DEMOKRATISCH – LINKS

                      KRITISCHE INTERNET-ZEITUNG

RENTENANGST

Archiv für Oktober 27th, 2021

E. Musk und sein roter Mars

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2021

Kurs auf eine bessere Welt

Dragon V2 unveiling, Elon Musk (KSC-2014-2727).jpg

Den kleinsten Spinnern beanspruchten  schon immer die große Welt 

Ein Schlagloch von Mathias Greffrath

Der Science-Fiction-Roman „Red Mars“ beschreibt den Weg zum erstmaligen Sinken des CO2-Gehalts in der Atmosphäre. Das geht auch im echten Leben.

Im Jahr 2026 werden die ersten Kolonisten auf den Mars fliegen. So hat es sich der Science-Fiction-Romancier Kim Stanley Robinson vor achtundzwanzig Jahren ausgedacht, in seinem Roman „Red Mars“. Im wirklichen Leben wird 2026 die erste bemannte Rakete zum Mars starten. So will es jedenfalls Elon Musk, der im Jahr 2050 mit seiner Firma SpaceX die erste Stadt auf dem Roten Planeten bauen will – als Rettungsboot für eine verwüstete Erde. 2050 wiederum wird das Jahr sein, in dem zum ersten Mal die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre sinkt – jedenfalls in Kim Stanley Robinsons neuem Roman „Das Ministerium für die Zukunft“, der mir ein ebenso inspirierendes wie unruhiges Lesewochenende beschert hat.

Robinson skizziert in 108 Kapiteln, wie die Klimaziele von Paris erreicht, ja übertroffen werden könnten – aber auch, mit welchen Katastrophen wir auf dem Weg dahin zu rechnen haben, angefangen mit einer Hitzekatastrophe im Jahr 2025, in der auf einen Schlag zwanzig Millionen Inder sterben. Daraufhin streut die indische Regierung Schwefel in die Atmosphäre. Schließlich wird eine UN-Exekutivbehörde installiert, das „Ministerium für die Zukunft“, ausgestattet mit einem Mandat der Ungeborenen und sehr weitgehenden ­Vollmachten.

Mit Geo-Ingeneering, mit Geheimdiplomatie, dem Aufschwung von sozialen Bewegungen, vor allem mit einer neuen Weltwährung, deren Verrechnungseinheit die Kohlenstofftonnen sind, die nicht gefördert oder in die Erdkruste eingelagert werden („Carbon Quantitative Easing“), wendet sich das Blatt. Nach drei Jahrzehnten mit Klimakatastrophen, Ökoterrorismus und fehlschlagenden Experimenten beginnt 2050 der CO2-Gehalt der Atmosphäre zu sinken.

Es sei leicht, sagte Robinson in einem Interview mit dem Magazin Jacobin, sich die Regeln für eine andere, bessere Welt auszudenken; schwieriger schon, sich konkret den Weg aus unserer Misere hin zur neuen Ordnung vorzustellen. Diesen Versuch hat er unternommen. Und: alle Elemente seiner Anti-Dystopie existieren bereits: Drohnen, die Bäume säen, wo Menschen nicht hinkommen; Zentralbanker, die Milliardenkredite an Klimaschutz binden, Genossenschaften mit nachhaltiger Landwirtschaft. Vor allem aber wird das ganze Arrangement zusammengehalten durch ein auch emotional starkes Bekenntnis zur Herrschaft des Gesetzes. Robinson betrachtet das Pariser Abkommen als verpflichtendes Grundgesetz des 21. Jahrhunderts. Seine Heldin Mary Murphy sagt: „Am Ende läuft es alles auf Gesetzgebung hinaus, wenn es darum geht, eine neue Ordnung zu schaffen, die gerecht, nachhaltig und sicher ist.“ Gesetze, das soziale Werkzeug der Menschheit, so alt wie der Pflug. „Sonst haben wir nichts in der Hand.“

Elon Musk - Caricature (51085264062).jpg

Die Luftveränderung wirkt nach vielen Jahren

Am Ende läuft alles auf Gesetzgebung hinaus. Von heute bis 2050 sind es gerade mal sieben Legislaturperioden. Und gemessen an diesem monumentalen Roman kommen einem die Zielbestimmungen, die wir von den Koalitionsverhandlungen erwarten können, wie harmloses Aufwärmspiel für eine „Klimaregierung“ vor. Dabei liegt der Entwurf einer wirklichen Regierungserklärung vor. Am 9. Juni haben die Leopoldina und der „Rat für nachhaltige Entwicklung“ Angela Merkel ein 45-Seiten-Papier mit 14 Empfehlungen überreicht, einen großartigen strategischen Aufriss für den Übergang in ein neues Energiezeitalter gemäß den Zielen des Pariser Abkommens. Er berührt so ziemlich alle Dimensionen des Lebens in unserer Zivilisation: von einer globalen Rohstoffdiplomatie über die Umwälzung ganzer Industriezweige, die Lehrpläne an Schulen, die Digitalisierung des Alltags bis hin zu den Essgewohnheiten. Aber gelingen kann das nur, wenn es nicht allein von ökologischem, technischem und sozialem Enthusiasmus getrieben wird, sondern wenn aktive Bürger und Bürgerinnen mitmachen.

