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Archiv für November 20th, 2021

Europas neue Todeszone

Erstellt von DL-Redaktion am 20. November 2021

Was zur Hölle ist mit Europa ?

Bug Nur.jpg

Von Christian Jakob und Kateryna Kovalenko

Während die EU Polen mit Millionen für eine „Grenzbarriere“ zu Belarus unterstützen will, werden Freiwillige daran gehindert, den Flüchtenden vor Ort zu helfen. Immer mehr Menschen werden tot aufgefunden. Ein Lagebericht vom Ort einer Tragödie.

Ahmed al-Hasan wurde 19 Jahre alt. Am 19. Oktober 2021 ertrank er im Grenzfluss Bug, zwischen Belarus und Polen, so stellt es die Staatsanwaltschaft Lublin später als Todesursache fest. Die nächste muslimische Gemeinde ist zwei Autostunden weiter nördlich, in Bohuniki.

Nachdem die Staatsanwaltschaft al-Hasans Leichnam freigibt, lassen Hel­fe­r:in­nen sie dorthin bringen. Sie wird nach islamischem Ritual gewaschen. Am vergangenen Montag, es ist bereits dunkel, laden vier Männer in schwarzen Daunenjacken den Holzsarg aus einem VW-Transporter, so ist es auf Videoaufnahmen der Agentur Reuters zu sehen.

Freiwillige Hel­fe­r:in­nen haben das Begräbnis organisiert. Einige laufen mit Handys hinter dem Sarg her, einer von ihnen streamt die Bilder zu der Familie des jungen Mannes. Aus Syrien schaut diese dabei zu, wie ihr Sohn auf dem katholischen Friedhof in die Erde gelassen wird. „Ich weiß, ihr wolltet ihn noch einmal sehen“, sagt der Mann in sein Telefon.

Es ist das erste Begräbnis eines Toten, der seit Beginn der Flüchtlingsankünfte Anfang August an der Grenze zu Belarus gefunden wurde. Weitere werden folgen. Wohl dreizehn Tote wurden bis zum vergangenen Donnerstag gezählt. Wie viele wirklich starben, weiß niemand – auch, weil keine Ärz­t:in­nen oder Be­ob­ach­te­r:in­nen in die „Emergency Zone“, den Grenzstreifen, in dem der Ausnahmezustand gilt, hineingelassen werden.

Eine der wenigen Ausnahmen ist Hanna Machińska, sie ist die polnische Vizekommissarin für Menschenrechte. Machińska gab am Montag ­T-Online ein Interview. Sie dürfe über das, was sie gesehen habe, nicht alle Informationen weitergeben, sagt sie darin. Doch es gebe „Hunderte von Beispielen“, die zeigten, wie angespannt die Situation ist. Eines davon: „Wir haben von einer jungen Mutter im Grenzgebiet erfahren, die einen Schwamm ausgewrungen und das schmutzige Wasser mit dem Milchpulver für ihr Kind vermischt hat. Sie wusste, was sie tat: Es war der sichere Tod für das Baby, aber sie konnte nicht anders, das Kind hatte Hunger.“

Deutschlands Regierung nimmt an all dem keinen Anstoß. Der Sprecher des scheidenden Innenministers Horst Seehofer (CSU) schrieb am Donnerstag auf Twitter, Polen handele „seit Wochen an der Grenze zutiefst europäisch“. Deutschland stehe „fest an der Seite Polens.“

In Michałowo, einer Kleinstadt am Rande der Emergency Zone, gibt es genug Milch für Babys. Große Dosen mit Pulver stehen säuberlich gestapelt in weißen Containern auf dem Gelände der Grundschule im Ortskern. Michałowo wurde in den vergangenen Monaten bekannt, weil die An­woh­ne­r:in­nen grüne Lichter an ihren Häusern brennen lassen, um den Flüchtlingen zu signalisieren, dass sie dort Hilfe bekommen. Seit einer Woche hat das „Große Orchester der Weihnachtshilfe“, eine polnische Organisation ähnlich der deutschen „Ein Herz für Kinder“, auf dem Schulhof einen Hilfsposten aufgebaut. Große Generatoren liefern Strom, es gibt heißen Tee, volle Powerbanks für Handys, Jacken und Decken.

Die Toten an der polnischen Außengrenze

19. 9. Zwei Männer aus dem Irak, sollen erfroren sein, nahe Zubry. Ahmed Hamid, 29 Jahre, aus dem Irak, nahe Dworczysko. Eine Frau aus dem Irak, 39 Jahre, auf belarussischer Seite, Leśnoje

23. 9. Ein Mann aus dem Irak soll an Herzinfarkt gestorben sein, nahe Nowy Dwór, Sokólski, Polen

14. 10. Ein Mann aus Syrien, 24 Jahre, nahe Klimówka

19. 10. Ahmed al-Hasan aus Syrien, 19 Jahre, ertrunken im Fluss Bug nahe Woroblin

22. 10. Keine näheren Angaben, nahe Kuścińce

29. 10. Gaylan Diler Ismail, 25 Jahre, Kurde aus dem Irak, Diabetiker, soll durch fehlende Medikamente nach Pushback gestorben sein, Fundort unklar

31. 10. Kurdo Khalid, 34 Jahre, Kurde aus dem Irak, soll an Hirnblutung gestorben sein, Fundort unklar

10. 11. Ein Kurde, 14 Jahre, nahe Kuznica auf belarussischer Seite

12. 11. Ein Syrer, 20 Jahre, nahe Wólka Terehowska

Vor dem 18. 11. Einjähriges Kind, Syrien, Todesursache unklar. Die Familie war 1,5 Monate im Wald

