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RENTENANGST

Archiv für November 17th, 2022

Gemeinsam gegenhalten

Erstellt von DL-Redaktion am 17. November 2022

Transformation und Sicherheit in der EU

Mit einstudierten Lächeln verwischen sie die Etiketten

Ein Debattenbeitrag von Susi Dennison

Die EU darf Putins Saat für weitere Spaltung nicht aufgehen lassen. Solidarität ist nötig und souveräne Kooperation, um die Energiekrise zu meistern. Europa hat gegenwärtig keine Figur im geopolitischen Spiel von Putins Krieg in der Ukraine.

Nicht zuletzt im Zuge des G20-Gipfels diese Woche wird den Regierenden Europas immer deutlicher bewusst, dass sie angesichts steigender Energiepreise und Lebenshaltungskosten generell nicht in der Lage sein werden, schärfere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Auf Regierungsebene wächst die Einsicht, dass das Chaos, das Putin bei der europäischen Energieversorgung anrichtet, so lange nicht abklingen wird, bis die EU-Staaten beginnen, gemeinsam zu reagieren und gegenzuhalten.

Gefragt ist nun politische Ehrlichkeit über das, womit wir in Europa konfrontiert sind, über die Dimension der Krise und die Notwendigkeit, für den kommenden Winter und darüber hinaus europaweit gemeinsam Vorsorge für diese komplexe Sicherheitsbedrohung zu treffen. Europas Bür­ge­r*in­nen dürfen die steigenden Energiekosten in ihren jeweiligen Ländern nicht isoliert betrachten, sondern brauchen von ihren Regierenden eine aufrichtige Bestandsaufnahme der Gesamtlage.

Europa hat gegenwärtig keine Figur im geopolitischen Spiel von Putins Krieg in der Ukraine: Wir sind nur ein Spielball und lassen uns die Handlungsoptionen aus der Hand nehmen. Wenn Deutschland seinen Verbündeten Kanada dazu drängt, ihm beim Umgehen der Sanktionen behilflich zu sein, um die Nord-Stream-1-Pipeline zu reparieren und die Versorgung mit russischem Gas aufrechtzuerhalten, handelt Europa nicht souverän.

Wenn die europäischen Regierungen ihre gesamten Notfallfonds für die Aufstockung der Versorgung mit fossilen Brennstoffen für den Winter lockermachen und einfach nur eine fossile Quelle, die früher in Russland lag, durch eine andere ersetzen, verhalten wir uns nicht souverän. Wenn die europäischen Führungskräfte sich scheuen, strategische langfristige Entscheidungen für den Ausbau einer nachhaltigen Energiesicherheit zu treffen und den Sektor der erneuerbaren Energien zügig auszubauen, handeln wir nicht souverän.

Kollektives Sparen und Planen

Wenn wir uns nicht zumindest an die Verpflichtungen halten, die wir uns im Rahmen des Pariser Abkommens selbst auferlegt haben, können wir nicht darauf hoffen, die Vertrauenslücke zum Globalen Süden zu schließen, die sich hinsichtlich der Klimafinanzierung, des Schuldenerlasses und des Impf-Nationalismus aufgetan hat. Und der Weg zu einer kohlenstofffreien Welt wird ernsthaft auf der Kippe stehen. Die durch globale Erwärmung verursachten Notfälle weltweit allein im Jahr 2022 machen deutlich, welche Folgen es für die Zukunft der Menschheit hat, wenn wir nicht an unseren Klimazielen festhalten.

Die Botschaft muss deshalb keineswegs lauten: Es ist alles zu spät. Gemeinsames Planen und Sparen ist gefragt: Es soll der EU ermöglichen, sich aus der Abhängigkeit von einem heimtückischen Gegner zu befreien, der versucht, das internationale System weg von einer regelbasierten Ordnung hin zu einer Welt zu verschieben, in der der Stärkste gewinnt.

Der Mund ist voll – die Hände leer – wer schiebt mir Lindner aus den Verkehr.

Nur so können die ehrgeizigen Ziele des „European Green Deal“ aufrechterhalten werden, und es bleibt Raum für Investitionen nicht nur in „schmutzige“ Übergangskraftstoffe, sondern auch für einen zügigen Ausbau der EU-Kapazitäten für erneuerbare Energien. Zur Stärkung der EU-Energiesouveränität sollten die Re­gie­rungs­ver­tre­te­r*in­nen der EU drei Dinge anstreben:

An erster Stelle brauchen wir eine einheitliche Auffassung von der Notwendigkeit von Dekarbonisierung und Energieeffizienz als Kernstück unserer Energiewende in ganz Europa, gemeinsam getragen von Regierungen, Industrie und Verbraucher*innen. Innerhalb der EU dürfen nicht unterschiedliche Botschaften kollidieren; die Regierenden müssen sich darüber im Klaren sein, dass wir ohne Maßnahmen in allen Teilen der europäischen Gesellschaft nicht weiterkommen werden.

Die Vorräte teilen

Es braucht die Bereitschaft, die politischen Kosten dieser Botschaft mit den Regierungskoalitionen in den einzelnen Ländern und in der EU zu teilen. Zweitens ist für den kommenden Winter ein gemeinschaftlicher Energieresilienzplan nötig, den die Mitgliedstaaten kooperativ ausarbeiten und nach dem sie Vorräte miteinander teilen.

Das Ziel des Europäischen Rats vom Juli dieses Jahres, die Gasnachfrage in diesem Winter um 15 Prozent zu senken, und damit verbundene Maßnahmen im Stromsektor, waren positive Schritte, doch die verschiedenen nationalen Bemühungen in der Folgezeit deuten darauf hin, dass ein schrittweiser Kurswechsel vonnöten ist.

Quelle         :       TAZ-online        >>>>>        weiterlesen

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Oben     —        Am 28. April 2022 hielt Ministerpräsident Kishida ein Gipfeltreffen mit dem Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland Olaf Scholz im Büro des Ministerpräsidenten ab.

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Gegen die Mullahs

Erstellt von DL-Redaktion am 17. November 2022

Liefert Internettechnik nach Iran wie Waffen in die Ukraine!

Eine Kolumne von Sascha Lobo

Sollte das Regime das Netz abschalten, könnte es unbemerkt von der Weltöffentlichkeit viele Protestierende ermorden. Politik und Digitalkonzerne müssen das Land daher online halten – die Technik dafür gibt es.

