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Archiv für November 27th, 2022

Forschung bei Gebeinen

Erstellt von DL-Redaktion am 27. November 2022

Knochen aus deutscher Geschichte

Von   :   Mirjana Jandik

McMichael Mutok stammt aus der früheren deutschen Kolonie Palau. Nun ist er in Göttingen, um Knochen zu studieren. Es geht um deren Rückgabe.

Es ist ein Herbsttag in Göttingen, der Nebel hängt auch nachmittags noch über der Stadt, und Alma Simba ist dick eingepackt in eine schwarze Jacke. Nur noch wenige Tage bleiben der jungen Historikerin aus Tansania in Göttingen, um letzte Aufnahmen für ihre Toninstallation zu machen. Mit ihrem Handy nimmt Alma Simba das Rascheln des Herbstlaubs unter ihren Füßen auf, während sie auf den Botanischen Garten zusteuert. Beim Eingang bleibt sie stehen, um das sanfte Plätschern eines kleinen Bachs einzufangen. Im Hintergrund sind Krähen und Enten zu hören, Jugendliche zeigen sich ein Handyvideo und lachen, hinter den Mauern rauschen Autos vorbei, eine Krankenwagensirene heult. Was nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist: Alma Simba geht es hier nicht um ein Soundporträt Göttingens, sondern um die deutsch-tansanischen Kolonialbeziehungen.

Drei Monate lang war sie zusammen mit vier weiteren Gast­wis­sen­schaft­le­r*in­nen aus Tansania, Kamerun, Neuseeland und Palau zu Gast an der Universität Göttingen. Ihr Interesse gilt den Schädeln, Knochen und Skeletten, die sich dort in vielen Regalmetern stapeln.

Im Zuge von Forschungsreisen und Kolonialexpeditionen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert fanden nicht nur Kunst- und Alltagsgegenstände, sondern auch Tausende menschliche Überreste aus aller Welt ihren Weg in europäische Privatsammlungen, Museen und Universitäten – so auch nach Göttingen. Zusammen mit Projektangestellten von der Universität Göttingen und einer Mitarbeiterin aus Fidschi wollen die Gast­wis­sen­schaft­le­r*in­nen im Projekt „Sensible Provenienzen“ die menschlichen Überreste unter die Lupe nehmen: Wo kommen sie her? Wer hat sie wie und wann nach Göttingen gebracht? Und vor allem: Was soll jetzt damit passieren?

Erklärtes Ziel ist es, die menschlichen Gebeine ihren Herkunftsgesellschaften zurückzugeben. Das ist keine leichte Aufgabe. Und die Gast­wis­sen­schaft­le­r*in­nen haben durchaus unterschiedliche Prioritäten.

Der Irrglaube der Phrenologie

Im Botanischen Garten will Alma Simba eine besondere Tonaufnahme machen. Hier, an diesem Ort, der schon immer der kolonialen Bewunderung und Erforschung „exotischer“ Pflanzen gedient hat, zückt sie ihr iPhone und fragt: „Hey, Siri! Was ist Phrenologie?“ Nach kurzer Pause antwortet die Handystimme: „Phrenologie ist eine Pseudowissenschaft, die davon ausgeht, man könne anhand der Schädelform eines Menschen Aussagen über dessen Charakter und Intellekt treffen. Soll ich weiterlesen?“ – „Nein, danke!“

Im frühen 19. Jahrhundert entwickelt, war die phrenologische Pseudowissenschaft jahrzehntelang populär in Europa und den USA. Schädelvermessungen zählten zum Instrumentarium der im 18. Jahrhundert entstehenden Anthropologie.

Eng verknüpft ist das mit dem Namen Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Noch vor der Blütezeit des deutschen Kolonialismus legte er in Göttingen eine breite Sammlung menschlicher Schädel verschiedener Herkunft an, die er vergleichend untersuchte. Auf ihn geht die Lehre zurück, dass es fünf verschiedene „menschliche Varietäten“ gebe. Wenn auch Blumenbach ein Verfechter der grundlegenden Gleichheit der Menschen war, wurden doch seine Studien später zur Begründung von Rassenkunde und rassistischer Hetze instrumentalisiert.

Die Blumenbach’sche Schädelsammlung existiert noch heute. Sie gehört zum Zentrum für Anatomie der medizinischen Fakultät – und steht jetzt im Fokus des Forschungsteams. Außerdem untersucht wird die anthropologische Sammlung, in der Schädel, Knochen und Skelette aus der ganzen Welt lagern. Viele wurden im frühen 20. Jahrhundert aus von Deutschland kolonisierten Gebieten nach Göttingen gebracht. Einen Teil der Sammlung übernahm Göttingen in den 1950er Jahren vom Hamburger Völkerkundemuseum.

Insgesamt gäbe es etwa 1.800 menschliche Überreste zu untersuchen. Die For­sche­r*in­nen konzentrieren sich erst einmal auf rund hundert.

Ein Palauer Wissenschaftler in Göttingen

Einer der Gast­wis­sen­schaft­le­r*in­nen ist ­McMichael Mutok, der im Amt für Denkmalpflege von Palau arbeitet. Der Inselstaat im Pazifik hat gerade einmal 20.000 Einwohner*innen, und obwohl Palau von 1899 bis 1914 eine deutsche Kolonie war, kennen viele Menschen hierzulande den Staat noch nicht einmal vom Hörensagen. Der junge Forscher trifft sich mit der wissenschaftlichen Hilfskraft Sofia Leikam in der anthropologischen Sammlung. Hier steht man zunächst vor einer Reihe von Primatenskeletten, und an der Wand hängt ein großer Spiegel, „homo ­sapiens sapiens“ steht darüber.

