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Archiv für September 11th, 2022

Reparieren statt Wegwerfen

Erstellt von DL-Redaktion am 11. September 2022

Nur noch 24 Prozent aller defekten Elektrogeräte werden repariert

Repair-Café

Von Jonathan Schött

Unsere Gesellschaft produziert auf Kosten von Menschen, Umwelt und Klima riesige Abfallberge – so kann es nicht bleiben. Warum wir jetzt ein Recht auf Reparatur brauchen

Wenn Sie heute ein neues Produkt kaufen, dann ist Ihnen wahrscheinlich schon beim Kauf bewusst, dass dieses Produkt nicht besonders lange hält. Im besten Falle wird es einige Jahre seinen Dienst tun, bis es schließlich den Geist aufgibt und Sie es ersetzen. Eine Normalität, die sich in Deutschland jedes Jahr millionenfach – nein, milliardenfach – wiederholt: Elektrogeräte, Smartphones, Kleidung, Kühlschränke, praktisch alle Produkte unseres Lebens. Die lächerlich kurze – und immer weiter abnehmende – Lebensdauer unserer alltäglichen Begleiter zeigt sich in den riesigen Abfallbergen, die unsere Gesellschaft produziert. 2021 fielen allein unvorstellbare 376.748 Tonnen Elektroschrott an.

Die ökologischen Folgen unseres Neugerätekonsums sind allgemein bekannt und vielen mittlerweile auch bewusst: Treibhausgasausstoß bei der Herstellung, Abhängigkeit von autokratischen Staaten, Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung entstehen durch die unaufhörliche Extraktion der begrenzten Ressourcen unserer Erde.

Viele Menschen arbeiten daher daran, dass unsere Wirtschaft weniger ressourcenintensiv und zirkulärer wird. Viel zu oft konzentriert man sich aber ausschließlich auf das Recycling. Doch dieser Ansatz allein greift zu kurz, denn auch ein überwiegend aus recyceltem Material erstelltes Produkt wird unter erheblichem Aufwand an Energie und neu extrahierten Ressourcen hergestellt. Um tatsächlich Ressourcen und Energie zu sparen, müssen wir unsere Gegenstände länger nutzen. Das bedeutet: Wenn etwas kaputtgeht, müssen wir es reparieren.

Das Problem ist: Heutzutage werden Reparaturen nur noch selten und vor allem bei besonders teuren Geräten durchgeführt. Nur 24 Prozent aller Elektrogeräte werden bei einem Defekt repariert, der Rest wird zu Elektroschrott. Bei kleinen Geräten wie Toastern und Haartrocknern liegt die Reparaturquote sogar deutlich unter 10 Prozent.

Dabei war das Reparieren bis vor wenigen Jahrzehnten eine gesellschaftlich fest verwurzelte, sogar überlebensnotwendige Praxis. Ob es Kleidung, Möbel oder später Elektrogeräte waren: Dinge zu reparieren oder reparieren zu lassen, war technisch möglich und finanziell meist erschwinglicher als ein Neuerwerb.

Der massive Rückgang von Reparaturen lässt sich mit den heutigen Bedingungen von Produktion und Konsum erklären. Zum einen wenden Hersteller Praktiken an, die eine Reparatur erschweren, und damit teurer oder sogar unmöglich machen. Das Design eines Produktes wird zum Beispiel meist nach Kosteneffizienz optimiert – die Reparierbarkeit spielt keine Rolle. Dazu kommen Techniken, die keinen anderen Zweck haben, als Reparatur zu verhindern. Außerdem bieten Hersteller in vielen Fällen weder Information noch Ersatzteile an, die für Reparaturen essenziell sind. Und wenn sie Ersatzteile anbieten, dann oft zu so hohen Preisen, dass eine Reparatur sich finanziell nicht lohnt.

Auf der anderen Seite sind die Preise vieler Neuwaren sehr niedrig. Durch Verlagerung der Produktion ins Ausland können Hersteller elektronische Geräte, Möbel, Textilien und andere Produkte unter schlechten Arbeitsbedingungen zu extrem niedrigen Kosten produzieren. Es muss aber jedem klar sein, dass Neuanschaffungen nur durch Ausbeutung und auf Umweltkosten so günstig sein können.

Darüber hinaus arbeiten Werbemaschinerien seit Jahrzehnten daran, in uns Bedürfnisse nach dem neuesten Produkt zu wecken. Die Anbieter von Reparaturdienstleistungen können leider nicht auf solche Werbeetats zurückgreifen. Und so werden Reparaturen oft noch nicht einmal mehr dort durchgeführt, wo sie finan­ziell sinnvoll sind (und das sind immer noch sehr viele Situationen).

Glücklicherweise steigt das Bewusstsein dafür, dass dieser Zustand aus ökologischer und sozialer Sicht unhaltbar ist. In immer mehr Städten gründen Menschen Reparatur-Cafés. Das Netzwerk Reparatur-Initiativen listet auf seiner Website fast 1.000 Initiativen auf. Eurostat-Umfragen zeigen, dass 77 Prozent der Menschen ihre Geräte lieber reparieren würden, als sie zu ersetzen.

Sowohl in Europa als auch in den USA wächst eine Reparaturbewegung aus Umwelt­aktivist:innen, Wissenschaftler:innen, Verbrau­cher­schützer:innen, Hand­wer­ke­r:in­nen und Ehrenamtlichen. Diese fordern ein universelles und herstellerunabhängiges „Recht auf Reparatur“, um die aktuelle Situation zu durchbrechen. Ein Recht auf Reparatur würde bedeuten, dass Menschen jederzeit in der Lage wären, ihre Dinge günstig entweder selbst zu reparieren oder bei einem Anbieter ihrer Wahl reparieren zu lassen.

Konkret bedeutet das, dass vielfältige Maßnahmen, von Produktpolitik über Verbraucherrecht hin zu Steuerpolitik ergriffen werden müssen. Ein Bruch mit den bestehenden Verhältnissen ist Bedingung dafür, dass die Methode Reparatur ihr volles Potenzial entfalten kann. Einen Überblick über die vielfältigen Weichenstellungen, die die Politik umsetzen muss, hat der Runde Tisch Reparatur gemeinsam mit 24 weiteren Organisationen bereits im Februar veröffentlicht.

Nur beispielhaft seien hier einige erwähnt: umfangreiche Pflichten für Hersteller zum Produktdesign sowie zur langfristigen Bereitstellung von günstigen Ersatzteilen, Informationen und Softwareupdates. Ein Verbot reparaturbehindernder Praktiken und die Einführung eines aussagekräftigen Labels, welches die Reparierbarkeit eines Produkts bewertet.

Außerdem ist die Zahl der unabhängigen Reparaturbetriebe derzeit stark rückläufig. Das bedeutet einen kritischen Verlust von Infrastruktur und Wissen, welches wir für ein Recht auf Reparatur aber brauchen. Dem müssen wir uns durch staatliche Unterstützung, wie den in Österreich und Thüringen bereits erfolgreichen Reparaturbonus, entgegenstellen.

