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Archiv für September 26th, 2022

Paternalismus in Reinkultur

Erstellt von DL-Redaktion am 26. September 2022

Wer sein Handeln erst im Nachhinein erläutert, will sich positionieren

Wichtig ist nur die Fahne, hinter den Bananen welche am wenigsten zu sagen haben.

Ein Debattenbeitrag von Thomas Gesterkamp

Erklärungen, die das Ziel haben, Widerspruch abzuschmettern, sind ein Problem. Gerade jetzt sind öffentliche Debatten an der Basis notwendig.

Zum Wesen des bundesdeutschen Parlamentarismus gehört, dass Abgeordnete sich nur alle vier Jahre den Urteilen der Regierten stellen müssen. Zwar gibt es zwischendurch regionale Wahlen, zudem spiegeln Umfragen stetig die Stimmung im Lande. Zentrale Entscheidungen aber werden in internen Zirkeln getroffen, bestenfalls ergänzt durch Anhörungen mit Interessenverbänden und politischen Lobbys. Ein echter Austausch mit „den Menschen da draußen“ ist in diesem System kaum vorgesehen. Über besonders strittige Themen, wie Aufrüstung, Atomkraft, Hartz IV oder die Coronapolitik, wird nicht direkt abgestimmt. Plebiszite, wie sie in der Schweiz regelmäßig stattfinden, haben in Deutschland einen schlechten Ruf, schon wegen negativer Erfahrungen in der Weimarer Republik. Die Direktwahl des rechtsnationalen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg, der 1925 den sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert ablöste, erleichterte später die Machtübernahme der Nazis.

Volksbefragungen als Beteiligungskonzepte, die nicht durch parlamentarische Filter kanalisiert werden, können zu unbequemen Ergebnissen führen. Stattdessen ist das „Erklären“ die neue Zauberformel. Besonders häufig praktiziert sie Robert Habeck. Auf den ersten Blick hebt er sich damit positiv ab von einstigen „Basta“-Politikern wie Gerhard Schröder oder auch Helmut Kohl. Doch ob es um Waffen für die Ukraine oder um die Energiekrise geht, der Vizekanzler erklärt stets erst dann, wenn er eine Entscheidung getroffen hat.

Vorhaben, die erklärungsbedürftig sind, sollte die Politik jedoch vor ihrer Umsetzung debattieren – nicht nur im kleinen Kreis von Fachleuten, sondern auch mit denen, die die massiven Konsequenzen zu tragen haben. Das würde, gerade in der aktuellen Kontroverse um Sanktionen und ihre inflationären Folgen, Widerspruch ermöglichen. Wer sein Handeln erst im Nachhinein erläutert, will sich nicht rechtfertigen, er will sich positionieren. So stellt sich die Regierung nur scheinbar den Bedenken derjenigen, die sie gewählt haben. Dabei wäre echte Beteiligung notwendiger denn je, denn für viele Betroffene geht es derzeit um existenzielle Fragen.

Geduldig um Verständnis werben wirkt bürgernah und soll Nähe suggerieren. „Den Menschen da draußen“ die Welt zu erklären macht beliebt. Anfangs ging das von der Kommunikationsberatung inspirierte Kalkül auf. Habeck stand mit Annalena Baerbock – bei einer Reise ins Baltikum wollte sie ihre Politik „in 40 Punkten noch mal erklären“ – lange an der Spitze im ARD-Deutschlandtrend. Erst in den letzten Wochen sind die Werte wegen seines Managements der Energiekrise gesunken.

Hinter geschickter Rhetorik verbirgt sich ein hierarchisches Verständnis, wie Politik am besten zu vermitteln sei. Erklärungen, auch wenn sie gut gemeint sein mögen, ignorieren die Bedenken der Regierten, es handelt sich um Paternalismus in Reinkultur: Wir hier oben wissen Bescheid, wir haben den Überblick. Eure Einwände interessieren nicht, weil ihr unwissend seid. Deshalb sagen wir, warum es so und nicht anders laufen muss.

Stark zugenommen hat das Erklären während der Pandemie. Vor allem im ersten Lockdown ging es um das eingängige Verbreiten komplizierter wissenschaftlicher Zusammenhänge – und um die Akzeptanz angeblich unvermeidbarer „Maßnahmen“. Das Virus lässt sich nicht aufhalten, darum sind unsere Beschlüsse alternativlos! Wir verordnen sie einfach, aber wir sind bereit, sie euch zu erklären. Unterhalb dieser Oberfläche wurde auf einen anderen Effekt gesetzt: Blockade des Zweifels durch Angstmache. Wer Angst hat, kann nicht gut denken, und die Anziehungskraft autoritärer Ideen wächst, wenn Menschen an ihre Sterblichkeit erinnert werden.

Erklären ist nichts grundsätzlich Schlechtes. Wenn Eltern wissbegierige Fragen ihrer Kinder beantworten, ist das pädagogisch sinnvoll. Schwierig werden Erklärungen, wenn sie politische Macht durchsetzen sollen. Sie dienen dann schlicht dazu, Entscheidungen unhinterfragt zu lassen: Ihr müsst es jetzt endlich einsehen, ich habe es euch doch gerade erklärt! In Coronazeiten etablierte sich eine von Virologen, Medizinerinnen, Mathematikern und Physikerinnen dominierte Expertokratie. Diese geschlossene Front, an der sich Politik und auch weite Teile des Journalismus einseitig orientierten, duldete keine abweichenden Fakten und Meinungen.

Quelle          :         TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

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Oben       —     BT Plenum 25.08.2021

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Kolumne Linksklick :

Erstellt von DL-Redaktion am 26. September 2022

„Spaß bei der Arbeit“ zahlt keine Miete

Quelle          :        Netzpolitik ORG.

Kolumne von 

Eine freche Stellenausschreibung wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, die mit sich ringt, ihre Mitglieder fair zu bezahlen. Wie kann das sein?

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) sucht Verstärkung beim Sichten von Computerspielen. Sie ist für die Alterseinschränkungen zuständig und dafür muss jemand die neu erscheinenden Titel spielen.