McMichael Mutok und Sofia Leikam kennen sich hier inzwischen aus, die Arbeit mit den Karteikarten, Listen und Archiveinträgen gehört ebenso zu ihrem Alltag im Projekt wie das Suchen und Durcharbeiten von alten Kaufbelegen und Reisedokumentationen.

Manchmal gleicht die Forschung der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. In etlichen Regalmetern stapeln sich Boxen aus festem braunem Karton, darin Schädel, Knochen und Knochenfragmente. Die Überreste aus Ozeanien sind in einer mehrseitigen Liste notiert. Während Sofia Leikam sie durchblättert, kommentiert sie: „Herkunft: unbekannt. Sammler: unbekannt. Datum: unbekannt. Manchmal gibt es kaum Angaben zu den Überresten.“ Um heute zu rekonstruieren, wo die Gebeine herkamen und wer sie wann und wie nach Deutschland brachte, stehen die Wis­sen­schaft­le­r*in­nen vor großen Herausforderungen. Viele Aufzeichnungen sind in den Bränden des Zweiten Weltkriegs und den Wirren des Transfers von Hamburg nach Göttingen verloren gegangen.

Die menschlichen Überreste aus Palau kann McMichael Mutok heute nicht in den Regalen finden, denn sie sind gerade in der sogenannten morphologischen Analyse. Spezialisierte An­thro­po­lo­g*in­nen können durch Betrachten und Ertasten Rückschlüsse über Herkunft, Alter, Geschlecht oder Krankheiten ziehen. Nicht alle befürworten diese Analysen, aber für McMichael Mutok sind sie sehr hilfreich. Aufgrund der lückenhaften Dokumentationslage kann jedes Detail ein wichtiger Baustein zur Rekonstruktion sein, und der kleine Inselstaat Palau steht in der Auseinandersetzung mit den ins Ausland gebrachten menschlichen Überresten erst ganz am Anfang. Bevor der Wissenschaftler nach Göttingen kam, hatte er keine Ahnung, dass nicht nur hier, sondern an vielen weiteren Orten in Deutschland menschliche Gebeine und kulturelle Objekte aus Palau eingelagert sind.

Die Zusammenarbeit mit den anderen Gast­wis­sen­schaft­le­r*in­nen hat seinen Blick auf die deutsche Kolonialzeit verändert: „Ich hatte früher immer gedacht, die Deutschen seien die Guten gewesen.“ In Palau gebe es viel mündlich überliefertes Wissen über die Gräuel der japanischen (1914–1947) und US-amerikanischen (1947–1994) Kolonialzeit, über die deutsche aber wisse man wenig: „Über die Deutschen heißt es nur, sie hätten Modernisierung gebracht und interne palauische Konflikte befriedet.“

Wenn ihm nun die Kol­le­g*in­nen aus Kamerun und Tansania – ebenfalls ehemals von Deutschland kolonisierten Gebieten – erzählten, dass dort sterbliche Überreste ungefragt entwendet und geraubt wurden, so bringe ihn das dazu, auch das Handeln der Kolonialherren in Palau zu hinterfragen: Ob ihre Vorfahren wirklich damit einverstanden waren, dass Reisende Überreste Verstorbener mitnahmen? In Aufzeichnungen stellten Reisende den Erwerb häufig unproblematisch dar, aber inwiefern das Schönfärberei war, lässt sich heute nur schwer beurteilen.

Entdeckungen in Deutschland

Jetzt, da sich McMichael Mutok ein Bild über das Ausmaß an Überresten und Objekten in deutschen Museen und Sammlungen machen kann, kommen ihm die drei Monate Forschungszeit in Deutschland viel zu kurz vor. Er wollte neben Göttingen noch weitere Museen und Sammlungen besuchen, doch die Ku­ra­to­r*in­nen brauchten oft mehrere Wochen, um auf E-Mails zu antworten, und Corona-Erkrankungen verzögerten die Terminabsprachen. Mehr Forschung benötigt mehr Gelder, und die sind eine knappe Ressource im Antragsgewerbe.

Regina Bendix, eine der Projektleiter*innen, gibt zu bedenken, dass der Wettbewerb um Forschungsmittel von Qualitätsmaßstäben bestimmt werde, die europäischen Kriterien entsprächen: „Man will ja exzellent sein, um es mit der Initiative zu sagen. Also will man Erfolg versprechende Projektvorschläge einreichen und unterläuft damit immer wieder die Möglichkeit, wirklich alternative Modelle zuzulassen.“ So ein „wirklich alternatives Modell“ könnte laut der Kulturanthropologin sein, die Vorschläge von kleinen Staaten mit wenig Erfahrung in der Provenienzforschung umzusetzen, selbst wenn diese nicht den erhofften, eurozentrisch gelagerten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn brächten. Immer wieder wird in der Debatte über Provenienzforschung und Restitution kritisiert, es handele sich am Ende eben doch nur um Prestigeprojekte europäischer In­sti­tu­tio­nen, die eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe unmöglich machten.

Quelle        :        TAZ-online          >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —   Blick in die Abgusssammlung des Archäologischen Instituts der Georg-August-Universität Göttingen, Saal der Hellenistischen Skulpturen.

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Die Armbinden-Debatte

Erstellt von DL-Redaktion am 27. November 2022

Als Deutschland noch ein fanatischer Gottesstaat war

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Hört man die Debatte über Homosexuellen-Rechte in Katar, über Armbinden und Regenbogenflaggen, könnte man zu einem völlig falschen Schluss kommen: Bei uns ist alles super, schon ewig. Das Gegenteil stimmt.

