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RENTENANGST

Archiv für Januar 4th, 2023

Zwei Jahre Brexit :

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2023

 Das britische Eigentor

Ein schlaffer Sack – schlug den Takt

In ein Finanzcasino mit Ulrike Herrmann

Obwohl das Pfund an Wert verliert, hinkt der Export. Bürokratische Hürden lähmen den Handel zusätzlich. Auch sonst ist der Brexit eine Katastrophe.

Für viele Briten ist es ein herbes Erwachen: Der Brexit hat sie nicht reicher gemacht, sondern ärmer. Die Wirtschaftszahlen werden als geradezu demütigend empfunden, denn kein Land der G20 schneidet noch schlechter ab als Großbritannien – vom schwer sanktionierten Russland einmal abgesehen.

Zugleich ist das britische Pfund abgestürzt und hat gegenüber Dollar und Euro jeweils etwa 20 Prozent seines Werts verloren. Importe werden teurer, was wiederum die Inflation anheizt. Fast alle Länder haben mit einer Geldentwertung zu kämpfen, aber die Briten trifft es erneut besonders hart: Zuletzt lag die Inflationsrate bei 10,7 Prozent.

Die wirtschaftliche Schwäche wirkt sich auch auf die Steuern aus: Der britische Schatzkanzler nimmt pro Jahr 40 Milliarden Pfund weniger ein als ohne Brexit. Nun wird eisern gespart, obwohl das Land investieren müsste – ob in Infrastruktur oder in das Gesundheitssystem. Auch eher unerhebliche Details wurmen: So war es ein Politikum, dass die Londoner Polizei ihre neuen Panzerwagen nicht etwa bei einem britischen Hersteller kauft, sondern bei Audi.

Denn leider sei keine englische Firma „in der Lage, die Anforderungen der Ausschreibung zu erfüllen“. Dabei hatten viele Brexit-Fans davon geträumt, dass ihre heimische Industrie zu ganz neuer Größe erblühen würde. Der Brexit-Deal trat am 1. Januar 2021 in Kraft. Die vergangenen zwei Jahre waren auch deswegen bitter, weil die Briten erleben mussten, wie gering das internationale Interesse an ihrer Wirtschaft ist.

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Zollprobleme beim Handel mit der EU

Geplant war, nach dem Brexit ganz viele Freihandelsabkommen abzuschließen, die den Briten einzigartige Vorteile gewähren sollten. Doch faktisch gab es substanziell neue Abkommen nur mit Australien und Neuseeland, die aber keinerlei Bedeutung haben. Diese Verträge dürften die britische Wirtschaftsleistung langfristig um belanglose 0,1 und 0,03 Prozent steigern.

Der Brexit hat nur Nachteile beschert. Besonders deutlich wird dies bei den Exporten. Eigentlich müssten die britischen Ausfuhren steigen, weil das Pfund so stark gefallen ist und die britischen Waren damit auf den Weltmärkten deutlich billiger werden. Doch die Exporte kommen nicht in Gang – auch weil der Handel mit der EU durch den Brexit so schwierig geworden ist. Die EU war und ist der größte Handelspartner der Briten, was wenig erstaunlich ist.

Schließlich sind die Briten nur 34 Kilometer vom französischen Festland entfernt. Doch seit dem Brexit müssen die britischen Firmen einen Wust von Zollunterlagen ausfüllen, wenn sie ihre Güter nach Europa ausführen wollen. Vor allem Mittelständler sind überfordert. Sie geben entweder ganz auf oder gründen Tochterfirmen in der EU, um sich die Zollprobleme zu ersparen.

„Der Brexit ist für die Briten eine Kata­strophe“, urteilt Finanzexpertin Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie hat den Brexit immer kritisch gesehen und ist dennoch „überrascht, dass es sogar noch schlimmer gekommen ist“.

Mehrheit bereut den Brexit

Auch in Großbritannien wächst die Einsicht, dass der Brexit ein Fehler war. In jüngsten Erhebungen sagen nun 51 Prozent der Befragten, dass es falsch war, die EU zu verlassen, während nur 34 Prozent diese Entscheidung noch richtig finden. Politische Folgen hat dieser Sinneswandel aber bisher nicht. Die oppositionelle Labour Party meidet das Thema Brexit lieber, um keine WählerInnen zu vergraulen – und die regierenden ­Tories haben sich auf einen rhetorischen Schlingerkurs begeben.

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So soll Premierminister Rishi Sunak kürzlich darüber nachgedacht haben, das „Schweizer Modell“ zu übernehmen. Bekanntlich ist die Schweiz nicht in der EU, darf aber am Binnenmarkt teilnehmen, ohne nennenswert in die EU-Kassen einzuzahlen. Für die Briten wäre ein ähnlicher Deal perfekt: Sie könnten weiterhin jene 6,8 Milliarden Euro sparen, die sie früher netto an die EU abgeführt haben – und hätten gleichzeitig ihre Exportprobleme gelöst.

Allerdings musste Sunak seinen Vorstoß schnell wieder aufgeben, denn die Tory-Basis zog nicht mit. Einen Nachteil hat das Schweizer-Modell nämlich, jedenfalls aus der Sicht von Brexit-Fans: Sie müssten wieder viele EU-Vorschriften übernehmen, denn der Binnenmarkt kann nur funktionieren, wenn sich alle Teilnehmer an die gleichen Regeln halten. Die Schweiz ist daher ständig damit beschäftigt, ihre Gesetze an die europäischen Entscheidungen anzupassen. Das wollen viele Briten nicht.