Das Aufgabenfeld der zukünftigen „engagierten Spiele Sichter-innen“ umschreibt die offizielle Stellenausschreibung so: „Du spielst Computer- und Videospiele, die bei der USK zur Prüfung eingereicht werden und bist damit Teil der technischen und inhaltlichen Vorbereitung des Prüfprozesses eines Spiels.” Dazu gehören jede Menge Aufgaben. Etwa eine “umfassende Sichtung eines Spiels” und “das Verfassen eines schriftlichen Testberichts, der die inhaltlichen Aspekte und jugendschutzrelevanten Faktoren zusammenfasst”. Bei der Präsentation sollen die Sichter-innen “einen neutralen Überblick über das Gameplay, technische Funktionalitäten sowie Narration” bieten und dem Prüfgremium für Rückfragen zur Verfügung stehen. Home Office geht leider nicht.

Ein stolzer Aufgabenkatalog für eine wichtige, verantwortungsvolle Aufgabe: Spiele gründlich auf potentiell jugendgefährdende Inhalte abklopfen, ein schriftlicher Test, eine Präsentation vor dem USK-Gremium. Und am Ende mitverantwortlich für das USK-Siegel sein, das bei der Kaufberatung eine große Rolle spielen soll.

Die Entlohnung für diesen Job?

100 Euro pro Spiel.

Das ist eine Katastrophe.

Von Spaß kann man sich nichts kaufen

Weil unsere Gesellschaft in Deutschland noch immer auf dem Leitsatz „über Geld spricht man nicht“ aufbaut, stammt diese Honor Auskunft nicht direkt aus der Ausschreibung: Hier heißt es nur „angemessene Aufwandsentschädigung“, eine Floskel ohne Bedeutung. Ein Mitarbeiter der USK aber nennt diesen Honorarsatz auf Twitter, als ihn die ersten irritierten Reaktionen auf die Stellenausschreibung erreichen. Es wirkt selbstbewusst, wie er das Honorar verkündet: einhundert Euro. Für einen Arbeitsaufwand im zweistelligen Stundenbereich. Auf meine offizielle Presseanfrage, ob mir die USK diesen Honorarsatz bestätigen kann, habe ich noch keine Antwort erhalten.

Es bedarf hoffentlich keiner langen Ausführungen, dass dieser Honorarsatz für die verlangte Arbeit eine Frechheit ist. Eine Frechheit, die sich in den Köpfen der Verantwortlichen wohl nur mit einer Argumentationskette rechtfertigen lässt: „Spielen macht doch eh Spaß und ist keine echte Arbeit.“ Und keine echte Arbeit muss auch nicht angemessen bezahlt werden, so offenbar die Logik.

Für mich als Journalist, der beruflich über Spiele schreibt und spricht, ist diese Annahme ein häufig gehörter Satz. Warum will ich Geld für etwas, das andere Menschen in ihrer Freizeit machen?

Ich kann diese Irritation verstehen, die mir zuletzt während einer Hochzeitsfeier entgegenschlug: Dort standen ein Pilot, eine Lehrerin und ein Schreiner um mich herum – alles „ordentliche Berufe“. Keiner der drei verstand, wie ich mit „Spielen“ wirklich meine Miete zahlen kann.

Wo das Verständnis aufhört

Sie kennen das Medium als Teil ihrer Freizeit oder Kindheit, zum Abschalten, zum Ablenken. Sie nehmen Videospiele nicht als Kulturgut wahr, das ebenso wie Bücher und Filme analysiert und kritisiert werden kann, sie lesen keine investigativen Reportagen über die schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche, sie setzen sich nicht mit Diskussionen über Mikrotransaktionen und Suchtspiralen auseinander, die so viele Menschen finanziell ruinieren. Sie bewegen sich am Rand der Spielkultur und das ist vollkommen in Ordnung. Ich erkläre ihnen gerne, warum meine Arbeit ebenfalls echte Arbeit ist und ein angemessenes Honorar verdient. Dafür habe ich Verständnis.

File:USK 6.svg

Die USK aber ist Teil der Spielkultur, sitzt in ihrem Zentrum, weiß um die Wichtigkeit ihrer Arbeit. Trotzdem bietet sie nur 100 Euro Aufwandsentschädigung an, lockt sogar damit, das Sichter Innen dann auch früher als alle anderen ersehnte Spiele testen dürfen – als wäre das schon Lohn genug.

Das verdient Kritik, nicht Verständnis – zumal diese Aufwandsentschädigung nicht nur vollkommen unangemessen für die Arbeit selbst ist. Sie macht diese Arbeit auch unerreichbar für Menschen, die darauf angewiesen sind, Geld zu verdienen. Ein Job, der den Einstieg in die Spielebranche ermöglicht und die Gelegenheit zur Vernetzung bietet, bleibt so weniger privilegierten Menschen schlichtweg verwehrt.

Symptom für ein altes Problem

Diese Kritik richtet sich aber nicht nur gegen die USK. Ihre Stellenausscheibung ist vielmehr das Symptom eines Problems, das seit Jahren die Spielebranche beherrscht, sowohl auf Seiten der EntwicklerInnen als auch der JournalistInnen. Wichtige Aufgaben, die viele Stunden Arbeitszeit bedeuten, werden immer wieder nicht oder nur schlecht entlohnt, denn „Spaß“ sei ja bereits Bezahlung genug.

So vergütet eine der größten deutschsprachigen Spieleredaktionen seit Jahren freie MitarbeiterInnen für die Erstellung von Komplettlösungen mit Honorarsätzen um die 50 Euro, gelöstes Spiel als Dank obendrauf. Manchmal. Ein offenes Geheimnis in der Branche und eine unverschämte Entlohnung für eine Arbeit, die dutzende Stunden kostet – und für die Redaktion ironischerweise einen wichtigen Baustein im Online-Angebot darstellt.

Unterdessen war das Einstiegsgehalt eines Vollzeitredakteurs mit Berufserfahrung bei einem anderen großen Verlag in Deutschland vor einigen Jahren gerade einmal so Mindestlohn, unbezahlte Überstunden ohne Freizeitausgleich wurden trotzdem erwartet. Und QualitätsprüferInnen kleiner Entwicklerteams arbeiten gratis, weil sie das Spiel weit vor allen anderen „genießen“ dürfen.