Für ein Recht auf Reparatur muss der Staat Rahmenbedingungen schaffen, die es einfacher und günstiger machen, Dinge zu reparieren. Aber auch wir Bür­ge­r:in­nen müssen wieder mehr Reparaturerfahrung sammeln. Dafür braucht es offene Räume, in denen wir gemeinsam mit Reparatur in Kontakt kommen können. Der Boom der Reparatur-Cafés ist daher ein wichtiger Trend, den auch die Kommunen aktiv fördern sollten. Reparatur-Cafés bieten darüber hinaus neue soziale Räume, in denen wir gemeinsam kreativ werden, lernen und praktisch handeln können. Gerade solche Orte ohne Konsumorientierung fehlen in unserer Gesellschaft – sie könnten einen zentralen Beitrag zur Wiederbelebung unserer Innenstädte und Dorfzentren leisten.

Quelle        :         TAZ-online          >>>>>       weiterlesen

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“ Rettet die Erde „

Erstellt von DL-Redaktion am 11. September 2022

Verwundbarkeit des Zusammenlebens:
Auf dem Weg zu einer radikalen Politik der “Earth Care”

NSG Hormersdorfer Hochmoor

de:Wikipedia:Wiki Loves Earth 2022/Deutschland.

Quelle        :     Berliner Gazette

Von       :       Manuela Zechner

Während ökologische und ökonomische Systeme kollabieren, tobt ein Kampf um die weiße Vorherrschaft, der nicht zuletzt ein Klassenkampf um den Zugriff auf den schrumpfenden Lebensraum auf dem Planeten ist. Es ist höchste Zeit, dieser Entwicklung eine radikale Politik der Earth Care entgegenzusetzen, argumentiert Manuela Zechner in ihrem Beitrag zur BG-Textreihe “After Extractivism”.

Für diejenigen von uns, die sich mit radikalen, nachhaltigen und gerechten Wegen aus unseren vielfältigen, miteinander verflochtenen Krisen befassen, ist es sehr wichtig, eine solide Politik der Fürsorge zu entwickeln – in der Praxis. Ich habe schon früher darüber geschrieben, was es bedeuten könnte, sich angesichts der Krise radikal und nachhaltig zu kümmern, und habe versucht, Werkzeuge zu finden, um Scheißdiskurse der Fürsorge zu analysieren und unzureichender Fürsorge entgegenzuwirken. Denn unsere ökologische Krise ist eine tiefe Sackgasse der Fürsorge. Was bedeutet das in der neuen Phase der Krise, die wir gerade erleben?

Ökologische (was nicht nur den Zusammenbruch des Klimas, sondern viele planetarische Grenzen einschließt) und soziale Krisen verbinden sich heute auf immer lebensbedrohlichere Weise mit energetischen, wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen. Krieg, Hunger, Katastrophen, Ausrottung und rassistisch-faschistische Gewalt kosten Leben, während Armut, Extraktivismus, Toxizität und Opferbereitschaft die Lebensgrundlagen und Gemeinschaften zerstören. Gerade als die Genesung von der Pandemie eine Normalisierung bringen sollte, spüren wir, wie ein neuer Krieg zu großen Spannungen und Engpässen führt (in Europa, aber auch in Afrika und darüber hinaus); wir hören das Gerede über Atomwaffen und sehen, wie Atomkraftwerke bombardiert werden; wir stehen an ausgetrockneten Flüssen (zuletzt in Europa); wir erleben neue Ausmaße von Waldbränden, Dürre und Überschwemmungen. Was die Menschen im Globalen Süden seit langem als Realität kennen, beginnt nun auch breite Bevölkerungsschichten im Globalen Norden zu betreffen, was unser Verhältnis zur Frage der Fürsorge erschüttert.

Ein Teil davon ist die Erkenntnis, dass wir als “sichere” Bevölkerungsgruppen betroffen sind. Auch wenn wir nicht geopfert werden, können wir doch Teil des Kollateralschadens in dem Klassenkampf sein, der unsere gemeinsame Welt ruiniert. Diese schleichende Erkenntnis ist von großer Bedeutung für die soziopolitische Subjektivität und unsere Beziehungs- und Handlungsfähigkeit. Das Gerangel um einen Platz in der ersten Klasse des Planeten verschärft sich, und den Arbeiter- und Mittelschichten in den wohlhabenden Ländern wird klar, dass auch sie schutzlos dastehen werden – mit weniger Energie, mit eingeschränkter Mobilität, in Armut. Die zunehmenden Hindernisse für das Autofahren (die eher auf die hohen Kraftstoffpreise als auf die Klimaschutzmaßnahmen zurückzuführen sind) machen vielen die “Abwärtsmobilität” auf schmerzhafte Weise bewusst. Eine ironische Art, materiellen Grenzen zu begegnen, aber haben wir wirklich geglaubt, die Menschen würden sich mit den planetarischen Grenzen auf eine unvermittelte oder abstrakte Weise auseinandersetzen und nicht als “Ressourcenkrise”?

Diese planetarischen Grenzen werden immer durch unser Management und unser Verständnis von “Ressourcen” – oder besser von Gemeingütern – vermittelt. Menschliches, soziales Zeug. All dies erfordert soziale Kämpfe: kollektive Weigerung, für Energie zu bezahlen, Kampagnen für kostenlose öffentliche Verkehrsmittel und natürlich die vielen laufenden Gemeinschaftskämpfe gegen Toxizität, Vertreibung und Extraktivismus.

Politik der Erdpflege

Gleichzeitig begreifen einige von uns, dass es in diesem kritischen Moment nicht nur um unser menschliches Leben geht, sondern dass wir mit allen Lebewesen und Ökosystemen verflochten und voneinander abhängig sind. Wir spüren, dass unser Leben und unser Lebensunterhalt gefährdet sind, dass der Tod immer in greifbarer Nähe ist und dass wir uns um die Erde kümmern müssen. Auch diese Lektion haben wir in den reichen Industrieländern zu spät gelernt, da wir unsere Verletzlichkeit während des spektakulären kolonial-kapitalistischen historischen Intermezzos, das wir als Moderne bezeichnen können, vergessen haben. Indigene und subalterne Völker wussten das schon immer. Hier in Europa geht es immer noch darum, die Prekarität als Lebensrealität zu begreifen und den Fordismus und den Wohlfahrtsstaat als Ausnahme. Diese Erkenntnis der radikalen Verflechtung und Verletzlichkeit führt uns in übermenschliche Kämpfe, die nicht zuletzt auch die Vorstellungen von Kollektivität neu definieren.

(Öko-)Feministinnen, Ökologinnen, Pazifistinnen, Wissenschaftlerinnen, indigene Völker und viele andere kämpfen seit langem für eine globale Anerkennung der gegenseitigen Abhängigkeit, für eine Politik der Interdependenz und der Fürsorge, damit Leben in seiner Ko-Abhängigkeit wertgeschätzt und Wege des Extraktivismus und der Verschwendung verlassen werden können. Aus diesem Blickwinkel heraus beobachten wir den gegenwärtigen Moment mit Aufmerksamkeit. Es gibt ein Fenster, das sich durch die gegenwärtige gesellschaftliche Anerkennung der Verwundbarkeit geöffnet hat – ein Fenster der Gelegenheit, wie wir meinen. Wir wissen, dass es nicht unbedingt für lange Zeit offen sein wird. Was muss geschehen, damit dieses Gefühl der Verwundbarkeit in kollektive statt individuelle Fürsorge und Selbstverteidigung umgesetzt wird? Und kann es zu einer Subjektivität führen, die sich als Teil von mehr als nur menschlicher Kollektivität begreift, so dass unser menschliches Leben in seiner gegenseitigen Abhängigkeit von nicht-menschlichen Anderen weitergehen kann?