Umgekehrt hat auch die EU wissen lassen, dass sie das Schweizer Modell nicht erneut auflegen will. Für Schäfer ist dies nur konsequent: Die EU könne den Zugang zum Binnenmarkt „nicht verramschen“, weil dann weitere Länder austreten würden, um Mitgliedsbeiträge zu sparen. „Das wäre der Spaltpilz.“

Fatale Folgen für Finanzsektor

Quelle        :            TAZ-online        >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben       —     Außenminister Boris Johnson spricht im Chatham House in London, 2. Dezember 2016. Lesen Sie mehr

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Die Natur schlägt zurück

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2023

Die Kältekatastrophe in den USA

File:Main Street inmitten des Wintersturms November 2022, Buffalo, New York - 20221120.jpg

Quelle     :     Untergrundblättle – CH

Von      :    Klaus Hecker

Aber stimmt das überhaupt? Unbestreitbare Tatsache ist, dass ungeheure Schneemassen über Teilen der USA niedergegangen sind und eine sibirische Kältewelle diese Gebiete heimgesucht hat.

Abertausende waren eingeschlossen und bibberten sich zu Tode. Ja, und es gab auch nicht wenige Tote.

Aber wieso wird die Natur in Gestalt des Winters und einer Kältewelle dafür verantwortlich gemacht. Wir befinden uns im entwickeltesten Industriestaat der Welt mit Silicon Valley and so on.

Die jeweiligen natürlichen Verhältnisse, auch wenn sie von grimmiger Kälte sind, stellen bestenfalls äußerliche Bedingungen dar, mit denen umzugehen ist.

Strom- und Wasserversorgung brachen vielerorts zusammen

Und das machen die Amerikaner ja auch, aber wie? Ich greife mal einen Punkt heraus, nämlich die Stromversorgung. 90% der amerikanischen Stromversorgung ist als marode einzustufen, mit äußerst anfälligen Strommasten im Überlandverkehr. Und das blieb auch so, obwohl es ja in den letzten Jahrzehnten etliche Zusammenbrüche des Stromnetzes gegeben hat. Begründung: Sanieren und Leitungen unter die Erde legen, sei zu teuer.

Das neu aufgelegte Mondprogramm Artemis kostet nieder angesetzt 98 Mrd. Dollar, laut FAZ. Der Afghanistankrieg kostete 32,2 Billionen Dollar – eine Billion hat 12 Nullen.

Teuer ist also keine absolute Zahl, im Sinne von – das ginge sachlich nicht, das sei Zuviel. Vielmehr wird mit „teuer“ eine relative Grösse angegeben, ein Verhältnis von Aufwand und einem angesteuerten Nutzen.

Eine winter-, katastrohengerechte Versorgung der Bevölkerung ist offenbar für die US Regierung kein Ziel, lohnt sich daher nicht.

Lehre: Der Kapitalismus könnte die einfachsten Grundbedürfnisse, oder besser Lebensbedingungen der Bevölkerung sicher stellen, möchte das aber nicht. Präziser: Der Diktatur des Profits huldigend, ist die Bevölkerung als Mittel diesen zu mehren, gerne gesehen, aber doch nicht, wenn Kosten anfallen, insbesondere, wenn sie nicht als lohnende Kosten betrachtet werden.

Zur Lage in den USA schreibt das nicht gerade revolutionäre Handelsblatt in einem ironisch tituliertem Artikel

„Die verfallenden Staaten von Amerika“ (1)

„Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

In einem Land, in dem Privatvillen für 195 Millionen Dollar in Beverly Hills zum Verkauf stehen, fehlt das Geld, um Gasleitungen zu flicken. Im September 2010 verwandelte eine explodierende Gasleitung San Bruno, einen Vorort von San Francisco, in eine brennende Apokalypse. Die nachfolgenden Untersuchungen offenbarten gravierende Sicherheitsmängel in weiten Teilen der über alternden Gasversorgung. In einem Gewaltakt stellte der Energielieferant PG&E in den kommenden Jahren wenigstens die Sicherheit wieder her.

Einsturzgefährdete Brücken, löchrige Straßen, zerberstende Wasserrohre, Gasexplosionen: Es sind Horrormeldungen, die die täglichen Nachrichten im US-Fernsehen beherrschen. Die Versäumnisse sind gigantisch.“

So so, der nicht vorhandene Wille für die Versorgung Geld in die Hand zu nehmen , verwandelt das Handelsblatt in: Es fehle Geld. Unsinn, wie gezeigt.

Der auf der einen Seite vorhandene gewaltige Reichtum, bebildert mit den Villen Beverly Hills und auf der anderen Seite die verarmte öffentliche Versorgung sollen so unerklärt wie das in dem Artikel des Handelsblattes stehenbleibt, fuer sich stehend Kopfschütteln hervorrufen. Unsinn: So wie in der Ökonomie die Ausbeutung und Verarmung der arbeitenden Bevölkerung den Reichtum der anderen Seite beschert, so wird die hervorragende Energieversorgung und öffentliche Infrastruktur in Beverly Hills – von der öffentlichen Hand organisiert – ja, aus dem maroden Energieversorgungsprogramm, welches im Land besteht, herausgepresst.