Beispiele dieser Art gibt es viele. Das ist, ich wiederhole mich, eine Katastrophe – und eine große Ironie: Seit Jahren ringt die Branche darum, als wichtige Industrie ernst genommen zu werden, Spiele als Kulturgut hochzuhalten und auf Augenhöhe mit der Politik zu verhandeln. Wie aber soll dieser Anspruch zur Realität werden, wenn genau diese Branche in Teilen nicht einmal sich selbst ernst nimmt – und ihre Mitglieder behandelt, als würde „Spaß bei der Arbeit“ genügen, um die Miete am Ende des Monats zu bezahlen.

Lizenz: Die von uns verfassten Inhalte stehen, soweit nicht anders vermerkt, unter der Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

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Oben     —    Rechte Tasche – linke Tasche – übrig blieb die leere Flasche /  Screenshot  YOUTUBE

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Unten        —    Klassifikationsetikett der USK. Dies ist Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG (Eingeschränkt für Personen unter 6 Jahren)

Urheber Originally uploaded by StG1990, created by Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle / Datum :  01.12.2008
Quelle Wiki-de  http://www.usk.de/media/pdf/221.pdf

Diese Abbildung einfacher Geometrie ist gemeinfrei („public domain“), weil sie ausschließlich Allgemeingut enthält und die nötige Schöpfungshöhe nicht erreicht.

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Proteste gegen Regierung

Erstellt von DL-Redaktion am 26. September 2022

Sri Lanka – Rückblick auf einen Aufstand

Datei:Anti-Regierungsprotest in Sri Lanka 2022.jpg

Quelle     :     Untergrundblättle – CH

Von    :  Sandesh Prasad

Am 9. Juli stürmten und besetzten Hunderttausende Menschen in Sri Lanka eine Reihe von wichtigen Regierungsgebäuden und zwangen Präsident Gotabaya, aus dem Land zu fliehen und zurückzutreten.

Dies war der Höhepunkt eines monatelangen Aufstands, der durch die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit des Landes ausgelöst wurde. Im Zentrum der Proteste stand ein weitverzweigte Besetzungscamp im Herzen von Colombo, der Hauptstadt des Landes. Sandesh Prasad, ein junger amerikanischer Revolutionär, liefert hier einen detaillierten Bericht über den Sommer des Aufstands, den er in Sri Lanka erlebt hat.Sri Lanka ist ein Land mit zweiundzwanzig Millionen Einwohnern, was in etwa der Bevölkerungszahl des Grossraums New York entspricht. Fünf Millionen von ihnen leben in und um Colombo, der Hauptstadt des Inselstaates. Colombo ist eine ausufernde Hafenstadt, in der es von schwarzen Vögeln wimmelt und die sich entlang eines langen Strandes erstreckt. Es ist eine Stadt mit vielen Kontrasten, die sich vor allem in der Architektur bemerkbar machen. Alte holländische und britische Kolonialgebäude stehen neben unbeholfenen Glas- und Stahltürmen aus dem jüngsten Bauboom, von denen viele noch unvollendet sind. Die Bauorgie Ende der 2000er Jahre folgte auf die Gewaltorgie, die das Ende des fast drei Jahrzehnte andauernden Bürgerkriegs markierte.Seit diesem Sommer ist Colombo eine Stadt in der Schwebe. Es ist eine Stadt, in der die Menschen in ihren Autos schlafen, um das Geld für den Treibstoff zu sparen, mit dem sie normalerweise nach einem langen Arbeitstag nach Hause fahren. Es ist eine Stadt, in der die Menschen tagelang darauf warten, tanken zu können. Es ist eine Stadt, in der die Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften bis auf die Strasse reichen, in der man an Strassenecken auf Busse oder Tuk-Tuks wartet, die vielleicht nie kommen werden, in der man in überfüllten Bahnhöfen wartet, um sich an die Türen bereits überfüllter Züge zu klammern, in der man auf Nachrichten von den Öltankern wartet, die nicht mehr kommen.

Revolutionäre und Aktivisten werden inhaftiert oder verstecken sich in der Hoffnung, nicht ebenfalls verhaftet zu werden. Die Teilnehmer an der Besetzung, die das Land erschüttert hat, warten auf die Räumung durch die Polizei. Die Optimisten erwarten das Wiederauftreten einer Massenbewegung. Die Mittelschicht hofft, so schnell wie möglich ihre Pässe zu erhalten, um das Land verlassen zu können. Die ganze Nation wartet auf Neuigkeiten über die laufenden Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), mit China, mit Indien und mit allen, die ein wenig Hilfe anbieten könnten. Vor allem aber warten sie gespannt darauf, ob der neue Präsident Ranil Wickremesinghe in der Lage sein wird, die Situation zu wenden und einen Ausweg aus der Krise zu finden, bevor auch er von einer Welle massiver Proteste mitgerissen wird, wie sein Vorgänger.

Zu Beginn dieses Sommers war die Stimmung noch ganz anders. Vor einigen Wochen war Colombo eine Stadt, die von einem gigantischen revolutionären Elan überrollt wurde. Hunderttausende Menschen aus dem ganzen Land, Schätzungen zufolge zwei Millionen, waren in die Hauptstadt geströmt. Dies war der Höhepunkt eines monatelangen Aufstands, der durch die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit des Landes ausgelöst worden war. Am Morgen des 9. Juli stürmten und besetzten Tausende den Präsidentenpalast, Temple Trees, den Amtssitz des Premierministers und andere zentrale Gebäude der Macht. Im Zuge dessen floh der Präsident durch die Hintertür und nahm ein Boot, als die Menschenmenge begann, vor seinem Haus aufzutauchen, während ihm gerade sein Mittagessen serviert wurde. Später am Abend wurde die Privatresidenz des Premierministers in Brand gesetzt.

Fast eine Woche lang schien Sri Lanka kurz vor dem Umkippen zu stehen. Der Präsident, Gotabaya Rajapaksa, floh aus dem Land, zunächst auf die Malediven, dann nach Singapur und schliesslich nach Thailand. Schliesslich schickte er per E-Mail ein Rücktrittsschreiben. Die meisten wichtigen Regierungsgebäude waren von der Bewegung besetzt. Tausende Menschen aus dem ganzen Land wollten die Strassen nicht verlassen. Die Gewerkschaften drohten mit einem Generalstreik.