In einem polnischen Grenzörtchen schlagen Raketen ein, es gibt Opfer, in sozialen Medien ist sofort die Rede von Bündnisfall. Nato! Artikel 5! Auf Twitter trendet »Weltkrieg«. Selbst die Aufrufe, um Gottes willen nicht in Panik zu verfallen, Ausrufezeichen, transportieren in typischer Social-Media-Aufgeregtheit ihr eigenes Gegenteil.

Am Ende handelt es sich offenbar um eine versehentlich in Polen eingeschlagene ukrainische Flugabwehrraketen, und natürlich gilt der Spruch »Nachher ist man immer klüger«. Aber das heißt eben auch »Vorher ist man immer unklüger«, was das viel gescholtene, eskalative Potenzial sozialer Medien beschreibt. Zusammen mit Fake-News-Lawinen, Social-Media-Propaganda, ungelösten Hass- und Hetzproblemen, der Real-Time-Soap-Opera, zu der Elon Musks tägliche Twitter-Show geworden ist, und dem ständigen, kulturpessimistischen und herablassenden Lamento über Influencer*innen haben soziale Medien gerade nicht unbedingt besonders gute Presse. Hatten sie lange nicht.

Im Dezember 2010 beginnt der Arabische Frühling, der zeitweise als »Facebook-Revolution« galt und damit im Westen als Einlösung des alten Versprechens, soziale Medien würden die Welt freier machen und dabei helfen, Diktaturen zu stürzen. Irgendwie.

Soziale Medien sind in Iran eine Frage von Leben und Überleben

Es ist leider nicht mehr in vielen Gedächtnissen vorhanden, aber schon über ein Jahr zuvor, im Sommer 2009, nutzte die iranische Bevölkerung vor allem Twitter, um den Widerstand gegen eine wahrscheinliche Wahlfälschung zu koordinieren. Drei Millionen  Menschen gingen auf die Straße, in deutschen Medien war damals die Rede vom »digitalen Aufstand« .

Es war kein Zufall, dass 2009 die vielleicht erste große, digital betriebene Revolte des Planeten in Iran stattfand. Soziale Medien sind für die jüngeren Generationen überall auf der Welt Teil ihres Alltags, ihrer Kommunikation, ihrer Kultur. In Iran aber bedeutet Social Media für die Jugend zugleich Leben und Überleben, und zwar buchstäblich.

Deshalb muss man, um die aktuelle Revolution in Iran besser zu verstehen, auch die Rolle sozialer Medien in Iran begreifen. So wird etwa beklagt , dass kaum führende Köpfe Teil der revoltierenden Bewegung seien – ein Nichtverständnis des Prinzips Netzwerk. Denn die Protestierenden sind durchaus organisiert. Es scheint auch eine gewisse (von außen schwer sichtbare) hierarchische Struktur zu geben. Aber eben auf eine Art, die digitalen Netzwerken nachempfunden ist.

Es gibt zwar Identifikationsfiguren, meist sind es Künstler*innen und Idole der Jugend. Sie haben aber keine oder nur eine multiplikatorische Funktion bei der Organisation. Man kann dieses neue, vernetzte Organisationsprinzip gut an einer der wichtigsten Menschenrechtsbewegungen der Gegenwart erkennen: #blacklivesmatter. Fast alle kennen diese Bewegung, sie ist politisch relevant und hat viel erreicht – aber selbst aufmerksamen Beobachtern fällt kein führender Name, kein einzelner Aktivistenkopf ein.

Es zeugt deshalb von einem Unverständnis der vernetzten Gegenwart in Iran, den Mangel an mächtigen, organisierten und sichtbaren Gegenspielern des Regimes als Zeichen eines Scheiterns der Jugendrevolution zu begreifen. Leider heißt das im Umkehrschluss nicht, dass die Revolution zwingend erfolgreich sein wird. Aber es heißt, dass jede Form der politischen Unterstützung von außen essenziell ist, weil sich damit die Erfolgschancen erhöhen.

Telegram und Instagram als Medien des Protests

Twitter und Facebook sind in Iran seit 2009 großteils gesperrt. Zu den aktuell wichtigsten sozialen Medien gehören dort InstagramWhatsApp und das viel gescholtene Telegram. Letzteres hat in Deutschland mit seiner weitgehend unregulierten, Behörden ignorierenden Art viel Schlimmes angerichtet. In Iran hat es aus genau diesen Gründen Vorteile.

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Instagram hat mehrere essenzielle Funktionen bei den Protesten. Das liegt unter anderem daran, dass es das letzte große, nicht standardmäßig gesperrte Social Network in Iran war. Es gab aber bereits seit 2015 glaubhafte Hinweise , dass Instagram mit den Behörden des Iran teilweise zusammenarbeitet, was Zensur angeht. Und zwar eine intelligente Zensur des digitalen Arms der Revolutionsgarden. Im Westen wird leider noch immer die Radikalität und vor allem die boshafte Cleverness der Revolutionsgarden unterschätzt. Es handelt sich um eine staatliche, weltweit aktive Terrororganisation des iranischen Regimes, die samt der iranischen Führung, der Sittenpolizei und der Basij-Schlägertrupps härteste Sanktionen verdiente.

Der inzwischen unter Hausarrest stehende Journalist und Aktivist Abbas Abdi  sagt in einem Telegram-Posting : »Social Media ist die größte iranische Provinz.« Dafür gibt es neben der ohnehin in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens riesigen Social-Media-Begeisterung einen konkreten und durchaus bitteren Grund: Im iranischen Alltag vor allem junger Frauen ist Instagram das Leben, der einzige Ort, an dem sie so etwas wie freie Entfaltung spüren können.

Quelle       :       Spiegel-online         >>>>>      weiterlesen

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Oben      —      ماکت پهپاد شاهد در راهپیمایی روز ۱۳ آبان در تهران

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Gegensätze zum Impfen

Erstellt von DL-Redaktion am 17. November 2022

Darf das Thema Schutzimpfungen nicht kritisch hinterfragt werden?

Quelle      :        INFO Sperber CH.

Von       :    Christian Bernhart /   

In einer großen Dokumentation von Arte versuchen Wissenschaftler und Ärzte das Wissen über Impfungen zusammenzufassen.

Vorbehalte gegen gewisse Impfstoffe äußern nicht nur Impfskeptiker. Vielmehr kommen in der rund eineinhalbstündigen Arte-Doku-Sendung* Wissenschaftler und Ärztinnen zu Wort. Die französische Dokumentarfilmerin Anne Georget räumt ihnen genügend Zeit ein, damit sie ihre Befunde und Bedenken für Laien verständlich machen können. Auslöser für den Film war die Covid-Pandemie, welche die Menschen noch mehr als vorher in Impfgegner und in Befürworter aller empfohlenen Impfungen aufspaltete. Ziel der Doku war es, den Meinungsgraben mit Argumenten zu Nutzen und Risiken der Impfungen zu überbrücken. Doch in Frankreich und in der Romandie kritisierten Impfforscher, dass die Sendung tendenziös und einseitig gewesen sei und wichtige Informationen gefehlt hätten.