Gesellschaftlicher Fortschritt hat eine eigentümliche Eigenschaft: Wenn er erst einmal stattgefunden hat, haben alle plötzlich das Gefühl, als sei doch alles doch schon ewig so, und sie selbst seien immer dafür gewesen.

Der auf die Messung gesellschaftlichen Fortschritts spezialisierte Soziologe Heinz-Herbert Noll hat einmal geschrieben : »Aus der Retrospektive gesehen, wird daher von Fortschritt gesprochen, wenn die gegenwärtigen Lebensverhältnisse im Vergleich mit der Vergangenheit als Verbesserung betrachtet werden«.

Nun ist gesellschaftlicher Fortschritt nicht für alle Menschen jederzeit gleichermaßen erfahrbar. Für diejenigen aber, die er aktuell persönlich betrifft, ist er alles andere als abstrakt. Für diejenigen, die es schon besser haben, wirkt er womöglich sogar lästig, ja bedrohlich.

Das Geschwätz von der »Entartung des Volkes« – noch 1962

Wenn man zum Beispiel als schwuler Mann in Deutschland im Jahr 1968 lebte, konnte es einem passieren, dass man aufgrund des eins zu eins aus der Nazizeit übernommenen Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Wegen »Unzucht«.

In der schönen, demokratischen Wirtschaftswunderbundesrepublik wurden bis 1969 noch 50.000 Männer auf Basis des Nazi-Paragrafen verurteilt. Erst seit 2016 gibt es Entschädigungen für Betroffene. In der DDR fiel Paragraf 175 schon 1968. Diskriminiert und ausgegrenzt wurden Schwule und Lesben trotzdem.

Noch unter Helmut Kohl

Als ab Ende der Fünfzigerjahre darüber verhandelt wurde, das Strafgesetzbuch zu reformieren, landete in der Begründung zu einem Entwurf aus dem damals CSU-geführten Justizministerium unter anderem die Einschätzung, dass durch die »gleichgeschlechtliche Unzucht« weiterhin »die Entartung des Volkes und der Verfall seiner sittlichen Kräfte« drohten.

Kölner Dom mit Groß St.Martin.jpg

Unter den Nazis landeten bekanntlich viele Zehntausend Homosexuelle in Konzentrationslagern. Nicht viele überlebten. Der eben zitierte Satz stammt aber aus einer Bundestagsdrucksache von 1962.

In zwischenzeitlich endlich doch abgeschwächter, aber weiterhin skandalöser und von Ressentiment statt Fakten geprägter Version existierte Paragraf 175 in der BRD noch bis 1994 weiter. Noch unter Helmut Kohl verteidigte ihn die Union mit der absurden und anti-wissenschaftlichen Begründung, dass Schwule sonst verwirrte Jugendliche vom vermeintlich rechten Weg abbringen könnten.

Die Rolle der »öffentlichen Religionsgemeinschaften«

Umso erfreulicher ist es vor diesem Hintergrund, dass sich die deutsche Öffentlichkeit nun, Fußball sei Dank, so intensiv für die Rechte nicht-heterosexueller Menschen in Katar interessiert. Oft ist dabei von der reaktionären Wirkung des Islam die Rede.

Aus religiösem Fanatismus wurden aber auch hierzulande Homosexuelle unterdrückt und kriminalisiert, noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das westdeutsche Bundesverfassungsgericht fand noch 1957 , bei Auslegung des sogenannten Sittengesetzes mit Blick auf die Strafbarkeit von Homosexualität müsse berücksichtigt werden,

»dass die öffentlichen Religionsgemeinschaften, insbesondere die beiden großen christlichen Konfessionen, aus deren Lehren große Teile des Volkes die Maßstäbe für ihr sittliches Verhalten entnehmen, die gleichgeschlechtliche Unzucht als unsittlich verurteilen«.

Diese und viele andere fassungslos machende Details kann man übrigens einer sehr lesenswerten Aufarbeitung des LSVD entnehmen .

In der Urteilsbegründung  von 1957 stehen auch Sätze über weibliche Sexualität, die einem heute die Haare zu Berge stehen lassen – und Sätze über angeblich »biologisch« angelegte Verhaltensweisen und die »körperliche Bildung der Geschlechtsorgane«, die man beim Thema Transmenschen auch heute noch genauso zu hören bekommt.

Fanatischer Gottesstaat

Aus Sicht von schwulen und lesbischen Menschen war die junge Bundesrepublik ein fanatischer, repressiver Gottesstaat. Aus der von trans Personen natürlich auch, aber von denen war damals noch gar keine Rede.

Über unsere eigene, extrem unrühmliche Geschichte in dieser Sache Bescheid zu wissen, hilft dabei, zu verstehen, warum für viele LGBTQ-Menschen von so großer Bedeutung ist, ob der Kapitän der Nationalmannschaft nun eine bestimmte Armbinde trägt oder nicht.

Ein Prozess, kein Ereignis

Nun ist Fortschritt kein Ereignis, sondern ein Prozess. Er geht, im Idealfall, immer weiter. Deutsche Politikerinnen und Politiker, die jetzt stolz darauf sind, dass die deutsche Innenministerin die One-Love-Armbinde ins Stadion trug, haben den bereits erfolgten gesellschaftlichen Fortschritt schnell und geräuschlos in ihr Deutschlandbild eingebaut. Und doch stimmten noch im Jahr 2017 225 Abgeordnete der Unionsparteien gegen die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen.

Die AfD lehnt die Ehe für alle weiterhin ab und will sie wieder abschaffen , war 2017 aber nicht im Bundestag.

Manchen geht es immer zu schnell oder zu weit

Aber auch die Bayerische Staatsregierung und viele Unionsabgeordnete wollten gerne gegen die »Ehe für alle« klagen. Sie entschieden sich erst dagegen, als Gutachter 2018 zu dem Schluss kamen, dass so eine Klage aussichtslos wäre . Das ist erst vier Jahre her.