Es ist Montag, der 15. November. Purtas, ein junger Mann mit Dreadlocks und Daunenweste, hat seinen Job als LKW-Fahrer gekündigt, um hier zu arbeiten. Auch eine junge Frau namens Justyna ist hier. Sie arbeitet sonst als Nuklearphysikerin in einem Atomkraftwerk, sagt sie. „Ich habe mir Urlaub genommen, um herzukommen.“ Ein Fernsehteam kommt, Purtas öffnet die Containertüren, damit es die Hilfsgüter filmen kann. Sie sind dafür gedacht, dass Freiwillige sie zu den Frierenden in den Wald bringen. Doch das ist zuletzt immer schwieriger geworden. Die Freiwilligen können nur zu solchen Flüchtlingen, die die Rote Zone hinter sich gelassen haben. Sie müssen sich auch weiterhin vor der Polizei verstecken, weil ihnen sonst der Pushback droht. Deshalb sind sie auch außerhalb des Sperrgebiets auf Hilfsgüter angewiesen. Aber kaum Flüchtlinge schaffen es noch aus der „Emergency Zone“ heraus. Dass gleichzeitig die schon jetzt eisigen Temperaturen weiter fallen, macht den Hel­fe­r:in­nen in Michałowo Sorgen. „Wir haben Angst, dass es in drei Wochen niemanden mehr zu retten gibt“, sagt Justyna. Auch bei Alinca Miszuk in Hajnówka stapeln sich die Hilfsgüter in großen blauen Ikea-Taschen bis unter die Decke. Die Seniorin verteilt Spenden aus ganz Polen in der südlichen Grenzregion. Am Montagabend sitzt sie allein unter einem riesigen Drachenbaum im Dachgeschoss des Hauses vom Roten Kreuz. An der Tür steht die Telefonnummer, die Geflüchtete anrufen können, damit ihnen Hilfsgüter in den Wald gebracht werden. Die Nummer hatte sich in den vergangenen Monaten unter den Flüchtlingen verbreitet. „Im Oktober habe ich 30 Anrufe pro Woche bekommen,“ sagt Miszuk. Jetzt hat seit einer Woche niemand mehr angerufen.

2015 Sokal, Widok z mostu na rzekę Bug 01.JPG

Eine Sprecherin der Stiftung Ocalenie, die vor allem in der nördlichen Grenzregion Hilfe leistet, sagt der taz, die Zahl ihrer Einsätze in den Wäldern bei den sich versteckenden Flüchtlingen habe sich zuletzt halbiert. Grund sei, dass der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko einen Großteil der Flüchtlinge nahe einem Grenzübergang bei Kuźnica habe sammeln lassen – offensichtlich, um dort eine Auseinandersetzung mit den polnischen Sicherheitskräften zu provozieren.

Die Menschen dort saßen bis Mitte der Woche fest und kamen nicht weiter. Andere, die versuchten, die Grenze und die Rote Zone anderswo zu durchqueren, seien viel schneller als früher von den polnischen Soldaten, Polizisten und Milizionären aufgehalten worden. Polen hatte deren Zahl zuletzt auf über 15.000 aufgestockt. „Das größte Problem ist, dass wir nicht in die Rote Zone dürfen“, sagt Alinca Miszuk. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen da drin sind, wir denken es sind viele.“ Miszuk glaubt, dass sich an dieser Situation bis auf Weiteres nichts ändern wird. „Das bleibt jetzt erst mal so.“

Miszuk ist nur eine von vielen Hel­fe­r:in­nen in der Grenzregion, die sich von der Propaganda der Regierungspartei PiS, dem ganzen „Kriegs“-Getöse nicht beeindrucken lassen, sondern helfen wollen. Dabei zieht die PiS alle Register: Seit dem vergangenen Montag kann man in Polen von allen Postfilialen im Land umsonst Dankesgrüße an die Einsatzkräfte an der polnisch-belarussischen Grenze verschicken. Die polnische Zentralbank kündigte an, eine eigene Banknote zur „Verteidigung der Ostgrenze“ zu drucken. Alinca Miszuk treibt um, was für ein Bild von Polen angesichts des Leids an den Grenzen entsteht. „Was denken die Menschen im Ausland über das, was hier geschieht? Wie sehen sie uns?“, fragt sie.

Die Nationalversammlung verlängerte am Dienstag den Ausnahmezustand im Grenzgebiet, der eigentlich Anfang Dezember ausgelaufen wäre. Und so sitzen viele Flüchtlinge weiter in der Roten Zone, wo die Hel­fe­r:in­nen nicht hindürfen.

Die einzige Ausnahme bildet seit Anfang der Woche die polnische katholische Caritas. Die hat „Zelte der Hoffnung“ im Grenzgebiet aufgebaut, weitere sollen folgen. Bislang nur eines davon steht in der Roten Zone, in der Gemeinde Białowieża, dem Nachbarort von Hajnówka. „Wir durften es nur deshalb innerhalb der Roten Zone aufstellen, weil wir dort mit den Dorfbewohnern zusammenarbeiten“, sagt Dariush Ghobad, ein Sprecher der Caritas in Deutschland. „Sonst würde man uns das verbieten.“ Nicht einmal die katholische Kirche lässt die PiS ungehindert zu den Notleidenden.

Ist das der fliegende Sensenmann aus Bayern ?

Doch das „Zelt der Hoffnung“ wird nicht reichen. Auch die Be­woh­ne­r:in­nen von Białowieża haben sich zu einer Hilfsinitiative zusammengetan. Am Dienstag veröffentlichten sie einen dramatischen Appell: „Da wir uns in einem Ausnahmezustand befinden, können wir nicht auf Hilfe von außen zählen, wir haben keine medizinische oder mediale Unterstützung“, schreiben sie. Sie seien mit einer Situation völlig alleingelassen worden, die „alles übersteigt, was wir uns vorstellen konnten“. Trotzdem wollten sie den Bedürftigen helfen, vor allem, weil sich aufgrund der Kälte die Todesfälle häuften. „Wir kennen diesen Wald besser als die Uniformierten, die aus ganz Polen hierherkommen, und wir wissen, dass es unmöglich ist, in diesem Wald zu überleben“, schreiben sie weiter. Menschen dort dem Tod zu überlassen, sei eine „Straftat, unmenschlich und inakzeptabel“. Sie selbst wollten „keine passiven Beobachter sein“ und „keine Leichen in unseren Wäldern sammeln“. Vom Staat fordern sie, nicht behindert zu werden. Die Bereitstellung humanitärer Hilfe verstoße nicht gegen die Regeln des Ausnahmezustands. Was sie ansehen müssen, belaste sie. „Der psychologische Druck, das tägliche Funktionieren in einem Klima des ‚Krieges‘, die dramatischen moralischen Entscheidungen, vor denen wir stehen, machen auch uns zu Opfern dieser Situation“, schließen sie ihren Appell. „Was wir jetzt erleben, wird in uns bleiben und nicht mit dem Abzug der Armee verschwinden.“

Von denjenigen, die es auf polnisches Territorium schaffen, werden nicht alle an die Grenze zurückgeschoben. Auf welcher Grundlage ausgewählt wird, weiß niemand. Sie können dann in Polen Asyl beantragen. Bis darüber entschieden ist, werden sie in eines von neun geschlossenen Internierungslagern im Land gesperrt. Die Verfahren dauern so lange, dass selbst von denen, die im August ankamen, noch kein Verfahren beendet ist. Die Anerkennungsquote in Polen ist niedrig: 2020 stellten 2.800 Menschen einen Antrag, 161 wurden anerkannt.

