagesthemen vom 11.1.23 / Anne Will vom 15.1.23).

PPS: Die Klimaschützer, die am Samstag noch einmal in großer Zahl demonstriert haben, könnten an Lützerath eine Menge lernen. Über ihre eigene Rolle als Wähler_innen in einer Demokratie zum Beispiel, deren grüne Repräsentanten keinen Zweifel daran lassen, dass sie die deutsche Staatsräson und die Interessen ihrer Profiteure mit aller (Polizei)Gewalt durchzusetzen bereit sind. Darüber, dass grüner Kapitalismus eben grüner Kapitalismus und grüne Herrschaft vor allem Herrschaft in grün ist.

Dafür müssten sie sich allerdings zunächst von ihrem Lieblings-Gedanken verabschieden, dass es sich ein ums andere Mal um staatliches Versagen handelt, wenn ihre Anliegen unter die Räder ihrer geliebten Herrschaft kommen…

1 Der Energiekonzern RWE hat sich auf diesen Vorschlag eingelassen, weil steigende CO2-Preise die Profitabilität bereits vor 2030 gefährden können. https://www.wwf.de/2023/januar/luetzerath-neuer-tiefpunkt-in-sachen-klimaschutz

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Grafikquellen      :

Oben      —     Orangener Finger bei Ende Gelände am 26. September 2020.

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Unten        —      Anti-Kohle-Kidz Finger bei Ende Gelände am 26. September 2020.

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KOLUMNE-Fernsicht-China

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2023

Absurde Statistiken trüben chinesisches Neujahrsfest

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Kolumne Fernsicht von  :  Shi Ming

Chinas Fake-News-Strategie kommt im Volk nicht gut an. Das traditionelle Frühjahrsfest wird überschattet von der hohen Zahl der Toten und Misstrauen.

An diesem Samstag ist in China das Frühlingsfest oder das chinesische Neujahr. Ein Fest, das Anlass für Freude und Hoffnung geben sollte. In diesem Jahr wird es massiv von einer Statistik gestört – die der Sterblichkeit aufgrund der grassierenden Pandemie. Spektakulärerweise ist dabei weniger die Sterblichkeit zen­traler Störfaktor, sondern die Statistik als solche. Anfang Januar gab das chinesische Desease Control Centrum (CDC) an einem bestimmten Tag 4 Todesfälle bekannt.

Sogar stillgelegte Stahlöfen werden wieder befeuert, um die Toten einzuäschern

Kaum zwei Wochen später korrigierte CDC diese Statistik: In den fünf Wochen bis dato seien in China rund 60.000 Menschen an der Corona-Infektion gestorben, auf den Tag gerechnet waren es 1.714, das 428-Fache jener Tagesstatistik, die schon bei Bekanntgabe Wellen der Entrüstung auslöste, schließlich wurden bereits zwei Wochen zuvor überfüllte Krematorien gemeldet.

In Großstädten wie Beijing und Schanghai wurden, so verlautete aus halbwegs geduldeten Berichten in den sozialen Netzwerken, sogar stillgelegte Stahlöfen wieder befeuert, um die Toten einzuäschern. Mit der drastischen Zunahme schwerer Krankheitsverläufe – offiziell haben 90 Prozent der Infizierten deutliche Symptome und davon wiederum die Hälfte schwere – dürfte die Situation heute noch bedrückender sein.

Laut Uniklinik in der Hauptstadt Beijing könnte die erste Infektionswelle bereits 900 Millionen Chinesen „durchseucht“ haben. Legt man eine in den USA entwickelte Sterblichkeitsrate nach einer Durchimpfung von über 70 Prozent der Bevölkerung, also 1 von 10.000 zugrunde, würde dies die erschreckende Zahl von 900.000 Toten ergeben. Das ist das 15-Fache jener Fünfwochenstatistik in China, da, wo die Durchimpfung der über 75-Jährigen gerade einmal die Marke von 50 Prozent ankratzt.

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Sich wie Schnittlauch fühlen

Die Abwehrkraft der Bevölkerung dürfte dort um ein Vielfaches schwächer sein als in den USA und die Sterblichkeitsrate entsprechend höher. Längst vertraut in China kaum noch jemand den offiziellen Zahlen. Sei es, wenn amtliche Ökonomen für das angebrochene 2023 ein Wirtschaftswachstum von über 5, mancherorts sogar bis 10 Prozent prognostizieren, sei es, dass die Arbeitsämter die Arbeitslosigkeit immer noch nahe der Marke von 5 Prozent angeben – sie alle entlocken Chinesen bestenfalls ein müdes Lächeln.

