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Archiv für Dezember 19th, 2021

Nach dem Fest-der Rest

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2021

Alträcherin im Regierungsviertel

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Von Mark-Stefan Tietze

Was macht Angela Merkel jetzt eigentlich? Und wer ist diese maskierte Ninja-Kämpferin aus der Uckermark, die nachts in Berlin unterwegs ist?

Es war alles wunderbar und ein ganz fantastisches Ablenkungsmanöver, dachte Angela Merkel belustigt, während der Wurfstern ihre Hand mit Schwung verließ und im Licht der Abendsonne zitternd in der Holzwand steckenblieb – genau dort, wo sie mit Kreide ein Herz in den Umriss einer Person gemalt hatte. Zack! Typisch Altkanzlerin.

Als solche hatte sich Angela Merkel tatsächlich selbst zu bezeichnen vorgenommen, also tatsächlich als „die Altkanzlerin“, die jetzt triumphal die Faust gen Himmel schwang, als in ihrer Vorstellung einer ihrer ältesten Feinde gurgelnd sein Leben aushauchte. Haha, nein, nicht Söder; der war noch lange nicht dran!

Diese Altkanzlerin würde sich jederzeit hinter der öffentlichen Figur Merkel verschanzen können, dachte Merkel listig, während sie das scharfe Metall vorsichtig aus dem Holz zog. Und diese Altkanzlerin würde viel Zeit hier in Hohenwalde verbringen, in ihrer Datsche in der Uckermark, ihrer gottverlassenen alten Heimat, wo sie aus Sicherheitsgründen polizeilich abgeschirmt und beim Üben mit dem Wurfstern nahezu unsichtbar war. Merkel winkte ihrem Fahrer. Vielleicht könnte sie mit ihm jetzt kurz mal Verfolgungsjagd üben?

Auf dem Heimweg nach Berlin grinste Merkel im Fond ihrer Dienstkarosse vergnügt in sich hinein, während der Mann am Steuer überholte, was nur ging, und die Reifen quietschen ließ, wo es nur ging. Anlässlich der Amtsübergabe an ihren drögen Nachfolger Olaf Scholz vor Tagen hatte sie noch betont harmlos erzählt, als Kanzlerin habe sie morgens beim Aufstehen nie gewusst, was bis zum Abend alles passiert sein würde.

Für all die Leute hatte sie so getan, als ob sie nun in einen langweiligen und durchgeplanten Ruhestand gehen würde, aber Scholz hatte beinahe einen Herzinfarkt bekommen. Hehe! Mochte die Welt ruhig denken, dass sie sich von nun an in einer täglichen Routine aus Kuchenbacken, Eintopfkochen und Wohltätigkeitsanlässen bewegen würde und das Wochenende für Wanderungen und chemisch-physikalische Experimente mit ihrem Gatten Joachim zur Verfügung hätte. O, wie würde sie alle täuschen!

Die Politpensionärin würde ganz sicher kein stilles Dasein fristen

Merkel keckerte laut los und löste ihren Sicherheitsgurt, damit sie bei den gewagten Überholvorgängen des Fahrers tüchtig auf der Rückbank hin- und hergeschleudert würde. Hui! Haha! Die Altkanzlerin dachte gar nicht daran, als Politpensionärin ein stilles Dasein zu fristen. Was sie sich dagegen viel eher vorstellen konnte: Ihre Fähigkeiten in der edlen Ninja-Kunst des Wurfstern-Werfens zu vervollkommnen. Mit guter Vorbereitung und ein bisschen Glück würde sie es bis zur Superheldin bringen und eines Tages eine wichtige Rolle im Marvel Cinematic Universe spielen!

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Mütterchen gemacht  aus Holz – was solls ? Die Stasi passt auf ihre Denkmale auf,

Denn das war Merkels große Sehnsucht. Auch wenn es später wieder niemand glauben würde, da man sich bei ihr ja mit einer Handvoll Klischees zufriedengab: Kohls Mädchen, die Raute, der Hosenanzug, „Wir schaffen das“. Im Juli hatte sie in Washington verkündet, nach dem Ende ihrer Regierungszeit eine Pause einlegen und über ihre Interessen nachdenken zu wollen. Die Trottel hatten ihr alle aus der Hand gefressen, als sie ihren Spruch vom „Lesen, Augenzufallen, Schlafen“ aufgesagt hatte. Hihi! Das war die liebe Merkel, wie sie sich alle Welt wünschte. So süß!

Die Altkanzlerin fletschte die Zähne. Die Leute würden eine andere, getriebenere, rachsüchtigere Merkel kennenlernen, die keine Herabsetzung, keine Demütigung je vergessen hatte; aber halt, Stopp, nein, eben nicht als Merkel, sondern als vielschichtige, dunkle Figur hinter einer Maske, bei der man viele Jahre lang rätseln müsste, wer denn dahinterstecke. Und nur einige Leute würden im Lauf der Zeit hinter das Geheimnis kommen und sogleich als Helfer rekrutiert. Joachim Sauer, der Professor. Peter Altmeier, der Adjutant. Beate Baumann, die Büroleiterin und Freundin …

Quelle          :         TAZ-online        >>>>>         weiterlesen 

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Grafikquelle :

Oben      —       Regierungsviertel Berlin

Verfasser Martin Kirchgessner       /       Quelle   : Berlin      /       Datum    :  8. August 2013, 00:55

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Unten      —     Mütterchen Uckermark

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Blendwerk COVID E-Rat

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2021

Blendwerk COVID-19-Expertenrat – überfällige Verbesserungen im Gewässerschutz

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Es ist noch Suppe da

Von Johannes Kreis

BetreffZolgensma – die nächsten Versuchskaninchen (im Bereich 4 – 15 kg Körpergewicht) – Blendwerk COVID-19-Expertenrat 

a) zu dem teuersten Medikament der Welt, Zolgensma, möchten ich darauf hinweisen, dass der gemeinsame Bundesausschuß derzeit keinen Zusatznutzen sieht.

oder

Das Thema scheint den meisten Pharmafreunden in den Altmedien entgangen zu sein. Wenn darüber berichtet wird, dann mit eigentümlichem Fokus,