Soweit, so schlecht.

Zurück zur Natur – wofür steht sie?

Eine Ursache, ein Schuldiger ist ausgemacht – die Natur.

So wird sich mehr als 200 Jahre nach der Aufklärung eines vor aufklärerischen Weltbildes bedient.

Diese dreiste Lüge von der uns überwältigenden Natur und auf der Gegenseite einer Gesellschaft, die gemeinschaftlich dagegen – hier Schneemassen – kämpft, verbreiten die Tagesschau und im Prinzip alle deutschen Gazetten mit Fleiß. Warum wohl?

(1) Die verfallenden Staaten von Amerika, Handelsblatt, 17.11.2014, Axel Postinett

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Grafikquellen          :

Oben        —    Ein Blick nach Süden entlang der schneebedeckten Main Street in Buffalo, New York, an einem Morgen im November 2022, nach einem Wintersturm, der etwa anderthalb Fuß Schnee auf die Stadt selbst und unglaublicherweise sechseinhalb Fuß in einigen Gebieten im Süden fallen ließ.

Verfasser Andre Karottenblume       /    Quelle    :     Eigene Arbeit        /       Datum    :   20.11.2022

Diese Datei ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz.

 

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Das vergessene Morden

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2023

Zieht den Mördern die staatlichen Uniformen aus

Bildergebnis für Wikimedia Commons Bilder Bundeswehr in Schulen Lupus in Saxonia / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Tomasz Konicz

Der Nato-Staat Türkei forciert seine imperialistische Expansion im Nordirak und in Nordsyrien. Der Westen schaut weg, obwohl immer mehr Beweise für Kriegsverbrechen vorliegen.

„Jin, Jiyan, Azadi – Frau, Leben, Freiheit“: Außenministerin Annalena Baerbock schmückt sich bei öffentlichen Auftritten, etwa beim Bundesparteitag der Grünen im Oktober, gern mit den Parolen der Aufstandsbewegung im Iran. Und sie hat den Protestierenden zumindest verbal den Rücken gestärkt, indem sie versprach, die mörderische Repression durch das Mullah-Regime vor den UN-Menschenrechtsrat zu bringen und gezielte Sanktionen gegen die Verantwortlichen – also solche, die Deutschlands Exportwirtschaft nicht tangieren – anzuregen. Die Möglichkeiten der Außenpolitik seien zwar „begrenzt“, so Baerbock bei einem Wahlkampfauftritt Anfang Oktober in Hannover, doch „wir können hinschauen. Wir können die Stimme dieser Frauen sein.“

Wo Baerbock hingegen nicht hinschaut, ist die unmittelbar westlich des Irans gelegene kurdische Autonomieregion im Nordirak. Dort lässt ein enger Bündnispartner Deutschlands, Erdogans Türkei, vermutlich kurdische Aktivistinnen umbringen. Aktivistinnen, die an der Formulierung jener feministischen Befreiungstheorie beteiligt waren, die massenwirksame Parolen wie „Jin, Jiyan, Azadi“ hervorbrachte. Das Killerkommando, dem die Feministin Nagihan Akarsel Anfang Oktober in der Stadt Slemani zum Opfer fiel, versuchte nach der Tat, sich in Gebiete abzusetzen, die von der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) des in der Hauptstadt Erbil herrschenden Barzani-Klans kontrolliert werden. Die zu einem oligarchischen Herrschaftsinstrument verkommene KDP, die sich aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und weitverbreiteter Korruption immer wieder mit Protesten konfrontiert sieht, kollaboriert mit dem türkischen Staat, um die PKK und emanzipatorische Gruppen und Organisationsansätze anzugreifen, die beide Seiten als Bedrohung ansehen.

Der türkische Geheimdienst nutzt laut kurdischen Angaben zumeist KDP-Regionen als Ausgangspunkte für Attentate oder Terrorakte im Nordirak. Die kurdische Autonomieregion um Silêmanî, wo Nagihan Akarsel unter anderem eine kurdische Frauenbibliothek aufbaute, steht hingegen unter Kontrolle der konkurrierenden Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Akarsel wurde bei einem Terroranschlag ermordet. Die Täter wurden an einem Kontrollpunkt der PUK verhaftet.

Nagihan Akarsel arbeitete an der Verbreitung der „Jineoloji“ („Frauenwissenschaft“), die soziale und historische Entwicklungen aus einer feministischen Perspektive beleuchtet. Sie ist das jüngste Opfer einer Mordserie, mit der türkische Geheimdienste kurdische Organisationen zu schwächen versuchen. Allein in Silêmanî starben im vergangenen Jahr fünf Aktivisten bei solchen Angriffen.

Laughs

Die informelle Kooperation zwischen Ankara und dem Barzani-Klan, der auch einträgliche ökonomische Beziehungen in die Türkei unterhält, findet aber vor allem in den gebirgigen nordirakischen Guerilla-Gebieten statt, die von der PKK gehalten werden. Schon im April, am Vorabend der jüngsten türkischen Militäroffensive, haben PKK-nahe Stellen die KDP der Unterstützung der türkischen Expansionspläne beschuldigt. PUK-Abgeordnete im kurdischen Regionalparlament erklärten gar, dass Barzanis KDP-Truppen der türkischen Armee aktiv „helfen“ würden. In den 90ern, während des innerkurdischen Bürgerkrieges im Nordirak, griff die KDP neben der PUK auch die PKK an. Jüngste Spannungen im Zusammenhang mit der türkischen Expansion im Nordirak haben Befürchtungen um einen erneuten Ausbruch des als „Brakuji“ (Brudermord) bezeichneten, 1998 überwundenen Bürgerkriegs aufkommen lassen.

