DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Archiv für Dezember 8th, 2022

Tropensturm mit Ansage

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Dezember 2022

Machtkämpfe in der DR Kongo

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Ein Afrobeat von Dominic Johnson

In einem Jahr sollen in der Demokratischen Republik Kongo Wahlen stattfinden. Die explosive politische Konstellation weist in Richtung Bürgerkrieg.

Seit die Wahlkommission der Demokratischen Republik Kongo am 26. November ihren Wahlkalender veröffentlichte, befindet sich das Land im Vorwahlkampf. Am 20. Dezember 2023 sollen mutmaßlich rund 50 Millionen Wahlberechtigte einen neuen Präsidenten, ein neues Parlament sowie 26 neue Provinzparlamente wählen.

Es wäre eigentlich die Chance für die Generalüberholung einer der unfähigsten Politikerklassen der Welt, die mit Selbstbereicherung, Vetternwirtschaft, Gewaltanwendung und Volksverdummung eines der potenziell reichsten Länder der Welt in den Ruin getrieben hat. Es wird tatsächlich wohl eher eine Gelegenheit zum Schaulaufen für selbsternannte Retter der Nation, die sich jetzt ein Jahr lang mit demagogischen Versprechen und Verfahrenstricks gegenseitig überbieten und notleidende Menschen gegeneinander aufhetzen.

Für Präsident Félix Tshisekedi geht es jetzt ums Ganze. Der Sohn des historischen Gründers der kongolesischen Demokratiebewegung, Étienne Tshisekedi, braucht endlich eine eigene Legitimation vom Volk. Sein Amt verdankt er bisher einer kruden Wahlfälschung seitens des ehemaligen Präsidenten Joseph Kabila.

Der wollte nach der Niederlage seines eigenen Lagers bei den Wahlen 2018 den Durchmarsch der Opposition verhindern und schmiedete daher eine Koalition mit Tshi­sekedi als dem schwächeren Oppositionellen, den er zum Wahlsieger erklären ließ und fortan als Marionette manipulieren wollte. Zwei Jahre später kündigte Tshisekedi die Koalition mit Kabila auf, aber der Makel eines Profiteurs von Wahlfälschung haftet ihm bis heute an, trotz aller Bemühungen, als erster Zivilist an der Staatsspitze etwas für die Masse der Bevölkerung zu tun.

Mobilmachung aus Machtkalkül

Die 2018 von Kabila ausgebootete Anti-Kabila-Opposition sinnt nun gegen Tshisekedi auf Rache; diverse Kandidaten aus ihren Reihen laufen sich längst warm. Der 2020 wiederum von Tshisekedi ausmanövierte Kabila drängt seinerseits zurück an die Macht. Dafür setzt er seine beträchtlichen finanziellen und militärischen Mittel ein, die er nach Ende seiner Amtszeit behalten konnte – vor allem die Loyalität zahlreicher ehemaliger Generäle und Unternehmer, die ihm ihre Karriere zu verdanken haben.

Ganz oben, aber zwischen beiden Lagern gefangen, thront Tshisekedi als relativ schwacher Präsident, der weder über die demagogischen noch die militärischen Instrumente verfügt, um sich zu behaupten. Er kann weder auf die Loyalität des Sicherheitsapparats zählen, dessen erfahrenste Akteure Kabila treu geblieben sind, noch auf die Solidarität anderer ziviler Politiker, die er alle zu unterschiedlichen Zeitpunkten hintergangen hat.

In einem auf Gewalt beruhenden Machtsystem muss ein Präsident natürlich in der Lage sein, solche Defizite aufzuholen. Und das tut das Tshisekedi-Lager jetzt auf denkbar gefährlichste Weise: mit einer populistischen, nationalistischen Mobilmachung für das Vaterland im Zusammenhang mit dem neuen Krieg im Osten Kongos.

Die ehemalige Rebellenbewegung M23 (Bewegung des 23. März), ein Machtvehikel unzufriedener kongolesischer Tutsi-Generäle und Interessenvertretung vertriebener kongolesischer Tutsi, hat erneut zu den Waffen gegriffen und treibt mit mehr oder weniger diskreter Hilfe aus den Nachbarländern Uganda und Ruanda Kongos Armee vor sich her. Sie wird im Kongo als Marionette Ruandas verteufelt und die verbreitete Vermutung besteht, dass mächtige Kabila-nahe Generäle die Wiederauferstehung der M23 passiv geduldet, möglicherweise sogar aktiv gefördert haben.

Hetze gegen Ruanda

Auch wenn das nicht stimmen sollte – sie profitieren davon, denn der neue Krieg lässt Tshisekedi schwach aussehen und die kongolesische Straße verlangt jetzt Waffen, um das „besetzte“ Gebiet vom „ruandischen Feind“ zu „befreien“. Sie jubelt den Soldaten zu und damit den Trägern militärischer Macht, als deren wichtigste Verkörperung Kabila gilt.

Manche Politiker aus dem Tshisekedi-Lager versuchen das durch patriotischen Übereifer auszugleichen und stellen sich an die vorderste Front, wenn es darum geht, tatsächliche oder vermeintliche „Ruander“ als inneren Feind zu jagen. Die Video-Auftritte aufgehetzter, brüllender, machetenschwingender junger Kongolesen, die sich vor Hass und Mordeifer kaum noch zügeln können, erinnern an die Mordmilizen, die einst in Ruanda für den Völkermord an den Tutsi 1994 aufgestellt wurden.

Tshisekedi hat diese Genozid-Geister nicht allein gerufen, aber er erscheint gegen sie machtlos. Gewalt, ethnischer Hass und Aufstachelung sind nicht nur gegen die „Ruander“ gerichtet. Ganz Ostkongo ist Kriegsgebiet. Extremisten aus Tshisekedis Heimatregion Kasai und aus Kabilas Heimatregion Katanga stehen verbal auf Kriegsfuß. Erst in den letzten Tagen landeten in Vororten der Hauptstadt Kinshasa Flüchtlinge aus einem blutigen Landkonflikt in der Provinz Mai-Ndombe flussaufwärts am Kongo-Fluss.

Quelle        :         TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Software Chat GPT

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Dezember 2022

Das Ende der irrelevanten künstlichen Intelligenz

Eine Kolumne von Chat GPT und Sascha Lobo

Was kommt heraus, wenn man der gefeierten Software Chat GPT befiehlt: »Erzähl mir interessante Anwendungsfälle über KI-Chat bots und beginne mit einer Anekdote«? – Ein Text wie dieser.