Als der damalige Premierminister Ranil Wickremesinghe sich in Gotabayas Abwesenheit zum Interimspräsidenten erklärte, stürmten und besetzten Demonstranten sein Büro. Sie versuchten auch, das Parlament zu stürmen. Soldaten wurden malträtiert und im anschliessenden Chaos wurden ihre Waffen von der Menge erbeutet, während andere Demonstranten einen staatlichen Fernsehsender stürmten, um dessen Ausstrahlung zu unterbrechen. Anschliessend erklärte Ranil den Ausnahmezustand und befahl den Streitkräften, die Ordnung wiederherzustellen, während die Militärführung zunächst weiterhin eine gewisse Neutralität bewahrte. Die gesamte Initiative lag weiterhin in den Händen der Bewegung.

Es kommt vor, dass Aufstände nicht direkt vom Staat besiegt werden, sondern vielmehr durch den Schock ihres eigenen Sieges. Als die Bewegung ihren eigenen Sieg betrachtete, schien sie wie gelähmt. Die Dinge waren so schnell passiert und der Sturz des Rajapaksa-Regimes war ein so ehrgeiziges Ziel, dass niemand ernsthaft darüber nachdachte, was als Nächstes passieren könnte. Viele glaubten, dass die Bewegung mit der Besetzung der Regierungsgebäude gewissermassen die Macht übernommen hätte, dass sie zumindest die Bedingungen für den Übergang diktieren könnte. Doch sie hatten nicht damit gerechnet, dass die Regierung weiterhin im Verborgenen agierte.

Diese Unentschlossenheit reichte aus, um die Konterrevolution wieder an die Macht zu bringen. Nach der Verfassung von Sri Lanka muss der Premierminister die Amtsgeschäfte übernehmen, wenn ein Präsident zurücktritt. Das Parlament hat dann dreissig Tage Zeit, um einen neuen Präsidenten zu wählen. Am 20. Juli wurden daher überstürzt Wahlen abgehalten, während das Land den Atem anhielt und abwartete.

Der Mangel an Treibstoff und Lebensmitteln, mit dem das Land konfrontiert war, wurde immer grösser, während die wirtschaftliche Lage immer hoffnungsloser wurde. Bilder, die die chaotische Atmosphäre in den besetzten Gebäuden absichtlich übertrieben darstellten, wurden jeden Abend im Fernsehen ausgestrahlt. Im Bewusstsein der Bevölkerung symbolisierten diese Bilder die Bedrohung durch eine bedrohliche Unordnung. Die Bewegung begann zu befürchten, dass man sie beschuldigen würde, das Land ins Chaos gestürzt zu haben, und als Akt des guten Willens wurde daraufhin beschlossen, die meisten der noch besetzten Regierungsgebäude zu übergeben.

Es herrschte grosse Verwirrung. Obwohl fast alle im Parlament vertretenen Parteien beschuldigt wurden, mit dem alten Regime, dem „Rajapaksa-Kartell“, zu kollaborieren, wurde die Entscheidung über das Schicksal der Revolution dem Parlament überlassen. Die Bewegung wollte einen „Systemwechsel“, aber nicht über die Verfassung hinaus oder gegen sie vorgehen.

Ein gewisser gesunder Menschenverstand setzte sich durch. Wenn ein Oppositionskandidat vom Parlament gewählt würde, würde er eine Gnadenfrist erhalten, um zu sehen, ob er die wirtschaftlichen Probleme des Landes eindämmen könnte. Auch wenn die Bewegung ursprünglich den Rücktritt der 225 Parlamentsmitglieder gefordert hatte, war vielen ihrer Mitglieder auch klar, dass die Bevölkerung für einen solchen Sprung nicht bereit war. Wenn hingegen Ranil, ein enger Verbündeter der Rajapaksas, die Wahlen gewinnen würde, hörte man überall, dass sich das Chaos im ganzen Land ausbreiten würde.

Zwar gab es im Vorfeld der Wahl einige Unruhen, doch waren diese Proteste klein, zu auftrumpfend und erschienen einer Mehrheit der Menschen als zu radikal. Im Gegensatz dazu wurde weitgehend erwartet, dass die Massenproteste nach Abschluss der Wahl wiederkehren würden.

Als Ranil schliesslich von einer grossen Mehrheit der Parlamentarier gewählt wurde, passierte nichts. Jeder erwartete, dass es zu einem Aufstand kommen würde, aber niemand hatte wirklich die Absicht, sich zu erheben.

Die Bewegung hatte anscheinend unterschätzt, dass die Mehrheit der Einwohner bereit war, jedem eine Chance zu geben, der das Land aus dieser Sackgasse herausführen könnte, selbst wenn sie sich damit abfinden würden, die Macht dem äusserst unbeliebten Ranil zu überlassen. Nach monatelangen Kämpfen, zusätzlich zur täglichen Realität der Krise, war das Land erschöpft. Selbst in der Hauptstadt Colombo, der zentralen Besetzungszone, war die Stimmung weniger empört als resigniert und ängstlich. Ranil ist bekannt für seine Rolle bei der Niederschlagung des kommunistischen Aufstands in den späten 1980er Jahren, bei der er Haftlager beaufsichtigte, in denen Gefangene gefoltert wurden. Für Aktivisten ist seine Wahl ein Zeichen dafür, dass eine weitere Welle der Unterdrückung bevorsteht.

Jemand hat mich darauf hingewiesen, dass nach der Wahl Gotabayas im Jahr 2019 die Luft im Land schwerer zu atmen war. Das war jetzt nicht anders. Im Volksmund als „schlauer Fuchs“ bekannt, herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass Ranil einfach zu schlau, hartnäckig und entschlossen war, um auf die gleiche Weise wie Gota besiegt zu werden. Besetzungen, Blockaden, Aufstände, Erstürmung von Gebäuden und Massenproteste würden dieses Mal nicht ausreichen. Neue Taktiken und eine neue Strategie waren erforderlich.

Am Tag nach der Wahl fand eine Reihe von Treffen im Hauptlager der Demonstranten statt. Dabei ging es vor allem darum, eine gemeinsame Ausrichtung zu beschliessen, um über neue Strategien zu entscheiden. Am Nachmittag des folgenden Tages kündigten die Demonstranten ihre Absicht an, das Präsidialsekretariat, das letzte besetzte Gebäude, zu verlassen. Sie beabsichtigten jedoch, die Hauptbesetzung im Aussenbereich aufrechtzuerhalten.