Quelle         :       TAZ-online          >>>>>         weiterlesen

********************************************************

Grafikquellen      :

Oben          —   SpaceX CEO and founder Elon Musk unveils the Dragon V2 during a ceremony for the new spacecraft inside SpaceX headquarters in Hawthorne, Calif. The spacecraft is designed to carry people into Earth’s orbit and was developed in partnership with NASA’s Commercial Crew Program under the Commercial Crew Integrated Capability agreement. SpaceX is one of NASA’s commercial partners working to develop a new generation of U.S. spacecraft and rockets capable of transporting humans to and from Earth’s orbit from American soil. Ultimately, NASA intends to use such commercial systems to fly U.S. astronauts to and from the International Space Station.

**************************

Unten     —       <a href=“https://en.wikipedia.org/wiki/Elon_Musk“ rel=“noreferrer nofollow“>Elon Reeve Musk</a>, aka Elon Musk is the founder, CEO, CTO, and chief designer of SpaceX; early investor, CEO, and product architect of Tesla, Inc.; founder of The Boring Company; co-founder of Neuralink; and co-founder and initial co-chairman of OpenAI. Musk is one of the richest people in the world. This caricature of Elon Musk was adapted from a Creative Commons licensed photo from <a href=“https://www.flickr.com/photos/teslaclubbe/12270807823/„>Tesla Owners Club Belgium’s Flickr photostream</a>.

Abgelegt unter Bücher, International, Religionen, Wirtschaftpolitik | Keine Kommentare »

Der Buchmesseboykott

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2021

»Wir« müssen gar nichts aushalten

Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Man müsse auch andere Meinungen aushalten, hieß es zum Buchmesseboykott einer bedrohten Autorin. Klar kann man das, aber muss man? Wie viel Risiko muss man eingehen, während andere überhaupt keins eingehen?

Es gehört ganz grundlegend zum Phänomen »Buchmesse«, über die Buchmesse zu meckern: Früher waren die Partys wilder, die Häppchen größer und die Freigetränke mehr, alle haben zu eng getaktete Termine, außerdem ist in den Hallen schlechte Luft und schlechtes WLAN, am Ende sind alle übermüdet und erkältet. Trotzdem ist die Buchmesse für weite Teile des Literaturbetriebs vor allem eine Wohlfühlveranstaltung: Man sieht alte Bekannte wieder, man lernt neue Leute kennen, man trinkt viel Sekt und feiert, man lästert über Richard David Precht und gibt damit an, dass man schon wieder ein Buch am Suhrkamp-Stand geklaut hat.

Fast alle meckern, und fast alle fahren beim nächsten Mal wieder hin, und alles fängt von vorn an. Ich bin selbst Teil dieses Spiels, ich war seit 2012 auf jeder Buchmesse, außer ein Mal wegen Krankheit, und dieses Jahr auch nicht, wegen Pandemie. Als die Diskussion um Jasmina Kuhnkes Boykott der Buchmesse losging, war ich eigenartig froh, dass die Messe für mich diesmal eh ausfiel. Denn der erwartbare Tenor des Literaturbetriebs war die Reaktion: Das Naziproblem gibt es hier schon länger, aber hinfahren muss man natürlich trotzdem! Stößchen! Auf die Literatur! – Sie hätten auch sagen können: Endlich wieder Buchmesse, die schwarze Frau soll uns mal nicht die Stimmung verderben mit ihrer angeblichen Bedrohungslage.