Das zu öffnende Fenster bietet die Chance auf frische Luft und Licht, aber auch auf Hightech-Alarmanlagen und geschlossene Fensterläden. Es gibt zwei Möglichkeiten, grob gesagt. Das Gefühl der Bedrohung kann uns in einer Weise verwundbar machen, die für die gegenseitige Fürsorge und Verteidigung notwendig ist, aber es kann auch Angst, Misstrauen und die Art von atomisierter Vorbereitung auslösen, die ihre Fürsorge auf das eigene Ich, die Kernfamilie und das Zuhause (oft als Eigentum) beschränkt, was manchmal mit einem sehr rigide definierten Sinn für eine rettungswürdige Gemeinschaft verbunden ist.

Machen Sie einen Spaziergang mit Octavia Butler (ihr unglaublich visionäres Buch “Das Gleichnis vom Sämann” spielt im Jahr 2024, vielleicht haben wir ja noch ein paar Jahre Zeit, um die Apokalypse abzuwenden). Wir alle denken manchmal über Prepper nach, “was würden wir tun, wenn”, aber lassen Sie uns eines klarstellen: Die meisten Prepper sind Männer, in bestimmten Positionen und an bestimmten Orten. Wenn wir uns als Frauen oder queere, transsexuelle oder andere Menschen vorbereiten, sieht unsere Vorbereitung so aus: Fürsorge. Bumm! Wir machen das schon seit Jahrhunderten, es nennt sich Haushaltsführung, Gemeinschaftsbildung, mentale Belastung, Pflegenetzwerke, feministische Selbstverteidigung. Bei dieser Verteidigung geht es nie um ein solipsistisches “Ich”, sondern um kollektive Stärke und Widerstand. Das Ziel ist niemals Unabhängigkeit, Selbstgenügsamkeit oder das Überleben in einem Bunker. Das ist etwas für das Patriarchat und für die Reichen.

Vorbereitung, Aufopferung oder Pflege

Wenn unsere Verwundbarkeit also Angst und Unsicherheit auslöst, statt den Impuls zu wecken, andere zu suchen, haben wir ein Problem – siehe die alte Rechte. Andererseits können wir uns vielleicht einfach nicht aus dem Fenster lehnen, wenn unsere Erfahrung mit der Katastrophe so direkt und konkret ist, dass sie uns in eine Position drängt, in der wir nur ums Überleben kämpfen können – anstatt uns zu sorgen oder vorzubereiten. Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, besteht unser globales Versorgungsproblem nicht nur darin, dass sich einige reiche Leute nicht wirklich kümmern (auch wenn sie das vorgeben), sondern auch darin, dass die Menschen, die die Arbeit leisten, die das Leben weltweit erhält, so ausgebeutet werden, dass ihnen nicht einmal die Fähigkeit zur Sorge zugeschrieben wird. Viele Menschen in der reichen Welt, vor allem diejenigen, die als Männer sozialisiert wurden, können nicht einmal Menschen, die sich kümmern, als solche erkennen und sich mit einer Sorge auseinandersetzen, die nicht nur auf das Individuum gerichtet ist. Und so fragte kürzlich jemand auf Twitter: “Männer bereiten sich angesichts des gesellschaftlichen Zusammenbruchs vor, aber was tun Frauen?” Nun, vielleicht kümmern sie sich.

NSG Geesteniederung

Zurück zum konjunkturellen Bild: Wenn wir uns die “Mächtigen” dieser Tage anschauen (Märkte, Regierungen), spüren wir einen neuen Klassenkampf von oben. Das bedeutet: immer mehr Opferbereitschaft. Die Bedrohung durch einen Krieg führt dazu, dass sozialökologische Narrative zugunsten nationaler Narrative in den Hintergrund gedrängt werden; Industrieinteressen werden weiterhin vor Leben geschützt, reicheres Leben vor ärmerem Leben, nördliches Leben vor südlichem Leben, und zwar mit Hilfe von Bullshit-Diskursen, in denen behauptet wird, der Übergang sei unmöglich oder müsse langsam vonstatten gehen (wobei manchmal “soziale” Entschuldigungen für diesen Protokollonialismus vorgebracht werden). Die derzeitige Energiepolitik verzögert die Abkehr von fossilen Brennstoffen eher, als dass sie eine Chance für einen schnellen und gerechten Übergang bietet; massive Krisengewinne fließen in die Energiekonzerne und andere Unternehmen, während die Menschen leiden; usw.

Es gibt eine verblüffende politische Unterstützung für die fortlaufende Umverteilung von Reichtum zugunsten der sehr Reichen, die auf Zerstörung aus sind und denen Leiden gleichgültig ist, und eine schockierende politische Akzeptanz von immer mehr Opferzonen und Opferbevölkerungen für Produktion und Energie, trotz schwindender planetarischer Lebenserhaltungssysteme. Opfer sind nach wie vor das Gebot der Stunde, wobei die weiße, wohlhabende, männliche Minderheit der Hauptverursacher ist und der Rest der lebenden Welt weiterhin das Ziel ist. Und diese Logik des Opfers ist in “grünem” Zeug (grüne Parteipolitik, grüne Technologie, grüner New Deal, grüne Energie, …) oft genauso enthalten wie im Standard-Neoliberalismus. Während Degrowth und Suffizienzökonomie oft als unhaltbare Selbstaufopferung dargestellt werden, ist die Aufopferung von anderen tatsächlich im Gange – von Gemeinschaften, Ökosystemen, Versorgungsnetzen, Körpern, Leben. Opferzonen sind ein Ausdruck des Klassenkampfes, der unsere gemeinsame Welt ruiniert.

Agenten der Transformation

Was können wir angesichts von Angst, Solipsismus und Opfern tun? Die einfache Antwort ist ziemlich radikal: Wir können uns kümmern. Bei den Problemen bleiben und Leben und Welten erhalten, für unsere Interdependenz kämpfen. Es folgt eine kurze Liste von Hypothesen, die auf dem basieren, was ich von feministischen Landwirtschaftskämpfen, durch unsere Earthcare Fieldcast und Common Ecologies Kursarbeit (hier dokumentiert) gelernt habe.

Es gibt bäuerliche Kämpfe mit Organisationen wie La Via Campesina, die weltweit über 200 Millionen Mitglieder hat und sich für eine antikapitalistische, feministische, antirassistische und agrarökologische Landwirtschaft einsetzt; es gibt feministische und antirassistische Kampagnen, um die Ausbeutung im räuberischen kapitalistischen Agrarsystem zu stoppen, für Gerechtigkeit zu kämpfen und Visionen jenseits dieses Modells zu entwickeln; es gibt genossenschaftliche Bauernhöfe und Lebensmittelkooperativen, die radikal demokratische Infrastrukturen für die Lebensmittelproduktion und -verteilung entwickeln; es gibt urbane Gärten und Feldkollektive, die basisdemokratisches Wissen über den Anbau von Lebensmitteln aufbauen und die Städte verändern, usw.