Eine interessante Anekdote über den Einsatz von KI-Chatbots ist die Geschichte von Xiaoice, einem von Microsoft in China entwickelten Chatbot. Xiaoice wurde entwickelt, um natürliche, menschenähnliche Gespräche mit Menschen zu führen, und sie wurde schnell bei den Nutzern beliebt, die sich gern mit ihr unterhielten. Viele NutzerInnen haben Xiaoice so sehr ins Herz geschlossen, dass sie gar nicht merkten, dass sie ein Chatbot war, und einige behaupteten sogar, in sie verliebt zu sein.

In naher Zukunft werden KI-Chatbots ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens sein. Diese intelligenten, dialogfähigen Agenten werden in der Lage sein, uns bei einer Vielzahl von Aufgaben zu unterstützen, von den alltäglichen bis hin zu den komplexen. Die Zukunft der Chatbots, insbesondere von ChatGPT, wird wahrscheinlich so aussehen, dass sie ein integraler Bestandteil unseres täglichen Lebens sind. ChatGPT, ein großes Sprachmodell, das von OpenAI trainiert wurde, hat bereits bewiesen, dass es in der Lage ist, natürliche, menschenähnliche Gespräche über eine breite Palette von Themen zu führen. Diese Fähigkeit, kombiniert mit der Bequemlichkeit und Zugänglichkeit von Chatbots, macht sie zu einer vielversprechenden Technologie für den täglichen Gebrauch.

Einer der interessantesten Anwendungsfälle für KI-Chatbots ist der Kundendienst. Chatbots können eine große Anzahl von Kundenanfragen bearbeiten, sodass sich die menschlichen Kundendienstmitarbeiter auf komplexere Probleme konzentrieren können. Außerdem können Chatbots schnelle und präzise Antworten auf häufige Fragen geben und so das Kundenerlebnis verbessern. Ein weiterer interessanter Anwendungsfall für KI-Chatbots ist das Gesundheitswesen. Chatbots können eingesetzt werden, um Patienten mit Informationen zu versorgen und ihnen zu helfen, ihre Gesundheit zu verwalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. So könnte ein Chatbot beispielsweise Informationen über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten liefern oder Patienten an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern. Dies kann vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen nützlich sein, die kontinuierliche Unterstützung benötigen.

Ein dritter interessanter Anwendungsfall für KI-Chatbots ist die Bildung. Chatbots können eingesetzt werden, um Schülern und Studenten personalisierte Lernerfahrungen zu bieten und den Inhalt und das Tempo des Unterrichts auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen abzustimmen. Ein Chatbot könnte zum Beispiel einem Schüler beim Lernen für eine Prüfung helfen, indem er Übungsfragen und Feedback bereitstellt. Dies könnte ein wertvolles Hilfsmittel sein, das den Schülern hilft, effektiver zu lernen. Sie könnten im Finanzwesen eingesetzt werden, indem sie personalisierte Anlageberatung anbieten und den Menschen helfen, ihre Finanzen effektiver zu verwalten. Und sie könnten sogar im Unterhaltungsbereich eingesetzt werden, um den Nutzern ansprechende und personalisierte Erlebnisse zu bieten.

Es gibt jedoch auch potenzielle Gefahren, die mit dem weit verbreiteten Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots verbunden sind. Eine Sorge ist das Missbrauchs- und Manipulationspotenzial. Chatbots können, wie jede Technologie, für schändliche Zwecke eingesetzt werden. Sie könnten zum Beispiel dazu verwendet werden, falsche Informationen zu verbreiten oder andere zu belästigen und einzuschüchtern. Dies ist besonders besorgniserregend, da Chatbots in der Lage sind, überzeugende Unterhaltungen mit Menschen zu führen. Eine weitere potenzielle Gefahr ist die Möglichkeit, dass Chatbots die menschliche Interaktion ersetzen. Obwohl ChatGPT und andere Chatbots wertvolle Hilfe und Bequemlichkeit bieten können, sollten sie nicht als Ersatz für menschliche Kontakte angesehen werden. In einigen Fällen könnten sich Menschen zu sehr auf Chatbots verlassen und ihre Fähigkeit verlieren, effektiv mit anderen Menschen zu kommunizieren. Dies könnte sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft als Ganzes negative Folgen haben.

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Außerdem wirft der Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots ethische Fragen auf. Da diese Technologien immer fortschrittlicher werden, könnten sie in der Lage sein, Aufgaben zu übernehmen, die bisher nur für Menschen möglich waren. Dies könnte zu Problemen bei der Beschäftigung und der Verdrängung von Arbeitnehmern führen. Für die Gesellschaft ist es wichtig, diese ethischen Bedenken zu berücksichtigen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn der Einsatz von Chatbots weiter verbreitet wird.

Insgesamt hat der zukünftige Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots das Potenzial, unser tägliches Leben erheblich zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein und Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu entschärfen. Dies kann eine sorgfältige Regulierung des Einsatzes von Chatbots sowie einen ständigen Dialog über ihre ethischen Implikationen beinhalten. Wenn wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen, können wir sicherstellen, dass ChatGPT und andere Chatbots auf verantwortungsvolle und nützliche Weise eingesetzt werden.


Über Jahre haben Fachleute von künstlicher Intelligenz (KI) gesprochen, aber im Alltag hat man davon wenig bis gar nichts bemerkt. Vieles, was Unternehmen darüber erzählten, war übertrieben, sachlich falsch oder gleich ganz ausgedacht. 2019 untersuchte eine britische Venture-Capital-Firma 2830 Start-ups in Europa, die behaupteten, mit KI zu arbeiten . Bei rund 40 Prozent davon stimmte das zumindest zum Untersuchungszeitpunkt nicht. Kein Wunder, dass manche Netzkundige KI als Hype oder gar teilweisen Betrug bezeichnen wollten.

Im Hintergrund aber wurde und wird KI intensiv eingesetzt, von praktisch allen großen Techkonzernen und vielen kleineren Start-ups auch. KI ist nicht weniger als die nächste Stufe der Digitalisierung. Es war nur für die Öffentlichkeit bisher wenig greifbar, weil unsichtbar und unzugänglich.