Jasmina Kuhnkes Absage ging über das übliche Buchmesse-Meckern hinaus. Kuhnke wird seit Langem regelmäßig rassistisch beleidigt und bedroht, im Frühjahr musste sie mit ihrer Familie umziehen, nachdem ihre Adresse veröffentlicht worden war und dazu aufgerufen wurde, sie zu »massakrieren«. Eigentlich hätte sie auf der Messe ihren Roman »Schwarzes Herz« vorstellen sollen, in dem es um eine Frau geht, die als Schwarze unter Weißen aufwächst und dabei Unmengen von Ausgrenzung und Demütigung erlebt, dazu psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt. Sie sagte ab, als sie erfuhr, dass nahe der Bühne, auf der sie reden sollte, der Verlag eines rechtsextremen Aktivisten stehen würde. Eines Aktivisten, der zuvor schon mal die »Abschiebung« Kuhnkes gefordert hatte und der verdächtigt wird, 2017 an einem vermummten Angriff auf einen Fotografen beteiligt gewesen zu sein.

Viele Reaktionen des Feuilletons auf diese Absage lassen sich zusammenfassen mit: »Hä? Wieso denn?« Weiße Literaturredakteure, die seit Jahrzehnten auf jeder Buchmesse waren, verstehen das Problem nicht oder werfen Kuhnke sogar vor, mit ihrer Absage Nazis großzumachen. In der »taz« hieß es, es sei »nicht die richtige Form der Solidarisierung«, wenn andere Autor*innen aus Solidarität mit Kuhnke ebenfalls nicht zur Messe fahren würden: »Aus einem Grund, der banaler klingt, als er ist: weil man dann nicht auf der Messe ist. Man würde die dort gelebte Diversität verkleinern.« In der »FAZ« hieß es, nur weil der Verfassungsschutz irgendwelche Rechtsextremen als Verdachtsfall einstufe, könne das nicht »die Auseinandersetzung mit unliebsamen politischen Ideen ersetzen«. Unliebsam wohlgemerkt, nicht etwa: gefährlich. Nichts verstanden.

Im »Tagesspiegel« wurde gemunkelt, ob es Kuhnke mit ihrer Absage nicht einfach um »medienwirksamere Resonanz« gegangen sei. Auf Twitter schrieb eine Frau, Kuhnkes »PR-Aktion« sei »das Gegenteil von Zivilcourage« und Kinder bräuchten »starke Vorbilder«. Kuhnke antwortete, ihre Kinder hätten kein Verständnis, wenn sie sich in lebensbedrohliche Auseinandersetzungen begebe, und dass es ja wohl die beste PR gewesen wäre, wenn sie sich auf der Buchmesse hätte umbringen lassen, dann wäre sie »safe« auf Platz eins der Bestsellerliste gekommen.

Es mangelte nicht an Stimmen, die Kuhnke erklärten, wie sie sich besser verhalten hätte. Auf shz.de hieß es, Kuhnke habe »die Buchmesse beschädigt«. Im »Neuen Deutschland« hieß es, Boykott sei falsch, denn man müsse Faschisten »mit rhetorischer Verve« begegnen, sich »in Akzeptanz üben«, »die eigene Bubble verlassen«, »mit den Mitteln des Wortes kämpfen«, und man fragt sich, Junge, wo warst du die letzten Jahrzehnte? Und der Soziologe Aladin El-Mafaalani erklärte: »Ich war mal Punk. Ich meide einen Ort nicht, weil da Faschos sind. Im Gegenteil, ich gehe da gezielt hin. Das ist meine Idee von Widerstand.«

*********************************************************

Grafikquellen      :

Oben          —     Außenbereich („Agora“, 2015)

Abgelegt unter Bücher, Hessen, Kultur, Überregional | Keine Kommentare »

Heimatgeschichte 1938

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2021

– Der Tag nach der Reichskristallnacht

Graffiti on Jewish cemetery in Saarland.jpg

Wer das wohl geschrieben haben könnte ?

Quelle:    Scharf  —  Links

Von Leonhard Schäfer

Den emigrierten, deportierten und ermordeten Mittelsinner Juden gewidmet

Es wurde der Versuch unternommen, eine kurze Geschichte aus der einst lebendigen jüdischen Gemeinde Mittelsinn zu erzählen, die Anfang 1938 etwa 10% der Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Erzählung könnte sich so nach der Kristallnacht 1938 abgespielt haben. Zum geschichtlichen Verständnis dienen die zahlreichen Fussnoten. L.S.

Die Vorgeschichte zu dieser Schrift

Vor 20 Jahren etwa kam ich anlässlich eines Besuchs in meiner alten Heimat Obersinn auch auf den Judenfriedhof in Altengronau. Was ich dort vorfand, beeindruckte mich sehr, z. B. die Geschichte des Friedhofs, Grabsteine von Juden aus Mittelsinn, darunter der Nachname Strauß.

Als ich dazu Tante Rosa, ehemalige Mittelsinnerin fragte, erzählte sie mir einiges über die „Mittelsinner Juden“, auch über die Kristallnacht, die SA und die Plünderungen durch Einheimische. Auch dass ihr Vater für den jüdischen Nachbarn einiges versteckt hatte.