Quelle       :          TAZ-online          >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Bug River near Nur.

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Unten     —   The view from the bridge over the Bug RiverSokal, Lviv Oblast, Ukraine.

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Unten     —       Die Darstellung des Todes in Le Petit Journal 1912 während einer Cholera-Epidemie.

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Wann baute Politik anders ?

Erstellt von DL-Redaktion am 20. November 2021

Triumvirat der Trümmermänner

Schäden nach Beirut-Explosionen 2020 1.jpg

Ein Kommentar von Anna Clauß

Die CDU steht am Abgrund. Aber nicht, weil nur Männer für den Parteivorsitz kandidieren. Sondern, weil sämtliche Kandidaten wie kraftlose Opportunisten wirken.

In der Wirtschaft läuft es häufig so: Wenn der Chef sein Unternehmen zerbröseln lässt, kommt als Aufräumkommando eine Chefin. Frauen werden besonders gern dann ganz nach vorn gestellt, wenn die Aussicht auf nahtlosen Erfolg nicht gegeben ist.

Gestern hatte die weitgehend unbekannte CDU-Politikerin Sabine Buder aus Brandenburg überraschend ihre Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. Die 37-jährige Tierärztin und Mutter von vier Kindern wollte ein Signal an junge Frauen senden »mutig zu sein, Verantwortung zu übernehmen«. Buder behauptete, das schlechte Wahlergebnis der CDU bei der Bundestagswahl ernst zu nehmen. In der Partei, so ihr Wunsch, sollten Menschen eine Rolle spielen, die direkt aus dem Leben kommen. Also warum nicht sie selbst?

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Wir machen den Erdogan

Erstellt von DL-Redaktion am 20. November 2021

Lukaschenko und Putin

Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche zwischen Russland und Weißrussland (2021-09-09).jpg

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Tomasz Konicz

Ein Überblick über den geopolitischen Hintergrund und den ideologischen Fallout der Flüchtlingskrise an der belarussisch-polnischen Grenze.

Längst geht man beiderseits der polnisch-belarussischen Grenze über Leichen. Kurdischen Medienberichten zufolge sind in den vergangenen Tagen acht kurdische Flüchtlinge an der umkämpften östlichen Grenze der „Festung Europa“ gestorben, darunter ein 14-jähriger Junge.1 Laut der New York Times (NYT) sind in den vergangenen Wochen insgesamt 12 Flüchtlinge in der Grenzregion umgekommen.2 Aufgrund der einsetzenden Nachtfröste ist die Lage für die unmittelbar an den Grenzbefestigungen festsitzenden Menschen – darunter Hunderte Frauen und Kinder – unerträglich. Es drohen weitere Tote, zumal polnische Polizeikräfte in dem Sperrgebiet, in dem der Ausnahmezustand ausgerufen worden ist, Wasserwerfer und Tränengas einsetzten,3 um die verzweifelten Menschen zurückzudrängen.

Das, was sich an der Grenze abspielt, ist faktisch ein Ausblick auf den postdemokratischen Krisenkapitalimus, der längst auch in der EU Fuß fasst, zur „Normalität“ gerinnt: Bei dem Machtpoker an der Grenze zwischen einem zunehmend autoritär regierten Polen und der belarussischen Diktatur werden die Flüchtlinge regelrecht zerrieben. Niemand wolle bei dem Grenzkonflikt „schwach erscheinen“, und „wir befinden uns in der Mitte ihres Kampfes“, klagte ein Flüchtling gegenüber der NYT, die Flüchtlinge seien „der Stock, mit dem sie sich gegenseitig schlagen“. Belarus lässt bereitwillig auch westliche Journalisten ins Grenzgebiet, während Polen dies aufgrund des ausgerufenen Notstandes verhindert.

Wie weit die krisenbedingte Verrohung in den Zentren des Weltsystems vorangeschritten ist, machten auch die Äußerungen deutscher Spitzenpolitiker deutlich. Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer erklärte etwa, man müsse diese „Bilder des Leids aushalten“ können.4 Die EU-Bürger müssen es halt hinnehmen, dass an der Grenze Menschen krepieren – so weit ist inzwischen das Niveau der öffentlichen Flüchtlingsdebatte gesunken. Der Ministerpräsident argumentiert hier frei nach dem Motto: „Harte Zeiten; harte Pflichten; harte Herzen“.5 Es ist faktisch ein Aufruf zur Verrohung, zur Entmenschlichung, der auch charakteristisch für faschistische Propaganda in Krisenzeiten ist, die eigentlich ganz auf den Gewöhnungseffekt setzt, um elementare humane Regungen abzustumpfen. Nachdem Europa sich daran gewöhnt hat, dass das Mittelmeer zu einem Massengrab wurde, müssen nun auch die Bilder aus Belarus bis zur üblichen medial vermittelten Abstumpfung „ausgehalten“ werden.

Flüchtlinge als geopolitischer Machthebel

Dennoch ist der Grenzkonflikt zwischen Polen und Belarus, bei dem Flüchtlinge als Mittel zum Zweck zerrieben werden, zuvorderst ein geopolitischer Kampf. Ohne ein entsprechendes Machtkalkül in Minsk und Moskau gäbe es diese Krise nicht. Belarus befördert die Flüchtlingskrise, indem es gezielt Migranten einreisen lässt und ihnen den Weg an die Grenze offenlässt. Die EU arbeitet wiederum fieberhaft daran, die Fluchtmöglichkeiten zu kappen: Der geschäftsführende Außenminister Berlins droht inzwischen Fluggesellschaften mit Sanktionen, sollten sie weiter Flüchtlinge nach Belarus befördern.6 Das Erdogan-Regime als Türsteher Europas hat bereits angekündigt, seine Fluggesellschaft dementsprechend zu instruieren.