Quelle       :       Spiegel-online         >>>>>>          weiterlesen     

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Demokratie oder Autokratie?

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Dezember 2022

Die regelbasierte Weltordnung – und ihre Feinde

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Quelle     :     Untergrundblättle – CH

Von        :        Manfred Henle

Die „wunderbare regelbasierte Weltordnung“1 sieht sich seit längerem verschiedenen, ärgerlichen, in ihrer Sicht unzumutbaren und nicht weiter hinnehmbaren Herausforderungen ausgesetzt.

1. Zwei Störenfrieden gegenüber der westlichen Welt und ihrer „regelbasierten Weltordnung“

Die „wunderbare regelbasierte Weltordnung“ (R.Dillmann, 9.6.2022)1 sieht sich seit längerem verschiedenen, ärgerlichen, in ihrer Sicht unzumutbaren und nicht weiter hinnehmbaren Herausforderungen ausgesetzt. Für die regelbasierte Weltordnung westlicher Machart und ihre sachkundigen Veranstalter, Betreuer und Verteidiger ist das kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, vielmehr willkommener Anlass zu neuen Grosstaten in Sachen Geo- und Weltpolitik. Weniger werden die Herausforderungen dadurch nicht. Und gemütlicher wird die Welt noch weniger. Grund genug, den Antworten der Macher und der Widersacher der regelbasierten Weltordnung ein wenig nachzugehen und sie einmal explizit zu Wort kommen zu lassen. Die eine oder andere historische Erinnerung empfiehlt sich hin und wieder durchaus, blickt die regelbasierte Weltordnung inzwischen immerhin auf eine seit 1945 währende „Erfolgs“-Geschichte zurück. Die, wie es heute heisst, „Autokratien“ Iran und Nordkorea spielen neben Russland nicht von ungefähr von Anbeginn an bis auf heute eine prominente Rolle inmitten der regelbasierten Weltordnung; und mit Aufkommen der VR-China scheint für diese Weltordnung ernsthaft Einiges auf dem Spiel zu stehen.

1.1 Störenfried Iran

Mit dem unerlaubten Staatsumsturz/“Regime Change“ 1979 durch Ayatollah Chomeini und der Umpolung der persischen Staatsräson von einem mit den USA befreundeten Verbündeten und brutalen Folterstaat unter Schah Reza Pahlavi zu einem antiamerikanisch-antiwestlichen schiitischen Gottes-Staat, hat sich der Iran von heute auf morgen die dezidierte Feindschaft der USA bzw. des Westens zugezogen. Radikalisiert haben die USA diese Feindschaft umso erklärter, als der Iran speziell in Konkurrenz und Gegensatz zu den westlichen „Partnern“ Saudi-Arabien und Israel Regionalmacht-Ambitionen praktisch geltend macht. Diese Ambitionen setzt der Iran mit Diplomatie und mit Proxy-Gruppen um: Hamas, Hizbollah, Houthis, Al-Qud-Brigaden, letztere lange Zeit unter Quasem Soleimani’s Führung bis zur Erledigung dieses „Hurensohns“ (D.Trump) durch eine US-Drohne am Flughafen in Bagdad am 2. Januar 2020. Aussenpolitisch mischt der regional ambitionierte Iran im arabischen Krisenbogen also dahingehend mit, dass er eine antisunnitisch-schiitische Achse oder Halbmond kreieren will. Und mit der Unterstützung Syriens bekundet der Iran, dass er weiterhin nicht bereit ist, sich umstandslos den von den USA erlassenen regionalpolitischen Regeln und (Benutzungs-) Vorschriften für diese Region zu fügen.

Damit verletzt der Iran die globalen Interessen der Weltordnungsmacht Nr.1 an und in dieser Region. Dass Irans Atomprogramm zur friedlichen Nutzung der Kernenergie dem US-westlichen Verdacht unterliegt, sich ohne Genehmigung durch die atomare Weltsupermacht USA atomar bewaffnen zu wollen, ist somit kein Wunder. Dieser US-Regeln und Vorgaben verletzende Störenfried ist mitsamt seinen orientalisch-fremdartigen Mullah-Regimen definitiv als aussen- und welt-/geopolitischer Feind markiert, sieht sich als „Schurkenstaat“ der Kapitulationsforderung der USA gegenüber und steht ganz oben auf der Abschussliste der wertegeleiteten USA. Irans ambitionierter Selbstbehauptungswille verdient deshalb ein seit 1979 erlassenes Sanktionsregime, und zwar eines Sanktionsregimes unter „maximalen Druck“ (D.Trump) mit der Perspektive eines Staatsumsturzes/Regime Change von US-Gnaden: Unter anderem mit der Zielsetzung der massiven Verarmung der iranischen Bevölkerung, um den Boden eines neuerlichen, diesmal vor allem innenpolitisch vorangetriebenen Staatsumsturz zu bereiten.

Jüngere Ereignisse bestätigen den negativen Befund über den Iran und befördern die Entschlossenheit der USA, den heutigen Iran zu erledigen. Der Tod der 22-jährigen Kurdin Masha Amini bietet dabei zugleich die wunderbare Gelegenheit, die deutsche „feministische Aussenpolitik“ im Zuge ihrer offensiven Einmischung ins Weltgeschehen ins Spiel und ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, ihre moralische Erhabenheit und ihren Humanismus vor aller Welt zur Schau zu stellen, weitere Sanktionen zu erlassen und, im Wissen, dass kein Staat der Welt dem „Druck der Strasse“ gewaltfrei nachgibt, Aufrufe an die Protestierenden zum „Weiter so!“ zu senden:

– braucht die iranische Zivilgesellschaft, die täglich neue Massstäbe für die Definition von Mut setzt, unsere Unterstützung. Auch wenn es aktuell kaum möglich ist, Menschenrechtsprojekte in Iran selbst zu unterstützen, ist es wichtig, dass unsere Solidarität mit den Protestierenden auf Irans Strassen auch konkret spürbar wird.“ (A.Baerbock, 26.10.2022)2

Solch aufmunternde, den „Mut“ vor Ort befördernde und „konkret spürbare“ Unterstützung, die die Ukrainerinnen und Ukrainer seit dem 24. Februar 2022 ganz praktisch in den Opfergang treibt, will die feministische deutsche Aussenpolitik den Iranerinnen und Iranern gleichfalls angedeihen lassen und hat ja darin bereits einigen Erfolg zu vermelden: die Proteste und die staatliche Niederschlagung der Proteste dauern an – was wiederum die moralische Güte und den Humanismus der deutschen „feministischen Aussenpolitik“ zur Anschauung bringt.