Die Bewegung, so hiess es, solle ein Medium sein, durch das die Stimmung und die Empfindungen des Landes zum Ausdruck gebracht werden könnten. Wenn der Grossteil des Landes der neuen Regierung eine Atempause gönnen möchte, anstatt sich sofort in einen Kampf zu stürzen, um sie zu stürzen, will die Bewegung nach eigenen Angaben diesen Willen respektieren. Die Lage bleibt jedoch instabil und es ist wahrscheinlich, dass es bald zu einer neuen Welle von Unruhen kommen wird.

Viele wetten dennoch darauf, dass der Kampf schneller wieder aufgenommen wird, als man erwarten könnte. Eine Rettung durch den IWF würde mit ziemlicher Sicherheit eine neue Runde von Sparmassnahmen nach sich ziehen, was im Gegenzug wahrscheinlich neue Proteste auslösen würde. Die Bewegung wäre dann in einer starken Position, wenn sie die Infrastruktur aufrechterhalten könnte, die notwendig ist, um diese neuen Energien zu absorbieren. Die Aufrechterhaltung der Besetzung bleibt daher eine zentrale Frage für die Bewegung.

Es scheint, dass Ranil, der neue Premierminister, eine ähnliche Wette eingeht. Während die Gespräche mit dem IWF langsam voranzukommen scheinen, hat sich die neue Regierung unermüdlich darauf konzentriert, die Bewegung zu unterdrücken, ihre Infrastruktur abzubauen und alle sichtbaren Anführer zu verhaften. Auch Ranil scheint damit zu rechnen, dass auf die Hilfe des IWF weitere Unruhen folgen werden.

Ranil verliert keine Zeit. Auch wenn die Repressionswelle anfangs subtil war, kam sie dennoch schnell. Am 21. Juli wurde Ranil vereidigt. Spät in der Nacht, gegen 2 Uhr, stürmten Tausende Soldaten, maskiert und mit Schlagstöcken und Gewehren bewaffnet, das Präsidialsekretariat. Hunderte von Demonstranten versammelten sich in einem etwas verzweifelten Versuch, eine Besetzung zu verteidigen, die sie aber eigentlich sowieso am nächsten Tag zurückgeben wollten. Als sie sich zurückzogen, wurden die Demonstranten von den Soldaten angegriffen und mit Schlagstöcken traktiert. Im Laufe der Nacht wurden mehr als 50 Personen verletzt.

Das Hauptlager der Proteste wurde eingekesselt. Medien und Anwälte durften es nicht mehr betreten und niemand durfte es mehr verlassen, auch nicht die Verletzten. Nahezu ein Drittel der Besetzung, der als „Gate Zero“ bekannte Abschnitt, der das Präsidialsekretariat umgab, wurde abgerissen. Er umfasste das Computerzentrum, ein Geschenk von Aktivisten aus Los Angeles, das Zelt der verwundeten Veteranen, das Zelt der Gehörlosen, eine Bühne, das “ Aktionsbüro “ und die Zelte der verschiedenen linken Parteien.

Viele erwarteten, dass dies eine ähnliche Welle der Wut auslösen würde wie nach den Angriffen auf die Besatzung am 9. Mai. Doch genau wie nach den Wahlen kam es zu keiner konkreten Reaktion. Das Land hielt den Atem an und wartete weiter ab.

Bei den Demonstrationen am nächsten Tag kam es zu einigen Zusammenstössen mit den Soldaten an den Barrikaden, die jedoch nie eine kritische Masse erreichten. Die Menschenmassen, die am 9. Juli ausgezogen waren, blieben grösstenteils zu Hause. Dies war zum Teil eine Folge der sich verschärfenden Treibstoffkrise, vor allem aber ein Zeichen für das Klima der Resignation, das sich im Land breit machte.

So brach eine Welle der Repression über die Bewegung herein. Ein Teil des Lagers wurde geräumt, Demonstranten und Aktivisten wurden festgenommen und später ins Gefängnis geworfen und eine Zeitung, die die Bewegung unterstützte, wurde durchsucht.

Bis heute hat der Staat die Initiative vollständig übernommen. Fast alle öffentlichen Persönlichkeiten der Bewegung und viele, die weniger in den Vordergrund getreten sind, haben sich versteckt. Jeden Tag werden von den Behörden neue Haftbefehle und Reiseverbote ausgestellt. Fast jeder hat Bekannte, deren Häuser von der Polizei inspiziert wurden. Wenn sie die gesuchten Personen nicht finden, fahren die Polizisten bis zu deren Verwandten in der Provinz.

Die Bewegung ist in jene Phase eingetreten, die vielen anderen Bewegungen vertraut ist, in der sich die Energien eher auf den Kampf gegen die Unterdrückung als auf die Fortsetzung des Kampfes konzentrieren. Die öffentliche Meinung unterstützt die Bewegung zwar immer noch weitgehend, aber das wird nicht viele neue Menschen auf die Strasse bringen.

Der grösste Teil des Landes bleibt vorerst abwartend. Die neue Regierung hat es geschafft, genügend Stabilität zurückzubringen, um sich ein gewisses Mass an sozialem Frieden einzukaufen. Die Warteschlangen für Treibstoff werden immer kürzer. Ein QR-Code-System hat die Verteilung rationalisiert. Der Verkehr auf den Strassen beginnt wieder zu fliessen. Die Stromausfälle sind zurückgegangen. In der nahe gelegenen Stadt Kandy versammelten sich Tausende von Menschen, um das jährliche einwöchige buddhistische Festival zu feiern. All dies erweckt den Eindruck einer gewissen Rückkehr zur Normalität.

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der soziale Frieden lange anhalten wird. Dies wird jedoch nur die Zeit zeigen. Am 18. August geriet ein Studentenmarsch mit der Bereitschaftspolizei aneinander, bis er mit Wasserwerfern zurückgedrängt wurde. Die Luft in Colombo begann erneut, sich mit dem Geruch von Tränengas zu füllen.

Das Schwelfeuer in Sri Lanka hat sich verlagert und ist anderswo bereits wieder aufgeflammt. In Sierra Leone führten Unruhen im Zusammenhang mit steigenden Lebenshaltungskosten zum Tod von Dutzenden Demonstranten und fast einem Dutzend Polizisten. Auch in Panama, Ecuador und Bosnien kam es zu Aufständen. Der IWF ist offen besorgt, dass sich ähnliche Unruhen wie in Sri Lanka auch in Pakistan, Bangladesch und Nepal ausbreiten könnten.