Jetzt ist CSU-Chef Markus Söder »besorgt und empört wegen der kritischen Menschenrechtslage in Katar«, und wegen der »Homophobie«, die Katars WM-Botschafter »ganz offen« geäußert habe.

Was man »nicht mehr sagen darf«

Selbstverständlich existiert offene Homophobie auch in Deutschland bis heute, nur bekommt man mittlerweile unter Umständen Ärger, wenn man sie allzu öffentlich auslebt, gerade als Politiker. Und wenn es diesen Ärger dann gibt, regen sich bestimme Kreise auf, dass man ja so viel »nicht mehr sagen« dürfe.

So war das zum Beispiel, als Friedrich Merz im Jahr 2020 Homosexuelle in guter Unionstradition in die Nähe von Pädophilen rückte. Merz reagierte auf den Ärger, die das zu Recht auslöste, mit einer Pseudoentschuldigung – und klagte im gleichen Atemzug über die »Empörungsmaschine« , die seine natürlich absichtlich empörende Äußerung in Gang gesetzt habe. So wird der Täter zum Opfer.

»Damit der Schwachsinn nicht zur Mode wird«

Quelle         :           Spiegel-online         >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —       Zum Christopher Street Day erstrahlte die Allianz Arena am Abend des 9. Juli 2016 für dreieinhalb Stunden regenbogenfarbig.

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2.) von Oben      —      This is a photograph of an architectural monument. It is on the list of cultural monuments of Köln, no. 911

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IRANISCHER FEMINISMUS

Erstellt von DL-Redaktion am 27. November 2022

IRAN – DIE MAUER AUS ANGST IST GEFALLEN

Von Mitra Keyvan

Was als Revolte gegen den Kopftuchzwang begann, hat sich längst ausgeweitet. Überall im Land fordern Demonstrierende den Sturz des Regimes. Wie der Aufstand ausgeht, ist vor allem angesichts der massiven Repression ungewiss. Wichtiges erreicht hat die Bewegung aber schon jetzt.

Frau, Leben, Freiheit!“, „Wir lassen uns nichts mehr gefallen!“, „Tod dem Diktator!“ Solche Parolen werden in den Straßen von Teheran und anderen Städten gerufen. Sie zeigen die Entschlossenheit der Demonstrantinnen, aber auch der Demonstranten, den Mächtigen die Stirn zu bieten.

Alles begann am 13. September, als die Sittenpolizei (Gascht-e Erschad) die 22-jährige Mahsa Amini festnahm, weil sie angeblich ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig trug. Diesen Vorwurf bekommen täglich tausende Iranerinnen zu hören. Drei Tage später starb die junge Frau im Krankenhaus, nachdem sie in Polizeigewahrsam ins Koma gefallen war. Ihr Begräbnis in ihrer Heimatstadt Saghez in der iranischen Provinz Kurdistan löste im ganzen Land eine Explosion der Wut aus.

Die Mauer der Angst zeigte überall Risse, Frauen gingen erhebliche Risiken ein, um dem Regime auf der Straße entgegenzutreten.1 Obwohl die Machthaber das Internet abschalten ließen, kursierten in den sozialen Netzwerken Bilder von Frauen, die öffentlich ihre Kopftücher verbrannten. Und in Saghez protestierte die Familie des Opfers gegen die offizielle Version zur Todesursache, in der behauptet wurde, Mahsa Amini habe Vorerkrankungen gehabt. Die Familie vermutete, dass sie an den Folgen der brutalen Behandlung durch die Sittenpolizei starb. Damit wurde sie zur Ikone, zur Märtyrerin.

Trotz des immer härteren Vorgehens der Sicherheitskräfte, teilweise mit scharfer Munition, weiteten sich die Proteste rasch aus. Am Anfang richteten sie sich im Wesentlichen gegen die Macht der Sittenpolizei und die seit 1983 geltende Kopftuchpflicht.

Die Parolen wandten sich dann aber sehr schnell gegen das gesamte System: „Wir wollen die Islamische Republik nicht! Wir wollen sie nicht!“ In der Vergangenheit hat es wiederholt Protestwellen gegen das iranische Regime gegeben, aber nie hatten sie ein solches Ausmaß erreicht, nie so viel Widerhall in der Bevölkerung und im Ausland gefunden.

Die Jungen ertragen es nicht mehr

Im Juni 2009 protestierte die „Grüne Bewegung“ gegen die Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad und sprach von Wahlbetrug.2 Die Parole „Wo ist meine Stimme?“ hatte damals vor allem Menschen aus der städtischen Mittelschicht mobilisiert, nicht aber die ländliche Bevölkerung.

Ende 2017 demonstrierten verschiedene Gruppen der ärmsten Bevölkerungsschichten unabhängig voneinander gegen die Kürzungen von Unterstützungsleistungen und Preissteigerungen bei Treibstoff und mehreren Grundnahrungsmitteln. Und schließlich kam es Ende 2019 erneut zu sozialen Protesten aus den gleichen ökonomischen Gründen, diesmal vor allem in den kleinen Städten und armen Vororten der Großstädte. Jedes Mal wurden die Bewegungen durch gnadenlose Repression mit tausenden von Verhaftungen niedergeschlagen.

Diesmal sieht sich das Regime mit einer umfassenden Unzufriedenheit konfrontiert. Vor allem die Frauen und die Jugend beteiligen sich stark an den Protesten. Fast 51 Prozent der Menschen in Iran sind jünger als 30 Jahre, bei einer zu drei Vierteln städtischen Gesamtbevölkerung von 86 Millionen. Die Jungen ertragen das eingeschränkte Leben nicht mehr, in dem alles, was anderswo normal ist – wie mit Freunden in der Öffentlichkeit Musik hören –, zu Schwierigkeiten mit der Obrigkeit führt.