Ankara nutzt die geopolitische Lage, vor allem den Krieg in der Ukraine, um sich mit aller Macht im Nordirak festzusetzen und die PKK militärisch vollständig auszuschalten. Dabei scheint das türkische Militär auch vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen nicht zurückzuschrecken. Kurdische Medien präsentierten in den vergangenen Monaten immer neue Beweise für den Einsatz von Giftgas durch das türkische Militär. Zudem sollen konventionelle und chemische Fliegerbomben zum Einsatz kommen, die in dichter zeitlicher Abfolge über Guerilla-Stellungen abgeworfen werden. Verstörende Videoaufnahmen aus der Kriegsregion zeigen etliche mutmaßliche Chemiewaffenopfer. Laut PKK-nahen Stellen setzt das türkische Militär routinemäßig Giftgas ein, dem mittlerweile 17 Kämpfer zum Opfer gefallen seien.

Mitte Oktober veröffentlichte die Ärzteorganisation IPPNW (Internationale Ärzt/innen für die Verhütung des Atomkriegs) eine erste Einschätzung des vorliegenden Materials, in der von „indirekten Beweisen für eine mögliche Verletzung der Chemiewaffenkonvention“ und den Einsatz chemischer Kampfstoffe die Rede ist. IPPNW forderte eine unabhängige internationale Untersuchung der türkischen Kriegsführung im Nordirak. Am 20. Oktober wiesen türkische Regierungsstellen die Anschuldigungen zurück. Sie entbehrten „jeder Basis und (seien) unwahr“, hieß es in einer Erklärung des türkischen Verteidigungsministeriums. Nur wenige Tage danach wurde die Präsidentin des türkischen Ärzteverbandes Sebnem Korur Fincanci von der türkischen Polizei wegen „Verbreitung terroristischer Propaganda“ verhaftet, weil sie eine unabhängige Untersuchung des etwaigen Einsatzes von Chemiewaffen im Nordirak forderte. Der Weltärztebund (WMA) und Amnesty International protestierten gegen den „erschreckenden Machtmissbrauch“ des türkischen Staates. Der WMA forderte ebenfalls eine „Untersuchung der Berichte über den Einsatz von chemischen Gasen durch die Türkei gegen die PKK-Gruppe“.

Presse und Politik in der Bundesrepublik ignorieren die Vorgänge im Nordirak nach Kräften. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der „Linkspartei“ erklärte die Bundesregierung lediglich, ihr seien entsprechende Medienberichte bekannt, sie habe aber keine eigenen Erkenntnisse. Die Türkei ist ein wichtiger „Wirtschaftspartner“ der Bundesrepublik. Rund 7.700 deutsche Unternehmen sind hier aktiv. Die Türkei ist auch eines der wichtigsten Exportländer für die deutsche Waffenindustrie. Dass die westlichen „Partner“ der Türkei diesmal ernsthaft intervenieren werden, gilt als unwahrscheinlich, haben doch die Nato-Staaten auch die Untersuchung des Einsatzes von weißem Phosphor gegen Zivilisten in Nordsyrien verhindert.

Der mutmaßliche Giftgas-Krieg Erdogans gegen die PKK im Nordirak ist Teil der imperialistischen, neo-osmanischen Expansionsstrategie der Regierung in Ankara, die sich im Ukraine-Krieg unverzichtbar zu machen versteht (siehe konkret 6/22). Laut einem jüngst publizierten Bericht des irakischen Verteidigungsministeriums führt die Türkei einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Nordirak. Die türkischen Truppen haben demnach „mehr als hundert“ Außenposten und Stützpunkte im Irak errichtet und seien dabei „bis zu 105 Kilometer“ tief auf irakisches Territorium vorgestoßen. Tausende von Truppen, unterstützt von Panzern, schwerer Artillerie und Flugzeugen, sollen sich in der Region festgesetzt haben.

Zudem setzt Erdogan die Terrorangriffe gegen die Überlebenden des Genozids des Islamischen Staats (IS) an den Jesiden fort. Immer wieder werden Flüchtlingslager und Siedlungen der Jesiden im Nordirak von türkischen Drohnen oder Flugzeugen angegriffen – wegen angeblicher Nähe zur PKK. Der Islamische Staat wirde während des syrischen Bürgerkriegs jahrelang von Ankara nicht nur toleriert, sondern auch militärisch, logistisch und finanziell unterstützt. Dagegen konnte die im Westen als „Terrororganisation“ geltende PKK 2014 mittels einer militärischen Intervention einem großen Teil vom IS verfolgten Jesiden das Leben retten. Die PKK unterstützte in den Folgejahren den Aufbau von Selbstverteidigungskräften der überlebenden Jesiden, weshalb Ankara auch sie als „Terrororganisation“ bezeichnet.