Stattdessen kommt es vermehrt zu offenen Protesten und verbitterten Anprangerungen: Als „Schnittlauch“ bezeichnen sich Normalchinesen selbst schon eine Weile, jenes Kraut, das zeit seines kurzen Lebens mehrfach abgeschnitten wird, also von denen da oben wiederholt abgeerntet wird, bis es sich erholt und erneut wächst. Nun kommt die Sterblichkeitsstatistik ausgerechnet zum Fest der Fröhlichkeit und Hoffnung an die Öffentlichkeit. Im Land macht sich zunehmend Sarkasmus breit.

Quelle        :         TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Vogelbeobachtung in Panama

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DL – Tagesticker 21.01.2023

Erstellt von DL-Redaktion am 21. Januar 2023

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Leseauswahl des „Bengels“:  – . –  1.) Kanzler scholzt rum: Wieder kein Wort zu Leopard 2 für Ukraine  – . –  2.) Wagenknecht im Wahlkampf: „Politischer Fels in der Brandung“, und die DKP ist auch dabei  – . –   3.) Die To-do-Liste des Boris Pistorius  – . –   4.) Bahndesaster: Mary Poppins regelt das  – . –   5.) Der »Pfaff« vom Rhein  – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine gute Unterhaltung.

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Vielleicht sollte er einmal mit Steine – Meiern, anstatt um große Probleme  herumzueiern? 100 Milliarden für den Frieden auszugeben wäre eventuell die bessere Kapitalanlage ? Auch einmal den Blick von den Hausmeister wenden, um dessen Gelüste abrupt zu beenden?

EU-Parlament fordert Genehmigung für Panzerlieferung. Die Rede war mit Spannung erwartet worden, aber Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verlor bei seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) kein Wort über eine mögliche Lieferung von Leopard 2-Kampfpanzern an die Ukraine. In seiner Rede ging er nur kurz auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine ein, lobte bisherige finanzielle und militärische Hilfe Deutschlands. Ansonsten breitete er sich über Klima-, Energie- und Wirtschaftspolitik aus, bis hin zu genauen Werten eingesparter CO2-Tonnagen.

1.) Kanzler scholzt rum: Wieder kein Wort zu Leopard 2 für Ukraine

Wie seit Monaten verwies er am Mittwoch erneut darauf, dass Deutschland bereits jetzt zusammen mit Großbritannien und nach den USA zu den größten Waffenlieferanten der von Russland angegriffenen Ukraine zähle. „Wir werden weiter ein so großer Unterstützer bleiben“, versprach er in seiner auf Englisch gehaltenen Rede. Deutschland werde liefern, so lange es nötig sei. Aber selbst auf eine nach der Rede gestellte Frage aus dem Publikum, warum er in der Panzerfrage zögere und warte, ratterte er bekannte Waffenlieferungen (Artillerie, Raketenwerfer, Flakpanzer, Flugabwehrraketen, künftig Marder-Schützenpanzer) herunter und ließ die seit Monaten bekannte Floskel los, man handele in Abstimmung mit den Partnern.  Nicht einmal die Worte Kampfpanzer oder Leopard nahm er in den Mund. Bekannte Sätze, keine Aussage. Scholz bekräftigte bei dem Treffen in Davos, zu dem rund 50 Regierungschef anreisten, dass er weiter nur gemeinsam mit den Verbündeten über qualitativ neue Schritte bei Waffenlieferungen entscheiden werde. Explizit nannte er die USA und Frankreich. „Das ist unsere Strategie.“ Man wolle auch weiterhin vermeiden, dass es zu einem Krieg zwischen der Nato und Russland komme.

Berliner-Kurier-online

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So ganz ohne Speck lassen sich die Mäuse in den Wohnungen nur schwer fangen. Vor allen Dingen dann, wenn die Katze im Haus völlig fremd ist. Aber so geht Politik: „Wenn eine Partei auf dem Zahnfleisch läftt, sucht der Clan in seiner Kittelschürze!“ Vielleicht fühlt sich ja nun auch die Mutti wieder motiviert und kommt wieder zurück ?

Ein Wahlkampfabend mit Sahra Wagenknecht in Berlin-Schöneberg. Zwischen Kommunisten, „Aufstehen“ und einem Echsenkopf.