„Bei dieser Bewegung dreht sich alles um die menschliche Würde“, sagt der Soziologe Asef Bayat. „Es ist, als wollten die Menschen ihre verlorene Jugend zurückholen, sie geben ihrer Sehnsucht nach einen normalen Leben in Würde Ausdruck.“ Die Bewegung hat auf das ganze Land übergegriffen: Sie beschränkt sich nicht mehr auf die städtischen Zentren, längst hat sie auch entlegene Regionen erfasst. Die heftigsten Zusammenstöße gibt es in Kurdistan und Belutschistan, insbesondere in der Stadt Zahedan.

Zur Wut der iranischen Bevölkerung trägt die schlechte wirtschaftliche Lage sehr viel bei: Die Inflation liegt bei rund 40 Prozent. Vor seiner Wahl im Juni 2021 hatte Präsident Ebrahim Raisi versprochen, den Lebensstandard in Iran zu verbessern. Aber seither hat sich kaum etwas getan. Die Regierung hat im Gegenteil eine Reihe von Sparmaßnahmen ergriffen und Subventionen für Grundnahrungsmittel zurückgefahren. Begründet wird dies mit den internationalen Sanktionen, durch die das Regime daran gehindert werden soll, sein Atomprogramm weiterzuverfolgen.

„Der Konsum von Fleisch, Eiern und Milchprodukten ist um die Hälfte gesunken“, berichtete am 12. Mai die Wirtschaftszeitung Jahan-e-Sanat. 45 Prozent der Ira­ne­r:in­nen lebten unterhalb der Armutsschwelle, und von denen hätten 10 Prozent nichts zu essen. Abgesehen von der wirtschaftlichen Notlage, die sich rasant zuspitzt, macht die endemische und offensichtlich unausrottbare Korruption den Menschen das Leben schwer. Entgegen allen Ankündigungen des Regimes, entschieden dagegen vorzugehen, beherrschen fessad (Korrup­tion) und reshveh (Bestechung) auch die Geschäftswelt Irans, wo staatliche und halbstaatliche Unternehmen und Institutionen mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.3

Ende August zitierte die amtliche Presse einen Parlamentsbericht über die Veruntreuung von 3 Milliarden US-Dollar durch das Management des größten iranischen Stahlproduzenten Mobarakeh Steel Company. Unmittelbar danach wurde der Handel mit den Aktien des Staatsunternehmens an der Teheraner Börse ausgesetzt. Aber alle, die sich in den sozialen Netzwerken dazu äußerten, machten sich keine Illusionen über die juristischen Folgen dieser Affäre.

Die gegenwärtige Revolte zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie keine politische Führung hat oder von einem Zentrum aus koordiniert wird. Die horizontale Struktur des Protests, die im Übrigen auch für andere soziale Bewegungen überall auf der Welt typisch ist, erklärt sich vor allem durch die Furcht vor Repressionen und die Zersplitterung der politischen Opposition. In gewisser Weise spiegelt sie aber auch die Undurchsichtigkeit der internen Machtverhältnisse im iranischen Herrschaftssystem wider.

Zu guter Letzt wäre die Öffentlichkeitswirkung der Bewegung nicht so groß, würden nicht persischsprachige, vom Westen oder durch die Golfstaaten unterstützte Medien eine so aktive Rolle als Multiplikatoren der Videos von Aktionen und Demonstrationen spielen. 2018 berichtete der Guardian, der in Großbritannien ansässige Fernsehsender Iran International (II) werde von Saudi-Arabien finanziert.4 Der Sender dementierte diese Behauptung.

Obwohl sich die wirtschaftliche Situation in den letzten Monaten zunehmend verschlechtert hatte, entschied sich das Regime für eine noch härtere Gangart. Die Sittenpolizei patrouillierte wieder auf den Straßen, Filmemacher, Sänger oder Angehörige der religiösen Minderheit der Bahai wurden festgenommen. In dieser Situation kann das Reformlager die Proteste nicht für sich nutzen. Ohnehin sind sich die De­mons­tran­t:in­nen vor allem in einem einig: der grundsätzlichen Ablehnung des Systems.

„Das Tauziehen zwischen Reformkräften und Fundamentalisten, das seit den ersten Jahren nach der Islamischen Revolution die politische Bühne beherrschte, endete 2021 mit der letzten Amtszeit von Hassan Rohani“, erklärt der Soziologe Yousef Abazari auf der Website Naghd Eghtessad Siasi. „Seither ist dieser Unterschied bedeutungslos, das Volk lehnt beide Lager ab.“

Das Regime scheint nicht einmal ansatzweise geneigt, den Forderungen der De­mons­tran­t:in­nen entgegenzukommen.5 Während im ganzen Land Gegendemonstrationen zu seiner Unterstützung organisiert wurden, rief Präsident Raisi nach seiner Rückkehr von der UN-Generalversammlung in New York am 23. September die Ordnungskräfte auf, „entschlossen gegen alle vorzugehen, die die Sicherheit und den Frieden des Landes und des Volkes gefährden“.

Fällt die Kopftuchpflicht?

Quelle          :       LE MONDE diplomatique-online           >>>>>         weiterlesen

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Oben     —     Iranian protestors on the Keshavrz Boulvard

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KOLUMNE * ERNSTHAFT ?