Türkischer Drohnenterror ist in den kurdischen Autonomieregionen Nordsyriens weiterhin Alltag. Laut Angaben des Rojava Information Center hat Ankaras Luftwaffe zwischen 1. Januar und 6. November dieses Jahres 88 Drohnenangriffe auf Ziele im Autonomiegebiet Rojava durchgeführt. Hinzu kommen sporadische Artillerieangriffe auf Siedlungen und Städte – im August etwa beschoss türkische Artillerie die Stadt Kobanê.

Die Kollaboration des lieben Nato-Partners Türkei mit militanten Islamisten scheint zudem in Nordsyrien weiterhin geübt zu werden. Die „Jerusalem Post“ warf in einer Ende Oktober publizierten Reportage über die jüngsten Kämpfe in den türkisch okkupierten Regionen Nordwestsyriens die Frage auf, ob Ankara mit der islamistischen Miliz Hai’at Tahrir asch-Scham (HTS) kooperiere. Sie gilt in den USA und Kanada als Terrororganisation. Die HTS ist aus der Al-Nusra-Front hervorgegangen, dem syrischen Ableger des Al-Kaida-Netzwerks. Die Islamisten, die während des Bürgerkrieges von Saudi-Arabien und Katar finanziert wurden, haben einfach ein Rebranding durchgeführt und kontrollieren nun weite Teile der türkischen Besatzungszone Nordwestsyriens.

In der türkisch kontrollierten Provinz Idlib wie auch im 2019 eroberten Afrin würden nun, so die „Jerusalem Post“, islamistische Milizen um Macht und Beute kämpfen, während die türkische Armee als der „ultimative Vermittler“ zwischen den extremistischen Gruppierungen fungiere. In den türkischen Okkupationsgebieten werden systematisch Folter, Vergewaltigung von Frauen, Beseitigung von Oppositionellen und weitere schwere Menschenrechtsverstöße praktiziert. Ankara installiert in Nordwestsyrien ein von islamischen Terroristen bewachtes Freiluft-Gefängnis für syrische Flüchtling , die laut Human Rights Watch immer wieder hierher abgeschoben werden.

Es habe schon immer Absprachen zwischen Ankara und den Al-Kaida-Erben gegeben, schreibt die „Jerusalem Post“. Doch die jüngsten Vorgänge, bei denen die HTS trotz türkischer Luftkontrolle bei Kämpfen verfeindeter Milizen in Afrin intervenieren und ungehindert in die Kantonshauptstadt einmarschieren konnte, deuteten auf ein „gestiegenes Niveau an Kooperation“ hin. Ankara glaube, dass die dschihadistische HTS eine größere „Kohärenz und Stärke“ mit sich bringt als die „korrupten, zerstrittenen“ Fraktionen, die bislang Afrins verbliebene kurdische Bevölkerung terrorisierten und vertrieben. Die Vorgänge in Afrin sollten „genau von allen Staaten studiert werden, denen ein korrektes Verständnis der Natur, der Motivation und des Verhaltens der derzeitigen türkischen Regierung“ wichtig sei, mahnte die israelische Zeitung.

Der Muslimbruder Erdogan legitimierte schon 2014 den Eroberungszug innenpolitisch als einen „Kampf gegen Ungläubige“. So lange jedoch die Türkei für die Bundesrepublik als Bündnispartner, Investitionsstandort und Absatzmarkt wichtig bliebt, wird Annalena Baerbock Herrn Erdogan, der Frauen primär als Gebärmaschinen ansieht, als legitimen Partner ihrer „feministischen Außenpolitik“ verkaufen.

Erstveröffentlicht in Konkret 12/2022

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Oben      —     Autor Lupus in Saxonia / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

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2.) von Oben      —       Laughs

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DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2023

Hängeohren schützen auch nicht vor Bestechlichkeit 

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Durch die Woche mit Hasnain Kazim

Thunberg, Musk und der Gaspreis: Heuchelei und Leckerli –  Thunberg lästert über kleine Pimmel, Musk fordert Qualität, und meine Hündin ist zwar klüger, aber auch nicht unbestechlicher als mancher Mensch.

Wir müssen über Doppelzüngigkeit und Heuchelei reden“, sagt Frau Dr. Bohne, meine Assistentin, eine hochintelligente Mischung aus Rauhaardackel und Deutschem Jagdterrier. „Diese Eigenschaften scheinen mir doch auch in der letzten Woche des sich dem Ende zuneigenden Jahres die ausgeprägtesten bei euch Menschen zu sein.“

„Wie kommen Sie darauf?“, frage ich. „Nun, nehmen wir Greta Thunberg. Sie hat einem Mann namens Andrew Tate, einem ehemaligen Kickbox-Champion und Möchtegern-Playboy, böse Worte geschrieben.“ „Ich weiß. Na und?“, antworte ich. „Er hat ihr via Twitter angekündigt, eine Liste seiner 33 Autos zu schicken. Und darauf hat Thunberg geantwortet, er möge das doch an smalldickenergy@getalife.com senden. Ich glaube, ich muss das nicht übersetzen, oder?“

Bohne schüttelt den Kopf. Sie seufzt. „Also, ich habe keinen Zweifel an der Kleinpimmeligkeit dieses Typen“, sagt sie. „Überhaupt teile ich die Erkenntnis, dass Menschen, insbesondere Männer, häufig kleine, mickrige Körperlichkeiten – Hirn, Schwanz, Hände – mit großen, protzigen Dingen – Autos, Jachten, Knarren – kompensieren. Und ich finde es auch in Ordnung, das diesen Leuten verbal um die Ohren zu hauen.“ Sie überlegt. „Aber dass dies jetzt ausgerechnet Leute feiern, die sonst absolut empört sind über ‚body shaming‘ und ständig über ‚body positivity‘ reden, das ist doch ziemlich doppelzüngig, finden Sie nicht?“ Sie guckt mich fragend an.