Diejenigen, die uns das Essen auf den Tisch bringen, werden selten als Akteure der Veränderung, des Kampfes und der Fürsorge gesehen. Und doch sind sie es. Bleiben Sie bei ihnen als Schutzheilige gegen die Apokalypse, als Göttinnen der Erdpflege gegen das Plantagenozän, halten Sie Ausschau nach ihnen in Ihrer Nähe – und setzen Sie sich auch für andere ein, die an den Frontlinien der sozialen und übersozialen Reproduktion kämpfen.

Wir müssen um ökologische und soziale Belange kämpfen. Diese sind untrennbar miteinander verbunden: Wir müssen zum Beispiel Landwirtschaft und Natur nicht voneinander trennen. Der Mensch ist nicht von Grund auf schlecht und muss nicht von der lebenden Welt abgekapselt werden: Es sind der kapitalistische Extraktivismus und die Auslöschung ökologischer Kenntnisse und Praktiken, die unsere Aktivitäten schlecht machen. Die Agrarökologie zum Beispiel ist eine Form der Landwirtschaft, die auf die eine oder andere Weise seit Tausenden von Jahren praktiziert wird, nachhaltig ist und im Einklang mit der lebendigen Welt steht. Sie ist quelloffen und nutzt Technologien auf intelligente und soziale Weise, wobei sie die materiellen Grenzen beachtet und darauf achtet, wie etwas wächst. Bauern, die traditionelle Landwirtschaft betreiben, ernähren immer noch den größten Teil der Welt – vor allem, wenn man die Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr (und nicht die von Biokraftstoffen und Viehfutter) mitzählt.

Die Idee, dass wir die industrielle Landwirtschaft hier und den Naturschutz dort unterbringen müssen – und noch dazu beides finanzieren – ist ein Klassenkampf-Narrativ, das darauf abzielt, uns alle zu Gunsten des Unternehmensprofits zu enteignen und zu proletarisieren. Es stützt sich auf technische Lösungen, die urheberrechtlich geschützt sind und vom Kapital kontrolliert werden. Der Genuss “unberührter Natur” ist etwas für Touristen und Reiche – zum größten Teil sind die Menschen jedoch Teil der Ökosysteme, und das ist gut so. Gleichzeitig dürfen wir nicht zulassen, dass die “soziale” Argumentation in den reichen Ländern den raschen Wandel auf Kosten der armen Länder und Ökosysteme abwürgt.

Wir müssen in der menschlichen und in der übermenschlichen Welt kämpfen und uns kümmern. Dies ist eine Frage des Überlebens, da wir ohne die Pflanzen, Tiere, Bakterien und Pilze, die derzeit das Leben erhalten, nicht leben können. Es gibt keine Technologie, die menschliches Leben ohne die übermenschliche Welt ermöglichen kann, und diese Welt kann nicht in einem Labor eingeschlossen werden. Leben wird immer nur auf der Grundlage eines ökosystemischen Zusammenspiels möglich sein – und dieses Zusammenspiel ist immer autopoietisch und nicht vom Menschen gesteuert.

Die Technologie muss die gegenseitige Abhängigkeit fördern, anstatt sie zu beseitigen – sie muss Gegenseitigkeit und Fürsorge ermöglichen. Fantasien von menschlicher Superkontrolle sind ebenso toxisch wie die von männlicher Dominanz, Teil derselben ando-anthropozentrischen Logik, die wir mühsam auflösen müssen. Der Kampf mit der Welt, die mehr ist als der Mensch, ist keine zweitrangige Angelegenheit, sondern bedeutet, zu verstehen, dass wir in unserer Welt der vielen Spezies alle miteinander zu tun haben.

Wir müssen über utopische und defensive Dynamiken hinweg kämpfen und sie miteinander verbinden. Wir können keine Kämpfe führen, die nicht die Kämpfe derjenigen, die im toxisch-industriellen-kapitalistischen System leben, mit den Kämpfen und Anliegen derjenigen verbinden, die alternative Modelle zum Laufen bringen. Ohne eine starke Verbindung zwischen utopisch-experimenteller Arbeit, traditionellen Gemeinschaften und Technologien (z.B. Bauern, indigene Völker) und defensiven Kämpfen auf der Ebene des Territoriums (z.B. Landrechte, Umweltschützer) und der Arbeit (z.B. Arbeiter in der industriellen Landwirtschaft) wird Earthcare nicht möglich sein.

In unserem Klima der Zerstörung müssen wir über die individuelle Abwehrhaltung hinausgehen, und das bedeutet, Netzwerke der Solidarität, Unterstützung und Fürsorge zwischen denen, die bauen, und denen, die verteidigen, aufzubauen. Wenn wir die Verteidigung kollektiv machen und wissen, dass wir es nicht mit Naturgewalten zu tun haben, sondern mit spezifischen kapitalistischen Interessen, können wir härter und besser kämpfen. Jeder kann dazu beitragen, diese Allianzen zu schmieden – sei es in Bezug auf unsere alltägliche Versorgung mit Wohnraum, Lebensmitteln, Transportmitteln, Energie usw.

Wir müssen die Technofixe entwaffnen, denn sie sind Instrumente des Klassenkampfes. Die klimafreundliche Landwirtschaft” beispielsweise bringt neue Formen des Extraktivismus und der Unternehmenskontrolle mit sich. Technofixes sind Instrumente der Akkumulation. Klimasmarte Landwirtschaft soll laut Weltbank “die Entwicklung fördern, die Anfälligkeit verringern und den Übergang zu kohlenstoffarmen Wachstumspfaden finanzieren”. Wir müssen Entwicklung als Codewort für kapitalistische Akkumulation und Finanzialisierung als eine Form der Enteignung ablehnen und Verwundbarkeit bejahen, statt sie zu fürchten.

Verwundbarkeit ist unsere Grundvoraussetzung. Die einzige Art von Souveränität, die wir uns leisten können, ist die der kollektiven Autonomie als Teil der Interdependenz, wie bei der Ernährungssouveränität. In unseren ökologischen Kämpfen bedeutet dies auch, dass wir über jede Fixierung auf Klima und Kohlenstoff hinausgehen müssen, die die vielfältigen Grenzen, die gegenseitigen Abhängigkeiten, die systemischen extraktivistischen Opfer und die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Transformation ignoriert.

Wir brauchen Gemeingüter sowohl zum Überleben als auch zum Widerstand. Es gibt einen Namen für die Systeme und Infrastrukturen, die wir brauchen: Gemeingüter. Sie sind historisch und geografisch reichhaltig, voller Erfahrungen mit Management und Pflege und Schatzkammern für die Arten von situiertem Wissen und gemeinsamen Verhandlungen, die wir brauchen, um die kommende Zukunft zu überstehen. Wenn wir Dinge als Gemeingüter investieren, können wir aus unserer Verwundbarkeit Kraft schöpfen – kollektiv und konkret.