Die Gentherapie der spinalen Muskelatrophie mit Onasemnogen-Abeparvovec (Zolgensma) scheint sich im klinischen Alltag zu bewähren.“

„Die Patienten waren bei der Gentherapie im Durchschnitt 16,8 Monate alt (Bereich 0,8 bis 59 Monate) und durchschnittlich 9,1 kg schwer (Bereich 4,0 bis 15,0 kg).“

Erst weiter unten liest man dann,

„Erst kürzlich war Zolgensma bei der Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durchgefallen. Die Gentherapie erhielt keinen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Grundlage seien die vorhandene Studienlage und die vom Hersteller übermittelten Daten.“

Es ist immer dasselbe Muster, man macht sich die Ängste der Angehörige, hier die zumeist jungen Eltern, für das Pharmamarketing zunutze und spielt medienwirksam mit deren Hoffnungen. Mit Hilfe von kranken Kleinkindern baut die moderne Medizin an ihrem Lebensretter-Image. Tragische Einzelfälle werden medial maßlos aufgebauscht.

Hat irgendjemand den leisesten Zweifel, dass man nach weiterer „Prüfung“ und mit Hilfe der europäischen Arzneimittel-Lobby-Agentur EMA einen Zusatznutzen finden wird? Mit einem Big-Pharma-Minister Karl Lauterbach ist alles möglich. Die Krankenkassen werden weiterhin im Selbstbedienungsmodus betrieben werden. Zur Not erscheint Zolgensma unter einem anderen Namen neu. Jeder kann sich nehmen, was er will. Wer dagegen etwas unternimmt, gefährdet Menschenleben.

Warten wir ab, wer sich in 2 – 3 Jahren noch eine Krankenversicherung wird leisten können. Die Beiträge in Deutschland sind schon jetzt exorbitant. Glaubt jemand, dass sich mit Karl Lauterbach daran etwas ändern wird?

Zu dem in den zitierten Beiträgen angesprochenen Thema „Gentherapie“ muß sich niemand Sorgen machen, hier wacht Alena Buyx, die Teflon-Ethikerin, die seit neuestem auch die WHO in Fragen zur Ethik der Gentherapie berät. Das heißt so viel wie, dass ethisch alles erlaubt ist, was Big Pharma will.

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b) Natürlich darf Frau Buyx im “Expertenrat” von Olaf Scholz, dem (Auch)-Kanzler der Ungeimpften, nicht fehlen.

Diese Ansammlung von Altkadern der Coronoiker und Panikmacher als unabhängiges Expertengremium zu bezeichnen, ist lächerlich.

Trotz der Erfolge im Ausland, wie in JapanSchwedenFlorida oder Texas, bleibt es in Deutschland bei dem bekannten Dutzend handverlesene „Experten“, mit Drosten, Wieler, Brinkmann und Priesemann. Die eine Hälfte in diesem Expertenrat sind Funktionäre, die andere Hälfte ist vor COVID-19 nie durch besondere Expertise aufgefallen, sogenanntes COVID-19 Fallobst. Es sind die üblichen Dauergäste im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, deren Schein-Expertise sich aus der medialen Darstellung und den Preisen, mit denen man sie überhäuft hat, speist.

Der Expertenrat ist ein medialer Schachzug, damit sich diese Damen und Herren den Titel „offizieller Experte der Bundesregierung“ umhängen können und die Altmedien darüber berichten. Nach dem Titel „Held der Arbeit“ ist das jetzt die neue, höchste Auszeichnung in Deutschland.

Mit Blick auf den tatsächlich normalen Krankenstand und die niedrige Krankenhausauslastung in Deutschland, siehe unten, scheint eine allgemeine Statistikschwäche das wesentliche Auswahlkriterium für eine Mitgliedschaft in diesem Rat gewesen zu sein. Entweder Deutschland hat keine anderen „Experten“ oder Deutschland will keine anderen „Experten“. Es zeigt, wo die Reise hingeht. Hier eine Auswahl aus den 19 Experten, geordnet nach den bisherigen Beiträgen,

Verursacher der Panikdemie und maßgebliche Treiber der Wissenschaftsfälschung

  • Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts
  • Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité (der mit den Preisen, dieser Mann atmet Wissenschaft!)
  • Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Ziehvater von Christian Drosten

Teflon-Ethiker

  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, WHO Ethics Council on Genome Editing

No-Covid-Träumer und Panik-Modellierer

  • Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
  • Viola Priesemann, Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation
  • Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung System-Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Intensiv-Schwurbler

  • Christian Karagiannidis, Leiter des DIVI-Intensivregisters

Impf-Dogmatiker

  • Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie
  • Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfforschung der Charité
  • Johannes Nießen, Chef des Kölner Gesundheitsamts
  • Cornelia Betsch, Betsch ist Psychologin und Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt
  • Lars Kaderali, Bioinformatiker am Institut für Bioinformatik an der Universitätsmedizin Greifswald
  • Jörg Dötsch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

Selbsternannte Fake-News Profis

  • Ralph Hertwig,  Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Das sind die Herrschaften, die mit absoluten Weisheiten und Wahrheiten aufwarten können und mit denen sie in Deutschland durchregieren. Niemand sollte von diesen Damen und Herren erwarten, dass sie den bekannten Datenstand zur Kenntnis nehmen. Bis heute zeigen die Krankenstatistiken der Krankenkassen keinen erhöhten Krankenstand, außer im Panikmonat März 2020. In Summe hätten alle Interventionen sogar dazu geführt, dass die Krankenkurve exakt(!) dem jahreszeitlichen Verlauf folgt. Wer soll das glauben? Diese „Experten“ sicherlich.

Der Krankenstand war in 2020 insgesamt gesunken,

„Krankenstand insgesamt gesunken – Insgesamt betrachtet, liefert der Gesundheitsreport jedoch keine Hinweise auf eine grundsätzliche Verschlechterung der Gesundheit von Erwerbspersonen durch die Coronapandemie. Mit einem Krankenstand von 4,14 Prozent lag das Jahr 2020 sogar unter den Werten der Vorjahre (2019 4,22 Prozent; 2018 4,25 Prozent).“

Auch ohne Impfung war die Krankenhausauslastung in 2020  unter der von 2019,

„Im gesamten Jahr 2020 wurden insgesamt 13,8% weniger Patienten im Krankenhaus behandelt als 2019. In den ersten 26 Kalenderwochen des Jahres 2021 blieb die Fallzahl 20,1% hinter dem Vergleichszeitraum 2019 zurück. Auch die Gesamtzahl der SARI-Fälle, Intensivfälle und Beatmungsfälle blieb im Untersuchungszeitraum unter den Zahlen aus 2019.“

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Sind auch alle Narren das Expertenrat an Bord ?