Erstellt von DL-Redaktion am 27. November 2022

Der Klimakampf ist ein Kampf um Lebenschancen, also um Gerechtigkeit

Eine Kolumne von Ulrike Winkelmann

Unser Gesprächsgast wurde erkennbar ungeduldig. Die Klimaökonomin Claudia Kemfert saß am Dienstag im taz Talk mit meiner Co-Chefredakteurin Barbara Junge und mir. Wir werteten die Klimakonferenz aus, die am vergangenen Wochenende so überaus enttäuschend zu Ende gegangen war. Und obwohl Frau Kemfert eine pädagogisch hochmotivierte Person ist, wies sie doch mehrfach darauf hin, dass sie viele Dinge wirklich schon oft gesagt habe. So wie, sagte sie sinngemäß, übrigens alle Klima-Befassten schon lange in ewigen Schleifen vortrügen, was zu geschehen habe, um den Planeten bewohnbar zu halten.

Dann stellte ich die Frage, ob es denn für ein Fortkommen in dieser Sache nicht auch China brauche, das sich auf der Klimakonferenz in Scharm al-Scheich aber quergestellt habe. Da sagte Frau Kemfert, ihre Brille zurechtrückend: „Ja, das Argument höre ich jetzt tatsächlich seit 18 Jahren, es ist wirklich Wahnsinn.“ Einmal abgesehen davon, dass ich kurz bemüht war, das nicht persönlich zu nehmen, hatte sie natürlich recht. Ganz unabhängig davon, was China klimapolitisch unternimmt: Es ist im Wortsinne fatal, wie sehr sich die Klimadebatte im Kreis dreht.

Schon die Berichterstattung von der Klimakonferenz selbst litt unter dem Murmeltiertag-Syndrom. Die NDR-Show „extra 3“ brachte in einem satirischen Zweiminüter ziemlich gut zur Geltung, wie sich die Ereignisse wiederholen: Ein Reporter berichtet im genervtesten aller Tonfälle von der allkonferenzlich mangelnden Handlungsbereitschaft der Industriestaaten, von der Enttäuschung der NGOs – „ist ja eh immer alles dasselbe“.

Witzig war das wiederum nicht, nur bitter. Die wichtigste Frage dieses Jahrhunderts – und wir denken darüber nach, wie wir uns damit nicht langweilen. Klingt nach Themenstellung fürs Journalistik-Seminar – ist aber kein First World Problem, sondern ein Whole World Problem. Solange es auf die Mehrheiten in demokratischen Staaten ankommt, spielt das Haushalten mit der öffentlichen Aufmerksamkeit eine herausragende Rolle im Kampf gegen die fossile Lobby.

Dabei es geht nicht darum, die üblichen Allesverbrenner aus dem Christian-Lindner- und Friedrich-Merz-Camp vor Klima-Ennui zu bewahren. Den werden sie immer vorschützen, um sich den Argumenten für Tempolimit et cetera nicht beugen zu müssen. Vielmehr geht es darum, die Handlungsbereitschaft der anderen, der Besserwollenden, zu sichern. Das ist schwierig genug.

Ulrike Winkelmann - Zukunft des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks (34715387826).jpg

Ich finde ja, es lohnt sich, mit schlechten Gefühlen zu arbeiten und Schuldige zu finden. Das mag der Debatte die edle „Wir alle in einem Boot“-Note nehmen, hat aber den Vorteil, dass Schwung hineinkommt: Wie genau haben Ölkonzerne verhindert, dass über den Klimawandel geredet wurde? Welche Politiker hat RWE in NRW eingekauft, um so lange wie möglich mit Kohle Geld zu verdienen?

Auch die Letzte Generation, die derzeit für regelrechte Hysterie sorgt, ist meiner Ansicht nach nicht von quasireligiösen Endzeitvorstellungen beseelt, wie so gern unterstellt wird. Treiber scheint mir eher die sehr irdische Wut über den Machtmissbrauch der Eure-Zukunft-ist-uns-egal-Truppen in Politik, Wirtschaft und anderswo zu sein.

Quelle        :          TAZ-online     >>>>>         weiterlesen

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Oben     — Bushaltestelle Kremenholl/Paulstraße in Remscheid

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DL – Tagesticker 27.11.2022

Erstellt von DL-Redaktion am 27. November 2022

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Leseauswahl des „Bengels“:  – . –  1.) „Gewalt hat in der Demokratie nichts verloren“  – . –  2.) Neuer Wirbel um die Millionen-Villa von Jens Spahn  – . –  3.) Wie Spenden für Geflüchtete einfach spurlos in der Insolvenzmasse verpuffen  – . –  4.) Organizing gegen die Inflation: Roman Zitzelsberger macht vor, wie es geht  – . –  5.) Massive Verzögerungen bei Wohngeld-Auszahlung erwartet  – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine gute Unterhaltung.

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Großmäuler ohne jeglicher Substanz. Warum geht dann eine „Werte Demokratie“ nicht mit guten Beispiel voran und verzichtet auf ihre Schlägertruppen der Polizei und auf die besoldeten  Mörder des Militär ? Ist sich die Politik so schwach bewusst Kraft der Derer, in ihren Ämtern eingekauften  Männer und Frauen über ihre Parteien-Clans, selber um ihre persönliche Sicherheit zu sorgen? Wer Hass sät, wie jeder – Mann-Frau, es aus den laufenden Übertragungen sehen und auch hören kann,  hat seinen Respekt aus dem Volk nicht verdien! Respekt und Achtung muss sich schon  jeder selber erarbeiten. Wer würde schon einer-n Politiker-In die Hand reichen, ohne hinterher seine Finger nach zu zählen? 

Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ haben sich laut Bundesjustizminister Marco Buschmann „in mehrfacher Hinsicht strafbar“ gemacht. Bundesverkehrsminister Volker Wissing fordert eine Aufarbeitung der Flughafenblockade.