LSG Westlicher Teil des Landkreises Starnberg

Commons und Fürsorge tragen dazu bei, in unseren Herzen und Beziehungen die patriarchalisch-kapitalistisch-anthropozentrische Ideologie zu überwinden, die gegenseitige Abhängigkeit eher als Problem denn als Lösung begreift. Und sie helfen uns, Territorien als gelebte Räume der Reproduktion, Erinnerung und Fürsorge aufzubauen. Gemeinschaftskämpfe und indigene Kämpfe fördern das Bewusstsein für Territorien als sozialräumliche, lebendige Ökologie. Commons ermöglichen es uns, Lebenssysteme auf den Ruinen des Neoliberalismus zu kultivieren. Es gibt viele Wege – Fürsorge und ökologischer Munizipalismus, Transition Towns, Landverteidigung und Schutz von Lebensräumen, gemeinschaftliche Landwirtschaft und bäuerliche Kämpfe, Hausbesetzungen und kollektiver Infrastrukturaufbau. Der Aufbau materieller und verkörperter Beziehungen zu dem, wo wir leben und wovon wir leben, ist ein Weg, um Vertrauen und Fürsorge zu fördern.

Wir müssen Erinnerung und generationenübergreifende Macht aufbauen. Die meisten von uns wurden durch Kolonialismus und Kapitalismus ihres Gedächtnisses und ihres Wissens über ihre Vorfahren beraubt. Auch im Globalen Norden, sogar in Europa, können wir unsere Wurzeln des Widerstands, unsere bäuerlichen und gärtnerischen Vorfahren, wiederfinden. So viel Wissen über die Pflege der Erde und die wechselseitige Verwundbarkeit ist in der Zeit der letzten Generationen verloren gegangen – aber es ist nicht für immer verloren, und es ist wichtig, dass wir unsere Älteren finden und mit ihnen lernen, seien sie kulturell oder biologisch mit uns verbunden. Die älteren Generationen müssen aufstehen und Wege finden, sich in die Paradoxien ihrer Zeit hineinzuversetzen und sich im Kampf für eine gerechte Zukunft zu verbünden. Und wir müssen die koloniale Geschichte als unser gemeinsames Dilemma begreifen und uns mit den Muttermorden und der Auslöschung von Wissen auseinandersetzen, die sie mit sich gebracht hat.

Schließlich müssen wir uns in dieser Liste mit offenem Ende für neue Wege öffnen, um von anderen betroffen zu sein. Wir dürfen nicht in Panik verfallen, wenn wir von einer Katastrophe betroffen sind, wir dürfen nicht zulassen, dass die Politik der Angst unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und unsere Körper vereinnahmt. Eine postextraktivistische Zukunft ist eine, in der wir die sozio-affektiven Grenzen durchbrechen, die durch Klasse, Rasse, Spezies, Religion, Beruf, Körpertyp usw. gesetzt sind. Dies ist die einzige Möglichkeit, die globalen Ketten der Ausbeutung und Extraktion zu durchbrechen. Unsere gegenseitige Verwundbarkeit und Beeinflussbarkeit ist unsere Stärke, die Grundlage unseres gemeinsamen Lebens.

Anm.d.Red.: Dieser Text ist ein Beitrag zur “After Extractivism”-Textreihe der Berliner Gazette; die englischsprachige Version ist auf Mediapart verfügbar. Weitere Inhalte finden Sie auf der englischsprachigen “After Extractivism”-Website. Werfen Sie einen Blick darauf: https://after-extractivism.berlinergazette.de

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Wendepunkt in der Ukraine?

Erstellt von DL-Redaktion am 11. September 2022

Ein militärisches Desaster zeichnet sich für Russlands Armee
in der Nordostukraine ab. (Update 10.09.2022)

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Tomasz Konicz

Es kommt Bewegung in den Krieg im Osten – und es ist die ukrainische Armee, die offensichtlich die Imitative ergreifen konnte. Während die westliche Öffentlichkeit, sofern sie dem zur Normalität geronnenen Krieg in der Ukraine überhaupt noch folgt, vor allem die Offensive um die südukrainische Stadt Cherson wahrnahm, scheinen im Nordosten bei einem raschen Angriff große Geländegewinne von kombinierten ukrainischen Verbänden verzeichnet worden zu sein.

Ukrainische Einheiten konnten binnen weniger Tage, zwischen dem 4. und dem 9. September, die russischen Linien südöstlich von Charkow auf breiter Front durchbrechen und duzende von Kilometern an Boden gutmachen. Dies gestehen selbst prorussische Propagandaquellen offen ein.1 Inzwischen sollen ukrainische Truppen vor Kupyansk stehen,2 der wichtigsten von Russland besetzten Stadt im Oblast Charkow. Durch Kupyansk führt zudem die wichtigste Versorgungsrute der russischen Armeeverbände im westlichen Donbass rund um Izium. Das Kappen dieses Nachschubweges wäre folglich für die Operationen des Kreml in der Ostukraine verheerend. Die Angriffe ukrainischer Truppen im Süden scheinen somit vor allem zur Schwächung der russischen Front im Norden beigetragen zu haben – und eben diese Schwachstellen konnte Kiew Armeeführung – wahrscheinlich unter Auswertung westlicher Information – korrekt identifizieren und ausnutzen.

Die durch Truppenverlegungen gen Cherson ausgedünnte russische Verteidigung, die mitunter aus einberufenen Reservisten aus Lugansk und Einheiten kasernierter Polizei bestand, soll regelrecht kollabiert sein. Die ukrainische Armee hat hierbei ironischerweise dieselbe Taktik erfolgreich angewendet, an deren Umsetzung die russische Armeeführung zu Kriegsbeginn scheiterte. Keine mobile Einheiten kombinierter Streitkräfte sind nach dem Durchbruch an der Front weit ins gegnerische Gebiet vorgestoßen, ohne die Städte und Siedlungen einzunehmen, in denen sich signifikante russische Besatzungstruppen verschanzt haben. Der Unterschied besteht bislang zumindest darin, dass die demoralisierten und eingekesselten russischen Truppen keine Angriffe auf die ukrainischen Nachschubwege und Versorgungslinien führen, wie es ukrainische Soldaten beim russischen Vormarsch bei Kriegsausbruch taten.

Derzeit sollen sich Tausende russische Soldaten in diesen Kesseln westlich des Flusses Oskol befinden. Es zeichnet sich ein Desaster für Russlands Armee ab,3 wie es vor Kriegsausbruch auch von westlichen Militärexperten kaum für möglich gehalten worden ist. In den kommenden Tagen wird es sich entscheiden, ob die ukrainischen Streitkräfte diese Geländegewinne halten können, oder ob Kiew seine Kräfte überschätzte, die Nachschubwege überdehnte – und der Ukraine bei russischen Gegenoffensiven ähnliche Rückschläge drohen, wie den russischen Invasionstruppen zu Kriegsbeginn.

Die russische Armee soll in Reaktion auf dieses Desaster, bei dem binnen weniger Tage Gelände verloren ging, dass über Monate mühsam erobert werden musste, starke Verbände in der Region zusammenziehen, um die Geländegewinne der Ukraine, solange sie nicht durch Verteidigungsanlagen abgesichert wurden, schnell zu revidieren und die eingekesselten russischen Truppen zu entsetzen. Doch damit werden andere Frontabschnitte geschwächt, da Russland mit einer zahlenmäßig weit unterlegenen Armee die Ukraine angriff und die anfängliche militärtechnische und ausrüstungsmäßige Überlegenheit der russischen Streitkräfte aufgrund westlicher Waffenlieferungen und kriegsbedingtem Verschleiß zunehmend schwindet.