Es sei daran erinnert, dass Deutschland nach Daten der OECD über mehr als 3x so viele Intensivbetten pro Einwohner verfügt wie Spanien, Italien, Schweden oder Dänemark. Warum es in Deutschland trotzdem nicht reichen soll, werden wir von diesen Herrschaften nicht erfahren.

In conclusion, some countries (e.g., Germany) are particularly well positioned to manage a swiftly increased need for intensive care, whereas others (e.g., Denmark, Italy or Sweden) have lower numbers of intensive care beds that are also spatially more concentrated, and thus localized shortages are possible during a locally increased need for intensive care.”

Die Anzahl der Atemwegerkrankungen war in 2020 niedriger als normal und liegt für 2021 im Durchschnitt, tendenziell darunter,

[Abb. 1: Vergleich der für die Bevölkerung in Deutschland geschätzten ARE-Raten (in Prozent) in den Saisons 2017/18 bis 2021/22, bis zur 49.KW 2021]

Nach den Erfolgen in Japan, Schweden, Weißrussland, Florida oder Texas, ganz ohne Masken-,

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„Lebenslange Abstrafung“

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2021

Stand die SPD nicht für viele Verrücktheiten dieses Landes bereit ?

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Kathrin Hedke

Der Radikalenerlass von 1972 hat linke Lehrkräfte aus dem Beruf gedrängt. Zum 50. Jahrestag rücken die Betroffenen ihre Forderung nach Rehabilitierung in den Fokus.

Obwohl sein Berufsverbot lange zurückliegt, trifft es den Pädagogen jetzt im Ruhestand noch einmal mit voller Wucht. „Insgesamt durfte ich zwölf Jahre nicht als Lehrer arbeiten“, berichtet Matthias Wietzer aus Hannover. „Das wirkt sich stark auf mein Ruhegehalt aus: Ich bekomme mehrere hundert Euro weniger im Monat.“ Dabei hat er sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Nach dem zweiten Staatsexamen in den 1970er-Jahren wusste der junge Lehrer schon, an welche Schule er kommen sollte und plante bereits die Klassenfahrt. Doch statt einer Einladung zur Vereidigung erhielt er eine Vorladung zur Anhörung. Der Vorwurf: Als Student habe er 20 D-Mark an die DKP-Zeitung gespendet, an fünf Versammlungen teilgenommen und Wahlplakate „an einer genehmigten Werbefläche“ aufgehängt.

Über drei Stunden lang wurde der Pädagoge im niedersächsischen Innenministerium verhört. „Es kam mir vor wie aus einem Roman von George Orwell“, sagt Wietzer. Seine Berufspläne wurden jäh zerstört: Statt als Klassenlehrer zu arbeiten, war er fünf Jahre arbeitslos, putzte Fenster, betreute Kinder in einer Kirchengemeinde und fuhr Taxi. Zwar wurde er später noch zum Beamten auf Lebenszeit ernannt und arbeitete viele Jahre an einer Grund- und Hauptschule in Langenhagen. Das Land Niedersachsen verlieh ihm zum Abschied „für die langjährigen treuen Dienste“ eine Dankesurkunde. Doch die Lücke im Lebenslauf zeigt sich jeden Monat auf dem Konto. Um besser über die Runden zu kommen, jobbte der 70-Jährige zunächst in einem Baumarkt, aktuell erteilt er Nachhilfe in einer Schule.

Aus dem Schuldienst gedrängt

Dramatisch sind die Folgen vor allem für jene, die damals komplett aus dem Schuldienst gedrängt wurden. „Viele leben in bitterer Armut“, sagt der Sprecher der Initiative „Weg mit den Berufsverboten“, Klaus Lipps. Zum 50. Jahrestag des sogenannten Radikalenerlasses von 1972 rückt die Initiative ihre Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung wieder in den Fokus, unter anderem mit einer Petition. Außerdem ist am 28. Januar 2022 eine große Veranstaltung in Berlin geplant. „Uns wurde so viel Leid zugefügt“, betont Lipps. „Da ist eine Entschuldigung bei uns und unseren Familien nicht zu viel verlangt.“ Zudem sei eine finanzielle Wiedergutmachung dringend geboten.

Darum geht es Matthias Wietzer jetzt in erster Linie. „Durch unsere Aktionen haben wir schon gute Erfolge erzielt“, meint der ehemalige Personalratsvorsitzende. So habe sich unter anderem der Landtag in Niedersachsen für das Unrecht entschuldigt. Auch in Berlin habe das Abgeordnetenhaus kürzlich eine Resolution mit ein paar Worten des Bedauerns verabschiedet. „Aber das war’s dann auch und alle kehren zur Tagesordnung zurück“, klagt Wietzer. „An eine Wiedergutmachung will niemand ran.“ Seine Nachteile bei der Altersversorgung empfindet der Lehrer als „lebenslange Abstrafung“.

Eine Ausnahme ist Dorothea Vogt: Die Lehrerin arbeitete in den 1970er-Jahren an einem Gymnasium in Jever in Friesland, war Mitglied der DKP, aktiv in der Bewegung gegen Neofaschismus und in der Friedensbewegung. Als Beamtin auf Lebenszeit habe sie sich relativ sicher gefühlt, berichtet die 71-Jährige, zumal sie aus ihrer politischen Überzeugung nie ein Geheimnis machte. Doch 1980 wurde gegen sie wegen des Verdachts eines Dienstvergehens ermittelt, was zu ihrer Suspendierung führte. „Das war durch das Grundgesetz überhaupt nicht gedeckt“, kritisiert Dorothea Vogt. „Mir ist weder in den zahlreichen Anhörungen, den Gerichtsverhandlungen noch in den Urteilen jemals ein Fehlverhalten innerhalb oder außerhalb der Schule vorgeworfen worden, es ging ausschließlich um meine politische Haltung.“ Die Suspendierung wollte die Lehrerin nicht auf sich sitzen lassen – und klagte sich durch alle Instanzen.