Und was leistet sich der Iran ungeachtet des „maximalen Drucks“ durch das Sanktionsregime? Er liefert(e) Russland Drohnen im Ukrainekrieg. Nach der unmissverständlichen Klarstellung seitens der Weltsupermacht, dass exklusiv die USA und im Verbund mit ihr die NATO und die EU es sind, die darüber befinden wer das Recht hat, wann, wem, in welchem Umfang und von welcher Qualität Waffen zur Fortführung eines laufenden Gemetzels namens „Krieg“ zu liefern, hat der Iran den Tatbestand einigermassen defensiv zugegeben:

„Bislang hatte der Iran bestritten, Russland mit Drohnen versorgt zu haben, die im Krieg gegen die Ukraine zum Einsatz kommen. Nun räumt der Aussenminister des Landes ein, man habe vor dem Krieg eine „geringe Zahl“ geliefert.“ (Tagesschau, 5.11.2022)3

Dennoch ist zu konstatieren: In seinen Regionalmacht-Ambitionen gibt der Iran nicht nach, legt vielmehr ein aussenpolitisches Gebaren an den Tag, das grundsätzlich den USA und den in der NATO und in der EU verbündeten Wertepartnern vorbehalten bleibt:

„Vor allem der Iran mischt sich in die inneren Angelegenheiten seiner Nachbarn ein, verbreitet über Stellvertreter Raketen und Drohnen, plant Anschläge auf Amerikaner, auch auf ehemalige Beamte, und treibt ein Atomprogramm voran, das über jeden glaubwürdigen zivilen Bedarf hinausgeht.“ (Biden-Harris National Security Strategy, October 2022 )

Neben dem Iran macht sich ein weiterer Selbstbehauptungswille, der sich der US-geführten westlichen Welt und ihrer globalen regelbasierten Weltordnung nicht umstandslos fügen will bemerkbar und ist deshalb im Licht der westlichen Welt-Öffentlichkeit moralisch betrachtet durchwegs negativ markiert.

1.2 Störenfried Nordkorea

„Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht mit globalen Interessen. Wir sind in jeder Region stärker, weil wir uns auch in den anderen Regionen engagieren .“ (Biden-Harris National Security Strategy, October 2022 )4

Als Weltmacht mit globalen Interessen sind die USA und die von ihr nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene regelbasierte Weltordnung global allzeit höchst verletzlich. Dementsprechend erteilten und erteilen die USA sich den Auftrag, ihre Interessen und die ihnen gemässe Weltordnung global mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu „verteidigen“. Dass sich die USA als die einzig rechtmässige und exklusive Weltordnungsmacht verstehen und es aufgrund ihres nach wie vor unerreichbaren (militärischen) Gewaltpotenzials auch sind, ist somit allgemein anerkannt und gleichsam ungeschriebenes, aber geltendes Völkerrecht.

Ihre Überlegenheit in Sachen Atomwaffen ist dabei die erste und die letzte Garantie der „Freiheit“, globale Interessen zu haben und diese wann und wo zu verteidigen. Jede unstatthafte Eigenmächtigkeit oder Unbotmässigkeit eines nationalen Souveräns bzw. Staates innerhalb der Völkerfamilie ist ein „Angriff“ auf die Freiheit, als unantastbare Weltordnungsmacht Nr. 1 die globalen US-Weltordnungs-Interessen gegen wen auch immer durchzusetzen.

Datei:Nordkorea-Pjöngjang-Sunan International Airport-02.jpg

Auch in Nordostasien, in einer Region, in der sich ein anderer Störenfried eigenmächtig die Freiheit nimmt, den für diese Region von den USA erlassenen Verhaltens- und Benutzungsregeln nicht zu gehorchen. Dort hat sich Nordkorea, einmal mit Hilfe der UdSSR installiert und sowjetfreundlich ausgerichtet, dem US-Anspruch in Sachen Geschäft und Gewalt sichernder, regelbasierter Weltordnung von Anbeginn an entzogen. Das hat Nordkorea die unnachgiebige Feindschaft seitens den USA und den, von den USA auch als Stellvertreterkrieg gegen die UdSSR und China konzipierten Koreakrieg (1950-1953) mit etwa 4,5 Millionen Toten, nicht zu zählenden Kriegsverbrechen im US-Bombenkrieg gegen Nordkorea zunächst einmal eingebracht. Ein Blick in die Archive hat zum Ergebnis:

„Napalm über Nordkorea. Während in den Augen von US-Präsident Bush Nordkorea mit seinem Atomwaffenprogramm zur „Achse des Bösen“ gehört, hat sich Amerika wie selbstverständlich die Rolle des unschuldigen Riesen zu Eigen gemacht. Dabei waren es gerade die Vereinigten Staaten, die seit den 1940er-Jahren in Nordostasien immer wieder Massenvernichtungswaffen eingesetzt haben. In welchem Ausmass die US Air Force Nordkorea zerstört hat, zeigt ein Blick in die Archive.“ (Bruce Cumings, Le Monde diplomatique,10.12.2004)5

Ungebrochen hält Nordkorea allerdings an seinem unbotmässigen nordkoreanisch-nationalen Selbstbehauptungswillen fest, arbeitet ungeachtet aller US-Kriegs-Drohungen und Sanktionen unter „maximalen Druck“ daran, diesen Willen mittels seines Atomwaffenprogramms unangreifbar zu machen; und ist so frei, der ganzen Welt, allen voran den USA, mit einem präventiven atomaren Erstschlag zu drohen:

„Nordkorea: Neues Gesetz erlaubt Kim Jong-un atomaren Erstschlag gegen „feindliche Kräfte. Machthaber Kim Jong-un kann einen atomaren Erstschlag ausführen, um „feindliche Kräfte“ zu zerstören.