Weitere Angriffe ukrainischer Kräfte scheinen so wahrscheinlich. Doch dies würde letztendlich bedeuten, dass die strategische Initiative in diesem Krieg nach dem wochenlangen faktischen Stillstand an die Ukraine übergeht. Russlands Invasionsarmee würde somit in die Defensive gedrängt, während ukrainische Verbände Schwachstellen ausnutzen, um die ausgedünnten russischen Fronten zu durchbrechen und immer wieder Geländegewinne zu verzeichnen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob diese jüngste Offensive Kiews südwestlich von Charkow tatsächlich einen strategischen Wendepunkt im Krieg markierte. Entscheidend wird sein, inwieweit Kiews Truppen diese Geländegewinne auch angesichts russischer Gegenangriffe werden halten können.

Am 10. September tauchten erste Fotos ukrainischer Soldaten aus der strategisch wichtigen Stadt Kupyansk im Netz auf – hier verläuft, wie erwähnt, die wichtigste russische Versorgungslinie gen westlichen Donbass. Offenbar wurden Teile der Stadt von Russland kampflos aufgegeben. Russland braucht Monate, um ukrainische Städte zu erobern. Die Ukraine scheint diese im Handstreich zu nehmen. Die russischen Truppen südlich von Kupyansk, vor allem bei Izium, befinden sich nun in einer sehr schwierigen Lage. Es scheint tatsächlich so, als ob Russland alle eroberten Territorien westlich des Flusses Oskil verlieren würde. Izium ist von Ukrainischen Armee nahezu eingekesselt, Tausenden russischer Truppen droht Gefangennahme oder Tod.

Das überraschende Moment an der ukrainische Offensive ist aber ihr totaler Überraschungseffekt. Russische Aufklärung und Nachrichtendienste (Satelliten, Luftaufklärung, Informanten) scheinen blind gewesen zu sein. Es ist 2022, jede größere russische Truppenbewegung ist dem Westen bekannt, mitunter werden die Truppenverlegungen – wie zuletzt Richtung Cherson – im Netz diskutiert. Russland ist hierzu offenbar kaum in in der Lage, die russische Armee scheint tatsächlich „bild“ gewesen zu sein und den signifikanten Aufmarsch, die Vorbereitungen zur ukrainischen Offensive nicht wahrgenommen zu haben – dies in der Ära satellitengestützter Aufklärung.

Der desolate Zustand der russischen Armee, die nicht nur unter Korruption und Misswirtschaft, sondern auch unter einer archaischen Kommandostruktur, enormen Verlusten und raschem Materialverschleiß leidet (Putin wurde in Nordkorea vorstellig, um Munition zu beschaffen), scheint den Kreml in eine ähnliche Lage wie zu Kriegsbeginn zu versetzen: Als der russische Blitzvormarsch auf Kiew und Charkow scheiterte, musste Moskau sich zwischen Rückzug und Eskalation entscheiden. Putin entschied sich für die Eskalation des Kreises.

Vor einer ähnlichen Entscheidung wird der Kreml sehr bald stehen, sollte die aktuelle ukrainische Offensive erfolgreich verlaufen: Entweder das Eingeständnis der Niederlage, das Putin mittelfristig sicherlich den Kopf kosten dürfte, oder die weitere Eskalation. Und Russland verfügt durchaus über die Mittel, um der militärischen Eskalationslogik weiter folgen zu können – was zugleich die Gefahr eines verehrenden Großkrieges erhöht.

https://www.patreon.com/user?u=57464083


1  https://www.moonofalabama.org/2022/09/the-izium-counteroffensive-success-disaster.html#more

2  https://twitter.com/IAPonomarenko/status/1568185503962259459

3  https://www.youtube.com/watch?v=U2QOiMeaYYk

Urheberrecht
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Oben     —   Бронеавтомобиль Тигр, застрявший на пашне.

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Unten      —     Drohne des russischen Ministeriums für Notsituationen, die von ukrainischen Streitkräften während der russischen Invasion 2022 gefangen genommen und an die Wohltätigkeitsstiftung von Serhiy Prytula (auf dem Foto) und dann an das Museum des russisch-ukrainischen Krieges übergeben wurde.

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KOLUMNE * Red Flag

Erstellt von DL-Redaktion am 11. September 2022

Von Protz und Pathos und dem ewigen Azubi-Look

Rote Flagge II.svg

Von Fatma Aydemir

Wenn es zwei Dinge gibt, die der Deutsche hasst, dann sind das: Protz und Pathos. Letzteres ist natürlich nur eine Pose, die Pose des Pathoshassens, denn niemand hat je wieder ein annähernd nerviges Pathos zustande gebracht wie die Deutschen in der Romantik.

Aber der moderne Deutsche gibt sich eben nüchtern. Ihm missfällt alles, was über die Stränge schlägt. Was zu grell, zu laut, zu offensichtlich, zu selbstbewusst und zu schön ist.

Als der US-Rapper Kanye West diese Woche auf seinem Instagram-Account Porträts einer gesamten Management-Etage veröffentlichte, wusste man sofort: Man blickt in deutsche Gesichter. Und zwar gar nicht vom Phänotyp, sondern vom Style her. Die matten Frisuren, die angestrengten Blicke, die biederen Brillen, alles an diesen Personen schrie „bodenständig“, sodass man sich förmlich vorstellen konnte, wie sie alle gewissenhaft in Herzogenaurach sitzen und Adidas verwalten – einen der mächtigsten Modekonzerne der Welt. Hintergrund des Posts war ein Streit zwischen dem Konzern und West, der seit einigen Jahren seine eigene Kollektion für Adidas designt. Mit dem kommentarlosen Post der Porträts, die anscheinend von der Adidas-Website kopiert waren, schien der Rapper implizit zu fragen: Was verstehen diese Menschen überhaupt vom Modebusiness?

Was West möglicherweise nicht ahnt: In Deutschland vertraut man stilbewussten Menschen nicht. All unsere Politiker_innen und Manager_innen und Führungsfiguren kleiden sich wie Sparkassen-Azubis im zweiten Lehrjahr. Das gehört eben dazu. Wir haben keine Theresa May mit knallbunten Designerschuhen, keine AOC in gutsitzenden Zweiteilern, keine arschwackelnde Sanna Marin in Hotpants und Lederjacke. Wir haben Karl Lauterbach und Nancy Faeser und Cem Özdemir. Und es sind nicht einmal nur die Klamotten und Frisuren und Brillen. Es ist eine ganz bestimmte Haltung, die suggeriert: „Ich bin so fleißig und bodenständig, ich schaue nicht mal in den Spiegel, mache bloß meinen Job, also vertrau mir.“

Und dann haben wir noch Patricia Schlesinger, die nicht nur ziemlich gut gekleidet ist, sondern, so der Vorwurf, auch noch Steuergelder verprasst; die sich in eine unverschämt selbstwusste, geradezu pathetische Pose wirft und die Deutschen diese Woche damit ein weiteres Mal zur Weißglut brachte. Das Foto der geschassten rbb-Intendantin vom Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit ging auf Sozial Media viral. Darauf hockt Schlesinger breitschultrig und mit zurückgeworfenem Haar auf einem schwarzen Ledersofa, wirft eine Hand fordernd in die Luft und blickt herab. Auf uns alle. Nur schade, dass Schlesingers Antworten nicht ansatzweise so draufgängerisch sind wie ihr Blick in die Kamera.