Von anderer Seite, erfuhr man wenig oder nichts, nur, dass Obersinner SA bei der Kristallnacht nicht „dabei war“. In der Fotosammlung meiner Eltern war eines mit Obersinnern in SA-Uniform. Auf einem anderen Foto glaubte ich einen Onkel in dieser Uniform zu erkennen.

Anderes erfuhr man als Kind oder Jugendlicher kaum oder nur „nebenbei“:

Von meinem Vater von jüdischen Händlern auf den Obersinner Markttagen, von meiner Mutter, dass ihre Mutter gegen den Willen eines (Stief-) Sohns immer noch von einem Mittelsinner Juden Lebensmittel geliefert bekam und die Geschichte vom „Davidle“.

Diese Zeit beschäftigte mich schon immer. So setzte ich mich nach vielen Jahren hin und schrieb die Kurzgeschichte von David und Markus Strauß, eine Hommage…

Meine Geschichte ist erfunden. Da ich keine Akteneinsicht in Mittelsinner Unterlagen und Archive hatte, ist meine Darstellung natürlich nicht „vollständig“. Dies sollte sie auch nicht sein. Allerdings fand ich über Internet sehr wertvolle und offenbar nicht bekannte Aktenhinweise, z.B. im Bundesarchiv und in Würzburger Gestapoakten.

Leonhard Schäfer

2021

Mittelsinn, 11.11.1938 1

Es treten vors Haus in der Judengasse (heute Fellenbergstrasse) : Markus Strauß 2, ehemals „Waren- und Produkthandel“,(zusammen mit Leopold Strauß Vorsteher der jüdischen Gemeinde) 3 verwitwet, seit kurzer Zeit in Ruhestand; sein Sohn David, aus Frankfurt, seit ein paar Tagen zu Besuch. David musste die (arische) Technikerschule verlassen und arbeitete in einer kleinen Fabrik als Elektromechaniker. Ende Oktober entlassen.

David: Sieh Dir das Desaster bei den Nachbarn an. Da liegen noch Trümmer auf der Strasse.Wir haben Glück gehabt. Die paar Scherben bei uns und die Vitrine im Laden zertrümmert, das ist nichts dagegen.

Markus: Aber am meisten schmerzt mich, dass sie die Synagoge zerstört haben, so eine Schande! Hoffentlich ist dem Lehrer Siegfried 4 nichts passiert! Die haben auch die Schule demoliert!

Die fremde SA war furchtbar. Das waren Bestien, das waren keine von hier 5. Einen habe ich aber erkannt, der ist aus Zeitlofs, der war im März schon dabei 6 7.

David: Da hättest Du vielleicht schon wegmüssen, wie viele andere. Ihr seid ja nur noch wenige hier. 8

Markus: Da war doch die Mame erst kurz gestorben…

David: Es war zwar keine Mittelsinner und Obersinner SA, aber Mittelsinner Bürger waren dabei. Ich konnte vom Fenster aus sehen, wie die Marie beim Gundersheimer geplündert hat! Die hat jede Menge Bettwäsche und Damast rausgeholt. Die war schon früh eine Nazi! 9

Nach einer Weile:

Gott sei Dank, dem Gundersheimer sein Sohn, der Helmut, der Herr Doktor, der ist jetzt wahrscheinlich schon in Amerika. Ja, was sollte er noch hier in Deutschland, nachdem sie ihn 35 von der Uni geekelt haben… Amerga, das hat er auch geschafft, weil da schon ein paar von der Salia10 waren.

Markus: Zum Glück warst Du oben, als die anfingen. Wenn Du runtergekommen wärst und was gesagt hättest, hätten sie Dich totgeschlagen. Ich hab mir schnell, als sie an die Tür pochten und „Juden raus“ brüllten, das EKII an die Jacke geheftet. Ich dachte nach den Erfahrungen vom März, das hilft.- Ob’s geholfen hat? Trotzdem hat mir ein Junger mit dem Schlagstock eins übergezogen. Es schmerzt noch, geht aber…Auf jeden Fall hat ein Mittelsinner gesagt: „Das ist ein alter Mann, lasst ihn in Ruhe. Der Laden ist zu.“

….Ich muss endlich das Ladenschild abnehmen.

David: Das war sicher einer von den Katholischen. Die sind ja selbst hier eine Minderheit…Na ja, auf alle Fälle ist unser Nachbar Filippi, auch Katholik, ein guter Mensch, da können wir was verstecken, hab das auch im März getan. Die ganze Familie war immer gut zu uns.