Nach zwei Niederlagen vor Gericht reichte sie Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein, jedoch ohne Erfolg. Da der Rechtsweg in Deutschland damit zu Ende war, rief Vogt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) an. Als Gerhard Schröder (SPD)1990 Ministerpräsident von Niedersachsen wurde, durfte die Lehrerin zwar nach viereinhalb Jahren in den Schuldienst zurückkehren. „Jedoch ohne, dass die Gerichtsurteile zurückgenommen wurden“, fügt Vogt hinzu, die später als Leiterin der Internationalen Deutschen Schule Paris und Direktorin eines Gymnasiums in Garbsen arbeitete. „Jeder konnte mich weiterhin eine Verfassungsfeindin nennen und diskriminieren.“

1995 stellte der EGMR in Straßburg fest, dass das Land Niedersachsen mit dem Berufsverbot gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen habe. Vogt musste in „Amt und Würden“ wieder eingestellt werden und bekam die einbehaltenen Dienstbezüge inklusive Pensionsansprüchen nachgezahlt.

Neue Berufsverbotspläne

Auch Wietzer führte fünf Prozesse vor Gericht, bevor er nach dem Regierungswechsel in Niedersachsen ebenfalls „relativ geräuschlos durch die Hintertür“ wieder als Lehrer eingestellt wurde. „Ich verfüge über ein dickes Fell“, meint er. Aber einige Betroffene hätten ihr Berufsverbot nicht unbeschadet überstanden, „bis hin zu psychischen Problemen“. Ihm selbst habe die große Solidarität sehr geholfen.

Die Betroffenen haben den Neuen Heinrich-Heine-Fonds eingerichtet, um Spenden für „dringende Notfälle“ zu sammeln. Initiativensprecher Lipps berichtet, dass einige Menschen regelmäßig mit bis zu 200 Euro pro Monat unterstützt würden. „Das hört sich wenig an, ist für diese Menschen aber lebenswichtig.“

Mit Sorge verfolgt die Initiative, dass in einigen Bundesländern wieder über mögliche Berufsverbote diskutiert wird. So gibt es etwa in Brandenburg Pläne, alle Beamtinnen und Beamten auf ihre Verfassungstreue zu überprüfen. Offiziell sollen damit Neonazis aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten werden. Aber Lipps sagt: „Das hatten wir schon einmal!“ Damals hätten sich die Berufsverbote gegen „eine Handvoll rechter Funktionäre“ gerichtet – und gegen Tausende Linke. „So etwas wollen wir nicht nochmal“, betont der Sprecher. Sollte sich ein rechtsextremer Beamter im Dienst etwas zuschulden kommen lassen, reichten die Beamtengesetze vollkommen aus.

Die Berufsverbote hätten dazu beigetragen, so Vogt, dass die Menschen sich aus Angst nicht mehr engagierten. Sie seien eingeschüchtert und mundtot gemacht worden. „Wir sehen heute an vielen Ecken in Deutschland, wo so etwas hinführt.“ Das Maskottchen der Initiative gegen Berufsverbote ist deshalb die Duckmaus. Für Dorothea Vogt steht fest: „Es ist Gift für die Demokratie, wenn sich niemand mehr einmischt und den Mund aufmacht.“

Radikalenerlass

In der Zeit des Kalten Krieges beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder gemeinsam mit Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) am 28. Januar 1972 den sogenannten Radikalenerlass, auch Extremistenbeschluss genannt. Erklärtes Ziel war, vermeintliche Verfassungsfeinde aus dem öffentlichen Dienst fernzuhalten. Daraufhin überprüfte der Verfassungsschutz die politische Gesinnung von 3,5 Millionen Menschen. Die Folge: 11.000 Berufsverbotsverfahren, 2.200 Disziplinarverfahren, 1.250 Ablehnungen von Einstellungen und 265 Entlassungen. Betroffen waren vor allem Lehrkräfte, die sich in der Friedensbewegung oder linken Gruppen bzw. Parteien wie der DKP engagierten.

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Oben      —     Demonstration gegen Berufsverbote am 28. Januar 1977 in Berlin

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Die deutsche Impfskepsis

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2021

Eine deutsche Besonderheit

Samuel Hahnemann, Organon der rationellen Heilkunde, Erstausgabe 1810, Einleitung

Von Christian Jakob

In den deutschsprachigen Ländernherrscht eine vergleichsweise große Impfskepsis. Das ist auf die Romantik zurückzuführen – aber auch auf Politikversagen.

Ende November schrieb der Verschwörungstheoretiker und AfD-Unterstützer Oliver Ja­nich, was die Notwehr angesichts der drohenden Impfpflicht seiner Meinung nach gebiete: „Jeder Mensch hat das Recht, einen Polizisten über den Haufen zu schießen, der einen zur Zwangsimpfung schleppt.“ Dazu postete er das Foto einer Pistole. Schließlich gehe es hier „um den größten Massenmord in der Geschichte der Menschheit“.

Janichs Telegram-Nachrichten abonnieren 160.000 Menschen, die Coronaproteste haben die Followerzahlen von Hetzern wie ihm explodieren lassen. Trotz der teils enormen Reichweite sind Menschen wie Janich auch unter den „Querdenkern“ eine Minderheit. Doch der Resonanzraum für Impf­angst, die zu befeuern sie sich zum Geschäftsmodell machen, ist groß. Und in deutschsprachigen Ländern ist dieser Raum größer als anderswo.

Beim Impfen stehen diese Länder weit hinten. Unter den 17 westeuropäischen Staaten waren Deutschland, Österreich und die Schweiz am 9. Dezember bei den zweitgeimpften Volljährigen auf den Plätzen 13, 16 und 17. Das Virus breitete sich hier zuletzt aus wie in nur wenigen anderen Regionen der Welt.