Oops, sie habe nicht gewusst, dass das teures italienisches Eichenparkett war, das sie in ihrem Büro auslegen ließ. Och, die Massagesitze in ihrem Audi A8 habe sie ja nie benutzt. Na, der Massagesessel in ihrem Büro sei für Mitarbeiter-innen mit Rückenproblemen gewesen.

Quelle         :          TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —   Eine wehende rote Fahne

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Unten     —   03.05.2018, Berlin: Vortrag: Investigativer Journalismus – Wer kann sich das noch leisten? Referentin: Patricia Schlesinger, Georg Mascolo, Olaf Sundermeyer, Uli Köppen, Oliver Schröm Robin Lautenbach Die re:publica ist eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu den Themen der digitalen Gesellschaft und findet in diesem Jahr vom 02. bis 04. Mai in der STATION-Berlin statt. Foto: Gregor Fischer/re:publica

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DL – Tagesticker 11.09.2022

Erstellt von DL-Redaktion am 11. September 2022

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Auswahl des „Bengels“:  – . –  1.) Söder und Merz – ein politisches Herz  – . –  2.) Überraschender Auftritt nach Tod der Queen  – . –   3.) Uniper und Co enteignen  – . –  4.) 2012 – Merkel Zeit, die CDU und die Kreml-Partei „Einiges Russland“.  – . –  5.) Zum Grünen – Parteitag im Oktober  – . –   DL wünscht allen Leser-Innen eine  gute Unterhaltung.

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Zwei Köpfe mit vielen CDU/CSU Gesichtern, welche immer wieder aus ihren Schatten treten. Ein Lob für den Anderen, bedeutet in der Politik immer, den größten Anteil davon auf sich selbst zu beziehen. Das ist so ziemlich das Einzige, was ein-e Politiker-in beherrschen muss ! Nur kleine Hölzchen vor ihren Hütten – aber La Paloma pfeifen ?

Söder beschwört die gute Beziehung zu Merz. Auf dem CDU-Bundesparteitag in Hannover tritt CSU-Chef Markus Söder als Gastredner auf. Friedrich Merz dankt ihm für eine große Rede, zwischen beide passt kein Blatt. Das war nicht immer so. 

1.) Söder und Merz – ein politisches Herz

Markus Söder kann auch anders. Als großer Kritiker seiner selbst ist der CSU-Chef bisher zwar nicht aufgefallen, aber wenn er zurück blickt auf das Wahljahr 2021, das die Union die Macht im Bund gekostet hat – dann will er offenbar nicht mehr mit dem Finger auf andere zeigen. Ja, räumt Söder vor dem Parteitag der CDU ein, es seien viele Fehler gemacht worden. „Von allen – auch von mir.“ Umso mehr aber freue es ihn, wie exzellent die Schwesterparteien nun zusammenarbeiteten. Söder nennt es den „Neustart 2022.“ CSU-Chef Söder lobt auf dem Parteitag die Zusammenarbeit mit CDU-Chef Friedrich Merz. Hannover, Messezentrum. Es gehört zu den Ritualen eines Parteitags in der Union, das dort auch der Vorsitzende der jeweiligen Schwesterpartei spricht. Im Falle von Markus Söder ist das durchaus pikant, weil er und Friedrich Merz bislang nicht gerade das waren, was man politische Freunde nennt, sondern eher das Gegenteil, und weil viele Mitglieder der CDU Söders Attacken auf Armin Laschet noch immer für die Schlappe bei der Bundestagswahl mit verantwortlich machen. Nun aber wendet sich der Besucher aus Bayern nach rechts, wo der „liebe Friedrich“ sitzt, und lobt noch einmal das gute Miteinander von CDU und CSU auf Parteiebene und in der gemeinsamen Bundestagsfraktion. Es laufe, schmunzelt er, „besser als wir beide es erwartet haben.“

Augsburger-Allgemeine-online

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So geht eine Kronen-Trauer in GB ! Da Tanzen die Mäuse schon vor der Beerdigung wieder auf den Tischen. Hier? – schicken wir unsere Mäuse in die Ukraine zum Tanzen.

William und Kate zeigen sich mit Harry und Meghan in der Öffentlichkeit. Die Nachricht vom Tod der Queen ging am Donnerstagabend um die Welt. Am Samstagvormittag wird Charles offiziell zum König proklamiert.

2.) Überraschender Auftritt nach Tod der Queen 

Der Tod von Queen Elizabeth trifft viele Menschen weltweit, drei Tage nachdem die Königin von England verstorben ist, bekommt die Öffentlichkeit am Sonntag erstmals den Sarg zu sehen. Um 10 Uhr Ortszeit wird der Eichensarg bedeckt mit einer königlichen Fahnde und einem Blumengebinde aus dem Ballsaal auf Schloss Balmoral getragen. Dort war er bislang aufgebahrt, damit die engsten Angehörigen und die Bediensteten des Schlosses Abschied nehmen konnten. Der Sarg wird dann in einem Leichenwagen langsam in die schottische Hauptstadt Edinburgh gefahren. Für die mit dem Auto eigentlich nur rund zweieinhalb Stunden lange Strecke Richtung Süden werden sechs Stunden veranschlagt. Überall werden am Straßenrand Tausende Trauernde erwartet, die der gestorbenen Monarchin die letzte Ehre erweisen wollen. Am Sonntagnachmittag gegen 17.00 Uhr (MESZ) sollte der Sarg mit der Monarchin an ihrer Residenz Holyroodhouse in Edinburgh ankommen. Am Montag sollen König Charles III. und seine Geschwister, Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward, den Sarg zur St. Giles-Kathedrale begleiten, wo er für 24 Stunden aufgebahrt werden soll. Dort hat dann auch die Öffentlichkeit erstmals die Gelegenheit, am Sarg zu verharren, ehe er nach London geflogen wird. Überraschender Auftritt nach Tod der Queen: William und Kate zeigen sich mit Harry und Meghan in der Öffentlichkeit.

Merkur-online

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Werden denn hier die fatalen Staatlichen-Übernahmen der Wirtschaft total übersehen? Ist nicht das, was wir gerade lesen das Beispiel einer zweiten Bahnübergabe in die obligatorische Pleite? Sie fährt nicht mehr rund, besonders  dann wenn auch das Wetter nicht mitspielt und wenn sie sich dann doch bewegt, weiß niemand so genau wann sie denn Abfährt und Ankommt ! Stehen die Namen von Mehdorn und Pofalla als verkappte, aussortierte Politiker nicht einzig für Pleiten, Pech und Pannen? 

Gaskrise und Gesellschaft: Werden Konzerne gerettet, gehören sie vergesellschaftet: Wer zahlt, muss auch über Produktionsbedingungen und Unternehmensethik entscheiden dürfen.