Markus: Als die SA sahen, dass der Laden leer war, sind sie nicht weiter ins Haus und haben nur die Vitrine kaputt gemacht und noch ein paar Fenster eingeschlagen.

David: Ob die auch zum Kühn sind? – Die alte Frau Kühn ist doch Volljüdin.

Markus: Die werden sich hüten, da sorgt schon der Ortsgruppenleiter dafür, dass beim grössten Mittelsinner Arbeitgeber nichts passiert!

Es ist zwar schon seit heute Morgen ruhig, gehen wir aber lieber rein.

Sie gehen in die Küche, die gleich hinter dem Laden ist.

Markus: Davidle, jetzt sagst du mir endlich, warum du „zufällig“ vor ein paar Tagen gekommen bist!

David: Davidle …hast Du immer gesagt, als ich klein war. Weisst Du noch, dass Du am Freitagabend immer geschimpft hast: Davidle, lass Dich wäsche, sonst geh ich in Lade un hol die Peitsch…

Markus lacht: Es Davidle war für alle es blonde Jüdje. Auch jetzt bist du noch dunkelblond und siehst gar net wie e Jidn aus…

The day after Kristallnacht.jpg

Aber offenbar warst Du wasserscheu!….und das zur Vorbereitung auf den Schabbes

David: Das waren noch Zeiten…Ich ging auch gerne mit Dir zu den Markttagen nach Obersinn. Du hattest den Klumpen mit den losen Bombons immer vorne auf dem Tisch und ich beobachtete, wie die Dorfbengel sich mit ihren Ellenbogen „zufällig drauf stützten“, um ein paar „Gutzjen“ kostenlos zu ergattern.

Aber die letzte Zeit ging der Markt schlecht und die Leute kauften immer weniger bei den Juden. Du sagtest dann immer: Eigepackt, de Moat wor schlacht!

Markus: Aber die Leute kauften nach wie vor „„bei de Jüde“ ein. Später ging man erst bei Dunkelheit in die jüdischen Geschäfte oder durch die Hintertür. Genauso beim Milchholen oder -bringen.

Einige haben uns nach wie vor die Treue gehalten. Die Käthie von Obersinn hat immer noch bis zum Schluss unser Mehl genommen. Ein oder zwei der ältesten Söhne (der Stiefsöhne… einer mindestens ist Nazi) hatte den Sack Mehl wieder vors Haus gestellt, aber die Käthie hat gesagt: Wir nehmen nach wie vor das Mehl vom Markus! Sie haben auch gerne unser Matzebrot genommen, das ich ihnen manchmal schenkte. Und die Tochter, die Luis, die ist auch zum Laubhüttenfest gekommen.

David: Das waren Ausnahmen.

Markus: Vielleicht. Die Nazis, auch die HJ hier wurde nach 36, wo es wegen der Olympiade in ganz Deutschland ruhig war und besonders eben nach dem Anschluss immer frecher: Neulich hat mich so einer gezwungen, ihm einen „Meerrettich“ abzukaufen, der in Wirklichkeit ein geschältes Stück Holz war. Sie wollen uns mürbe machen…Und unserem Lehrer sein kleine Bub, als der zugucke wollt, wie die Mittelsinner und Obersinner HJ in den Wiesen eine Übung abhielten, den hätten sie fast totgeschlagen. Schon ein Verbrechen…

David: Du hättest schon längst weggesollt.

Markus: Ich hab’s mir ja die letzte Zeit überlegt…. Ich geh ins Altersheim nach Würzburg oder Aschaffenburg, dort haben wir ja auch noch ein paar Verwandte…

Aber wenn man bedenkt? In der Weimarer Zeit gings uns gut!

David: Gut? Es ging erstmal nicht allen gut. Die Nazis und die Rechten sprachen schon damals von der „Judenrepublik“ und besonders während der Weltwirtschaftskrise: Verloren Arbeiter ihren Arbeitsplatz, dann war „jüdische Misswirtschaft“ dafür verantwortlich. Blieben Kriegskrüppel, -waisen und -witwen sozial schlecht versorgt, so trug die „Judenrepublik“ daran die Schuld. Büßten Händler oder Handwerker ihre Existenz ein, waren sie von „jüdischen Blutsaugern“ zur Strecke gebracht. Stöhnten kleine Bauern unter der Last der Hypotheken, die auf Haus und Feld lagen und sehr hohe Tilgungs- und Zinszahlungen verlangten- übrigens auch hier- waren sie Opfer „jüdischer Zinsknechtschaft“.