Woran liegt das? Gibt es etwas spezifisch Deutsches, das die Angst vor der Spritze erklärt? Als sich im November zeigte, dass die niedrige Impfrate mit einer besonders heftigen vierten Welle einhergeht, schrieb der Spiegel-Journalist Mathieu von Rohr, dies seien die „Spätfolgen der deutschen Romantik: Anthroposophie, Homöopathie, Impfgegnertum“. Eine Hochburg der Schwurbelei also, wo Spitzenforschung und Antirationalismus eng beieinander sind? Oder sind die Gründe banaler? Hat schlechtes politisches Handwerk der Impfkampagne den mageren Erfolg beschert?

Mit dem Falter in Wien und der WOZ in Zürich ist die taz der Frage nachgegangen, ob die Impfskepsis eine Folge der deutschen Geistesgeschichte ist. Die Antworten von Fachleuten aus Geschichtswissenschaft, Soziologie, Gesundheitspsychologie und Demoskopie zeigen: Den einen Grund für Impfskepsis gibt es nicht – ebenso wenig, wie es eine homogene Gruppe von Skep­ti­ke­rn gibt. Nicht alle Anthroposophen sind gegen die Impfung, nicht alle Impfgegner sind Esoteriker oder Rechts­ex­tre­me – auch wenn diese Gruppen die Proteste maßgeblich organisieren. Und: Neben historisch-kulturellen Faktoren sind auch ganz handfeste Gründe für die Impfmisere verantwortlich.

Der Journalist Andreas Speit, der auch für die taz schreibt, hat jüngst das Buch „Verqueres Denken – Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus“ herausgebracht. Es trifft einen Nerv: „Ich halte gerade ungefähr einen Vortrag pro Tag.“ Speit pflichtet von Rohrs These bei. Es gebe im deutschsprachigen Raum eine „klare geistesgeschichtliche Linie zwischen der Romantik und der Impfskepsis heute“, sagt er. In der romantischen Literatur sei „das Natürliche unglaublich verklärt und verabsolutiert“ worden. Bei Schiller etwa heißt es: „Selig muß ich ihn preisen, der in der Stille der ländlichen Flur, fern von des Lebens verworrenen Kreisen, kindlich liegt an der Brust der Natur.“ Der Dichter Novalis schrieb: „Der Poet versteht die Natur besser wie der wissenschaftliche Kopf.“

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Novalis , Heinrich von Ofterdingen, 1802, zweites Kapitel – „Ich weiß nicht, aber mich dünkt, ich sähe zwei Wege um zur Wissenschaft der menschlichen Geschichte zu gelangen. Der eine, mühsam und unabsehlich, mit unzähligen Krümmungen, der Weg der Erfahrung; der andere, fast ein Sprung nur, der Weg der inneren Betrachtung.“

Das sind harmlose Sätze, keine Frage. Doch die Romantik habe – anders als in anderen Ländern – im deutschsprachigen Raum politischen Einfluss bekommen, sagt Speit. Sie beförderte eine Mystifizierung der Natur und Respiritualisierung des Denkens, die eine Distanz zur vermeintlich kalten Wissenschaft und sogenannten schulischen Medizin bewirken kann. Diese Position spitzte sich in der modernisierungskritischen Lebensreformbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts zu. Einer ihrer bekanntesten Vertreter: der österreichische Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Pädagogik, Rudolf Steiner.

Die Lebensreformer sehnten sich nach der Wiederherstellung eines Einklangs mit der Natur. Diese antimoderne Bewegung habe laut Speit „zu Recht die Moderne in ihren Auswüchsen kritisiert. Denn die wirkte sich damals ja tatsächlich dramatisch aus, etwa in Form des Börsencrashs und der Umweltzerstörung“. Doch eine Folge war eine „radikale Abkehr von der Aufklärung“.

Ein Antimodernismus also, für den die Entzweiung von Mensch und Natur nur als Werk eines äußeren Feindes vorstellbar ist. Bis heute werde das Versprechen der Moderne, mit Rationalität und Logik eine bessere Welt aufzubauen, deshalb „von der Rechten bekämpft“, sagt Speit. Sie halte gleichsam an der Vorstellung einer zu verteidigenden ursprünglichen Einheit von Volk und Natur fest.

Wie aber konnten Ideen aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart überdauern? Und sind sie mitverantwortlich dafür, dass in Thüringen heute „Gib Gates keine Chance“-Schilder an der Straße stehen, als wollten die Anwohner böse Geister vertreiben?

JUTTA DITFURTH, SOZIOLOGIN  –       „Die Aufklärung hatte große Mühe in Deutschland“

Die ehemalige Grünen-Politikerin und Soziologin Jutta Ditfurth erforscht die deutschen Esoteriker seit Jahrzehnten. Dass die Romantik hier politisch wirksam werden konnte, habe mit der Abwehr der aus Frankreich kommenden Aufklärung zu tun, sagt sie: „Die Aufklärung kam aus Frankreich und hatte große Mühe in Deutschland.“ Im 19. Jahrhundert sei das Land rückschrittlich und durch die Agrarwirtschaft geprägt gewesen. „Es ist heute schwer vorstellbar, wie sehr deutsche Eliten im ländlichen Raum die Aufklärung und die französische Revolution hassten.“

Zu diesen Eliten zählt auch Ditfurths eigene Verwandtschaft – großgrundbesitzender Adel aus Preußen. „Wenn ich Briefe meiner Verwandten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert lese, dann war ihr Schreckgespenst eine Revolution wie die französische, der Albtraum, als herrschende Klasse zu stürzen“, sagt Ditfurth. Diese Eliten hätten Deutschlands intellektuelle Entwicklung lange aufgehalten, auch wegen ihres Antisemitismus. So sei ein geistiges Klima entstanden, das auch die Wandervogel- und Lebensreformbewegung erfasst habe mit Wissenschaftsfeindlichkeit, Eugenik, Naturreligiosität, völkischem Denken. Ditfurth sagt, dass Mystizismus, Irrationalismus und Antisemitismus als reaktionären Anteile alternativen Denkens bis heute fortwirken. „Auch so kommt es zur Weitergabe von antisemitischen Bildern, die man tief im Mittelalter vergraben glaubte.“

Auch Speit verweist darauf, dass die Kritiker der Moderne diese schon sehr früh als „jüdisch“ begriffen und sich deshalb auch gegen die moderne, angeblich „jüdische“ Schulmedizin stellten. Der österreichische Publizist Christian Kreil führt den Begriff auf Samuel Hah­ne­mann, den Begründer der Homöopathie, zurück.