Ich nicke. „Sehe ich auch so. Übrigens: Die Personifikation von Doppelzüngigkeit sind Doppelagenten. Haben Sie, werte Frau Dr. Bohne, schon mitbekommen, dass ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes möglicherweise geheime Informationen an Russland weitergegeben hat?“

Tadelnd fliegen die Hängeohren

„Hab ich“, sagt Bohne. „Wahrscheinlich lukrative Doppelzüngigkeit. Was hat er dafür bekommen? Leckerlis? Wurde er erpresst? Oder ist er einfach ein Putin-Fanatiker?“ Tadelnd schüttelt sie ihr Köpfchen, ihre Hängeohren fliegen dabei hin und her. „Ihr Menschen seid schon eine seltsame Spezies! Wobei ich nicht verschweigen will, dass wir Hunde auch durchaus anfällig für Bestechung sind.“

Hunderassen aus der Juschakow-Bolschaja Enc. (1904).jpg

Bohne und ich sind überzeugt, dass das Doppelzünglein der Woche, ach was, des Jahres!, Wladimir Putin ist. Bricht mitten in Europa einen Krieg vom Zaun, sagt aber, dass man das nicht Krieg nennen dürfe. „Diese Woche hat er mehrere Kriegsschiffe eingeweiht“, berichtet meine Hündin. „Wie nennt er die Kähne? Ausflugsdampfer?“ Sie kichert bellend. „Depperter Volltrottel!“, murmelt sie, woran man merkt, dass sie durch und durch Wienerin ist.

Apropos Russland: Die Gaspreise sind diese Woche gefallen. Milde Temperaturen, niedriger Verbrauch. „Aber für uns wird’s trotzdem nicht billiger“, sage ich verärgert. „Ja, weil die Versorger langfristige Verträge abschließen“, antwortet Bohne. „Die Verbraucher werden es, wenn überhaupt, in ein paar Monaten spüren.“ Jetzt bin ich es, der den Kopf schüttelt. „Wenn was teurer wird, wird das sofort weitergegeben. Aber wenn etwas billiger wird, dauert es. Das ist so heuchlerisch!“

Quelle       :        TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

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Oben        —     Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

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DL – Tagesticker 04.01.2023

Erstellt von DL-Redaktion am 4. Januar 2023

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Leseauswahl des „Bengels“:  – . –  1.) Es droht ein brodelnder Januar in Frankreich – . –  2.) So werden Sie ein besserer Chef  – . –  3.) Provokation auf dem Tempelberg  – . –  4.) Schluss mit den Andrew Tates dieser Welt  – . –  5.) „Berlin entwickelt sich zu einer Chaos-Stadt“  – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine gute Unterhaltung.

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Gibt es in der EU immer nur ein „Weiter so“, steht nicht nur Frankreich vor einem politischen Chaos ! Bevor sich Laien in der Politik versuchen, sollten sie sich erst einmal in einen Kinderchor ausprobieren.  Da erlernen sie vielleicht das Singen in verschiedenen Tonlagen ?

Emmanuel Macron besteht auf der Umsetzung einer Rentenreform in diesem Jahr – Gewerkschaften und Opposition rüsten sich zum Kampf und Beobachter warnen vor einer „Gelbwestisierung“.

1.) Es droht ein brodelnder Januar in Frankreich

Es war nur eine simple rhetorische Frage in einer Silvesteransprache, aber Emmanuel Macron brachte sie heftige Kritik ein. In seiner Rede zählte der französische Präsident die Herausforderungen auf, die das Jahr 2022 bereithielt. Wer hätte den Krieg auf europäischem Boden vorhersehen können, fragte er, die tausenden Toten und Millionen Flüchtlinge, die Inflation oder „die Klima-Krise mit spektakulären Effekten in unserem Land“? Sofort folgte ein empörter Aufschrei von Wissenschaftlern und Klima-Aktivisten: Seit langem warnten sie genau davor, Macron rechtfertige nur seine eigene Untätigkeit in Sachen Klimaschutz. Für den 45-Jährigen ist es der schroffe Beginn eines Jahres, das schwierig werden dürfte. Am Freitag trifft er Vertreter des Gesundheitswesens vor dem Hintergrund einer Krise in den überlasteten Krankenhäusern. Anfang der Woche empfing die Regierung die Vereinigung der Bäcker, für die die hohen Energiepreise teils existenzbedrohend werden; ihnen wurden Hilfsmaßnahmen versprochen. Am nächsten Dienstag stellt Premierministerin Élisabeth Borne die Grundzüge der Rentenreform vor, die Macron bis zum Sommer umsetzen will, als sein wichtigstes Projekt dieser Amtszeit. Präsident Macron will das Renteneintrittsalter anheben. Schon 2019 machte der Präsident einen ersten Anlauf, um das Renteneintrittsalter zu erhöhen und die 42 bestehenden Systeme für verschiedene Berufsgruppen in ein einziges zu überführen. Nachdem das Gesetz nach zähen Streiks fast beschlossen war, setzte die Corona-Pandemie ein und Macron legte das Vorhaben auf Eis.