In der Arte-Doku äußert sich zum Beispiel Gregory Poland, der Impfstoffe gegen Pocken, Masern und das Zika-Virus mitentwickelt hat und zurzeit an einem Covid-Impfstoff forscht. Oder der Epidemiologe William Foege, der in Afrika und Indien erfolgreiche Impfkampagnen gegen Pocken und Masern führte, oder der Schwede Peter Aaby, der die Impfkampagnen in Guinea-Bissau untersuchte und die unspezifischen Wirkungen von Impfungen erforschte (Infosperber berichtete).

Im Folgenden sind ihre Argumente anhand der wichtigsten Themen zusammengefasst. Zwei weitere Wissenschaftler, der Virologe Didier Trono und der Immunologe Alain Fischer beurteilen Aussagen der Sendung kontrovers.

Massenimpfungen

In diesem Abschnitt argumentiert die Doku, dass Pandemien wie etwa Pocken durch Massenimpfungen nicht auszurotten seien. Besser wäre es, gezielt nur Menschen in Gegenden mit infizierten Personen zu impfen. William Foege untermauert die These anhand von Impfkampagnen gegen Pocken in Nigeria 1967, wo es gelang, mit sieben Prozent Geimpften die Pocken zu stoppen. Dieselbe Methode wurde in den Jahren 1973/74 angewandt in Indien, das innert einem Jahr von Pocken befreit wurde (Bei Minute 11:38 im Film)

Auf RTS 1 stufte Didier Trono, Leiter des Virologie-Labors der ETH-Lausanne, die Pockenimpfung als gutes Beispiel für solche gezielten Impfungen ein, da Pockensymptome sehr gut erkennbar seien. Doch bei Krankheiten mit erst spät sichtbaren Symptomen komme die gezielte Impfung zu spät. Auch Massenimpfungen hätten anderenorts zur Ausrottung der Pocken beigetragen.

In der Zeitung Express erklärt der Pariser Immunologe Alain Fischer, dass Pandemien wie beispielsweise Kinderlähmung nur dank der Massenimpfung bei uns verschwunden seien.

Kinderkrankheiten 

Die Arte-Doku geht auf die Frage ein, ob die heute hohe Impfrate bei Kleinkindern dazu führe, dass sich Kinderkrankheiten hin zu den Jugendlichen und Erwachsenen verschieben und deshalb weitaus schlimmere Folgen nach sich ziehen würden. Es sind Beobachtungen, die beispielsweise die Allgemeinpraktikerin Geneviève Farrachi in ihre Praxis in der Nähe von Dijon feststellt und die diese mit Aussagen des Virologen Raymond Bastin untermauert. Dieser erklärte 1977, dass eine flächendeckende Masernimpfung ein erhöhtes Risiko schwerer Fälle bei Erwachsenen und Neugeborenen zur Folge habe (25:18). Der Infektiologe Guillaume Béraud von der Uniklinik Poitiers erklärt dazu, dass Kinder vor Einführung der Impfung die Masern mit fünf oder sechs Jahren durchmachten (26:49). Die hohe Masern-Impfrate während der Epidemie 2010/11 hätte bewirkt, dass sich die 16-Jährigen am häufigsten ansteckten, was in diesem Alter mehr Risiken bedeute.

Alain Fischer sagte im «Express»: Masern seien eine Krankheit mit schwerwiegenderen Folgen. Obschon sie in der Regel harmlos verlaufe, gebe es heute weltweit jährlich 135’000 nicht geimpfte Kinder, die an Masern sterben. Zudem schütze die Rötelnimpfung Schwangere vor der Geburt eines behinderten Kindes.

Masern-Ausschlag bei einem nigerianischen Mädchen. Der Großteil der weltweit auftretenden Krankheitsfälle betrifft den afrikanischen Kontinent.

Fischers Statistik ist approximativ, denn nach Angaben der WHO von 2018 gibt es weltweit jährlich 140’000 Maserntote, darin befinden sich alle Altersgruppen, geimpft oder ungeimpft. Didier Trono erklärt, die Ungeimpften und nicht die Geimpften würden riskieren, später an Masern zu erkranken (weil sie sich wegen der hohen Impfraten als Kinder selten anstecken), und postuliert, dass die generelle Impfung gegen Kinderkrankheiten helfe, besonders Vulnerable zu schützen, die sich wegen eines eingeschränkten Immunsystems nicht impfen lassen dürfen.

Impfungen gegen Atemwegserkrankungen

Die eingeschränkte Wirkung dieser Impfungen gegen Viren in den Atemwegen charakterisiert Michel de Lorgeril, Experte für Auswirkungen von Medikamenten und Impfungen, dahingehend (28:58), dass es bei Geimpften zwar zu weniger Erkrankungen komme, dass sie jedoch nach wie vor Viren über die Atemwegsorgane ausscheiden und deshalb ansteckend sein können. Menschen jedoch, die sich auf natürlich Weise über die Atemwege infizierten, würden einen besseren Schutz ihrer Atemwege aufweisen, sodass bei ihnen eine Übertragung der Krankheit sehr unwahrscheinlich wird. Für de Lorgeril bestätigen die Covid-Impfungen erneut diese eingeschränkte Wirkung der Impfung auf Atemwegserkrankungen.

Laut Fischer hätte man darauf hinweisen müssen, dass die Covid-Impfung das Risiko einer Ansteckung reduziere, auch wenn sie diese nicht ausschliesse.

Fehlende Doppelblind- und Langzeitstudien 

An Behörden und Impfstoffproduzenten richtet die Arte-Doku gravierende Vorwürfe. Sie würden die Impfstoffe ohne die eingehenden, für Medikamente üblichen Prüfungen auf den Markt bringen. Der Franzose und bekennende Impfbefürworter Romain Gherardi, der während 30 Jahren die Auswirkungen von Impfstoffen auf Risikogruppen untersuchte, spricht von fehlenden präklinischen Studien zur Untersuchung von Auswirkungen auf die Erbsubstanz oder Fruchtbarkeit. Er wirft den Impfherstellern vor, Kosten sparen zu wollen.