Die Nazis hatten in der Tat großes, auch wirtschaftlich bedingtes Interesse an Alternativmedizin. Reichsärzteführer Gerhard Wagner betonte 1933 die „Überlegenheit“ der Alternativmedizin gegenüber der „verjudeten Schulmedizin“. Um dieser die Homöopathie entgegenzusetzen, gründeten die Nazis 1935 die „Reichsarbeitsgemeinschaft Neue Deutsche Heilkunde“. Deren Mitglieder waren unter anderem der „Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte“, der „Reichsverband der Naturärzte“ und die „Vereinigung anthroposophischer Ärzte“. 1933 zeigt das NS-Propagandablatt Der Stürmer die Karikatur einer blonden Mutter mit Baby im Arm. Daneben steht ein „naturferner und verirrter Mediziner“ mit einer Spritze in der Hand. Mit der Hakennase des Arztes erfüllt die Karikatur klar antisemitische Klischees. Skeptisch blickt die Mutter auf den Mediziner: „Es ist mir sonderbar zumut, denn Gift und Jud’tut selten gut.“

Im Zusammenhang mit Impfungen habe der Antisemitismus eine lange Geschichte, sagt der Medizinhistoriker Malte Thießen, der am Institut für Regionalgeschichte Münster und an der Universität Oldenburg forscht. Das Impfen werde teils als „Verschwörung einer Elite“ begriffen, die in den Körper eingreift.

Die bis heute anhaltende Ablehnung der „Schulmedizin“ sei „eine deutsche Besonderheit, die klar auf die Romantik zurückzuführen ist“, sagt An­dreas Speit. Man sehe dies etwa daran, dass es Heilpraktiker als staatlich geregeltes Berufsbild nur in Deutschland (NS-Heilpraktikergesetz von 1939) und Teilen der Schweiz gibt. Die alte Bundesregierung erwog die Abschaffung des Berufs, die Querdenker-Partei „Die Basis“ behauptet, die einzige Partei zu sein, die sich gegen die Abschaffung einsetze. „Die Menschen möchten frei entscheiden, welchen Therapeuten sie aufsuchen. Sie wünschen sich ein Miteinander von traditionellen und konventionellen, schulmedizinischen Therapien“, heißt es auf ihrer Website.

Jutta Ditfurth schrieb 1996 in ihrem Buch „Entspannt in die Barbarei“, die Esoteriker würden „ein Teil der Massenbasis künftiger faschistischer Bewegungen sein“. Damals hätten ihr alle gesagt: „ ‚Übertreib nicht.‘ “ Heute zeige sich die geistige Nähe. Waldorf-Pädagogen treten als Redner auf Querdenker-Demos auf. Der ehemalige Waldorf-Ausbilder Christoph Hueck etwa gilt als Vordenker der Szene. Der Bund der Freien Waldorfschulen allerdings distanziert sich ausdrücklich von ihm. Der Ulmer Waldorf-Lehrer Wilfried Kessler verglich als Demo-Redner Querdenker mit NS-Widerständlern. Anthroposophen seien heute eine „tragende Größe in der Corona-Querfront“, sagt Ditfurth.

Ist also eine jahrhundertealte ideologisch abgedriftete Liebe der Deutschen zum Wald daran schuld, dass heute Mil­lio­nen lieber eine lebensgefährliche Covid-19-Erkrankung riskieren, als sich impfen zu lassen? So einfach sei es natürlich nicht, sagt der Medizinhistoriker Thießen. „Man neigt dazu, in Schwarz-Weiß-Muster zu fallen: Impf­skeptiker werden schnell als rechte Aluhut-Spinner abgetan.“ Es gebe aber noch andere Motive.

Thießen unterscheidet elf Arten von Impfskepsis. Bei Weitem nicht alle ließen sich auf die Romantik zurückführen. Eine Rolle spiele etwa auch die starke liberale Tradition in Deutschland, wegen der in Preußen bis 1874 eine Impfpflicht abgelehnt wurde. „Es geht da auch um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen: Wer bestimmt über den Körper?“, sagt Thießen.

Die Soziologin Nadine Frei von der Universität Basel hat mit ihrem Kollegen Oliver Nachtwey die Coronaproteste für die Böll-Stiftung untersucht. Frei spricht – ähnlich wie Thießen – von einem „libertären Freiheitsverständnis“ der Impf­geg­ne­rn. Dieses hätten solche mit einem anthroposophischen Hintergrund ebenso wie ein bildungsbürgerliches Milieu, in dem Eigenverantwortung und Selbstbestimmung „fast schon absolut gesetzt“ werde.

Friedrich Schiller, Wallensteins Tod, 1799. 3. Akt. 9. Auftritt  –  “ Wo die Natur aus ihren Grenzen wanket, da irret alle Wissenschaft.“

An Waldorfschulen würde häufig gar nicht anthroposophisch argumentiert. Stattdessen heiße es: „Der Staat hat hier nichts zu suchen, das ist der Ort, den ich hier gestalte“, sagt Frei. „Das ist auch eine Motivation von Eltern, die ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken: die selbstbestimmte Struktur.“ Die dominierende Einstellung, „der Staat habe einem nichts zu sagen“, könne sich vor allem die Mittelschicht leisten: „Wenn ich schön in meinem Homeoffice sitze und keinem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt bin, ist es schön und gut, wenn ich sage, ich kann mich einfach gesund ernähren und Corona macht mir nichts aus.“ Frei kommt zu dem Schluss, dass die Coronademos in Westdeutschland ein „akademischer Mittelschichtsprotest“ seien – getragen von „anthroposophisch-esoterischer Ablehnung von Impfungen“. Eine „monokausale“ Erklärung gebe es aber nicht.

Zu den Protesten in Ostdeutschland gebe es grundlegende Unterschiede, heißt es in ihrer Studie. Dort seien die Proteste „stärker von der extremen Rechten geprägt und tragen deutlich weniger esoterische und anthroposophische Züge“.