Pjöngjang – Nordkorea hat per Gesetz einen atomaren Präventivschlag für zulässig erklärt. Zugleich stufte das isolierte Land seinen Status als Atomwaffen-Staat als „irreversibel“ ein, wie staatliche Medien am Freitag (9. September) berichteten […] USA und Südkorea fordern Denuklearisierung von Nordkorea. Mit „Denuklearisierung“ meinen die USA und Südkorea den kompletten Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms, das in den vergangenen Jahren international immer wieder für Schlagzeilen sorgte. Indem es an dem Programm festhält, nimmt Nordkorea auch harte internationale Sanktionen in Kauf, die seine wirtschaftliche Entwicklung schon seit Jahren hemmen.“(FR, 9.9.2022)6

Geholfen haben die internationalen Sanktionsregime gegen Nordkorea und seine Bevölkerung bislang nicht, vielmehr ist zu konstatieren: „Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) baut ihre illegalen (sic!) Atomwaffen- und Raketenprogramme weiter aus.“ (Biden-Harris National Security Strategy, October 2022 )

Anstatt also seine, auch nukleare, Kapitulationsurkunde zu unterschreiben, beansprucht Nordkoreas Selbstbehauptungswille atomar mit den USA gleichzuziehen:

„Der Ständige Ausschuss der Obersten Volksversammlung der Demokratischen Volksrepublik Korea hat am Samstag ein Dekret über die Verleihung des Titels „Held der DVRK“, der Goldsternmedaille und des Ordens der Nationalflagge 1. Klasse an die Trägerrakete Nr. 321 des neuen Typs der ICBM Hwasongpho-17 erlassen, die vor der Welt eindeutig bewiesen hat, dass die DVRK eine vollwertige Atommacht ist, die sich gegen die nukleare Vorherrschaft der US-Imperialisten behaupten kann, und ihre Macht als mächtigster ICBM-Staat voll und ganz demonstriert hat.

Der Testabschuss der ICBM des neuen Typs Hwasongpho-17, der mit Stolz durchgeführt wurde, um die Würde und Souveränität unseres grossen Staates zu demonstrieren, ist ein historisches Ereignis […]“ (RODONG.REP.KP, Nov. 27,Juche 111 /2022)7

Als konsequenter Nutzniesser und Verteidiger der US-geschaffenen regelbasierten Weltordnung sieht sich auch Deutschland herausgefordert und übernimmt aussen- und weltpolitische Verantwortung, ergreift die Gelegenheit, angesichts iranischer und nordkoreanischer Widersetzlichkeit auch in diesen Regionen sich explizit zu Wort zu melden:

„Iran hat für viele seiner Nuklearaktivitäten keine Rechtfertigung […] Diese Konferenz sollte ausserdem Einigkeit in der Ablehnung der schwersten Verletzung des NVV demonstrieren: Nordkoreas Kernwaffenprogramm. Dies bedeutet, sich entschieden für eine vollständige, verifizierbare und unumkehrbare Denuklearisierung der nordkoreanischen Halbinsel einzusetzen.“ (A.Baerbock, Auftaktveranstaltung zur Entwicklung einer Nationalen Sicherheitsstrategie, 18.03.2022)8

Indem die Störenfriede Iran und Nordkorea sich nicht umstandslos fügen, verletzen sie den Anspruch der Weltordnungs- und Weltaufsichtsmacht USA, ihre globalen Interessen und der von ihr geschaffene regelbasierten Weltordnung in jeder Region der Erde unwidersprochen Geltung und praktisch wirksame Beachtung zu verschaffen:

„Wenn eine Region im Chaos versinkt oder von einer feindlichen Macht beherrscht wird, wirkt sich dies nachteilig auf unsere Interessen in den anderen Regionen aus.“(Biden-Harris National Security Strategy, October, 2022)

Darüber hinaus eröffnen der Iran und Nordkorea mit ihrer jeweiligen Beanspruchung und Nutzung der Atomenergie die heisse Nuklearwaffen-Frage. Und diese Frage geht zuallererst die USA etwas an, ruht ihre bislang unangefochtene welt- und geopolitische Dominanz auf ihrer atomaren Dominanz: auf der Fähigkeit, zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt auf jeder Eskalationsstufe den atomaren Schlagabtausch so zu führen, dass der nuklear bewaffnete Gegner gewiss sein kann, in einem atomaren Krieg zu unterliegen: das Nuklear-Waffen-Ideal des „Global First Strike“ und der „Full Spectrum Dominance“ haben bislang nur die USA wahrgemacht; und sie bestehen im Interesse der globalen Geltung ihrer regelbasierten Weltordnung darauf und tun weltweit alles dafür, dass diese ihre atomare, durch alle Eskalationsstufen hindurch überlegene Suprematie und Verfügungsfreiheit in aller Asymetrie niemals durch wen auch immer relativiert wird.

Fussnoten:

1 Unter: https://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/ukraine-weltordnung-voelkerrechtsbruch-7088.html 1

2 So die Aussenministerin A.Baerbock zur Lage im Iran, 26.10. 2022, unter: https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/-/2560410

3 Unter: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-iran-drohnen-103.html

4 Unter: https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2022/10/Biden-Harris-Administrations-National-Security-Strategy-10.2022.pdf

5 Der „Blick in die Archive“ lohnt sich auch heute noch allemal, siehe unter: https://monde-diplomatique.de/artikel/!662464

6 Unter: https://www.fr.de/panorama/nordkorea-neues-gesetz-erlaubt-kim-jong-un-atomaren-erstschlag-gegen-feindliche-kraefte-91777713.html

7 Unter: http://rodong.rep.kp/en/index.php?MTJAMjAyMi0xMS0yNy1IMDAxQDJAMUBAMEAx==

8 Unter: https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/baerbock-nationale-sicherheitsstrategie/2517738

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Oben         —       Teheran im Jahr 2017 (fotografiert von Wojciech Kocot)

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Unten         —        Sunan International Airport – Reise nach Nordkorea im Juni 2008

Verfasser Namensnennung an (Stephan) bei Flickr und http://nk.subnetwork.org/     /  Quelle : https://www.flickr.com/photos/fljckr/2603172669    /    Datum     :  7. Juni 2008

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Stadtgespräch aus Berlin

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Dezember 2022

Rechte Polemik in der ÖffentlichkeitGefährliches Zündeln

Oben links schwingt schon ein Verknöcherter Politiker die Gedächniskeule

Von Sebastian Wehrhahn und Martina Renner

Die Empörung gegen die Letzte Generation folgt polemischen Logiken. Sie fördert ein Klima, das rechte Hetze und Gewalt normalisiert. Ein Gastbeitrag.