1.) „Gewalt hat in der Demokratie nichts verloren“

Bundesjustizminister Marco Buschmann und Bundesverkehrsminister Volker Wissing (beide FDP) haben Klimaaktivisten nach der Blockade des Hauptstadtflughafens BER abermals kritisiert. „Wer gewaltsam einen Zaun zerschneidet, auf ein Flugfeld eindringt und dort den Flugverkehr behindert, macht sich in mehrfacher Hinsicht strafbar“, sagte Buschmann der „Bild am Sonntag“. „Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzungen hat in der Demokratie nichts verloren.“ Nach der Lahmlegung des Flughafens sei es „dreist“ von den Aktivisten, vor neuen Protesten mit mehr Schlagkraft zu drohen, sagte Wissing dem Blatt. Er mahnte abermals eine Aufarbeitung des Vorfalls am Donnerstag an. „Es muss genau untersucht werden, wie die Aktivisten in den Sicherheitsbereich gelangen konnten.“ Scholz bezeichnet Aktion als „hochgefährlich“. Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ hatten sich am Donnerstag Zugang zum Gelände des Hauptstadtflughafens BER verschafft und den Flugverkehr zeitweise lahmgelegt. Einige klebten sich auf dem Rollfeld fest. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt gegen sechs Aktivisten unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe sowie Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

FAZ-online

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Ist nicht die Clan-Partei-Politik in diesen wurstigen Staat, für die große Mehrheit ihrer Mitglieder-innen  die einzige Möglichkeit, ohne etwas Wissen oder Können zu müssen, höher als der Verstand es an einen Arbeitsplatz bietet, hinauf zu kommen ? Wohl kaum ein Mitglied einer Partei, hat seine ganz persönlichen Erfahrungen hinter sich gelassen und hält eine Mitgliedschaft aufrecht , ohne sich zu verbiegen. Eigenständigkeit ist unerwünscht.

Rätselraten um Spahns Villa: Wie kam der CDU-Politiker an die Millionen? Verwirrspiel um eine „Erbschaft“, die viele Fragen aufwirft.

2.) Neuer Wirbel um die Millionen-Villa von Jens Spahn

Ire Villa sollte der Ort sein, an dem „wir gemeinsam zur Ruhe kommen“. So hatten es sich Ex-Minister Jens Spahn (CDU) und sein Partner Daniel Funke erhofft. Indes erweist sie sich als Unruheherd. Immerzu holen die offenen Fragen der Finanzierung der Immobilie das Paar ein. Es geht um die Herkunft von insgesamt4,6 Millionen Euro. Eine Erklärung für das viele Geld – eine Erbschaft – entpuppte sich gerade als unhaltbar, als Märchen („Spiegel“). Zur Frage, wie der CDU-Mann die Millionen aufbringen konnte, kommt eine zweite hinzu, die politisch brisant ist: Wie hält er es mit der Wahrheit? Villa Spahn: Wo kommen die Millionen her? Dahlem, eines der nobelsten Viertel in Berlin, ein Magnet für Gutsituierte, ein begrüntes Wohngebiet mit zahlreichen Villen. In Parknähe liegt auch Spahns Anwesen, mittlerweile 100 Jahre alt,285 Quadratmeter Wohnfläche, Wintergarten und Atelierzimmer. Wie der Blick auf den Garten, so ist die ganze Immobilie: ein Traum. Kein Wunder, dass der Immobilienmakler bereits 2020 dafür über vier Millionen Euro verlangte. Im Juli desselben Jahres erwarben Spahn und Funke das Haus für 4,125 Millionen Euro; weit über 4,5 Millionen, rechnet man Grunderwerbssteuer und Maklercourtage hinzu. Villa Spahn: Falsche Spur mit einer Erbschaft

WAZ-online

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Wer hätte denn jemals einen Bürge-r-in in fremden Ländern Kennengelernt , welche auch nur einen Cent aus einer Spendenkasse erhalten hätte ? Im Gegenteil: Ende der 60 Jahre machte eine Publikation die Pressenrunde nach der sich ein König in Afrika ein goldenes Bett von Spendengelder gekauft hätte. 

Gut, bei ganz genauem Hinsehen hätte man als Spen­de­r-in wissen können, dass auch bei einer großen Hilfsorganisation wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) nicht immer alles ordnungsgemäß abläuft.

3.) Wie Spenden für Geflüchtete einfach spurlos in der Insolvenzmasse verpuffen

So sorgte im vergangenen Jahr etwa das vom DRK-Kreisverband Friesland betriebene Impfzentrum in Schortens für einen heftigen Skandal, weil Kochsalz verimpft, Arbeitszeit falsch abgerechnet und Lohn einbehalten wurde. Die Menschen, die in den vergangenen Monaten Überweisungen für Ukraine-Flüchtlinge auf ein Sonderkonto des DRK-Kreisverbandes Goslar tätigten, konnten aber darauf vertrauen, dass ihre Spenden auch bei „den Richtigen“ ankommen würden. Beim „großen“ Roten Kreuz, dem Spitzenverband der Wohlfahrtspflege, würde das Geld nicht einfach verschwinden. Doch genau das droht nun zumindest für den größten Teil der Summe. Mehr als 370.000 Euro kamen bei der vom DRK und der Goslarschen Zeitung gestarteten Kampagne zusammen. Allerdings vergab eine eigens eingesetzte Kommission bislang nur rund 65.000 Euro davon an Projekte und Initiativen in der Region: an den Verein „Goslar hilft der Ukraine“ etwa, die Initiative „Bürger helfen Bürgern“ in Clausthal-Zellerfeld, die Tafeln in mehreren Orten sowie eine Gruppe, die einen Mutter-Kind-Spielkreis für deutsche und ukrainische Familien aufbaut. Viele andere Initiativen stellten Förderanträge, die aber noch nicht beschieden wurden. Dass neun Monate nach dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge, noch 80 Prozent der Spendengelder ungenutzt auf einem Bankkonto liegen, kann vielleicht noch mit bürokratischem Aufwand und organisatorischer Unerfahrenheit der Initiatoren vor Ort erklärt werden. Nicht zu verstehen – und schon gar nicht zu entschuldigen – ist indes, dass besagtes Spendenkonto nicht gegen finanzielle Turbulenzen abgesichert worden ist.