Die AfD habe im Osten die mitunter starke Entfremdung vom politischen System erfolgreich mit einer Impfskepsis verbinden können. „Somit hat sich aus unterschiedlichen soziokulturellen Quellen in Baden-Württemberg und den neuen Bundesländern eine ähnliche Dissidenz gegenüber der Pandemiepolitik herausgebildet.“

Quelle      :         TAZ-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —        (Dr.Christian Friedrich Samuel Hahnemann (Gemeinfrei, gemeinfrei) {{Bild-GFDL}})

de:Benutzer_Diskussion:Hansele Diskussion) . .

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2.) von Oben      —     zeitgenössisches Gemälde von Novalis (1772-1801), eigentlich Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, war ein deutscher Schriftsteller der Frühromantik, Philosoph und Bergbauingenieur. Maler unbekannt (?)

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DL – Tagesticker 19.12.2021

Erstellt von DL-Redaktion am 19. Dezember 2021

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Auswahl des „Bengels“: – . –  1.) Strobl kritisiert Ampel  – . –  2.) NATO als „Brückenkopf“   im Ernstfall  – . –  3.) Demokratie auf Chinesisch  – . –  4.) Friedrich Merz ist Parteichef.   – . –  5.) Flügelkampf bei FFF  – . –  DL wünscht allen Lesern eine  gute Unterhaltung.

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Wer brauchte in diesen Land noch „Sicherheitsbehörden“ wenn wir Politiker-Innen hätten, welche ihre Köpfe zum Nachdenken benutzen würden – um dann weniger Blödsinniges zu plappern. Wer bitte – spricht vom Spaß im Friedensfall? Dann wäre auch mehr Zeit zu zuzuhören was das Volk zu sagen hat. Zuerst zogen doch die selbsternannten Kreuzritter um den damaligen Erdball!

„Sicherheitsbehörden werden alles andere als gestärkt“

1.)Strobl kritisiert Ampel

Vor dem fünften Jahrestag des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt fordert CDU-Politiker Thomas Strobl eine bessere Ausstattung der Behörden im Kampf gegen Islamismus. Der Ampel-Regierung wirft er vor, den Schutz der Bevölkerung vor islamistischem Terrorismus zu vernachlässigen. Anlässlich des Jahrestags des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz hat der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Thomas Strobl (CDU), gefordert, die deutschen Sicherheitsbehörden im Kampf gegen islamistischen Terrorismus zu stärken. „Vom islamistischen Terrorismus geht nach wie vor eine ernst zu nehmende globale Bedrohung aus“, sagte der baden-württembergische Innenminister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben). „Unser oberstes Ziel muss die Verhinderung eines terroristischen Anschlages sein.“ „Hierzu müssen die Sicherheitsbehörden materiell und personell bestmöglich aufgestellt sein und die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen für ihr effektives Handeln – auch schon im Vorfeld eines drohenden Anschlages – haben“, sagte Strobl den Zeitungen. Der CDU-Politiker warf der neuen Ampel-Koalition vor, den Schutz der Bevölkerung vor islamistischem Terrorismus zu vernachlässigen. „Unsere Sicherheitsbehörden werden alles andere als gestärkt“, sagte Strobl im Hinblick auf den Koalitionsvertrag. Die Sicherheit der Menschen, vor allem die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus, sei dort „jedenfalls nicht priorisiert, wenig konkret, ohne Substanz“. Die Koalition handle „sicherheitspolitisch grob fahrlässig.“

Welt-online

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Niemand hatte doch behauptet das es der USA mehr um einen Zopf als um einen Kopf ging. Entscheidend war es doch immer, alle heutigen-Amerikaner an die Europäischen Leinen ihrer Herkunftsländer zu binden aus denen sie einst geflüchtet waren.

Nato will offenbar Truppen in Osteuropa verstärken

2.) NATO als „Brückenkopf“ im Ernstfall

Der russische Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine sorgt für Spannungen mit der Nato. Diese erwägt nun laut einem Bericht eine Verstärkung ihrer Truppen in Rumänien und Bulgarien. Die Nato erwägt wegen des russischen Truppenaufmarsches an der ukrainischen Grenze einem Medienbericht zufolge eine Verstärkung der eigenen Truppen im Osten des Bündnisgebietes. Wie der „Spiegel“ am Samstag berichtete, schlug der oberste Befehlshaber der Nato kürzlich bei einer Video-Schalte vor, ähnlich wie im Baltikum und in Polen im Zuge der Mission Enhanced Forward Presence (Verstärkte Vornepräsenz) auch die Nato-Präsenz in Rumänien und Bulgarien deutlich zu verstärken. Der US-General Tod Wolters forderte demnach, die Nato solle wie im Baltikum auch in Bulgarien und Rumänien eigene Kontingente von gut 1.500 Mann aufbauen, um mit den dortigen Armeen zu üben und im Ernstfall als „Brückenkopf“ für weitere Verstärkung zu dienen. Von mehreren Nato-Diplomaten hieß es laut „Spiegel“, der Vorschlag werde beim nächsten Treffen der Nato-Verteidigungsminister diskutiert und könne im Fall einer Einigung beim Nato-Gipfel Ende Juni in Madrid beschlossen werden. Nato bestätigt den Bericht nicht.

T-Online

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Endlich – sind sie wieder hier: Unsere Sinologen, Ökologen, Onkologen, Omilogen, Opilogen usw., usw. die Gesamtheit der Logen-Experten welche schon immer alles erlogen hatten. Sogar das  -nun wieder Sichtbar gewordenen Wesen,  -dieses Deutsche, alles genesen wird! Davor wird selbst die Corona (wem würde nicht alleine das Wort zu Tode Ängstigen) -Pandemie in Ehrfurcht erstarren. Wir sehen nur auf diesem Pressefoto: „Die Chinesen brauchen keine Fackeln zwecks Erleuchtung ihrer Nazi-o-logen Politiker-Innen. Sie sind dem Schlendrianen aus Deutschland um Meilenstiefel in der Neuzeit voraus.