Das Regime in Minsk – in offensichtlicher Koordination mit dem Kreml – verfolgt dabei zwei Ziele: Einerseits handelt es sich hierbei um schlichte Vergeltung. Hierdurch sollen die EU, die BRD und Polen bestraft werden, da sie die belarussische Opposition während der Proteste nach den belarussischen Wahlen im August 2020 unterstützt haben, die beinahe zum Sturz Lukaschenkos führten.7 Viele Oppositionelle sind nach dem Scheitern der Protestbewegung aufgrund der brutalen Repression nach Polen oder in die baltischen Staaten geflohen.

Zum anderen geht es Minsk und Moskau darum, Zugeständnisse von Brüssel und Berlin zu erpressen: hierbei werden vor allem die Aufhebung der Sanktionen gegen Belarus, sowie weitere finanzielle Zugeständnisse angestrebt. Letztendlich versuchen Minsk und Moskau, das Vorgehen Erdogans und des türkischen Regimes zu kopieren, die als Türsteher Europas fungieren. Ankara erhält Milliarden Euro aus Brüssel und Berlin, um Flüchtlinge von Europas Grenzen fernzuhalten. Immer wieder ließ Erdogan die Spannungen an der Grenze durch gezielt geschürte Fluchtbewegungen eskalieren, um neue Zugeständnisse von Berlin zu erhalten.8 Überdies gewährt insbesondere die Bundesregierung dem Erdogan-Regime bei den türkischen Eroberungskriegen und militärischen Abenteuern in der Region umfassende geopolitische Flankendeckung.

Offensichtlich soll der EU demonstriert werden, dass Minsk und Moskau durchaus über Eskalationspotenzial verfügen, um Brüssel zur Revision seiner Sanktionspolitik gegenüber Lukaschenko zu bewegen. Eine Destabilisierung des Regimes in Belarus werde eine Destabilisierung an der östlichen Grenze der EU zur Folge haben – dies ist die Logik, die derzeit durch die Flüchtlingskrise etabliert werden soll.

Mit dem nationalistisch regierten Polen haben sich Minsk und Moskau gewissermaßen auch das „schwächste Glied“ in der osteuropäischen Peripherie der EU ausgesucht. Warschau befindet sich aufgrund seines autoritären innenpolitischen Kurses, bei dem längst die Gewaltenteilung faktisch aufgehoben wurde,9 und schwerer geopolitischer Differenzen mit Berlin (vor allem aufgrund der Ostseepipeline) im Dauerstreit mit Brüssel. Eine schnelle Koordinierung einer gemeinsamen europäische Linie in dem Grenzstreit scheint somit kaum möglich. Immerhin fällte vor Kurzem das polnische Verfassungsgericht, das inzwischen von der PiS politisch abhängig ist, ein umstrittenes Urteil, dem zufolge das polnische Recht vor dem europäischen Recht Vorrang hätte – womit ein zentrales rechtliches Fundament der EU ausgehebelt würde.10

Die Rechte in Polen und Deutschland in der Grenzkrise

Die polnische Regierungspartei PiS (Recht und Ordnung) nutzt die gegenwärtige Krise, um sich als Verteidiger polnischer Souveränität und der europäischen Grenze zu inszenieren. Den Rechtspopulisten, die zuvor innenpolitisch stark unter Druck gerieten und mit sinkenden Popularitätswerten zu kämpfen hatten, kommt die Krise somit duchraus gelegen: Durch eine harte Haltung an der Grenze und das Schüren von Fremdenangst und antirussischer Stimmungen hofft man im Warschau, die Popularitätswerte der PiS wieder nach oben treiben zu können.

Cosplayer von Donald Trump bei FF33 20190216a.jpg

Schwere Zeiten brechen hingegen für Deutschlands breite Koalition der Putin-Trolle ein, die von der AfD bis zum braunen Rand der Linkspartei, von Höcke bis Wagenknecht reicht. Für dieses Querfont-Spektrum gilt Putin als eine Art Heilsgestalt,11 als Personifizierung eines autoritären, traditionellen und kulturell homogenen Gegenmodells zum verhassten „liberalen“ Westen mit seinen offenen Grenzen, seiner „politischen Korrektheit“, etc.. Folglich kann Putin in der Wahrnehmung seiner deutschen Anhängerschaft nicht für die Flüchtlingskrise in Belarus mitverantwortlich sein, da ja die rot-braunen Putintrolle zumeist zu den rassistischen oder kulturalistischen Anhängern geschlossener Grenzen und Gesellschaften gehören.

Ein schönes Beispiel für den Stress, den das geschlossene Wahnsystem der deutschen Putintrolle derzeit erfährt, stellt ein Beitrag im Querfront-Magazin Telepolis dar, wo schlicht behauptet wird, dass niemand Lukaschenko bei seinem Vorgehen „kontrolliert“, weil dieser gedroht habe, die Gaszufuhr nach Europa zu kappen.12 Diese hohle „Argumentation“ funktioniert in diesem rot-braunen Milieu nur deswegen, weil dem deutschen Putintroll eine Instrumentalisierung von Pipelines durch Putin genauso undenkbar ist, wie die Orchestrierung einer Flüchtlingskrise.