Gezeigt wird, wie Ronald Reagan 1986 den «National childhood vaccine injury act» unterzeichnete, der Hersteller von der Haftung für schwere Nebenwirkungen entbindet.

Die Schlussfolgerung der Doku lautet: «Impfstoffe sind die einzigen Medizinprodukte, die eine gesetzliche Immunität geniessen.» Peter Gøtzsche, Begründer der Cochrane-Gruppe, einer internationalen Vereinigung von Ärzten, die klinische Studien von Medikamenten und Impfungen systematisch auswerten, fordert, dass Impfstoffe höhere Standards als andere Medikamente erfüllen sollten, da Impfstoffe Gesunden verabreicht werden und länger im Körper bleiben, Medikamente dagegen im Notfall abgesetzt werden können (39:90).

Trono erklärt, dass man diese Aussage nicht verallgemeinern dürfe, es gäbe präklinische Tests, infolge von Dringlichkeit jedoch nicht in dem Ausmass, wie es zu wünschen wäre.

Peter Doshi, Herausgeber des «British Medical Journal», warf den Herstellern der Corona-Impfstoffe vor, die eingeleiteten Doppelblindstudien willkürlich abgebrochen und nicht zu Ende geführt zu haben.

Wechsel- und Nebenwirkungen 

Unerwünschten Wirkungen, wie sie bei Medikamenten vorkommen, zeigt der dänische Anthropologe Peter Aaby (32:40) anhand von Studien zur Kindersterblichkeit bei 200’000 Menschen in Guinea-Bissau. So sank hier – wie später in Senegal, im Kongo und in Indien ebenfalls – die Kindersterblichkeit nach Masern-Impfungen um mindestens 50 Prozent. Masern allein waren aber für eine solch hohe Sterblichkeit nicht ausschlaggebend, also muss die Impfung die Gesundheit umfassender beeinflusst haben. Aaby stellte fest, dass die Sterblichkeit der Mädchen sank wenn man die kombinierte Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten vor derjenigen gegen Masern verabreicht. [Infosperber hat ausführlich darüber berichtet: hier und hier]. Aaby folgert, dass bestimmte Impfstoffe nicht nur gegen eine Krankheit wirken, sondern insgesamt das Immunsystem beeinflussen.

HPV-Impfungen

Weil Langzeitwirkungen der Impfung gegen das Humane Papillomavirus (HPV), welches Gebärmutterhalskrebs auslösen kann,  bis heute zu wenig abgeklärt seien, rät Frauenärztin Diane Harper von dieser Impfung jetzt ab (47:30). Zuvor war sie als Prüfärztin für klinische Versuche für die Pharmakonzerne Merck und GSK tätig. Anstelle der Impfung empfiehlt sie regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, weil in 90 Prozent der Fälle das langsam wachsende Virus verschwindet. Von den restlichen 10 Prozent würden 5 Prozent Beschwerden verursachen, die anderen 5 Prozent  entwickeln eine Krebsvorstufe, woraus sich ohne Behandlung nach 30 Jahren bei 40 Prozent ein Krebs entwickeln kann. De Lorgeril (49:52) demonstriert, wie es sogar zu einem Anstieg der Krankheit in jenen Ländern kam, in denen gegen HVP viel geimpft wurde, so in Norwegen, Australien und Schweden, während in Dänemark oder Frankreich, wo wenig geimpft wurde, die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs zurückging. Dafür gebe es zurzeit erst Vermutungen: Junge Frauen könnten vor der Impfung bereits infiziert gewesen sein, oder sie verzichten als Geimpfte auf die Früherkennung, oder aber der Impfstoff, so de Lorgeril, rotte nur einige Virenstämme aus, sodass sich andere HPV-Viren umso stärker ausbreiten können.

Gesundheitsmarketing 

Anhand von Filmsequenzen wird gezeigt, wie vornehmlich in den USA die Impfhersteller mit raffinierten Angstmethoden ihre Impfungen als Garantie für Gesundheit anpreisen. Diane Harper nennt als Beispiel die Werbung für den HPV-Impfstoff «Gardasil» von Merck. Die Kampagne habe darauf beruht: «Willst Du Deine Kleine nicht impfen, so stirbt sie an Gebärmutterkrebs.» (54:05) Wie in der Doku zu sehen ist, sind es die Bilder von jungen besorgten Mädchen, welche diese Aussage suggerieren. Harper intervenierte bei Merck, deren Antwort lautete: «Angst verkauft sich.»

Peter Doshi prangert insbesondere die auf die Tränendrüse drückende Werbung der Grippeimpfung für Kleinkinder ab sechs Monaten an, wie sie die CDC, die USA-Gesundheitsbehörde, aufschaltete (43.18). Epidemiologe Tom Jefferson, Mitglied des Nordic Cochrane Center, bietet hier Aufklärung (45:37). Von allen klinischen Studien zu Grippeimpfstoffen habe nicht eine einzige einen Rückgang der Sterblichkeitsrate aufzeigen können. Es müssen, so Jefferson, zwischen 33 und 99 Erwachsene geimpft werden, um einen einzigen Grippefall verhindern zu können.

Die USA würden die Grippeimpfung ab sechs Monaten empfehlen, um dadurch die Grosseltern schützen zu können, quasi aus Solidarität, verteidigt Fischer das Vorgehen. Auf den Grund dieser für ihn zwar diskutablen Strategie hätte man hinweisen müssen.

Wirkverstärker 

Um die Wirkung zu verstärken werden Impfstoffen Substanzen wie Aluminium und früher sogar Quecksilber in geringen Mengen beigefügt. Unmittelbare Folgen entdeckten Romain Gherardi und andere Kollegen in Bordeaux in den 1990er-Jahren bei einer Muskelentnahme im Schulterbereich. Entzündliche Stellen enthielten bestimmte Immunzellen (Makrophagen) mit Aluminiumhydroxidkristallen (55:47). Der Nachweis ergab, dass sie von Impfungen stammten, welche die Patienten viele Jahre zuvor erhielten. Damals galt es als sicher, dass sich diese Aluminiumkristalle auflösen würden. Die Annahme beruhte auf einer Studie von 1967 an zwei Kaninchen, die ergab, dass die Kaninchen innert 28 Tagen 5 Prozent des Aluminiums ausscheiden. Es wurde einfach gefolgert, dass es mit der Zeit ganz ausgeschieden wird. Alle weiteren Untersuchungen zum Verhalten dieses Wirkverstärkers waren mathematische Modelle, die auf der Studie der beiden Kaninchen beruhten.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch die eingeblendete Szene eines Impfausschusses von 2018, in der die USA-Gesundheitsbehörde CDC den neuen Impfstoff Hepslisav-B präsentierte (1:00:35). Gefragt, ob es angesichts der Anzahl neuer Wirkverstärker Bedenken wegen Wechselwirkungen mit den Zusatzstoffen anderer Impfungen gäbe, lautet die offizielle Antwort von Dr. Shelly: «Wir verfügen über keine Daten, um eine Empfehlung in irgendeiner Weise auszusprechen.» Deshalb werde angeraten, dass Impfungen die gleichzeitig gespritzt werden, auf verschiede Gliedmassen verteilt werden (1:01:19). Die grosse Frage, so Gherardi, die nie gestellt werde, sei jene, wie sich die Mehrfachimpfung auswirke.