3.) Uniper und Co enteignen

„Churchill sagte: ‚Verpasse niemals eine gute Krise.‘ Wir haben definitiv eine gute Krise, lassen Sie uns die nicht verpassen.“ Das sagte Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach Anfang September in Mailand, zumindest twitterte es die Messe „Gastech Event“ am 5. September samt einem Foto des Unternehmenschefs. Wenige Stunden später war der Eintrag gelöscht. Da es keinen offiziellen Mitschnitt der Rede gibt und eine taz-Anfrage unbeantwortet blieb, kann nicht eindeutig geklärt werden, ob die Aussage wirklich fiel. Es wäre aber jedenfalls recht ungewöhnlich, sich als professionelles Social-Media-Team einer hochkarätigen Messe einen solchen Satz ohne jegliche Grundlage auszudenken. Fakt ist: Es gibt Gründe für die Annahme, dass Deutschlands größter Gaslieferant Uniper, der sich gerade von 34 Mil­liarden Euro der Ver­brau­che­r*in­nen in Form einer Gasumlage retten lässt, diese Krise, diesen Krieg, ganz „gut“ findet. Das Unternehmen schrieb schon 2021 rote Zahlen, wies nach IRFS-Berechnungen einen Jahresfehlbetrag von über 4 Millionen Euro auf. Auch in den Jahren 2015–2018 hatte es schon schlecht ausgesehen, zum Teil verbuchte Uniper da schon Milliardenverluste. Das war alles vor dem Krieg, vor der Gasdrosselung durch Russland. Es kann dem Konzern nur gelegen kommen, dass es dieses Jahr mit der Krise einen einleuchtenden Grund gibt, staatliche Milliarden für sich abzuschöpfen. Uniper, das ist ein Energie­konzern, der ungeachtet der Klimakatastrophe Steinkohle- und Kohlestrom in Deutschland produziert hat. Weltweit betreibt er Atomkraftwerke und plant Frackingprojekte, die Meere und Wälder zerstören würden, nimmt Menschenrechtsverletzungen für Steinkohleabbau in Kolumbien in Kauf. Uniper verklagt die niederländische Regierung auf eine halbe Milliarde Euro, weil diese den Kohleausstieg beschlossen hat. Gerade tritt Uniper mit 175.000 Euro als „Platin-Sponsor“ der oben genannten Gastechnik-Messe in Erscheinung. Sinn für das Gemeinwohl kann man da nur schwer erkennen.

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Wie doch die Zeiten vergehen und die Erinnerung verblasst, selbst auf den Parteitagen der Christen, welche doch aus ihrer Tradition heraus immer mit glänzenden Augen zurückblicken. Leider nur auf dass, was heute gerne noch als ein schmückendes Beiwerk, ganz nach Bedarf aus der Tasche geholt wird ?  

Die „Junge Union“ traf Wladimir Putins „Junge Garde“. Die CDU will heute nicht daran erinnert werden, dass ihre Stiftung einst Referenten wie den Nationalisten Alexander Dugin das Wort erteilte.

4.) 2012 Merkel Zeit, die CDU und die Kreml-Partei „Einiges Russland“ 

Wir schreiben den September 2012. Ein Referent, der mit seinem langen Rauschebart russischer nicht aussehen kann, spricht auf einer Konferenz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in der Moskauer Elite-Universität MGIMO. Das Thema lautet: Gemeinsame Werte – der Konservativismus in Russland und Deutschland. Aufschlussreich ist, wer hier gemeinsame Werte mit den deutschen Christdemokraten haben soll. Es handelt sich um Alexander Dugin, rechtsnationaler Philosoph und Symbolfigur der neurechten Eurasischen Bewegung, nicht erst seit dem tödlichen Anschlag auf seine Tochter Darja Dugina (der Freitag 34/2022) in der russischen Öffentlichkeit präsent. Auf der Konferenz seinerzeit darf er laut Bericht der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung zum Ausdruck bringen, dass Gemeinschaft und Gesellschaft für russische Konservative wichtiger seien als das Individuum. Nie gekündigt. Dass Dugin kein demokratisch denkender Konservativer ist, war zu diesem Zeitpunkt über Russland hinaus gut bekannt. Er galt seit den 1990er-Jahren als prominenter ultrarechter Hardliner. Zwei Jahre nach der Konferenz von 2012 verlor er wegen eines Mordaufrufs gegen Sympathisanten der ukrainischen Regierung seine Professur in Moskau. Damals herrschte im Kreml noch kein mit heute vergleichbares Klima. Dass Dugins Extremismus seit jeher auf einem ultrakonservativen Gedankengut beruht, ist nicht ungewöhnlich. In der Regel allerdings berufen sich russische Ultranationalisten mehr auf eine monarchistische Tradition – eine stark durch den Ukrainekrieg geprägte rechte Diktatur hat es in der russischen Geschichte vor Wladimir Putin nicht gegeben.

Freitag-online

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Wer startet eine Wette, das die grünen Besitzer  des Bauchladen in der Regierung die volle Zustimmung von der Basis bekommen? Der Widerstand der 68-Gründerzeit ist schon lange überholt. Wie überall in den Parteien zählen auch dort nur noch Geld und Lebensabsicherungen. Da werden doch die Ereignisse von Fukushima und Tschernobyl gerne verdrängt – da desgleichen in Deutschland nie passieren kann.

Das Kernkraftwerk Fukushima I nach dem Tōhoku-Erdbeben und Tsunami 2011

Grünen-Spitze ruft Partei zur Zustimmung zu AKW-Reservebetrieb auf. Wirtschaftsminister Habeck will zwei Atomkraftwerke in Reserve laufen lassen. Die Grünen-Chefs Nouripour und Lang wollen dafür ein Ja auf dem Bundesparteitag.

5.) Zum Grünen-Parteitag im Oktober

Die Vorsitzenden der Grünen, Ricarda Lang und Omid Nouripour, rufen einem Bericht des „Spiegel“ zufolge ihre Partei dazu auf, dem von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geplanten Reservebetrieb zweier Atomkraftwerke zuzustimmen. Die „Einsatzreserve“ sei „eine verantwortungsvolle, angemessene, zeitlich begrenzte und zielgenaue Lösung, um auf ein Extremszenario vorbereitet zu sein und einer möglichen Netzinstabilität im kommenden Winter vorzubeugen“, heißt es in einem Dringlichkeitsantrag der Parteichefs für den für Mitte Oktober geplanten Bundesparteitag, aus dem der „Spiegel“ zitiert. Dem Papier des Bundesvorstands um Lang und Nouripour zufolge geht es beim Reservebetrieb der Atommeiler darum, „für den äußersten Notfall“ vorzusorgen, „so unwahrscheinlich er auch sein mag“. Deswegen stimme die Grünen-Spitze zu, eine „konditionierte, zeitlich begrenzte und von der Atomaufsicht strikt überwachte AKW-Einsatzreserve zu schaffen“. Die Reserve könne allerdings im kommenden Winter nur dann eingesetzt werden, wenn „klar zu befürchten“ sei, dass „die Voraussetzungen eines Krisenszenarios vorliegen und auch unter Ausnutzung anderer Maßnahmen eine kritische Situation weiterhin droht“, heißt es im Antrag. Über das Papier sollen die Delegierten nach „Spiegel“-Informationen zu Beginn des dreitägigen Parteitags abstimmen, der am 14. Oktober in Bonn beginnt.

Tagesspiegel-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Wir erhalten in letzter Zeit viele Mails mit Texten zwecks Veröffentlichung – Um diese zu Verbreiten  sollten Sie sich aber erst einmal vorstellen und zeigen mit wem wir es zu tuen haben.  Danke !

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

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Grafikquellen          :

Oben     —   DL / privat – Wikimedia  

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Unten      —       Das Kernkraftwerk Fukushima I nach dem Tōhoku-Erdbeben und Tsunami 2011 (festes Seitenverhältnis und aufgehellt vom Originalbild)

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