Belarus ist nach der Niederschlagung der Protestbewegung im höchsten Maße von Moskau abhängig, Lukaschenko ist innenpolitisch angeschlagen, er ist nur noch Präsident von Putins Gnaden – vor allem, da sein Land auch ökonomisch am Ende ist und von Russland faktisch alimentiert werden muss. Deswegen hat auch Moskau ein elementares Interesse an der Aufhebung der kostspieligen Sanktionen gegen Belarus.13 Zeitgleich mit der Flüchtlingskrise hielten Belarus und Russland überdies gemeinsame Militärmanöver in der Region Grodno, unweit der Grenze zu Polen und Litauen, ab.14

Dieses Vabanque-Spiel, das auch militärische Stärke demonstrieren soll, ist aber letztendlich ein Zeichen ökonomischer Schwäche: Das Risiko einer Eskalation an der Grenze wird in Kauf genommen, da die ökonomische Lage in Belarus angespannt bleibt und Minsk wie Moskau das Sanktionsende erzwingen wollen – immerhin schaffte es Lukaschenko inzwischen, direkte Gespräche mit Merkel zu führen (es ging um die Aufhebung von Sanktionen), womit er indirekt eine Anerkennung seiner Präsidentschaft erwirkte. Zugleich telefonierte Macron mit Putin, um die Krise zu entschärfen. Am Nachmittag des 17. Novembers zeichnete sich eine Entspannung ab, da belarussische Polizeikräfte anfingen, Flüchtlinge in Unterkünfte in der Grenzregion zu verlegen. Welche Deals auf dem Rücken der Flüchtlinge verabredet worden sind, ob Minsk und Moskau erfolgreich waren, wird sich aber erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen – anhand etwaiger Zugeständnisse der EU, wie etwa Sanktionslockerungen gegenüber Belarus.

Deutschland als Ursache und Ziel der Fluchtbewegungen

Bei vielen Flüchtlingen, die an der belarussisch-polnischen Grenze buchstäblich um ihr Überleben kämpfen, handelt es sich um Kurden – und die meisten von ihnen wollen nach Deutschland. Dies ist kein Zufall. Die Geopolitik der Bundesregierung in der Ursprungsregion der Flüchtlinge, in den Bürgerkriegs- und Zusammenbruchsgebieten des nördlichen Syriens und des Irak, lässt vielen Menschen nur die Flucht in die Zentren des Weltsystems als Option übrig. Berlin ist als Finanzier und Unterstützer des türkischen Islamofaschismus in der Region maßgeblich für die Eroberungskriege und fortdauernden Aggressionen der Türkei gegen die kurdische Selbstverwaltung in Rojava und die kurdischen Gebiete im Nordirak verantwortlich, wo die Türkei derzeit einen regelrechten Giftgaskrieg15 gegen die kurdische Befreiungsbewegung führt. Nach zwei von Berlin flankierten türkischen Angriffskriegen gegen Rojava, die mit ethnischen Säuberungen von Hunderttausenden Kurden einhergingen, um dort Islamisten anzusiedeln, droht Erdogan derzeit den restlichen Selbstverwaltungsgebieten in Nordsyrien abermals mit Krieg.

Eine unsägliche Heuchelei kennzeichnet die deutsche Außenpolitik,16 die sich über die Diktatur in Minsk empört, während Merkel wenige Monate zuvor buchstäblich die ethnische Vertreibung der Kurden durch die türkisch-islamische Soldateska in Nordsyrien zu finanzieren versprach.17 Der Westen schwieg auch, als Erdogan ganze Stadtviertel im kurdischen Südosten zusammenschießen und niederwalzen ließ, um Versuche einer kurdischen Selbstverwaltung im Keim zu ersticken. Gegen die massenmörderische Repression des Erdogan-Regimes, die von Berlin politisch gedeckt, und mitunter direkt munitioniert und finanziert wird, erscheint die Diktatur in Belarus – die Dutzende, und nicht Zehntausende Menschen auf dem Gewissen hat – in einem milderen Licht.

Die von der Türkei besetzten Gebiete, in die Merkel Geld und Erdogan ökonomisch überflüssige Menschen pumpt, wandeln sich in Freiluftgefängnisse, wo islamistische Milizen das Sagen haben und die Einwohnerschaft, die nicht fliehen will oder kann, terrorisieren. Faktisch wandeln sich diese poststaatlichen Regionen in islamistische Freiluftgefängnisse, in denen Menschen konzentriert, von islamo-faschistischen Banden drangsaliert und an Fluchtbewegungen gehindert werden sollen. In der ökonomischen Zusammenbruchsregion scheint Berlin gewillt zu sein, Erdogan als einen faschistischen Gefängniswärter agieren zu lassen, während zugleich alle Versuche, in Rojava eine emanzipatorische Alternative zu diesem sich ausformenden faschistischen Regime der Menschenverwaltung aufzubauen, von Ankara und Berlin verbissen bekämpft werden.

Viele Kurden, denen Ankara und Berlin nur Vertreibung, Giftgasmord oder islamistischen Tugendterror in Syrien und dem Irak anzubieten haben, nehmen aufgrund einer aussichtslosen Lage schlicht ihr Menschenrecht auf Flucht war – und die Linke muss dieses Recht auf Flucht auch unter Ausnutzung der dargelegten geopolitischen Spannungen und imperialistischen Widersprüche nach Kräften unterstützen. Gerade in Deutschland, das angesichts des türkischen Vorgehens in Kurdistan längst zum Komplizen, zum Mittäter wurde.

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1  https://www.pukmedia.com/EN/Details/70149

2  https://www.nytimes.com/2021/11/16/world/europe/poland-belarus-border-crisis.html

3  https://www.spiegel.de/ausland/polen-belarus-eskalation-an-der-grenze-steinwuerfe-wasserwerfer-und-traenengas-a-01b74043-3ee2-4509-bff7-f484adfad789

4  https://www.mdr.de/nachrichten/welt/politik/kretschmer-aufnahme-migranten-belarus-100.html

5  https://www.loc.gov/item/2004677217/

6  https://www.tagesspiegel.de/politik/wegen-transport-von-fluechtlingen-nach-belarus-maas-droht-fluggesellschaften-mit-sanktionen/27798128.html

7  https://www.heise.de/tp/features/Belarus-in-der-Sackgasse-4876428.html

8  https://www.dw.com/de/griechische-grenzsch%C3%BCtzer-feuern-wieder-tr%C3%A4nengas-auf-migranten-aus-t%C3%BCrkei/a-52633796

9  https://www.kontextwochenzeitung.de/ueberm-kesselrand/469/polnische-postdemokratie-6595.html

10  https://www.tagesschau.de/ausland/europa/polen-verfassung-eu-recht-101.html

11  https://www.heise.de/tp/features/Putin-unser-der-du-bist-im-Kreml-3504407.html?seite=all

12  https://www.heise.de/tp/features/Fluechtlingskrise-Niemand-kontrolliert-Lukaschenko-6265639.html