Weltweit sind viele Länder mit ähnlichen Wirtschaftskrisen konfrontiert, die durch die Pandemie, die Inflation und den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden. Diese Bedingungen werden auch weiterhin Unruhen produzieren. In den kommenden Jahren werden sich Unruhen wie ein Lauffeuer von einem Land zum anderen ausbreiten. Das ist so gut wie sicher. Ob diese Unruhen in einen Aufstand oder eine Revolution münden werden, ist schwer zu sagen. Die Erfahrungen in Sri Lanka scheinen dies jedoch nahe zu legen.

Der folgende Bericht erschien am 1.9.22 in einer Übersetzung von Carmen Rafanell auf Tous Dehors und wurde von uns für diese Ausgabe der Sunzi Bingfa ins Deutsche übersetzt. Zuerst erschienen auf Sūnzǐ Bīngfǎ

Soweit nicht anders angegeben und keine Quellenangabe (Name einer Organisation oder Internet-Adresse) vorhanden ist, gilt für die Texte auf dieser Webseite eine Copyleft (Public Domain) Lizenz.

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Oben      —      Regierungsfeindlicher Protest in Sri Lanka am 13. April 2022 vor dem Präsidialsekretariat

Verfasser AntanO       /       Quelle      :       Eigene Arbeit     /     Datum  :    13. April 2022, 15:43:49 Uhr

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Unten       —           Gotagogama, was auf Singhalesisch „Gota Go Village“ bedeutet

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DIE * WOCHE

Erstellt von DL-Redaktion am 26. September 2022

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Die-Woche.png?uselang=de

Kolumne von Friedrich Küppersbusch

Iran, Gaspreise und russische Mobilmachung: Biden kann jeden Erfolg gebrauchen. Die Gaspreise sind so beständig wie das Wetter. Nancy Faser geht durch ein Initationsritual im Innenministerium. Knight Rider feiert 40. Geburtstag.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Mobilmachung in Russland.

Und was wird besser in dieser?

Debilmachung hakt auch.

Im Iran halten die gewaltsamen Proteste nach dem Tod von Mahsa Zhina Amini an. Gibt es Chancen auf Reformen?

Mit dem Kopftuch durch die Wand: Nein. Die USA haben das Atomabkommen zertrumpelt, Europa und Biden versuchten gerade, es wieder hinzustellen. Vielleicht ringen sich die Mullahs einen Tadel für die mörderische Sittenpolizei ab – langfristig verkeilen sich Menschenrechtspolitik und Diplomatie gegeneinander.

Der Europäische Gerichtshof hat über die Vorratsdatenspeicherung entschieden. Die deutschen Regelungen sind unzulässig. Faeser kann aber nicht loslassen. Halten Sie manchmal auch an schlechten Angewohnheiten fest?

KandidatInnen für den Innenjob müssen ein blutrünstiges und steinzeitliches Initiationsritual durchlaufen: Die Asche der Verstorbenen schnupfen, Köpper von der Klippe und fehlerfrei „Einsatz der Bundeswehr im Inneren“ fordern. Die Vorratsdatenspeicherung ersetzt dabei einen älteren Ritus, so oft mit dem Schädel vor die Wand zu hämmern, bis die Wand sich entschuldigt. Schweden und Frankreich hatten sich beim EuGH die rote Karte abgeholt, bevor Deutschland 2015 versuchte, den Ball mit der Hand ins Tor zu werfen. Das Gericht empfiehlt, per „Quick Freeze“ nur die Daten konkret Verdächtiger kurz zu speichern, vor Freigabe schaut ein Richter drauf. Und die „Login-Falle“: Plattformbetreiber müssen die Klarnamen übler User an die Polizei geben. Das ist Status Koalitionsvertrag Ampel. Innenministerin Faeser hingegen fuchtelt mit einem Seehofer-Relikt herum: Bei Kindesmissbrauch müsse man doch und so. Dabei benennt sie keinen Fall, bei dem das der Polizei geholfen hätte. Volkskundler sprechen hier von Verhorstung.

Die Gasumlage wird wieder fraglich. Wirtschaftsminister Habeck ist trotzdem optimistisch mit Blick auf den Winter. Sie auch?

Ja, ich guck auch gern „Astro TV“. Da könnte Habeck mit den Engeln channeln, was ungefähr so zuverlässig werden dürfte wie alle Prognosen jetzt: Die „gut gefüllten Gasspeicher“ reichen „zwei bis drei durchschnittliche Wintermonate“. Der unvergessene HaJo Friedrichs moderierte das „Wetter“ in den „Tagesthemen“ mal so an: „Morgen gibt es auch wieder ein Wetter. Vielleicht sogar dieses.“ Mehr weiß derzeit niemand. Die Verstaatlichung von Uniper greift circa im Januar. Raucht die Firma vorher ab, müssten, Modell Habeck, weitere Steuern fließen – oder, Modell Lindner, die Kunden das per Umlage bezahlen. Man darf also optimistisch sein, dass man es irgendwie sowieso bezahlt.

Am Freitag fanden Scheinreferenden über einen Russlandbeitritt in besetzten ukrainischen Gebieten statt. Olaf Scholz warf Putin blanken Imperialismus vor. Haben Sie ihm auch was vorzuwerfen?

Das „Minsk 2“-Abkommen sah auch Wahlen und Referenden über den Status der Ostukraine vor. Dafür sollte die Ukraine ihre Verfassung ändern und Russland die Zugehörigkeit der Gebiete zur Ukraine akzeptieren. Beide unterschrieben und scherten sich fortan einen Dreck drum. So gesehen logisch, dass nun die Garanten von „Minsk“, Frankreich und Deutschland, wortgleich Russlands „blanken Imperialismus“ geißeln. Wer bisher träumte, den Ausgang aus der Katastrophe am Eingang zu finden – etwa: „Minsk“ –, kann raus zum Duschen. Irgendwann ein echtes Referendum zu akzeptieren verlangte Putins Geständnis: Dies hier ist keins. Mit Sahra Wagenknecht: Höchste Zeit für einen „beispiellosen Wirtschaftskrieg“. Man müsste sich ja schämen, wenn nicht.