Die von Gherardi festgestellten eingelagerten Aluminiumkristalle im Muskelgewebe seien noch nie in Kindern, den Hauptempfängern der damit verstärkten Impfstoffen, festgestellt worden, hält Fischer dagegen. Milliarden Menschen seien so geimpft worden ohne Schäden davon zu tragen. Der möglicherweise unvorteilhafte Einfluss unterschiedlicher Wirkverstärker, sogenannter Adjuvantien, bei Mehrfachimpfungen war weder Trono noch Fischer eine Bemerkung wert. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt für Kleinkinder ab dem 2. Monat die Impfung mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Starrkrampf, Keuchhusten, ferner die Impfstoffe gegen Kinderlähmung, gegen bakterielle Hirnhaut- und Kehlkopfentzündung, gegen Hepatitis B und gegen Pneumokokken. Weitere Dosen werden Kindern im Alter von 4 und 12 Monaten empfohlen. Dazu kommt der Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln in zwei Dosen im Alter von 9 und 12 Monaten, also Impfungen gegen insgesamt zehn Krankheiten.

Einfluss auf das Immunsystem 

Zum Abschluss stellt die Arte-Doku die Frage, inwieweit die Impfung Einfluss auf das Immunsystem nimmt und inwiefern sich dadurch auch das Mikrobiom im Darm verändert, das im Ileum – einem Teil des Dünndarms – mittels Bakterien und Viren über 90 Prozent der Antikörper für die Immunabwehr produziert. So stellt Poland in diesem Zusammenhang die Frage, wie viele Impfstoffe der Mensch in seinem Leben überhaupt verkraften kann (1:04:20). Der Immunologe Mark Davis erklärt anhand des Cytomegalovirus, dass Bakterien und Viren sogar sehr nützliche Mikroorganismen seien (1:06:00). Dieses Herpes-Virus, das bei immungeschwächten Personen schlimmstenfalls Hirnhautentzündung hervorrufen kann, wurde bei 16 Zwillingspaaren auf seine Wirkung hin untersucht. Dabei war der eine Zwilling infiziert, der andere nicht. Die Infizierten bildeten viel mehr Antikörper gegen Grippe als die Nicht-Infizierten.

Die Erkenntnis, dass Milliarden von Mikroorganismen in und auf unserem Körper leben und in Wechselwirkung mit ihm stehen, mache ein Umdenken nötig bei der rigorosen Bekämpfung von Viren und Bakterien. In diesem Zusammenhang weist Immunologe Gérard Eberl vom Institut Pasteur auf die Korrelation hin, dass ansteckende Krankheiten wie Masern inzwischen unter Kontrolle gebracht worden seien. Allerdings sei es parallel zum enormen Rückgang dieser Infektionskrankheiten zu einem Anstieg von entzündlichen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder Diabetes gekommen (1:10:40). Das führte zur Theorie, dass entzündliche Krankheiten in dem Masse zunehmen, als der Infektionsdruck durch Krankheitserreger nachlässt. Poland postuliert, dass Infektionskrankheiten deshalb eine entscheidende Rolle für unser Immunsystem spielen (1:12:30). Welche Faktoren die Zunahme von Autoimmunkrankheiten und Allergien auslösen, ob es die Ernährung ist, die Impfstoffe, die Kombination bestimmter Medikamente oder alle Faktoren zusammen, müsse noch erforscht werden.

Personalisierter Impfstoff: 

Ein personalisierter Impfstoff könnte anhand eines individuellen Immunprofils entwickelt werden. Dieses Profil, das sich in den Human Leukozyt Antigenen (HLA) wiederspiegelt  – für deren Entdeckung Jean Dausset 1980 den Nobelpreis erhielt – könnte den Hinweis geben. Unter dem Begriff «Vaccinomics» hat Poland 2011 ein solches Vorgehen zur Diskussion gestellt. Demzufolge sollte man zunächst feststellen, wie eine Person auf einen Impfstoff reagiert (1:17:46). Ob sie überhaupt anfällig für eine Krankheit sei, oder nur einen milden Verlauf durchmachen würde. In seiner Überlegung erhält Poland Unterstützung von Ursula Wiedermann, die sich für einen Paradigmenwechsel ausspricht (1:18:33). Parallel zu Impfprogrammen mit der Zielsetzung einer Herdenimmunität sollten Impfungen nicht mit dem Giesskannensystem eingesetzt werden. Denn es gebe Bevölkerungsgruppen wie die Senioren, die adipösen Kinder oder chronisch Kranke, die anders geimpft werden müssten. Das Dogma «one shot fits all» stimme nicht mehr.

In Bezug auf diesen Vorschlag, basierend auf dem HLA-System entgegnet Fischer, dass es wohl individuelle Reaktionen gegen Impfungen gebe, doch diese Faktoren seien sehr komplex und mit dem heutigen Wissen nicht messbar. Personalisierte Empfehlungen gebe es schon heute. Etwa dass Impfungen gegen die Grippe oder gegen Gürtelrose nur für ältere Personen empfohlen werden, oder jene gegen Keuchhusten nur für Eltern mit Neugeborenen, damit diese geschützt sind.

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Die ARTE-Sendung im Original auf Französisch hier.

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Oben      —   Impfung gegen COVID-19 in einem Impfzentrum

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Debatte ums Bürgergeld

Erstellt von DL-Redaktion am 17. November 2022

Der Klang einer Beförderung

Von Katja Kullmann

Ist das Bürgergeld echter Fortschritt? Oder Upgrade des längst Bekannten? Eine kleine Geschichte der Unterschichtsverachtung.

Arno Dübel freut sich aufs kommende Jahr. Denn dann werde er „zum Bürger befördert“. So steht es auf der Facebookseite des Mannes, der vor gut 20 Jahren als „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ bekannt wurde, als „Sozialschmarotzer vom Dienst“ und „berühmtester Hartz-IV-Empfänger“.