Markus: Aber hier war es ruhig.und es ging auch noch Anfang 33 . Da mupften nur ein paar Nazis auf, auch wenn es in Würzburg und Aschaffenburg anders aussah.11

Es kamen dort Ausschreitungen vor, die offenbar nicht der Parteilinie entsprachen. 12. Und später in Mittelsinn? Der Ortsgruppenleiter Sachs ist an sich ganz vernünftig. Die paar alte Nazis und SA-ler sind die Schlimmen, auch die von Obersinn. Trotzdem ging es..

Und dann: Ich war zuversichtlich. Du weisst selbst, dass Hitler und Göring gesagt haben: Wer im 3. Reich einen Frontsoldaten beleidigt, wird mit Zuchthaus bestraft.

David: Das hast Du ja jetzt gesehen

Markus: Ich hab mich drauf verlassen. Das schrieben ja auch die jüdischen Zeitungen und der CV 13 .

David: Ich weiss, du bist ja auch beim Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, bist stolz auf dein Eisernes Kreuz und liest immer deren Zeitung „Der Schild“.14

Markus: Klar, ich hab mich ja die ganze Zeit gefühlt wie ein Deutscher…Aber kommen wir endlich zu Dir…

David: Babbe, wie Du weisst, musste ich die Elektrofachschule in Frankfurt 1935 verlassen und hab in der kleinen Fabrik als Elektromechaniker gearbeitet. Es war an sich ein gutes Arbeitsklima dort; ich war zufrieden und habe durch einen Fernlehrgang abends noch Elektrotechnik gelernt. Durch den neuen Eigentümer, den Nazi, bin ja Ende Oktober entlassen worden. Ich hatte mich schon vorher entschlossen, abzuhauen: Was hält mich denn hier? Ich war an sich nur hierher gekommen, um dir Lebwohl zu sagen und wollte noch auch aufs Grab zur Mame aufn Jüdekirfich nach Altengronau. Aber das lasse ich jetzt nach diesen Vorkommnissen sein..

Markus: Du willst heimlich abhauen? Du hättest doch rechtzeitig emigrieren können. Nu, der Enkel vom Nachbarn Nathan war im Ausbildungslager der jüdischen Pionier-Organisation zur Schulung für Einwanderer und ist mittlerweile nach Palästina ausgewandert. Stand sogar in der Zeitung „Der Israelit“.15

David: Nee, wie Du weisst, nicht nur die Religion, aber besonders der ganze Zionismus-Kram, das ist nichts für mich. Ich war ja mal im Ferienlager der Machanot der Reichsvertretung der Deutschen Juden, aber da herrschte zionistische Hochstimmung. Ich hab mich an sich immer als Deutscher gefühlt. Und Auswandern nach Palästina liegt mir nicht und die von der Jewish Agency redeten immer nur von Alijah, der Einwanderung nach Palästina.16

Auswandern hatte ich schon längst vor. Ich geh aber woanders hin…Jetzt ist es durch den Grünspan17 nur noch schwieriger geworden…

Also, ich hab da einen Arbeitskollegen, der ist bei der SAP18 die noch im Untergrund aktiv ist. Ich war auch ein paarmal dabei. Zusammen mit Ehemaligen vom „Arbeiter-Turn- und Sportbund“ haben sie ein klandestines Netz aufgebaut, um u. a. ab und zu Leute aus dem Land zu schmuggeln. Nach Mainz komme ich leicht, dort sind Schiffer, die Genossen sind oder Nazi-gegner und die schippern bis Rotterdam. Von dort aus versuche ich nach England zu kommen.

Meinen alten Reisepass habe ich nicht abgegeben.Und das „J“ ist also noch nicht drin.19

Markus: Das ist gefährlich…Und wie willst Du von hier weg?

David: Mit dem Zug kann ich jetzt nach den Pogromen nicht einfach von hier nach Frankfurt. Das ist mir in diesen Tagen zu unsicher, ja gefährlich, auch wenn man mich aufgrund meines Äusseren nicht als Juden erkennt.

Ich kenn ja durch die häufigen Wanderungen mit unserem Jugendbund den Spessart ziemlich gut und weiss noch, wo Hütten sind. Zur Sicherheit nehme ich im Rucksack eine Decke mit. Ich wandere mindestens nach Lohr…

Markus: Ich hol auf alle Fälle heute Abend vom Filippi das Rad, das ich dort untergestellt habe…

David: Wart mal: …oder bis Aschaffenburg. Dort guck ich bei unseren Verwandten vorbei, wenn die Luft rein ist. Mit dem ersten Arbeiterzug, da falle ich nicht auf, fahre ich nach Frankfurt. Blaumann und schwere Schuhe habe ich auch hier. Ich ziehe mir nur eine Joppe über. Bevor ich an den Bahnhof komme, entledige ich mich des Rucksacks und hänge nur den Brotbeutel um wie ein Arbeiter eben. Meinen Firmenausweis habe ich auch noch. Im Zug les ich dann Völkischer Beobachter.