Augsburger-Allgemeine-online

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Ein Beitrag vom Fach für Werdende oder sich schon selber vom Führungsanspruch befreite Politiker-innen.  Die Clans in den Parteien suchen sich immer ihre Schrittmacher selber aus! Wer glaubt ein Guter Führer-in zu sein möge die Geschichte lesen, womit wir schon wieder bei den Republikaner-innen endeten.

FÜHRUNGSKULTUR – Gerade in schwierigen Zeiten kommt es auf gute Führung an. Die deutschen Manager stecken allerdings in einer Identitäts- und Sinnkrise. Doch es gibt einen Ausweg – und der könnte über Elon Musk führen.

2.) So werden Sie ein besserer Chef

Die wenigsten Chefs machen sich wirklich Gedanken über ihre Führung. Und das merkt man, findet Armin Trost. „Die meisten Führungskräfte haben überhaupt kein Selbstbild. Zumindest verfügen sie über kein klares Führungsverständnis“, kritisiert der Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Hochschule Furtwangen. „Wenn man sie fragt, wie sie führen, kommen bei acht von zehn eher unausgereifte diffuse Antworten.“ Und das ausgerechnet in einer Zeit, in denen es an zu meisternden Problemen gewiss nicht mangelt: Es fehlt allerorten an Personal, die politische Weltlage drückt auf die Stimmungdie Inflation aufs Portemonnaie. Aber Führungskräfte, so beobachtet auch Coach Alexander Groth, seien dem nicht gewachsen. Sie „erkennen die eigenen Grenzen, sind häufig am Limit und das macht nicht unbedingt selbstbewusst. Viele Führungskräfte bis hin zum oberen Management wirken auf mich daher verunsichert.  Zwar wertet Groth den Erfolg der Bundesrepublik als Exportnation durchaus als Indiz für eine allgemein ordentliche Performance in den Chefetagen. „Wir wären nicht gut, wenn hier niemand führen könnte.“ Und doch gebe es typisch deutsche Fehler. „Ein großes Manko ist das schwäbische Lob ‚Net geschimpft, is gnug globt‘, das immer noch in vielen Unternehmen praktiziert wird“, sagt der Experte. Er sieht darin einen Grund, warum sich Unternehmen so schwertun, junge Talente zu gewinnen – und an sich zu binden. „Denn die junge Generation wünscht sich laut allen Studien nichts mehr als positives Feedback. Und genau das bekommen sie in Deutschland nicht oder zu wenig – und gehen dann.“ Was sollten Sie sich von Elon Musk abschauen?

WiWo-online

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Da wären wir ja erneut bei den Verbrüdernden gelandet ! Ein Troll läuft selten alleine in der Gegend umher. Was der Eine nicht weiß oder versteht, hat der Andere schon vor tausenden vor Jahren gesehen und niedergeschrieben, gleichwohl aus jenen Zeiten keine weiteren Schriften vorhanden sind. Die meisten Märchen wurden erst in der Neuzeit geschrieben, nachdem die Bürger-innen auch gelernt hatte sie zu lesen. Kriege sind nicht zufällig durch Religionen oder aus der Politik entstanden. Wo der Eine seine Märtyrer sucht, hat der Andere seine Mörder lange als Helden begraben.   

Spiel mit dem Feuer – Kaum eine Woche im Amt, besucht Israels radikaler Minister Ben-Gvir den umstrittenen Tempelberg. Eine Eskalation nimmt er damit billigend in Kauf.

3.) Provokation auf dem Tempelberg

Wer noch Hoffnung hatte, dass sich der radikale Siedlerführer Itamar Ben-Gvir als Minister zahmer geben würde, musste enttäuscht werden. Der wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung mehrfach verurteilte neue Chef im Ministerium für nationale Sicherheit setzt auf Eskalation: Nichts konnte diese Haltung klarer demonstrieren als der Besuch auf dem Tempelberg knapp eine Woche nach Amtsantritt. Natürlich ist sich Ben-Gvir der Brisanz des Tempelbergs bewusst. Im September 2000 entzündete sich die zweite Intifada, als der damalige Oppositionsführers Ariel Scharon in Begleitung eines riesigen Sicherheitsaufgebots den Tempelberg besuchte. Und auch für den Krieg im Mai 2020 spielte der Tempelberg eine zentrale Rolle. Schon damals war Ben-Gvir an der Eskalation beteiligt. Regierungschef Benjamin Netanjahu gilt nun als der Moderate dieser Regierung. Dass er Ben-Gvir nicht von seinem Besuch abgehalten hat, zeigt, wie wenig Netanjahu seine ultrarechten Koalitionspartner derzeit bremsen kann oder will. In den wenigen Tagen seit der Vereidigung der Regierung hat der ohnehin rechte Regierungsdiskurs einen weiteren großen Sprung nach weit rechts außen gemacht. Die erste Klausel der gemeinsamen Koalitionsvereinbarung schreibt das „exklusive Recht auf alle Teile des Landes“ fest – inklusive der Gebiete „Judäa und Samaria“. Judäa und Samaria sind die von der israelischen Rechten verwendeten biblischen Bezeichnungen für das palästinensische West­jordan­land. Bahn frei für die Annexion.