Biden hat die Coronapandemie für beendet erklärt. Ist sie damit dann auch vorbei?

Quelle        :       TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Oben     —        Bearbeitung durch User:Denis_Apel – Lizenz “Creative Commons“ „Namensnennung – Weitergabeter gleichen Bedingungen“

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DL – Tagesticker 26.09.2022

Erstellt von DL-Redaktion am 26. September 2022

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Auswahl des „Bengels“:  – . –  1.) Rechtsbündnis um Meloni feiert Wahlsieg in Italien  – . –  2.) „Die Menschen haben keine Angst mehr“ im Iran  – . –  3.) Nichts als Lindners Machtpoker  – . –   4.) Corona – Das Wissen über die Pandemie ist flüchtig  – . –  5.) USA Reaktion auf „nordkoreanische Provokationen“   – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine  gute Unterhaltung.

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Sind die Einen zu dämlich, wachsen die Anderen über sich selbst hinaus! Vielleicht sehnen sich dank unseren politischen Suppenköchen schon wieder viele Bürger-innen auf erfrischende Spaziergänge, ohne von den politischen Pack unter Mithilfe ihrer gekauften Schlägertruppen, von den Straßen vertrieben zu werden? Ist es keine Gerechtigkeit wenn ein Jeder das bekommt, was er sich zuvor erarbeitet hat? 

Bei der Wahl in Italien triumphiert das rechte Lager: Die rechtsradikale Partei Fratelli d‘Italia hat ersten Hochrechnungen zufolge gewonnen. Jetzt könnte Giorgia Meloni die erste Regierungschefin des Landes werden.

1.) Rechtsbündnis um Meloni feiert Wahlsieg in Italien

Das Bündnis um die rechtsradikale Partei Fratelli d‘Italia kann nach der Wahl in Italien mit einer Regierungsmehrheit im Parlament rechnen. Triumphieren kann vor allem eine: Giorgia Meloni, deren Fratelli Prognosen und ersten Hochrechnungen zufolge stärkste Kraft wurden und sich im Vergleich zu 2018 erheblich verbesserten. Die Koalitionspartner der rechtspopulistischen Lega und der konservativen Forza Italia rutschten in der Wählergunst dagegen ab. Die bisher mitregierenden Sozialdemokraten erkannten den Sieg des Rechtslagers an und kündigten an, in die Opposition gehen zu wollen. Als Chefin der stärksten Partei könnte Meloni die künftige Regierung als erste Ministerpräsidentin Italiens anführen. Rechte Verbündete auf europäischer Ebene gratulierten ihr. Mehr als 50 Millionen Italienerinnen und Italiener waren am Sonntag zur Stimmabgabe aufgerufen. Doch nach drei Regierungen innerhalb einer Legislaturperiode sind die Menschen in dem Mittelmeerland der Politik offensichtlich überdrüssig. In der Nachkriegszeit war die Wahlbeteiligung noch nie so niedrig. Weniger als zwei Drittel machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

Welt-online

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Zeigt dieser Vorfall nicht in aller Deutlichkeit auf, wie stark diese, eindeutig orientierte Welt aus den Fugen geraten ist. Aber – wo pfuschen die Religionen der versagenden Politik nicht in ihr nicht beherrschtes Handwerk hinein ? Mir sind noch Nachkriegszeiten bekannt als von den Kanzeln der Kirchen eine Wahlempfehlung ausgegeben wurde!

Experte erklärt: Kann der Protest im Iran die Regierung stürzen? Der Mut der iranischen Frauen ist der Antrieb der Protestwelle in dem Land, sagt Iran-Experte Hamidreza Azizi. Im RND-Interview spricht er über die Politisierung des Hidschabs, die historischen Wurzeln der Proteste und wie die neue Furchtlosigkeit der Menschen den Iran verändert.

2.) „Die Menschen haben keine Angst mehr“ im Iran

Es sind historische Proteste, die seit mehr als einer Woche den Iran und seine rigide Geschlechter­ordnung erschüttern. Videos zeigen junge Frauen, die vor den Augen der Sittenpolizei ihre Hidschabs verbrennen, während die umstehende Menge jubelt. Wütende Demonstrantinnen und Demonstranten skandieren Parolen wie „Frauen, Leben, Freiheit“. Auf den Straßen riskieren Tausende ihr Leben, um sich gegen das iranische Regime zu stellen. Auslöser dieser Protestwelle ist die mutmaßliche Tötung der Kurdin Zhina Amini, die international unter ihrem persischen Namen Mahsa bekannt ist. Die 22-Jährige starb in einem Teheraner Krankenhaus, nachdem sie zuvor wegen ihres angeblich zu locker sitzenden Kopftuchs inhaftiert worden war. Es wird vermutet, dass sie zu Tode geprügelt wurde. Der Iran-Experte Hamidreza Azizi von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) glaubt, dass die Proteste auf lange Sicht zu einem Wandel in Iran führen. „Die Menschen haben keine Angst mehr“, sagt er im Interview mit dem Redaktions­-Netzwerk Deutschland (RND). Der Antrieb der Bewegung sei der Mut der Frauen. Doch die historischen Wurzeln ihres Widerstands gehen bis zur Revolution von 1979 zurück. In den vergangenen Jahren, 2009, 2018 und auch 2019, sind die Menschen im Iran immer wieder auf die Straße gegangen. Welche Unterschiede gibt es zur aktuellen Protestwelle?

Ostsee-Zeitung-online

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Wenn ein Hausmeister den Auftraf bekommt ein Hochhaus zu bauen, kann Dieser doch nur als Versager vom Acker laufen ! Ist bei Rot – Grün nicht bekannt dass dazu ein fähiger Architekt und gute Handwerker vonnöten sind? Scholz – dort wo keine Forderungen bei politischen Poster vergaben vorgegeben werden, kann auch keine qualifizierte Leistung erwartet werden. Fällt an einer Ampel sowohl das Rote als auch das grüne Licht aus, bleibt ein flackendes Geld übrig. Also Vorsicht ist geboten vor befahren der Kreuzung. 

Streit um Gasumlage: Lindner scheint vergessen zu haben, dass er die Gasumlage mitbeschlossen hat. Habeck würde sie gern elegant loswerden. Schafft die Gasumlage doch ab.