Ach, was waren das aufregende Zeiten, damals, unter rot-grüner Regierung. Nach 16 Jahren Helmut Kohl schien alles neu. Eine Neue Mitte hatte Gerhard Schröder 1998 bei seinem Einzug ins Kanzleramt beschworen und die Menschen ermuntert, ihr Erspartes in die New Economy zu stecken, etwa in nagelneue Telekom-Aktien. „Achtung, wir haben jetzt Neoliberalismus!“, warnten kluge Leute, und wer nicht auf Anhieb kapiert hatte, was das wohl heißen mochte, bekam es 2001 von Gerhard Schröder noch mal erklärt: „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.“ Just in jenem Jahr begann die kleine Medienkarriere des Arno Dübel.

Dessen beruflicher Werdegang ist schnell erzählt: 1974 brach er eine Malerlehre ab – Punkt. Seither lebt Dübel von dem, was einem Langzeitarbeitslosen an Sozialleistungen zusteht. Erst hieß es Sozialhilfe. Dann Hartz IV. Nun also bald Bürgergeld. „Wer arbeitet, ist blöd“: So hat Dübel es in Dutzenden Talkshows verkündet. So gab er es der Bild zu Protokoll. Und so postet er es jetzt, mit 66, bei Facebook: „Das neue Bürgergeld ist die Chance auf ein noch schöneres Leben auf Kosten vom Deutschen Staat. Lasst die Leute arbeiten und nehmt mehr Geld ab 1. 1. 2023 mit.“

Vor lauter Krisen schien der Sozialschmarotzer zuletzt vergessen – doch nun, da es an die Abschaffung von Hartz IV geht, kehrt er auf die öffentliche Bühne zurück. Das ist nicht Arno Dübels Schuld, viele kennen ja nicht mal seinen Namen. Nein, der „Sozial­schmarotzer“ kann heute Heiko, Helga oder Hassan heißen, er muss kein dürrer Kettenraucher sein, damit wieder über ihn geredet wird.

Da ist etwa Mario Lochner, Finanzblogger und Redakteur bei Money, Ableger des Magazins Focus, das schon 1995 „Das süße Leben der Sozialschmarotzer“ zur Titelstory erhob. Neulich, zu Halloween, verglich Lochner bei Twitter die Menschen, die bald Bürgergeld beziehen werden, mit faulen Kindern, die anderen die Süßigkeiten klauen.

Die Junge Freiheit raunte vor drei Monaten mal wieder von der „sozialen Hängematte“, und der Vize-Fraktionschef der AfD im Bundestag, Norbert Kleinwächter, dachte laut über Menschen nach, die verlernt hätten, „in der Früh aufzustehen“ und stattdessen beigebracht bekämen, „auf der Couch zu liegen“.

Eleganter und behutsamer – fast schon zärtlich – klang es bei CDU-Chef Friedrich Merz, als er über den Menschentypus „Versorgungsempfänger“ sinnierte. Oder bei Michael Kretschmer, sächsischer Ministerpräsident, der im MDR herumdruckste: „Die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen, die etwas leisten, die fragen doch: Ist dieser Sozialstaat wirklich richtig austariert?“ Immerhin steht es schon in der Bibel: „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.“ August Bebel, Adolf Hitler, Josef Stalin und Franz Müntefering haben das zitiert – warum nicht auch ein Christdemokrat?

Die einen beklatschen das rhetorische Nachuntentreten. Die anderen verurteilen es als Zynismus im Trump-Stil. Manche sprechen von „Kulturkampf“. Viele tragen dieser Tage wieder das Wort „Sozialschmarotzer“ auf der Zunge, aber sie spucken es nicht aus. Man hört es trotzdem. Schließlich wissen heute alle Bescheid über die Symbolkraft von Namen und Vokabeln, über „Hate Speech“ und Klassismus, Wording und Framing.

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Vertrauen ? Gebt den immer noch Genossen was auf die leeren Köpfe. 

Mit dem Bürgergeld will die Ampel-Koalition die Lebensumstände derjenigen, die aus dem geregelten Arbeitsmarkt geglitten sind oder nie drin waren, ein bisschen verbessern. Mit einem Hauch mehr Geld und Weiterbildungsangeboten, besseren Zuverdienstmöglichkeiten, einem höheren Schonvermögen, mit etwas mehr Zeit, Raum, Ruhe, um finanziell und sozial wieder auf die Beine zu kommen – bevor das Jobcenter den Druck dann doch wieder erhöhen kann. Skeptiker und Zweiflerinnen sprechen von Hartz V: einem billigen Upgrade des längst Bekannten.

Gewerkschaften und Sozialverbände jedoch begrüßen das Projekt. Es „reformiert ein Menschenbild“, meinte unlängst auch taz-Kollegin Anna Lehmann: „Der antriebslose Arbeitslose, der lieber Tiefkühlfritten vor der Glotze konsumiert, als sich um Arbeit oder Schulabschluss zu bemühen, ist passé. Stattdessen traut die Ampel den Menschen, wenn auch zaghaft, zu, dass sie tätige Mitglieder der Gesellschaft sein wollen.“

Anhaltende Arbeitslosigkeit und Aufstockungsbedarf haben viele Ursachen. Krankheit, die Alleinverantwortung für ein Kind, psychische Belastungen, eine Sucht, eine gescheiterte Freiberuflichkeit. Und eben die Arno-Dübel-Jahre, die Schröder-Ära. Hartz IV ist (auch) eine Folge von Hartz I bis III: Leiharbeit, Zeitarbeit, Scheinselbständigkeit – ideale Voraussetzungen für die Vermehrung der working poor, Menschen, die von ihren Jobs nicht leben können. Rund acht Millionen abhängig Beschäftigte arbeiten heute auf Niedriglohnniveau, 46 Prozent mehr als 1995.

Die Neue Mitte: Sie verdünnisiert sich

Seit 2005, der Einführung der Hartz-Gesetze, habe sich die Mitte „nicht wieder erholt“, ist bei der nicht gerade kommunismusverdächtigen Bertelsmann-Stiftung zu lesen. 1995 zählten demnach 70 Prozent der Bevölkerung zu den mittleren Einkommensgruppen, inzwischen sind es knapp über 60. Laut Statistischem Bundesamt ist heute jeder Fünfte „von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht“.