TAZ-online

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Liegt der Schlüssel vielleicht in den Artikel unter der heutigen Nr. 3 begraben ? Nur in der Politik werden Frauen als Gleichberechtigte geschätzt – na ja – wenigstens nach Außen hin ? Vielleicht lassen sich unter den Geschlechtern manchmal keine Gleichdummen finden, so das auch einer Frau die Möglichkeit zum Führen geboten wird ?

Ein guter Vorsatz für 2023: – Nicht nur misogyne Influencer haben ein frauenverachtendes Weltbild. Sexismus reicht bis tief in die Mitte unserer Gesellschaft. Es ist Zeit, das zu ändern. 

4.) Schluss mit den Andrew Tates dieser Welt

Stellt euch vor: Rund ein Drittel der Männer hat ein geschlossen antifeministisches Weltbild – und fast niemand redet darüber. Von der politischen Notwendigkeit, entsprechende Mittel dagegen zu finden, mal ganz abgesehen. Vor knapp zwei Monaten, im November 2022, wurden die neuesten Befunde der Leipziger Autoritarismus-Studie veröffentlicht. Seit 20 Jahren werden mit dieser Einstellungsstudie rechte Denkmuster und autoritäre Einstellungen erfasst. Mehr als 2.500 Menschen wurden dazu bundesweit befragt. Finanziert wird das Ganze von der den Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto Brenner Stiftung. Das Ergebnis? Die Lage ist alarmierend. Antifeministische und sexistische Einstellungen sind in Deutschland weit verbreitet, nicht nur unter Rechten, wie oft vermutet wird. Rund ein Viertel der Deutschen stimmt antifeministischen und sexistischen Aussagen zu. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei knapp einem Fünftel. Traditioneller Sexismus habe unter Pandemiebedingungen sogar eine „teilweise Revitalisierung“ erfahren, so die Studienleiter. Bemerkenswert ist, dass auch knapp ein Fünftel der Frauen antifeministische Einstellungen hat. Auch wenn in den vergangenen Jahren feministische Ziele weitaus mehr ins Blickfeld gerückt sind und teilweise sogar erreicht wurden – Themen wie reproduktive Selbstbestimmung oder Debatten um Konsequenzen von sexualisierter Gewalt durch Männer –, der Antifeminismus lehnt genau diese Entwicklungen ab. Denn die patriarchale, heteronormative Dominanz mit klaren Rollenvorstellungen soll beschützt werden.

Freitag-online

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Sie sind zwar warm und Brüderlich – doch warme Brüder sind sie nicht? Aber sie sind wieder da – die Republikaner mit ihren Gedöns an Fahnen, Hymnen und dem einäugigen Adler unter der Zirkuskuppel ihres Reichtages oder ihres Freistaat ! Aber gemach, gemach : „Niemand hatte doch den beiden langjährigeren Vorzeigeversagern aus den Musterclan Parteien empfohlen auch einmal ihre eigenen Fehler aus der Vergangenheit einzugestehen.“ Hatten nicht alle ihre Vorgänger-innen aus den Parteien die Möglichkeit, in die Steuern für Knallköpfe auch die anschließende Entsorgung einzupreisen? Die Knaller könnten doch die Körper unbezahlbar machen, oder geht es einmal mehr nur um Migranten?

Merz und Söder kritisieren Giffeys Regierung nach Silvesterkrawallen. Das Land Berlin werde mit der Lage nicht fertig, sagt CDU-Chef Merz. CSU-Chef Söder argumentiert ähnlich. Die Berliner Polizei werde von der Koalition im Stich gelassen.

5.) „Berlin entwickelt sich zu einer Chaos-Stadt“

Nach den Silvesterkrawallen in Berlin werfen Unionspolitiker der rot-grün-roten Hauptstadt-Regierung eine Mitschuld vor. CDU-Chef Friedrich Merz sagte dem „Münchner Merkur“: „Die Chaoten, viele davon mit „Migrationshintergrund“, fordern mit ihrer Randale den Staat heraus, den sie verachten.“ CSU-Chef Markus Söder sagte: „Berlin entwickelt sich leider zu einer Chaos-Stadt – beginnend bei der Politik, die weder Wahlen organisieren noch die Sicherheit ihrer Bürger garantieren kann.“ Die Union handelte sich ihrerseits den Vorwurf ein, Wahlkampfmanöver zu fahren und rassistische Ressentiments zu bedienen. In der Nacht zum Neujahrstag waren in mehreren deutschen Städten Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz angegriffen worden, unter anderem mit Böllern und Raketen. Besonders heftig waren die Attacken in einigen Vierteln von Berlin. Es seien 355 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Dienstagabend. 145 Menschen seien vorläufig festgenommen worden – alle Verdächtigen nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gekommen. Es seien insgesamt 18 verschiedene Nationalitäten erfasst worden. 45 der Verdächtigen hätten die deutsche Staatsangehörigkeit, 27 Verdächtige seien afghanischer Nationalität, und 21 seien Syrer. Das Land Berlin werde mit der Lage nicht fertig, sagte Merz dem „Münchner Merkur“. Seit Jahren begrenze der Senat aus politischen Motiven die Rechte und Einsatzmöglichkeiten der Polizei. CSU-Chef Söder argumentierte ähnlich. Die Berliner Polizei werde von der Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken im Abgeordnetenhaus im Stich gelassen, sagte er.

Tagesspiegel-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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