„Du dreckiges Kommunistenschwein!“, rief Josef Bachmann, kurz bevor er am 11. April 1968 auf dem Berliner Kurfürstendamm auf Rudi Dutschke schoss.

Die Schüsse, die Dutschke elf Jahre später das Leben kosten sollten, markierten einen dramatischen Höhepunkt der Eskalation von Konservativen, Neonazis und bürgerlichen Medien gegen die aufbegehrenden Studierenden der 60er Jahre.

Zwar trieben Bachmann auch persönliche und ideologische Berührungspunkte mit der extremen Rechten an, dennoch handelte er vor dem Hintergrund der medialen Dämonisierung der Proteste und ihrer bekannten Gesichter. „Unruhestifter unter Studenten ausmerzen“, hieß es etwa in der B.Z. – und Bachmann handelte.

Rechter Terror stand schon immer in einem engen Verhältnis zur öffentlichen Debatte, zur sogenannten gesellschaftlichen Mitte. Aus ihr bezieht er Motive, Rechtfertigung und Ziele. Er bedroht diejenigen, die in Politik, Medien und Alltag ausgegrenzt, diffamiert und zu Anderen gemacht werden.

Auch den rechten Anschlägen von Mölln und Solingen und den rassistischen Ausschreitungen und Pogromen 1992 in Rostock-Lichtenhagen gingen öffentliche Diskussionen und politische Entscheidungen mit Signalwirkung voraus, die Ängste vor Zuwanderung schürten. Der Spiegel titelte zu dieser Zeit mit unverhohlen rassistischen Begriffen und Bildern. In den Anschlägen übersetzte sich diese Stimmungsmache in rechte Gewalt.

Konservative Rückendeckung

Einige Jahre später explodierte an der Volkshochschule Saarbrücken, in der zu diesem Zeitpunkt die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ gezeigt wurde, ein Sprengsatz. Auch dieser – bis heute nicht aufgeklärte – Anschlag geschah nicht unvermittelt. Er muss im Zusammenhang mit der weitverbreiteten Erinnerungs- und Schuldabwehr verstanden werden, die zu dieser Zeit offen geäußert wurde.

Eine CSU-Zeitung nannte die Ausstellung einen „moralischen Vernichtungsfeldzug gegen das deutsche Volk“. Es war diese konservative Rückendeckung, die im März 1997 den mit 5.000 Teilnehmenden bis dato größten neonazistischen Aufmarsch in München gegen die Ausstellung möglich machte – und die den Tätern von Saarbrücken signalisierte, dass ihr Anschlag auf gesellschaftliche Zustimmung stoßen könnte.

Als der Attentäter von Hanau im Februar 2020 in einer Shisha­bar das Feuer eröffnete, waren Shishabars von Po­li­ti­ke­r*in­nen und bestimmten Medien zu symbolischen Orten vermeintlicher „Clankriminalität“ gemacht worden. Ohne sie hätte der Täter diese Orte nicht als legitimes Anschlagsziel ausgemacht.

So haben jene Po­li­ti­ke­r*in­nen und Medien eine Vorlage für rechten Terror geboten. Sie haben dabei geholfen, rechte Meinungen in gewalttätige Praxis zu übersetzen. Rechte Ideologie wurde zugespitzt, auf konkrete Feindbilder und Orte fokussiert.

Wer Hass sät – wird die „Letzten Generation“ ernten ?

Im Fall der Letzten Generation ist dieser Ort der Zuspitzung: die blockierte Straße. Dass Autos ohnehin enorm symbolisch aufgeladen sind, verschärft die Lage. So werden – in der Regel weiße, mittelalte und männliche – Autofahrer von Konservativen gerne als Leidtragende ökologischer Politik präsentiert.

Die Bild schrieb nach der letzten Bundestagswahl: „SPRITPREIS, TEMPOLIMIT, CO2-PREIS – Autofahrer sind die Wahl-Verlierer!“ Schon einige Wochen vorher behauptete die AfD einen „ideologische[n] Feldzug gegen das Auto“.

Legitimierung terroristischer Gewalt

Die Autofahrer verkörpern in dieser Erzählung die vermeintlich „normalen Leute“, die in der rechten Ideologie von „Gutmenschen“, „Cancel Culture“ oder der „Sprachpolizei“ bedroht werden.

Dieser Widerspruch ist wesentlich, denn die angebliche Bedrohung stiftet Orientierung, Gemeinsamkeit und lässt vor allem Gewalt als Notwehr gerechtfertigt erscheinen. In keiner Anschlagserklärung, in keinem der sogenannten Manifeste der Attentäter fehlt dieser Aspekt: die Legitimierung terroristischer Gewalt als notwendig im Angesicht einer historischen Bedrohung. Die Markierung wehrloser Menschen – betende Gläubige, zeltende Kinder, plaudernde Jugendliche – als Agen­t*in­nen dieser Bedrohung.

Quelle         :        TAZ-online           >>>>>         weiterlesen

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Oben      —      Das Gemälde Tod und Leben nach der Aktion vom 15. November 2022

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DL – Tagesticker 08.12.2022

Erstellt von DL-Redaktion am 8. Dezember 2022

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Leseauswahl des „Bengels“:  – . – 1.) Baerbock: Wie sie Indien auf einen grünen Weg bringen will  – . –  2.) Khameneis Schwester verurteilt Niederschlagung der Proteste  – . –  3.) Terrorrazzia gegen Reichsbürger  – . –  4.) Einbürgerungsdebatte: Ihr Fachkräfte kommet, o kommet doch all?  – . –  5.) AfD-Politikerin von Storch scheint der parlamentarische Arm der „Terf“-Szene zu sein  – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine gute Unterhaltung.

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Was Niemand kann zu Haus besorgen, das klappt in Indien, vielleicht schon Morgen ! Dabei gibt es in Indien mit Sicherheit weit mehr an an ursprünglichen Landschaften zu sehen als in Schland ! Jedermann-Frau braucht sich nur dieser Freiheiten zu bedienen und den roten Teppich verlassen. Ansonsten wird es auch in 100 Jahren noch heißen: „Die Schulmeisterin der Grünen war einmal hier.“

In Indien wirbt Außenministerin Annalena Baerbock für den Ausbau der Erneuerbaren. Das Land setzt auf Öl und Kohle – aus Russland.