2.)Wagenknecht im Wahlkampf: „Politischer Fels in der Brandung“, und die DKP ist auch dabei

Klar, das ist eine Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei, doch Nadine will die Linke gar nicht wählen. Da muss sie nun selbst grinsen. Sie hat sich warm angezogen, dicke Winterjacke und Mütze, es ist ja kalt in Berlin. Vor ihr steht die kleine Bühne, neben dem Marktplatz verlaufen S-Bahngleise.  Also, warum ist sie hier? Gerade hat sie Sahra Wagenknecht als „Rückhalt“ bezeichnet, aber sie will das jetzt noch mal präzisieren. Wagenknecht, sagt Nadine, sei ein „politischer Fels in der Brandung“. Das klinge doch gut, oder? Jedenfalls sei sie ihretwegen gekommen, der Hauptrednerin. Und im Februar, wenn Berlin die Wahl zum Abgeordnetenhaus wiederholt, werde sie mit 37 Jahren zum ersten Mal ungültig wählen. Schließlich habe Wagenknecht ja noch keine neue Partei gegründet. Da grinst sie wieder. Der Bezirksverband Tempelhof-Schöneberg, der als Wagenknecht-Hochburg Berlins gilt, hat sich am Donnerstagabend getraut, er hat die bekannteste und umstrittenste Linke-Politikerin des Landes auf seine Kundgebung eingeladen. Trotz des Unmuts in der eigenen Partei. Gemeinsam fordern sie: „Heizung, Brot und Frieden!“ So steht es in der Ankündigung. Die Deutsche Kommunistische Partei ist auch da Einer, der ihr gefolgt ist, trägt ein Plakat mit der Aufschrift „Gegen Aufrüstung + (Wirtschafts-) Krieg“, er ist Mitglied der Linke im Bezirk. Seinen Namen will er lieber nicht nennen. Nein, auf der Seite Russlands stehe er nicht, aber es dürfe nicht nur „Jubel geben für den Krieg“ in der Ukraine. Sahra Wagenknecht habe Charisma, meint er, doch mit allem, was die Bundestagsabgeordnete so sagt, sei er nun auch wieder nicht einverstanden.

MoPo-online

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Eine riesengroße Anforderung für den neuen Pistolero der Republikanischen Tetschen-Blutsäufer-Truppe in ihren braunen Uniformen? Ist das der Schleudersitz für den Aufstieg an die Spitze? Das wäre der normale verlauf in der Politik ! Gestern Freunde und Morgen schon Feinde? Wie lange hat der schon arg geschrumpfte Opa noch das Sagen ?

Das heikle Amt der Verteidigung. Das Verteidigungsministerium gilt als unregierbar. Der Aufgabenzettel des neuen Chefs steckt voller schwieriger Aufgaben.

3.) Die To-do-Liste des Boris Pistorius

Zeit zur Einarbeitung hat er nicht. Direkt nach seiner Vereidigung im Bundestag eilt Boris Pistorius in sein neues Ministerium. Bei Eiseskälte steht der neue Verteidigungsminister nun neben seiner Vorgängerin Christine Lambrecht im Hof des Bendlerblocks, wo ihn das Wachbataillon der Bundeswehr mit militärischen Ehren empfängt. Ein Händedruck, Lambrecht rauscht ab und Pistorius stellt sich an ein Mikrofon. „Es sind keine normalen Zeiten“, sagt er, „es ist Krieg in Europa.“ Die Streitkräfte seien die letzten Jahrzehnte vernachlässigt worden. Es komme jetzt darauf an, die Bundeswehr „schnell stark zu machen“. Kurz darauf muss er auch schon seinen amerikanischen Amtskollegen in Empfang nehmen. In passablem Englisch begrüßt Pistorius den US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Der Amerikaner witzelt, er sei nicht überrascht, der erste Gast zu sein – Pistorius sei ja erst eine Stunde im Amt. Die Zeitenwende wirft Pistorius von Niedersachsen gleich auf das internationale Parkett. Die Aufgaben, die auf ihn warten, sind enorm.Die Unterstützung für die Ukraine. Gleich an seinem zweiten Arbeitstag reiste Pistorius zum US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz weiter, wo die Unterstützerstaaten der Ukraine über weitere Waffenlieferungen verhandelten. Schon vor Beginn der Konferenz hatte er auf der Air Base Nato-Chef Jens Stoltenberg und den ukrainischen Verteidigungsminister Oleksij Resnikow zu Einzelgesprächen getroffen.

TAZ-online

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Dort wo die schmutzigen Staaten mit ihren Händen Betriebe führten, war der Boden immer schon wenig Ertragreich. Bei der Bahn standen immerhin „Kapazitäten“ wie Hartmut Mehdorn und Ronald Po-faller an der Spitze, welche aus dem Hintergrund der politischen Regierungen sicher andere Weisungen erhielten?

Frau R. im Bordbistro regelt das: Wie eine Bahnmitarbeiterin der Autorin Ebru Taşdemir wieder den Glauben an die Deutsche Bahn – ach was, an die Menschheit – zurückga.