13  https://www.heise.de/tp/features/Belarus-in-der-Sackgasse-4876428.html

14  https://www.dw.com/de/belarus-und-russland-halten-milit%C3%A4rman%C3%B6ver-nahe-der-polnischen-grenze-ab/a-59805610

15  https://anfdeutsch.com/hintergrund/beritan-dersim-seit-funf-monaten-setzt-die-armee-giftgas-ein-28638

16  https://www.heise.de/tp/features/Wer-Diktator-ist-das-bestimmen-wir-4874035.html

17  https://www.heise.de/tp/features/Tuerkei-Merkels-zivilisatorischer-Tabubruch-4645780.html

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Grafikquellen      :

Oben          —   Wladimir Putin und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hielten im Anschluss an die Gespräche zwischen Russland und Weißrussland eine gemeinsame Pressekonferenz im Kreml ab

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Die Wahrheit der TAZ

Erstellt von DL-Redaktion am 20. November 2021

„Wir wollen uns nützlich fühlen“

2021.08.21 Olaf Scholz 0289.JPG

Von Leo Fischer

Exklusiv in der taz: der offene Brief von Baldbundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an die gesamtdeutsche Nation hier und jetzt und in Gesamtlänge.

Es regt sich Protest gegen die rot-grün-gelben Koalitionsgespräche. Während die Coronazahlen explodieren, Krankenhäuser überlastet und im Supermarkt die Nudelregale schon wieder komplett leer geräumt sind, schieben die zukünftigen Koalitionäre seelenruhig Pöstchen hin und her – so der Vorwurf. An diesem Wochenende tritt zum ersten Mal Baldkanzler Olaf Scholz mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit.

Liebe Wählerinnen und Wähler,

liebe Deutsche!

Um es mal mit einem Hamburger Sprichwort zu sagen: „Kräht der Butt auf dem Schott, kielt der Smutje immerfott“! Ich habe Verständnis für viele, die jetzt sagen: Olaf Scholz, das ist nicht mein Kanzler, ich habe ihn nicht gewählt. Diese Leute haben ein Recht, das zu sagen, so wie ich das Recht habe, diese Leute dafür von der Polizei vermöbeln zu lassen. Das ist noch lange keine Polizeigewalt, das ist einfach Erfahrungswissen. Und sie haben ja sogar doppelt recht: Ich bin ja wirklich noch gar nicht Kanzler. Frau Merkel dagegen ist weiterhin im Amt, während das Virus tobt. Sie unternimmt gar nichts, bereitet sich auf den Ruhestand vor, probiert in Kabinettsitzungen Hüte aus. Ich weiß es, ich sitze ja neben ihr, als Vizekanzler. Aber wenn man im Mi­nu­ten­takt Sprachis von Robert Habeck beantworten muss, bleibt für die aktuelle Lage nur so wenig Zeit.

In der jetzigen Situation ist es ganz besonders wichtig, von einseitigen Schuldzuweisungen abzusehen. Die derzeitigen Koalitionsverhandlungen sind schwierig. Wir haben einen Partner am Tisch sitzen, der die bürgerlichen Interessen ganz besonders stark vertritt, der maximale Freiheiten für Unternehmen möchte und überall Gefahren für den Wohlstand der eigenen Klientel wittert – ganz ehrlich, wenn ich könnte, würde ich die Grünen sofort wieder rauswerfen! Aber auch die FDP macht mir Sorgen: Christian Lindner erreicht man nur mehr, wenn man seine Instagram-Storys kommentiert, dieselben Filter wie er verwendet. Ein gutes, produktives Gesprächsklima sieht leider ganz anders aus.

Am 11. 11. habe ich auf einer Faschingsrede auf die Gefahren hingewiesen, die von dem neuartigen Coronavirus ausgehen könnten, und der Öffentlichkeit den Vorschlag unterbreitet, Deutschland müsse „gewissermaßen winterfest“ gemacht werden. Außenbeleuchtung, Motorölstand, Scheibenwischer, die ganze Kiste. Ist in den Be­atmungs­ge­räten noch genug Luft, halten Pflegerinnen und Pfleger auch zweistelligen Minusgraden stand? Heute, mehr als eine Woche und Hunderte Tote später, möchte ich meine Forderung verschärfen: Es muss ein Winter-Check durch Deutschland gehen! Deutschland muss jetzt zu einem Fachhändler gebracht werden, und eine Person mit einem kleinen Staubsauger muss jetzt auch in den Innenraum und die ganzen Burger-Brösel aus den Miefrillen rausholen. Da dürfen wir uns nicht zu fein sein, Herr Habeck!

Wenn ich den Stand der aktuellen Gespräche erklären und begründen muss, warum das alles so lange dauert, möchte ich auf ein altes Gleichnis zurückkommen. Eine Ziege, ein Wolf und ein Kürbis wollen über einen Fluss. Der Fluss heißt Triell, wie die Stadt. Aber das einzige mögliche „Boot“ ist ein Frosch, auf dem zwei Skorpione sitzen, als Bootsleute. Der Frosch sagt blubbernd: Einer der beiden Skorpione sagt immer die Wahrheit, der andere lügt nie. Wie viele Beine habe ich am Abend? In diesem Gleichnis bin ich gewissermaßen der Frosch, den zwei lügende Skorpione tagein, tagaus mit ihren mörderischen Stacheln peinigen, piks-piks-piks, während sie ihr Gift in alle Richtungen verspritzen. In so einer Situation ist es schwer, sicher übers Meer zu kommen, das weiß jede Hamburgerin und jeder Hamburger.

Ampel Sondierungen und FridaysForFuture Protest 2021-10-15 169.jpg

Und mal ehrlich – wir alle sind nur Menschen, wir alle wollen uns nützlich fühlen. Ich finde es falsch, jetzt von „Pöstchengeschacher“ zu sprechen. Wenn Sie mal darüber nachdenken, wie schwer es ist, Toni Hofreiter einen Ministerposten auf den Leib zu schneidern, der seinem einzigartigen Bedürfnisprofil entspricht, gewinnen Sie eine Ahnung davon, wie schwer solche Verhandlungen im Detail sind. Es ist wie in einem dieser grauenhaften Assessment-Center, in die wir die ganzen Prolos seit Hartz IV immer schicken – wo, glauben Sie, liegt Ihre größte Stärke, und warum ist es Ungeduld? Dann ist da Annalena Baerbock, die immer noch der Ansicht ist, sie müsste ebenfalls ins Kabinett – ihr das nach dem verkorksten Wahlkampf auszureden, ist, glaube ich, der schwerste Teil der Verhandlungen. Ich meine, wer ist die Frau überhaupt, was stimmt denn in ihrem Lebenslauf? Ist Annalena überhaupt ihr richtiger Name? Hier müssen wir gerade als SPD genauer hinsehen, da sind sich Franziska Giffey und ich einig.