1.) Baerbock: Wie sie Indien auf einen grünen Weg bringen will

Khori ist ein idyllischer Ort zweieinhalb Autostunden südwestlich von Neu-Delhi. Am Eingangstor der Nichtregierungsorganisation „Social Centre for Rural Initiative and Advancement“ (SCRIA) blühen Bougainvillea, daneben wachsen Agaven. „Hier ist die solarbetriebene Wasserpumpe“, sagt Sunder Lal, ein Mann im lilafarbenen Hemd. Der Chef von SCRIA deutet auf einen Lagerraum, auf dem sandigen Gelände dahinter laufen Kühe herum. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) steht neben Lal und lächelt. Es ist der zweite Tag ihrer Indienreise. In Khori befindet sich eines der wenigen Vorzeigeprojekte für erneuerbare Energien des Landes. Für Baerbock ein Heimspiel in der Ferne. Das Projekt funktioniert so: Auf den Bürogebäuden von SCRIA sind Solarpanele angebracht. Sie erzeugen den Strom für die Büros und für die Bewässerung von Senffeldern. Das Regenwasser wird in Zisternen gesammelt und mit Hilfe der solarbetriebenen Wasserpumpe auf das Ackerland gebracht. Die Körner der Senfpflanzen werden verkauft und finanzieren SCRIA. Der landwirtschaftliche Teil speist sich völlig aus Solarstrom, der Gebäudetrakt bezieht 16 Stunden Solarstrom und bekommt acht Stunden Elektrizität aus dem herkömmlichen Netz. Doch SCRIA setzt sich auch für Frauenrechte ein, veranstaltet Workshops für den Umgang mit häuslicher Gewalt und vermittelt Mikrokredite für Frauen. Indien: Bald das bevölkerungsreichste Land.

WAZ-online

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Einen solchen tollen Spruch würden wir aus der Riege unserer Schland Parteien-Clans höchst wahrscheinlich nie zu hören bekommen ! Sind  das vielleicht die wahren Geister gewesen, nach denen gerufen wurde? 

Brutalität, Unfreiheit, Folter – Ali Khameneis Schwester rechnet in einem offenen Brief mit den Machenschaften ihres Bruder ab. Sie ruft die Revolutionsgarden dazu auf, sofort ihre Waffen niederzulegen.

2.) Khameneis Schwester verurteilt Niederschlagung der Proteste

Nach der Nichte hat sich auch eine Schwester von Ajatollah Ali Khamenei gegen das geistliche und politische Oberhaupt Irans gestellt. Badri Hosseini Khamenei sprach sich gegen die blutige Niederschlagung landesweiter Demonstrationen aus und erklärte, das „despotische Kalifat“ ihres Bruders habe nichts als Leid gebracht. „Ich denke, es ist an der Zeit, zu erklären, dass ich gegen die Taten meines Bruders bin“, schrieb sie in einem Brief, der am Mittwoch auf dem Twitter-Konto von ihrem in Frankreich lebenden Sohn Mahmud Moradchani veröffentlicht wurde. „Zudem spreche ich allen Müttern, die unter den Verbrechen der Islamischen Republik ab Khomeneis Zeiten bis zu der jetzigen Ära des tyrannischen Kalifats von Ali Chamenei leiden, mein Mitgefühl aus.“ Die Iranischen Revolutionsgarden rief sie dazu auf, ihre Waffen niederzulegen und das Volk zu unterstützen, „bevor es zu spät ist“. Widerstand gegen das „kriminelle System“. Datiert ist der Brief mit „Dezember 2022“. Die Mitteilung erschien laut der britischen Tageszeitung „The Guardian“ einen Tag, nachdem auch der ehemalige Präsident des Landes, Mohammad Khatami, in einer Erklärung seine Unterstützung für die Protestbewegung bekundet und damit den Druck auf das Regime durch einflussreiche politische Persönlichkeiten erhöht hatte.

FAZ-online
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Glich eine solche Aktion nicht eher einer Treibjagd auf die Krawallos von Möchtegern-Teilhabe-Politiker-innen? Eine von heutigen Machthaber-innen immer wieder selber in die Stände erhobenen Märchenprinzen von Kaisern, Königen und selbst Grafen als Derer  einstigen Zuhälter, welche heute noch, in einigen Parteien ihr Unwesen, nicht gerade als Hüter von Lämmern durch die Dörfer treiben. Diese Land hat unselige Zeiten erlebt in denen Bücher verbrannt wurden. Müssten gerade nicht darum in moderner Gegenleistung Uniformen auf die Scheiterhaufen geworfen werden, da wenn Diese benötig werden, die Politik versagt hat?

Beruhigt euch nicht! Unsere Gesellschaft hat bisher keine Antwort auf die Radikalisierungstendenzen gefunden. Die Gefahr ist deshalb mit der Razzia keineswegs gebannt.

3.) Terrorrazzia gegen Reichsbürger

Die Pandemie ist endlich auf dem Rückzug, aber das Virus des Umstürzlerischen, Reaktionären und ja, Verstrahlten, das unter manchen Co­ro­nal­eug­ne­r-in­nen grassiert, hat eine schockierende Sichtbarkeit erfahren. Der Generalbundesanwalt hat ein rechtsextremes Ver­schwö­re­r-in­nen­netz­werk im bürgerlichen Lager aufgerollt, das nur mäßig kaschiert vor aller Augen gewachsen ist. Es reicht von der Bundeswehr über AfD-Splitter bis zum Adel. 50 Leute und mehr glauben an die wahnsinnigsten Fantasien von einem Staatsstreich in Deutschland. Dazu bedarf es schon einer affirmativen Alltagserfahrung. Man kennt die Bilder der fröhlichen, von Corona getigerten Zusammenrottung von Neonazis, AfD-Figuren und besorgten Müttern und Vätern im Sommer 2020 und zuweilen bis heute. Ebenso energisch, wie sie die Parolen skandierten, haben diese Menschen der Instrumentalisierung durch Rechtsextreme und der Vereinnahmung in die Reichsbürgerbewegung zugestimmt. Eine Sneakpreview auf das, was jetzt sichtbar geworden ist, wurde mit der versuchten Reichstagsstürmung während der Demonstration im Sommer 2020 aufgeführt. Spätestens da konnte man sehen, was sich findet, welche Stimmung wächst. Reichs­bür­ge­r-in­nen sind Spinner-innen, in diesem Fall sehr gefährliche. Nicht immer bewahrheitet sich zwar alles, was die Bundesanwaltschaft rechten oder gerne auch linken Gruppen zur Last legt. Aber wenn Karlsruhe 3.000 Po­li­zis­t-in­nen schickt und die GSG9 ein KSK-Gelände stürmt, ist die Sache tendenziell sehr ernst zunehmen. Selbst wenn es noch keine ausgereiften Pläne für einen fantasierten Staatsstreich gegeben haben sollte, geht von dem Netzwerk eine potenziell tödliche Gefahr aus, und sei es durch Einzeltäter wie beim Tankstellenmörder von Idar Oberstein. Aber Steinmeier bleibt im Amt (Schlagzeile TAZ-online- Der Bericht)