TAZ-online

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Solange sich die rechte Hand der Gewerkschaftsfunktionäre von ihren Mitgliedern bezahlen lassen, um mit den linken Händen in den Parteien nachlöffeln zu können, wird sich in diesen Gemisch Läden nicht viel verändern.

Hinter dem Tarifabschluss der IG Metall steckt eine regelrechte Kulturrevolution bei der Mobilisierung in den Betrieben. Das ist auch nötig – bei diesen Aussichten. Denn: Ein deutlicher Reallohnverlust bleibt. Und dunkle Wolken am Horizont

4.) Organizing gegen die Inflation: Roman Zitzelsberger macht vor, wie es geht

Also doch keine Feuertonnen an Werkstoren zu Weihnachten. Diesmal noch ist Deutschlands Metall- und Elektroindustrie um eine flächendeckende Streikwelle herumgekommen. Bis zur entscheidenden vierten Verhandlungsrunde am 17. November im baden-württembergischen Ludwigsburg war das alles andere als klar. Die Metallarbeitgeber waren mit Nullrunden-Fantasien in diese Tarifrunde gegangen, die IG Metall hatte sich im Frühsommer nach einer Mitgliederbefragung auf ihre Forderung nach acht Prozent mehr Lohn festgelegt. Erreicht hat sie nun 8,5 – in zwei Stufen, dazu 3.000 Euro „Inflationsprämie“ in zwei Tranchen im nächsten und übernächsten Jahr, und alles bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Das ist mehr, als die Arbeitgeber hergeben wollten, und mehr, als sich viele Beschäftigte erhofft hatten. In den Betrieben wird der Abschluss praktisch durchweg als Erfolg angesehen. Das liegt auch daran, dass es an der Basis der IG Metall ein sehr feines Gespür dafür gibt, dass dieses Ergebnis nur deshalb zustande kam, weil es bundesweit in vielen Betrieben eine Mobilisierung durch betriebliche Aktive gab, wie man sie von früheren Tarifrunden in dieser Form nicht kannte. Die halbe Million Leute, die sich seit Anfang November an Warnstreiks beteiligte, war nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Vorausgegangen waren in vielen Regionen „aktive Mittagspausen“, Flugblatt-Aktionen, Betriebsrundgänge und unzählige Gespräche – geführt von betrieblichen Aktiven und unterstützt durch eine bundesweite Kampagnenführung, die weniger auf große Werbematerialschlachten als auf kluge und empathische Vermittlung von Know-how für die Ansprache von Kollegin zu Kollege setzte. Auch wenn der Abschluss oberflächlich betrachtet ohne großen Konflikt erreicht wurde, deutete sich hier eine Kulturrevolution in der IG Metall an. Die dürfte für manche noch schmerzhaft werden, geht sie doch mit Kontrollverlust für Betriebsräte und Apparat – die traditionellen Machtzentren der Organisation – einher.

Freitag-online

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Wer würde denn anderes erwarten, wenn er weiß, das der Fisch immer am Kopf zu stinken anfängt? Wie der Herr – so sein Gescherr und es möge ja keiner glauben, dass es unter einer Republikanischen Regierung besser werde! Den gegenteiligen Nachweis vermochte  Merkel in 16 – jähriger Amtszeit nie belegen. Unsere einzige Sorge sollte sein, das diese Ampel nicht republikanisch wird ! Niemand hatte doch gesagt irgendwo jemals besser geschlafen zu haben.

„Schon heute dauert die Bearbeitung drei bis sechs Monate“: Aufgrund von Personalmangel rechnen die Kommunen mit monatelangen Verzögerungen bei der Bearbeitung. In NRW sollen die Bewilligungen voraussichtlich erst ab April 2023 erfolgen.

5.) Massive Verzögerungen bei Wohngeld-Auszahlung erwartet

Das Wohngeld für deutlich mehr Berechtigte kann aus Sicht der Kommunen erst mit monatelangen Verzögerungen ausgezahlt werden. Grund sei vor allem der Personalmangel in den zuständigen Behörden. „Schon heute dauert die Bearbeitung eines Wohngeldantrags drei bis sechs Monate„, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der „Bild“ (Samstag). „Das wird sich deutlich ausweiten.“ Neben der Umstellung der Software auf neue Parameter komme auch eine Welle von neuen Anträgen auf die Kommunen zu. „Wir haben nicht die Leute, um die schnell abzuarbeiten.“ Die Städte hätten die Stellen ausgeschrieben, könnten sie aber nicht besetzen. Wohngeld-Bewilligungen in NRW erst ab April 2023. Auch Nordrhein-Westfalens Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) rechnet mit massiven Verzögerungen und Problemen bei der Umsetzung. Es fehle an Personal für die Bearbeitung der Anträge, und neue Mitarbeiter könnten auch erst ab Mitte Dezember geschult werden. Die Bundesregierung hatte von Anfang an das Ziel, die Wohngeldreform mit aller Macht durchzuboxen. Dabei wird sie sich selbst ein blaues Auge holen.

Tagesspiegel-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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