3.) Nichts als Lindners Machtpoker

Was für ein Affentheater. Da gibt es diese Gasumlage, die – das muss man sich vor Augen halten – vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Also nicht alleine vom grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck, sondern einvernehmlich von der Regierung. Folglich auch von Finanzminister Christian Lindner (FDP). Das war Anfang August, ist also noch nicht gar so lange her. Aber wohl schon zu lange, als dass alle Verantwortlichen noch dazu stehen könnten. Längst steht die Umlage im Zentrum von Machtspielchen, und Lindner möchte partout als Sieger vom Platz gehen; als derjenige nämlich, der die Gaskunden vor etwas bewahrt, das er zuvor selbst mitbeschlossen hat. Von verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Umlage will er selbstredend nichts wissen. Wäre ja blöd, er könnte die Umlage nicht politisch stoppen, um sich dann als der große Helfer der Gaskunden zu feiern. Umgekehrt käme es Habeck entgegen, würden juristische Bedenken das Konzept kippen. Als Chef des federführenden Ressorts wäre er damit fein aus. Er müsste nicht zugeben, mit einer verkorksten Idee gescheitert zu sein, sondern würde gesichtswahrend auf die veränderte Rechtslage verweisen, die sich ergibt, seit Uniper zum Staatskonzern umgebaut wird.

TAZ-online

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Ja – Putt – Putt, wo ist er denn hingelaufen um vor seinen neuen Hohenpriester – einer männlichen Gottesanbeterin Schutz zu finden?  Wobei diese bräsigen Politiker-innen am Ende doch immer an  ihre Rechte festhalten, da die Verschwörungstheoretiker sich viel zu leicht in den Vordergrund drängen lassen !

Pandemie: R-Wert, Inzidenz – und wo steckt Drosten?  In der Pandemie wurden wir alle zu Hobby-Epidemiologen. Wir sollten uns wieder an das Gelernte erinnern. Doch Krisenwissen ist flüchtig

4.) Corona – Das Wissen über die Pandemie ist flüchtig

Erinnert sich noch jemand, wie sich das Leben anfühlte, als das RKI sakral war, Karl Lauterbach der Covid-Hohepriester und die morgendlichen Zahlen wichtiger waren als Gott? Als keine Begegnung ohne Gespräch über Corona auskam? Als man der Wissenschaft glauben sollte – und zwar alles. Als man fast täglich neue Fachausdrücke lernen musste, ja, sich im Grunde in eine ganze Wissenschaft einarbeiten musste. Es war ein flüchtiges Wissen. Jetzt weiß man ja kaum noch, wer Robert Koch war. Für mich als Berlinerin: Irgendetwas hatte er mit den Tropen zu tun. Gemerkt habe ich mir auch: Er entdeckte das Tuberkel-Bakterium und musste per Selbstversuch feststellen, dass sein Impfstoff nicht wirkte. Die wissenschaftliche Selbsterprobung haben in seinem Namen dann Milliarden Menschen nachvollzogen. Okay, okay, die Impfstoffe gegen Covid wirken – ein bisschen. Genug für milliardenschwere Staatsausgaben – mit Wumms! – und einen nationalen Crashkurs in Epidemiologie, Virologie, Zellbiologie und Klappehalten. Erinnern Sie sich? Die gesamte Bundesrepublik saß wie Corona-Fahrschüler vor den Rechnern im Homeoffice und paukte: exponentielles Wachstum, Inzidenz, R-Wert (was war das noch mal?), mit-an-gemeinsam-gegen Corona, Prozentzahlen von Geimpften, Mindestabstände zu Ungeimpften, Long Covid, Post-Covid, Mittel-Covid, No Covid. Die jeweils geltenden Regeln, fein sortiert nach Bundesland und Zuständigkeit, für das Betreten öffentlicher Gebäude oder Fortbewegungsmittel. Jedes Gespräch während Corona war eine Prüfung.

Freitag-online

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Überall auf dieser Erde wo  ein Kriegsgeruch wahrzunehmen ist, macht sich die Mördertruppe aus der USA auf ihren rechten Weg, als Schiedsrichternder-Machthaber die Pfeife zu trillern! Warum eigentlich war ihr Weg in die Ukraine zu unwichtig ? In den USA wurde eigentlich immer von einer „German Angst“ geredet! Wie viele Menschen leben eigentlich noch in der Welt ihrer Tatsachen? Wo doch schon im Sport  eine Ausbildung für Schiedsrichter-innen verlangt wird? Nur in der Politik vermag eine Jede-r als Präsident-in oder Kanzler-in, jeglichen Unfug ungestraft verbreiten zu können?

Südkorea und USA beginnen viertägiges Marinemanöver.  Einen Tag nach einem nordkoreanischen Raketentest starten die Seestreitkräfte der USA und Südkoreas eine gemeinsame Übung. Ziel: Die Entschlossenheit der Bündnispartner darstellen.

5.) USA Reaktion auf „nordkoreanische Provokationen“

Einen Tag nach einem nordkoreanischen Raketentest haben Südkorea und die USA am Montag vor der koreanischen Küste ihre erste gemeinsame Marineübung seit fünf Jahren begonnen. Ziel des Manövers sei es, „den starken Willen des US-südkoreanischen Bündnisses, auf nordkoreanische Provokationen zu reagieren“, unter Beweis zu stellen, erklärte die südkoreanische Marine. An der viertägigen Übung werden mehr als 20 Schiffe sowie diverse Flugzeuge teilnehmen und Einsätze gegen Schiffe und U-Boote, taktische Manöver und weitere Vorgänge üben. Washington ist Seouls wichtigster militärischer Verbündeter. Rund 28.500 US-Soldaten sind in Südkorea stationiert. Der im Mai vereidigte südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol möchte angesichts der anhaltenden Spannungen mit Pjöngjang die Zahl der gemeinsamen Manöver mit den USA erhöhen. Die nun begonnene Übung solle „Nordkorea von Drohungen mit Atomwaffen und Raketen abschrecken“, hieß es aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium. Im August hatten die USA und Südkorea bereits ihre größten gemeinsamen Militärübungen seit 2018 gestartet. Zuvor waren die Manöver wegen der diplomatischen Annäherung zwischen Washington und Pjöngjang und der Covid-19-Pandemie zurückgefahren worden.

Tagesspiegel-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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