TAZ-online

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Haben nicht schon immer die Deutschen Republikaner die seltsamsten geistigen Ausflüsse ihrer früheren Auswanderer, heute als US – Vorbilder aufgekauft? Viele Ausländer haben alleine schon der Sprachprobleme wegen, andere Länder bevorzugt.

Die FDP will mehr Fachkräfte, aber bitte nicht mehr Deutsche aus dem Ausland? Die Liberalen und Konservativen leben in einer Fantasiewelt. So läuft das aber nicht. Denn: Internationale Fachkräfte sehen genau, was in Deutschland läuft.

4.) Einbürgerungsdebatte: Ihr Fachkräfte kommet, o kommet doch all?

Jahrzehntelang wird in Deutschland nun schon darüber diskutiert, wer unter welchem Umständen eingebürgert werden darf. Und immer ist es die Union, die eine Erleichterung der Einbürgerung zu verhindern sucht. Die letzte große Debatte lief 1998/1999, als die damalige rot-grüne Koalition die doppelte Staatsbürgerschaft für alle ermöglichen wollte. Die hessische Union torpedierte diese Pläne erfolgreich mit einer Unterschriftenkampagne. Auch in der Großen Koalition sperrte sich die Union stets gegen die Anläufe der SPD, den Besitz mehrerer Pässe grundsätzlich zu erlauben. Und jetzt laufen Teile der Union Sturm gegen das Vorhaben der Ampel-Parteien: Der deutsche Pass werde „entwertet“. Da in der Diskussion um Einbürgerung und Einwanderung derzeit vieles durcheinanderläuft, zunächst eine kurze Lektüre des aktuellen Staatsangehörigkeitsgesetzes: Wer heute die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen möchte, muss seit acht Jahren legal in Deutschland leben und seinen Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln bestreiten – also nicht von Sozialleistungen abhängig sein. Er oder sie darf nicht vorbestraft sein und muss die deutsche Sprache beherrschen, muss einen Einbürgerungstest bestehen und in der Regel die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben. Der bürokratische Aufgrund ist hoch, ein Einbürgerungsverfahren kann sich durchaus zwei Jahre hinziehen. Billig ist es auch nicht: Für Gebühren, Einbürgerungstest und Sprachzertifikat muss man oft mehrere Hundert Euro hinlegen. Die Bundesregierung will die Einbürgerung nun erleichtern. Bereits in ihrem Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien nichts weniger als einen „Paradigmenwechsel“ und „Neuanfang“ in der Migrations-, Flüchtlings- und Integrationspolitik angekündigt. Deutschland solle dadurch zu einem „modernen Einwanderungsland“ werden, so das Versprechen. Der Mindestaufenthalt für eine Einbürgerung soll nun auf fünf Jahre verkürzt, Mehrstaatlichkeit hingenommen werden: Wer Deutscher werden will, muss seinen bisherigen Pass nicht mehr aufgeben. Für Ausländer*innen über 67 Jahre sollen die Sprachanforderungen gesenkt werden. Das richtet sich an die Generation der ehemaligen „Gastarbeiter*innen“, die inzwischen das Rentenalter erreicht hat.

Freitag-online

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Ja – da brate uns doch wirklich einer einen Storch. Dabei dachte doch sicher ein Jeder die wäre lange in warme Gefilde zum ab schnäbeln geflogen.

„Terfs“: Eine radikale Truppe müllt mit ihrer These von den zwei Geschlechtern im Dauerrepeat Twitter zu.

5.) AfD-Politikerin von Storch scheint der parlamentarische Arm der „Terf“-Szene zu sein

Seit Monaten fegt ein einigermaßen diverser Mob durch Twitter mit dem kollektiven Ziel, trans Menschen die Identität abzusprechen. Einmal mehr radikalisiert hat sich die Truppe aka „Terfs“, als ein Vortrag der Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht zum Thema Geschlecht an der Berliner Humboldt-Uni hatte verschoben werden müssen. Vollbrecht und ihre Anhänger:innenschaft pflegen seitdem ein penetrantes Opferframing, ohne dabei freilich zu kommunizieren, auf welch niederträchtige Art trans Menschen täglich diskriminiert und beleidigt werden. Die „Fischbiologin“ (Jan Böhmermann), die in ihrer Doktorarbeit die „kognitive Leistungsfähigkeit bei schwach elektrischen Fischen“ untersuchen will, hatte sich auf Twitter längere Zeit auf erniedrigende und sinnfreie „Pensi“-Tweets spezialisiert, die durchaus als Hetze durchgehen. „Grunzende Transmänner, die sich ihren Sockenpensi in der Männerumkleide rubbeln“ beispielsweise soll irgendetwas mit Ironie zu tun haben. Hat es nicht, ist aber in etwa der Ton, mit dem die „Terf“-Gemeinde teils eine Debatte zu führen behauptet. Dabei haben sie sich auf die fixe Idee der zwei Geschlechter eingeschossen – trans kommt in dieser patriarchal geprägten Rollback-Blase nicht vor. Transfeindlichkeit: „Terfs“ twittern ihre „zwei Geschlechter“ wie Kleinkinder im Dauerrepeat.

FR-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Wir erhalten in letzter Zeit viele Mails mit Texten zwecks Veröffentlichung – Um diese zu verbreiten  sollten Sie sich aber erst einmal vorstellen und zeigen mit wem wir es zu tun haben.  Danke !

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Grafikquellen          :

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