Handelsbilanz in China:

3.) Demokratie auf Chinesisch

Wie demokratisch China ist, definiert man in Peking entsprechend der Handelsbilanz. Aktuell wiegt der europäische Kunde schwer. Der beste Trick, jede Kritik von sich zu weisen, ist: Du behauptest, so unvergleichlich unique zu sein, dass kein Normalsterblicher dich auch nur annähernd verstehen könnte. So etwas wie marsmenschenähnlich mit einem biblischen Zungenschlag vielleicht. Dieser Trick schüchtert einige Deutsche perfekt ein, vor allem solche, die vor dem unique „China“ ehrfurchtsvoll erscheinen wollen: Wenn einer die Marsmenschlichkeit verstünde, dann nur unterwürfig, und auch das nur annähernd. Von diesem Trick machte bis vor Kurzem die KP-Führung reichlich Gebrauch: Chinas System sei so unvergleichlich anders, deshalb besser als jede westliche Demokratie, weil „wir Chinesen“ so anders seien. Der Trick wirkte: Bei einem Diskussionsabend lehrte mich ein deutscher Sinologe: „Demokratie ist etwas, was wir in Europa, im Westen ausgedacht haben. Die Chinesen wollen es gar nicht. Also sollten wir uns in Bescheidenheit üben, anderen nicht unser System aufzuzwingen.“ Was mich erstaunt: Wie harmonisch es hüben wie drüben konzertiert erscheint. Dem deutschen Professor schien entgangen zu sein, dass die erste Republik in China 1912 ausgerufen wurde, erst sieben Jahre später folgte die Weimarer Republik. Und die KP-Führung scheint vergessen zu haben, was ihre einstige Ikone, Mao Zedong, 1947 beteuerte. Nicht irgendeine Demokratie, sondern die amerikanische sei „die einzige Rettung für die chinesische Nation“, schrieb Mao.

TAZ-online

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Diese Partei wird so nicht den Weg nach Oben, auf die Bank zu den Mörder des einzigen Sohnes, finden. Da hilft dann auch kein päpstlicher Segen mehr. So hat dann doch noch der Protestantische Verbund zwischen Gaucklern und Spätmerkern ihre überreifen Früchte einfahren können.

Gottes Segen! – und zum Teufel mit der CDU

4.) Friedrich Merz ist Parteichef.

Na und? Mit ihm an der Spitze werden die Christdemokraten zur Splitterpartei. „Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten.“ Das ist ein Ausspruch, der Kurt Tucholsky zugeschrieben wird. Bei der Suche nach einem CDU-Chef gilt er nicht: Jetzt, wo man die Unionsanhänger selbst über den Vorsitz hat abstimmen lassen (zum ersten Mal in der Parteigeschichte), haben sie sich für keinen „Establishment“-Kandidaten entschieden – sondern für den konservativen Troublemaker Friedrich Merz. Beim Mitgliederentscheid, dessen Ergebnis heute bekannt gegeben wurde, kommt dieser auf 62,1 Prozent der Stimmen, wie Generalsekretär Paul Ziemiak auf einer Pressekonferenz mitteilte. Norbert Röttgen erreichte 25,8 Prozent. Und der alte Merkelianer Helge Braun? Gerade mal 12,1 Prozent. Die Post-Merkel-Ära ist in der CDU angebrochen – gerade mal eineinhalb Wochen nach deren Abschied aus dem Kanzlerinnenamt. Doch was ist zu erwarten von einer „demokratisierten“ CDU, die auf ihre Basis hört? Eine „erneuerte“ Christdemokratie, die Ziemiak schon nach einer Konferenz der Kreisvorsitzenden im Oktober heraufbeschworen hatte, dürfte auf das alte Rezept zurückgreifen: knarzender Konservatismus gepaart mit neoliberaler Wirtschaftspolitik. Mit einem Chef, der Schwule daran erinnerte, schön „im Rahmen der Gesetze“ zu bleiben. Und der nach Corona alle staatlichen Transferleistungen „auf den Prüfstand“ stellen will. Ist das nicht CDU pur? Deren Mitglieder sind zu drei Vierteln männlich und über 50 Jahre alt. Mehr als 90 Prozent sind nicht gewerkschaftlich organisiert. Die Wählerschaft: wohlhabend und ländlich. Diese Jungs ticken so wie Merz. Bye bye, Volkspartei

Der Freitag-online

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War es vielleicht der alles beherrschende „Lafontainismus und seiner Clan $ Co.“ in der Partei, welche nicht bemerkte mit ihren Ansprüchen beständig vor die Wand zu laufen? Besonders  Opposition will beherrscht werden und eine Partei zeigt hier Stärke. Um die entsprechenden Ideen auszuarbeiten brauchen es mehr Kraft als das befehlen von Law and Order.

Bei Fridays for Future verschärfen sich die Konflikte zwischen Linken und Gemäßigten

5.) Flügelkampf bei FFF

Bei Fridays for Future (FFF) verschärft sich der Konflikt zwischen der gemäßigt-reformistischen Strömung und dem linken Flügel. Es war die jüngste Großdemonstration von Fridays for Future (FFF), der vor allem von Jugendlichen getragenen Protestbewegung, die seit inzwischen fast zwei Jahren regelmäßig für mehr Klimaschutz demonstriert. Knapp einen Monat nach der Bundestagswahl zogen am 22. Oktober mehrere Zehntausend Menschen durchs Berliner Regierungsviertel. Der »Klimastreik« – so nennt FFF seine Demonstrationen, auch wenn sie am Wochenende stattfinden – stand unter dem Motto »Ihr lasst uns keine Wahl«. SPD, Grüne und FDP hatten gerade ihre Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Die Parteien versprächen Klimaschutz, hätten aber schon im Wahlkampf gezeigt, dass sie keine echte Antwort auf die Klimakrise liefern wollten, hieß es im Demonstrationsaufruf. Viele bei FFF werteten die Demons­tration als Erfolg. Aber nicht alle: Konstantin Nimmerfroh bezeichnete den »Klimastreik« in Berlin auf Twitter als »Desaster« und »Höhepunkt eines bewegungsinternen Konfliktes«. Der 21jährige ist seit Jahren in der FFF-Ortsgruppe Frankfurt am Main aktiv, er hatte an der Demonstration im antikapitalistischen Block teilgenommen. Auf Twitter schrieb er, die Ordner hätten diesen Block mit spontanen Routenänderungen gegängelt und sogar mit der Weitergabe von Klarnamen an die Polizei gedroht. Beim Klimastreik in Berlin war auf Transparenten »Baerbock for Future« zu lesen; die damalige Kanzlerkan­didatin der Grünen selbst lief bei der Kölner Demons­tration mit.

Jungle.world-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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