…Ich fahre aber nicht bis Frankfurt Hauptbahnhof, wo viele Ausweiskontrollen sind, sondern steige in Niederrad aus und dann mit der Tram weiter…

Markus: Haste Geld? Ich geb Dir welches.

David: Nein, brauchst du nicht, ich hab welches gespart.

Markus: Doch, doch, geb ich Dir. Nimm wenigstens als eiserne Reserve den wertvollen Ring und das Kettchen von der Mame mit, das kannst du Dir in die Jacke nähen…

David: Mach ich, danke. Und was hast du vor? Du solltest auch bald weg.

Markus: Ich habe schon mit den Altersheimen korrespondiert…

David: Gut so. Ich such jetzt meine Sachen zusammen…

Vor dem Schlafengehen verabschieden sie sich:

„Shalom, Babbe“ – „Shalom, Mazel tov, David!“

Am nächsten Morgen ist David weg.

____________________________

1) Ein Tag nach der „Reichskristallnacht“, auch Novemberpogrom genannt.

2) Einen Markus Strauß gab es wirklich. Den Sohn David habe ich erfunden. Es gab aber ein „Davidle“ in der jüdischen Gemeinde Mittelsinn.

3) 1932 waren Markus und Leopold Strauß Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Mittelsinn. Nach anderen Angaben war es 1933 Nathan Rosenthal. Letzterer und wahrscheinlich Leopold Strauß (Angaben unsicher) sind in der NS-Zeit umgekommen (Liste Yad Vashem).

4) Seit 1931 hatte Mittelsinn wieder eine jüdische Schule mit dem Lehrer Siegried Strauß.
(Wir wissen nicht, ob es der Gleiche ist wie der in Geroda geborene, lt. Bundesarchiv „umgekommen in der NS-Zeit“)

5) Es war bewusst keine Mittelsinner und Obersinner SA eingesetzt, sondern aus Brückenau. Ich glaube im jüdischen Friedhof in Altengronau auch von Zeitlofser SA gelesen zu haben

6) Bereits im März war es im „Altreich“ nach dem Anschluss Österreichs (12.3.) zu antijüdischen Unruhen gekommen, die auch in Mittelsinn dazu führten, dass jüdische Geschäfte demoliert, Fenster eingeschlagen und die Synagoge teilweise verwüstet wurden.

7) Aus dem Bundesarchiv- Stimmungsberichte NS- Zeit: 313: Regierungspräsident Unterfranken und Aschaffenburg Bericht für März 1938 Würzburg, 9.4.1938 BayHStA, StK 106681 Allgemeine politische Lage […] Bedauerlich sind die Ausschreitungen, die in einer Reihe von Orten anläßlich der Eingliederung Österreichs gegenüber Juden verübt wurden. So wurden den Juden in Adelsberg, Burgsinn Gemünden, Mittelsinn (BA Gemünden) Schaufenster und Fenster in Privatwohnungen und Synagogen eingeworfen… Wie sinnlos derartige Ausschreitungen sind, ergibt sich daraus, daß diese Schäden nicht etwa die Juden, sondern die deutschen Versicherungsunternehmungen treffen, da die Juden gegen solche Schäden in der Regel versichert sind.

8) Anfang 1933 lebten noch 105 Juden im Ort, viele aus dem Rhein-Main-Gebiet stammend. Nach den Ausschreitungen im März entschlossen viele, wegzuziehen (es sollen 70 gewesen sein), die meisten nach Frankfurt

9) Es kam dann doch zu Anzeigen gegen plündernde Bürger und es war offenbar auch einer aus Obersinn dabei:

Die erhalten gebliebenen Akten der Gestapo-Dienststelle in Würzburg (M 13) geben einen Überblick über die Ermittlungsverfahren und ggf. Gerichtsurteile, die wegen Anzeigen gegen Mittäter aus der Bevölkerung geführt wurden. 13488: Plünderung, 20 Tage Gefängnis (U-Haft-Anrechnung) -> Mittelsinn (Lkr. Gemünden am Main, 4 Tä-ter 9632: Plünderverdacht, Polizeihaft, Verfahren eingestellt (1938) -> Obersinn (Lkr. Gemünden am Main)