Quelle        :       TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben      —        Twitter  — 9. März  

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Unten        —            Franz Müntefering (l.) und Gerhard Schröder (r.) bei der Abschlusskundgebung im Bundestagswahlkampf 2005 in Frankfurt am Main

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DL – Tagesticker 17.11.2022

Erstellt von DL-Redaktion am 17. November 2022

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Leseauswahl des „Bengels“:  – . –  1.) Die Anbetung des braven Olaf  – . –  2.) Kirche und Klima – Der Emissionsbefehl  – . –  3.) Taliban verordnen noch mehr Scharia  – . –  4.) Der Raketeneinschlag in Polen sollte das Bewusstsein für die Falle „Bündnisfall“ schärfen  – . –  5.) Deutschland will Bundeswehr aus Mali abziehen   – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine gute Unterhaltung.

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Prägten solche Bilder nicht schon immer die Geburtsstunden der meisten Religionen ? Der Betrachter braucht nur das so Sehende zu beurteilen. Aber sehen wir nicht auch im Umkehrschluss die nahezu ungläubige Hilflosigkeit, der dimm aus ihrer Wäsche glotzenden, versagender “ politischer Würdenträger ?“

Ikonisches Foto vom G20-Krisengipfel. – Alle Augen auf Olaf Scholz: Ist das Anerkennung? Ehrfurcht? Unglaube? Was hat der Kanzler gesagt, als dieses Foto vom Krisentreffen der Mächtigen in Bali entstand? Unser Autor hat ein paar Vorschläge.

1.) Die Anbetung des braven Olaf

Ein heroischeres Bild wird es von unserem Bundeskanzler wohl nie geben. Olaf Scholz steht im Kreis der Mächtigen der Welt, und es ist nicht übertrieben zu sagen: Er steht für mindestens einen magischen Moment lang im Mittelpunkt. Ich bin begeistert von dieser Fotografie. Vielleicht wird Olaf Scholz sie sich in sein Büro hängen. Ich bin fast sicher, dass sie eines Tages ganz offiziell im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen sein wird. Eher inoffiziell habe ich mir einen Titel für diese überraschende, mich auch ein bisschen mit patriotischem Stolz erfüllende Heldendarstellung überlegt. Er lautet: »Die sieben Fragezeichen und…«. Hat unser Kanzler nicht schon charakterlich erstaunliche Ähnlichkeit mit Justus Jonas, dem manchmal etwas nervigen Schlaukopf aus der Hörspielserie um drei junge Detektive? Der kluge Justus aus den »Die drei ???«-Krimis ist berühmt für tiefe Weisheiten und ein wenig hochtrabende Formulierungen. »Geduld ist eine Tugend, die sich zu pflegen lohnt«, sagt er zum Beispiel. Sehen die Leute auf dem Bild nicht so drein, als habe Scholz genau das gesagt? Oder vielleicht einen anderen klassischen Justus-Jonas-Satz wie: »Unsere Aufgabe ist es, Fragen zu beantworten, Rätsel zu lösen und Geheimnisse jeglicher Art zu lüften.«

Spiegel-online 

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Niemand hatte doch den „Alleswissenden Schöpfer“ davor gewarnt seine Allmacht der größten nur möglichen Bande von Hehlern und Betrügern in die korruptesten Hände der Politik zu legen. So kann Mensch nur noch registrieren wie wenig die Allmacht letztendlich über die Dummheit seiner einst Erschaffenen weiß, samt der von diesen immer rezitierten Schriften  ?

Die Evangelische Kirche in Deutschland verhängt ein kircheninternes Tempolimit, lädt radikale Klimaaktivisten zur Synode ein und wünscht sich eine „große Transformation“. Anscheinend lautet die christliche Botschaft in diesen Tagen: Kleber statt Kreuz.

2.) Kirche und Klima – Der Emissionsbefehl

Solange die Erde steht, ist allerhand möglich: Tag und Nacht, Frost und Hitze, Sommer und Winter – und natürlich manch anderes mehr. So oder ähnlich ist es auch im biblischen Buch Genesis niedergeschrieben, in der Geschichte von Noah, der Sintflut und dem Bau der Arche. Eine Legende über Gottes Gelübde im Zeichen des Regenbogens. Nie wieder, so des Schöpfers Versprechen, wolle der eine alles zerstörende Apokalypse über die Menschen bringen. Nie wieder also Überschwemmungen, nie wieder Tsunamis oder sonstiges Unheil aus den Reihen der vier öko-apokalyptischen Reiter. Man könnte sich also bequem in der Kirchenbank zurücklehnen und erleichtert mit allen Heiligen seufzen. Doch damit oben stehendes Bibelwort auch gewiss bleibt, bleiben folgende Dinge im heiligen Urtext expressis verbis nicht ausgeschlossen: eine Beauftragte für Schöpfungsverantwortung innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Ökotheologie, der Sonnengesang des Franz von Assisi – und seit dem vergangenen Mittwoch ein vorgeschlagenes allgemeines Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen. Sicher ist sicher. Beim Herrgott nämlich, da weiß man nie … Das mag kirchenfernen Seelen befremdlich vorkommen, für protestantisches Urgestein aber ist der während der 3. Tagung der 13. Synode der EKD in Magdeburg ausgegossene grün-alternative Spiritus Sanctus nicht wirklich neu. Noahs Regenbogen ist in der evangelischen Kirche eh nur noch eine kunterbunte Biege vor dem woken Zeitgeist. Das eine mag der mythische Nukleus sein, etwas anderes sind halt die Mühen der Ebene; und die sind besonders jenseits von Eden nicht immer leicht zu (er)tragen. Rat wie Synode der EKD quälen sich mit ihnen bereits seit den Anfangstagen. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, will schließlich auch institutionell wie weltlich auf Kurs gehalten werden, und das seit 1948.

Cicero-online

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Die gesammelten Ergebnisse  der Versager, welchen von einer Versendung angeblicher „Friedenstruppen“ der Weißen-Militaristen immer wieder ausgegangen wird? Wenn es um die Wahrheit ginge dürfte doch kaum ein-e Politiker-in auf diesen Planeten noch mit sämtlichen Gliedern herumlaufen, da diese bei Gefahr im Anzug auf ihre Persönlichkeiten bezogen,  sofort nach ihren Truppen rufen, um alle Proteste nach Möglichkeit im Keim zu ersticken. Hat nicht eine jede Religion ihre Scharia – nur unter anderen Namen laufend?

Justiz in Afghanistan – Auf Anordnung des Talibanchefs gelten drakonische Scharia-Strafen jetzt in Afghanistan landesweit. Wie im Iran gibt es für „Rebellion“ die Todesstrafe.