Quelle        :        TAZ-online             >>>>>          weiterlesen   

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Grafikquellen          :

Oben     — Olaf Scholz, Politiker (SPD) – Zur Zeit Vizekanzler und Bundesminister der Finanzen der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem ist er Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2021. Hier während einer SPD-Wahlkampfveranstaltung im August 2021 in München. Titel des Werks: „Olaf Scholz – August 2021 (Wahlkampf)“

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Unten     —     Protest von FridaysForFuture und Anderen, sowie Ankunft der Verhandlungsteilnehmenden an der Messe Berlin zum letzten Tag der Sondierungsgespräche für eine Ampelkoalition.

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DL – Tagesticker 20.11.2021

Erstellt von DL-Redaktion am 20. November 2021

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

Heute in der Auswahl des „Bengels“: – . –  KAMPF GEGEN PANDEMIE  – . –  Gesundheit – Hannover  – . –  Deutsche gegen neue Atombomber  – . –  Sachsen beschließt „Wellenbrecher“  – , –  Zum Verrat bereit – . –  DL wünscht allen eine  gute Unterhaltung

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Dort wo einst als Köchin die Uckermärkerin „Saure Gurkensuppe kochte“, 16 gähnende Jahre lang, reichte der Lehrling Spahn als Kellner vollkommen aus! Heute – steht die Küche leer, denn wer will  noch gesiebte Brühe durch die Maske siebend löffeln?

Union teilt aus, statt ihre Corona-Fehler einzugestehen

1.) KAMPF GEGEN PANDEMIE

CDU und CSU warnen vor nebulösen Signal-Wirkungen des Corona-Kurses der Ampel, weil diese die „epidemische Lage“ beendet. Zugleich schieben sie ihre eigenen Fehler und Versäumnisse beim Pandemie-Management beiseite. Ein denkbar schlechter Start in die Opposition. Die Union lernt dieser Tage Opposition. Keine einfache Aufgabe für eine Partei, die 16 Jahre die Regierung gestellt hat. Nur knapp ein Fünftel der Abgeordneten hat Erfahrung aus der Prä-Merkel-Zeit. Die erste Bewährungsprobe in der neuen Rolle verlief mehr als holprig. Während die Ampel-Parteien am Donnerstag für das Ende der sogenannten epidemischen Lage stimmten, schimpften Unionspolitiker auffallend aggressiv auf das „psychologisch falsche Signal“ der Entscheidung. Dabei geht es bei dem Auslaufen der „epidemischen Lage“ gar nicht um das Ende der Pandemie, sondern um ein Ende des Durchregierens via ministerieller Verordnung. Ein Argument, das selbst Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seit Wochen vorgetragen hat. Zugleich plädierte er für das Auslaufen der rechtlichen Ausnahmesituation. Doch CDU und CSU warnen lieber vor nebulösen Signal-Wirkungen – und werfen den Ampel-Parteien vor, die beschlossenen Maßnahmen seien unzureichend. Dabei haben SPD, FDP und Grüne ihr Regelpaket bereits mehrfach verschärft: Ein Lockdown für Ungeimpfte ist nun je nach Krankenhausauslastung flächendeckend möglich; Freizeit- Kultur- und Sportveranstaltungen können von den Ländern untersagt werden.

Welt-online

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Ach ja – würden Impfungen mit Pfeil und Bogen, oder mit einem Messer, wie es Bürger-Innen von einer STIKO-Horde erwarten, würden sich wohl schneller eifrige Helfer finden lassen? Was macht die Gesellschaft nicht alles für ein Land der  unfähigen Politiker-Innen, bei denen das Ende des griechischen  Corona-Alphabet noch lange nicht absehbar ist. Auf Delta folgen noch viele weitere Buchstaben mit denen viel Geld verdient werden kann. Also liebe Bürger – bringt die Surfbretter nicht zurück in die Keller! Die letzte Welle ist bekanntlich immer die Schönste:  Da Höchste.

Personal für Mobile Impfteams wird gesucht

2.) Gesundheit – Hannover

Nach der von vielen Kreisen und Städten als voreilig kritisierten Schließung der Impfzentren kommt den Mobilen Impfteams (MIT) eine besondere Rolle zu. Ein MIT soll künftig auf 40.000 statt wie bisher auf 70.000 Einwohner kommen, die Zahl der möglichen Impfteams laut Gesundheitsministerium von bisher 134 auf nun mehr als 200 steigen. Die Impfteams seien unverzichtbar, weil allein in den Monaten Januar und Februar 2022 drei Millionen Booster-Impfungen in Niedersachsen anstünden, sagte Hubert Meyer, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), der Deutschen Presse-Agentur dpa. „In der Praxis ist nicht die Finanzierung der Impfteams das Problem, sondern wiederum höchst kurzfristig qualifiziertes Personal zu gewinnen.“ Um das benötigte Personal zu finden, arbeiten die Landkreise meist mit Hilfsorganisationen zusammen, so das Gesundheitsministerium. Das sei eine Herausforderung. Es gebe aber noch keine Anzeichen für einen flächendeckenden Personalmangel. Der Johanniter-Landesverband Niedersachsen/Bremen geht davon aus, dass die Johanniter in einem ersten Schritt mit rund 25 MIT im Einsatz sein werden. Derzeit sei man in der Aufbau-Phase. Noch hätten nicht alle Kommunen abschließend über die Aufstellung der Teams entschieden.

Süddeutsche-Zeitung-online

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Es gibt in diesen Land der politischen Hasardeure ja nicht nur Corona-Leugner sondern auch Klimawechsel-Leugner und Gegner der Atombomber! So ergibt sich dann die ausgleichende Gerechtigkeit, welche die Politik ja auch seit Jahren zu leugnet versucht, da wir alle zu gut versorgt sind.  Wir können also alle darauf hoffen, das auch unsere Fürst-Innen der politischen Finsternis, einmal vom roten Teppich fallen. Meinungsmehrheiten zählen in der Politik nur dann, wenn sie den Rausch der Machthaber-Innen stärken. 