4.) Bahndesaster: Mary Poppins regelt das

Neulich traf ich im Zug die wahrhaftige Nachfolgerin von Mary Poppins, und das kam so: Ich stand mit krakeelenden Bahngästen, die die Bahn für alles verdammten, was in ihrem eigenen Leben schieflief, auf dem Bahnsteig in Hamburg. Der gesamte Zugverkehr im Norden Deutschlands war ausgefallen und eigentlich war nur klar, dass wir irgendwann wegkommen würden. Wie und wann, wusste niemand. Aber das Wunder geschah und der Zug raste ein, mit ordentlicher Verspätung zwar, aber immerhin. Alles drückte und drängelte sich in die Bahn, als ob es kein Morgen gäbe. Alte Mütterchen mit vielen Tüten wurden einfach weggedrückt und nach hinten geschoben, Kinderwagen samt schiebenden Eltern hatten keine Chance, sich gegen den Andrang (es waren leider meist Männer) zu stemmen. Zu meinem Glück kriegte ich doch noch einen Fuß in die Tür und stand im Bordbistro. Prima, dachte ich, ein alkoholfreies Bier gegen die schlechte Stimmung könnte ich jetzt echt gebrauchen. Die Strecke Hamburg–Berlin dauert anderthalb Stunden. Und die konnte ich auch am Stehtisch verbringen – in der Hoffnung, dass sich ein altes Mütterchen auf meinen reservierten Sitzplatz gekämpft hatte. Das größere Glück war es allerdings, der ebenso resoluten wie freundlichen Bahnbistro-Mitarbeiterin bei ihrer Arbeit zuzugucken. Ausnahmslos jedem, der es wagte, ohne Maske im Bistro aufzutauchen, rief sie ein „Maske auf, auch über die Nase“ entgegen.

Freitag-online

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Wird nicht der Mensch von Kindheit an, auf seine Religion erzogen? Ohne diese Abhängigkeit aus  Gläubigkeit zu Höheren Wesen, hätten Politiker-innen kaum Chancen  ihre Lügen zu verbreiten ! Ein Gläubiger geht auch brav zur Wahl, da er immer auf die Suche nach Besseren ist. Für viele Bürger-innen bleibt doch seit beginn aller Zeiten nur noch die Hoffnung auf später – und genau das nutzen die Volksverräter für sich aus.  

Deutsche Militärseelsorger während einer Trauerfeier bei der ISAF.jpg

 kaum die ChangeKirche und Militär – »Internationaler Soldatengottesdienst« im Kölner Dom: Woelki segnet Uniformierte. Kirche und Militär bilden in Deutschland seit jeher eine besonders unangenehme Melange.

5.) Der »Pfaff« vom Rhein

Eine Kostprobe bot am Donnerstag der »Internationale Soldatengottesdienst« im Kölner Dom unter der Leitung von Kardinal Rainer Maria Woelki. »Selig, die Frieden stiften«, zitierte der Kardinal aus dem Matthäus-Evangelium und wähnte, dass die Soldatinnen und Soldaten an dieser Botschaft »in besonderer Weise« teilhätten.»Sie tragen durch ihren Dienst in einzigartiger Weise mit Sorge um den Frieden in der Welt«, sagte Woelki weiter. Kein Soldat wolle Krieg, im Zweifelsfall sei dieser »jedoch nötig, um durch Verteidigung die Bedingung der Möglichkeit für Frieden zu schaffen«. Wenn es zum Krieg käme, spürten die Angehörigen des Militärs die Folgen »kriegerischer Auseinandersetzungen« zuerst. Gerade das Leben von Soldaten würde im Krieg »auf dramatische Weise berührt«. Und wofür? Natürlich »für den Frieden, für die Freiheit unserer Nation, für ein freies Europa, für eine gerechte Welt in Sicherheit mit lebenswürdigen Bedingungen«. Mit traumwandlerischer Sicherheit marschierte Woelki den herrschenden Meinungskorridor entlang, ohne auch nur zivile Kriegsopfer zu erwähnen. Den »furchtbaren und verabscheuungswürdigen Angriffskrieg Russlands« auf die Ukraine verurteilte der Kirchenfürst ebenfalls pflichtschuldig. »In dem Augenblick, in dem der Fanatiker – ganz gleich welcher Religion – der Obrigkeit zum Munde redet, wird er ein Pfaff«, hatte Kurt Tucholsky 1918 in einem Brief geschrieben. Die Probe aufs Exempel hat Woelki am Donnerstag mit Bravour bestanden.

Junge.Welt-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Wir erhalten in letzter Zeit viele Mails mit Texten zwecks Veröffentlichung – Um diese zu verbreiten  sollten Sie sich aber erst einmal vorstellen und zeigen mit wem wir es zu tun haben.  Danke !

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen          :

Oben     —   DL / privat – Wikimedia

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Unten    —    Militärdekan Dr. Damian Slaczka, Brigadegeneral Frank Leidenberger und Militärseelsorger Michael Weeke zollen den Opfern Respekt. (Foto von OR-7 Jacqueline Faller, RC North PAO)

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