3.) Taliban verordnen noch mehr Scharia

Der Talibanführer Hebatullah Achundsada hat angeordnet, in Afghanistan ab jetzt die im islamischen Scharia-Recht enthaltenen Hudud- und Kisas-Körperstrafen anzuwenden. Sie umfassen Amputationen bei Diebstahl, Steinigungen oder Prügelstrafen bei Ehebruch, vorehelichem Geschlechtsverkehr und wenn Verliebte gegen den Willen der Eltern durchbrennen, sowie Hinrichtung bei Mord. Auf Wunsch kann die Familie des Opfers die Hinrichtung selbst vornehmen, aber auch Täter begnadigen. Neu ist jetzt, dass solche Strafen auch bei „Rebellion“ verhängt werden können. Ähnlich wie im benachbarten Iran droht damit Afghan:innen, die sich an zivilem Protest oder bewaffnetem Widerstand beteiligen, nun auch die Todesstrafe. Die Taliban halten zur Zeit mindestens sechs Frauenrechtlerinnen fest. In sozialen Medien ist von weit mehr „Verschwundenen“ die Rede, darunter Angehörige der früheren Streitkräfte, denen teilweise Zugehörigkeit zu bewaffneten Oppositionsgruppen vorgeworfen wird Bisher hielt sich die Talibanführung mit solchen Strafen zurück, offenbar um nach ihrer weltweit beispiellosen Ausgrenzung von Mädchen und Frauen nicht noch mehr Kritik auf sich zu ziehen. Zuletzt gerieten sie aber unter Druck der in Afghanistan politisch eigentlich unbedeutenden Terrormiliz Islamischer Staat, dass sie sich „unislamisch“ verhielten, so lange sie auf diese Scharia-Strafen verzichten. Scharia-Anweisung gilt als „verpflichtend“

TAZ-online

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Wer sucht – wird immer Pfündig werden ? Nur wenn die zuerst nach Krieg schreienden Politiker-innen an der Spitze voraus marschieren müssten, ergäbe sich die Change auf eine friedliche Welt.

Der Zwischenfall an der polnisch-ukrainischen Grenze verdeutlicht einmal mehr, welche Eskalationsdynamik der Ukraine-Krieg an jedem Tag mit sich bringt. Eine Rhetorik der Mäßigung wird immer sicherheitsrelevanter.

4.) Der Raketeneinschlag in Polen sollte das Bewusstsein für die Falle „Bündnisfall“ schärfen

Die Zurückhaltung fiel schon auf. Die Nachricht vom Raketeneinschlag im polnischen Grenzort Przewodów und den beiden Todesopfern war kaum verbreitet, als erste Reaktionen westlicher Politiker eher zur Vorsicht mahnten, statt auf adäquate Reaktionen zu drängen, sollte Russland der Verursacher sein. Das Ganze erschien einfach höchst komplex, nicht nur wegen der lokalen Umstände. Gesetzt den Fall, man hätte Russland unumwunden zum Täter erklärt – was sich inzwischen anders darstellt –, wären die NATO und alle ihre Mitgliedsstaaten erheblich unter Zugzwang geraten. Es wäre fast unausweichlich gewesen, den Vorgang als Angriff Russlands auf das NATO-Land Polen einzustufen und die Ausrufung des „Bündnisfalls“ in Betracht zu ziehen. Wenn nicht zu vollziehen. Bündnisfall nach 9/11. „Die Vertragsparteien“, heißt es in Artikel 5 des NATO-Gründungsvertrages vom 4. April 1949, „stimmen darin überein, dass ein bewaffneter Angriff auf einen oder mehrere von ihnen (…) als Angriff auf alle von ihnen angesehen wird (…).“ Zur Erinnerung: Die USA hatten nach den Anschlägen von 9/11 für sich in Anspruch genommen, in eine solche Situation geraten zu sein und den Beistand des Bündnisses über die Erklärung des „Bündnisfalls“ verlangt. Seinerzeit hatte es damit sein Bewenden, denn ein Fortschreiten zum „Verteidigungsfall“ und zu einem kollektiven Militäreinsatz der NATO unterblieb. Allerdings wurde der durch die Besatzung in Afghanistan, deren strategisches Rückgrat die westliche Allianz neben den USA war, nachgeholt.

Freitag-online

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Ach ja – Aufgewacht oder abgebrochen? Spülten die wirtschaftlich erhofften Verbindungen nicht die erwarteten Erfolge in die Kassen – oder wurde nach vielen Jahren schließlich bemerkt, selbst im eigenen Land bei der Ausbildung der Schlägertruppen nicht so recht die richtige Spur zu finden ? 

Gefährlichster Einsatz der UN: Die deutsche Bundeswehr soll ihren UN-Einsatz in Mali 2023 beenden. Bei einem Spitzentreffen zwischen Scholz, Baerbock und Lambrecht soll die Entscheidung fixiert werden.

5.) Deutschland will Bundeswehr aus Mali abziehen 

Spitzentreffen mit Scholz geplant. Die Bundesregierung hat sich in internen Beratungen auf ein Ende des Bundeswehr-Einsatzes im westafrikanischen Krisenstaat Mali im kommenden Jahr verständigt. „Spätestens Ende 2023 sollen die deutschen Soldatinnen und Soldaten ihr Engagement bei dem UN-Blauhelmeinsatz Minusma einstellen“, erfuhr AFP am Mittwoch aus Regierungskreisen in Berlin. Eine entsprechende Grundsatz-Vereinbarung erzielten demnach Kanzleramt, Verteidigungsministerium und Auswärtiges Amt in vertraulichen Gesprächen. Eine endgültige Entscheidung über den Fortgang des deutschen Mali-Einsatzes soll kommenden Dienstag bei einem Spitzentreffen fallen, an dem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) teilnehmen, hieß es weiter gegenüber AFP. Das Bundestagsmandat für den Einsatz in Mali gilt derzeit bis Ende Mai 2023. Der Bundestag hatte Ende Mai dieses Jahres für die Verlängerung gestimmt – dabei aber erstmals eine Rückzugsklausel in dem Mandat verankert für den Fall, dass die Sicherheit der Bundeswehrsoldaten in Mali nicht mehr gewährleistet ist. Verschiedene Staaten haben sich allerdings bereits aus dem UN-Einsatz zurückgezogen. Am Montag kündigte Großbritannien den Abzug seiner Minusma-Truppen an. Frankreich hat als einer der wichtigsten Beteiligten seinen Einsatz bereits beendet – dies riss eine große Lücke in die militärische Ausstattung der UN-Mission.

FR-online 

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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