Umfrage zu Rüstung und Waffenexporten:

3.) Deutsche gegen neue Atombomber

Eine Mehrheit ist auch für strengere Regeln bei Rüstungsexporten. Die Zustimmung für ein generelles Ausfuhrverbot schwindet aber. Eine klare Mehrheit der Deutschen ist gegen den Kauf neuer Atombomber: 76 Prozent fänden es falsch, wenn die Luftwaffe als Ersatz für ihre altersschwachen Tornado-Kampfjets erneut Flugzeuge erhält, die Atomwaffen einsetzen können. Das geht aus einer Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag von Greenpeace hervor, die der taz exklusiv vorliegt. Die Ablehnung geht dabei fast quer durch die politische Landschaft: Klar dagegen sind sowohl die An­hän­ge­r*in­nen der Linken (87 Prozent) als auch die von Union und Grünen (85 Prozent), SPD (79 Prozent) sowie FDP (74 Prozent). Nur AfD-An­hän­ge­r*in­nen sind mehrheitlich für neue Atombomber. Die Frage der Tornado-Nachfolge ist derzeit Thema bei den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien. Sie hat Auswirkungen auf das Prinzip der nuklearen Teilhabe der Nato: 20 US-Atombomben sind in Deutschland stationiert. Im Ernstfall wäre es Aufgabe der Bundeswehr, diese mit ihren Tornado-Jets über feindliches Gebiet zu fliegen und abzuwerfen. Die Tornados werden aber in absehbarer Zeit ausgemustert, und da nicht alle Kampfjets mit Atomwaffen kompatibel sind, hängt von der Entscheidung für das Nachfolgemodell ab, ob Deutschland auch in Zukunft eine Rolle in den Plänen für einen Atomkrieg spielt.

TAZ-online

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Was mag der Jüngling wohl tagtäglich rauchen, auf das er sich in diesen Milieus so gut auskennt? Vielleicht sollte es zu seiner Mütze auch die Fahne mir der Banane schwenken welche ihn einst aus den Schlaf des Nicht-Widerstand erweckte?

Nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte in Hotspots

4.) Sachsen beschließt „Wellenbrecher“

Hotels, Bars, Clubs und vieles mehr muss in Sachsen schließen. Im Fußball wird es Geisterspiele geben. An Schulen wird die Präsenzpflicht ausgesetzt. Sachsen will angesichts rasant steigender Corona-Zahlen vom kommenden Montag an weite Teile des öffentlichen Lebens einschränken. Das teilte die Regierung am Freitagabend noch vor einer abschließenden Kabinettssitzung mit. Schließen müssen alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Bibliotheken, Bars, Clubs und Diskotheken. Das gleiche gilt für Weihnachtsmärkte. Die Beherbergung von Touristen ist untersagt. Die Gastronomie soll mit der 2G-Regel (geimpft/genesen) bis 20 Uhr öffnen dürfen. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 12. Dezember. Auch Großveranstaltungen, Feste und Messen werden untersagt, ebenso touristische Bahn- und Busfahrten. Tanz-, Musik- und Kunstschulen dürfen genau wie Volkshochschulen nicht unterrichten. Eine Ausnahme sind Angebote für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Für Zugang zum Arbeitsplatz gilt die 3G-Regel. Für Hotspot-Regionen mit einer Inzidenz über 1000 gilt ab 22 Uhr eine Ausgangssperre für Ungeimpfte. Zudem soll ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum verfügt werden.

Tagesspiegel-online

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Wer Wahlen auf allen Ebenen nur noch dazu benötigt, um Parteivertreter-Innen di Wege in die Parlamente zu ebnen? Nichts können, nichts Arbeiten um viel Geld zu verdienen. Ob Gelb, Schwarz, Grün oder Rot – Gerechtigkeit kennt nur der Tot.

BEWEGUNG FÜR VERGESELLSCHAFTUNG

5.) Zum Verrat bereit

Berlin: Enteignungsinitiative macht weiter Druck. Stadtentwicklungssenator Scheel (Die Linke) deutet Ergebnis des Volksentscheids um. Der Umgang mit dem bundesweit beachteten Volksentscheid zur Vergesellschaftung der Bestände großer profitorientierter Immobilienunternehmen entwickelt sich mehr und mehr zur zentralen Frage bei der derzeit verhandelten »rot-grün-roten« Regierungsbildung in Berlin. Während die »Dachgruppe« der Verhandler aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke am Freitag in einem Moabiter Hotel über die Themen Stadtentwicklung, Bauen und Mieten beriet, erhöhte die Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« den Druck auf die Grünen und die Linkspartei. Beide hatten den Volksentscheid vom 26. September im Vorfeld zögerlich (Grüne) bzw. nach außen hin vorbehaltlos (Die Linke) unterstützt, im Oktober aber einem Sondierungspapier zugestimmt, in dem von einer verbindlichen Umsetzung des Abstimmungsergebnisses nicht mehr die Rede ist. Die SPD hatte den Volksentscheid von Anfang an abgelehnt. Für Samstag vormittag mobilisiert die Enteignungsinitiative zu einer Protestkundgebung vor dem Kurt-Schumacher-Haus im Wedding, dem Sitz der Berliner SPD. Vorab forderte sie am Freitag insbesondere die grüne Spitzenkandidatin Bettina Jarasch auf, Farbe zu bekennen. Jarasch müsse »jetzt zeigen, auf welcher Seite sie steht«, und erklären, ob sie »für die demokratische, schnelle Umsetzung des Volksentscheids« oder die »undemokratische Verzögerungspolitik im Sinne der Immobilienlobby« arbeiten wolle.

Junge-Welt-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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Wir erhalten in letzter Zeit viele Mails mit Texten zwecks Veröffentlichung – Um diese zu Verbreiten  sollten Sie sich aber erst einmal vorstellen und zeigen mit wem wir es zu tuen haben.  Danke !

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Grafikquellen          :

Oben     —   DL / privat – Wikimedia

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