10) jüdische Studentenverbindung Würzburg

11) Regierungspräsident Unterfranken Halbmonatsbericht Würzburg, 6.4.1933 Kirchliche Lage, Bd. VI, S. 4 […] Die *Boykottbewegung gegen die jüdischen Geschäftsleute ist nach den bisherigen Meldungen in mustergültiger Manneszucht durchgeführt worden

12) Es gab im Laufe der Jahre 33-38 auch Verhaftungen und Verfahren besonders gegen SA-Angehörigen bei besonders schweren Übergriffen, Körperverletzungen und Totschlag, die aber dann meistens eingestellt wurden. Ausserdem gab es Spannungen zwischen dem Regierungspräsidenten von Unterfranken, Günder, (Nicht- Nazi) und dem Gauleiter Dr. Hellmuth (einem persönlichen Feind von Leo Weismantel): Aus Bundesarchiv: Ns-Stimmungsberichte: Regierungspräsident Unterfranken und Aschaffenburg Bericht für die zweite Hälfte September Würzburg, 7.10.1933 BayHStA, StK 106 680 Allgemeine politische Lage: Bedauerlicherweise mußten in Würzburg wieder in mehreren Fällen Eigenmächtigkeiten von Angehörigen der SA und SS festgestellt werden… Da die namentlich Festgestellten behaupteten, auf Weisung des Gauleiters der NSDAP Unterfranken gehandelt zu haben, wurde diese Stelle unter Hinweis auf die bestehenden Verbote von Übergriffen und Eigenmächtigkeiten ersucht, für strengste Einhaltung dieser Bestimmungen Sorge zu tragen… Auf eigenes Ansuchen wurde Günder zum 1. Dezember 1933 in den einstweiligen Ruhestand versetzt

13) Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV). Die Zeitung des „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ galt als Stimme des assimilierten, liberal-konservativen deutschen Judentums. Sie waren Anfang 1933 der Meinung, würde der Staat und seine Institutionen die Gefahr und den potentiellen Schaden für das Ansehen des Reichs im Ausland erkennen, würden die Nazi keine Pogrome zulassen. Als nach dem ersten Boykott jüdischer Geschäfte 1933 im Ausland zum Boykott deutscher Waren aufgerufen wurde sandte die Reichsvertretung der deutschen Juden einen Brief an Adolf Hitler. Darin verurteilte sie sowohl den Boykott jüdischer Betriebe als auch den geplanten internationalen antideutschen Boykott im Ausland.

14) Auch der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) sandte im Juli 33 ebenfalls Telegramm nach London und bat darin dringend, einen geplanten internationalen Kongress zum Boykott deutscher Waren abzusagen.

15) Die ersten Boykotte 1933 veranlassten vor allem den jungen jüdischen Bevölkerungsteil und den der Zionisten, sich auf eine Emigration vorzubereiten. Einige junge Leute durchliefen Hachshara – eine landwirtschaftliche Ausbildung auf Land, die von Zionisten für diejenigen, die nach Palästina auswandern wollte, organisiert wurde.

16) Die Zionistische Weltorganisation und das Reichswirtschaftsministerium schlossen 1933 das Ha‘avara-(Transfer-) Abkommen zur Auswanderung nach Palästina. Die Vereinbarung war innerhalb der jüdischen Bevölkerung, besonders der assimilierten Juden, sehr umstritten. Auch konnten sich die Auswanderung wegen der finanziellen Bedingungen nicht alle leisten. Von den etwas mehr als 500.000 deutschen Juden 1933 wanderte bis 1939 nach Palästina ca. 1/10 aus.

17) Herschel Grynszpan , auch Grünspan genannt, verübte am 7.November 1938 in Paris das Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Dem nationalsozialistischen Regime diente diese Tat als Vorwand, um schon lange beabsichtigte Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung und Einrichtungen in Deutschland durchzuführen (Reichskristallnacht)

18) Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, seit 1933 verboten

19) Durch die Verordnung über Reisepässe von Juden vom 5. Oktober 1938 (RGBl. 1, S. 1342) wurden alle deutschen Reisepässe von Juden für ungültig erklärt. Die mit Geltung für das Ausland gültigen Pässe wurden wieder gültig, wenn sie von der Passbehörde mit einem Merkmal versehen werden, das den Inhaber als Juden kennzeichnet, das rote J.

Urheberrecht
Die unter www.scharf-links.de angebotenen Inhalte und Informationen stehen unter einer deutschen Creative Commons Lizenz. Diese Lizenz gestattet es jedem, zu ausschließlich nicht-kommerziellen Zwecken die Inhalte und Informationen von www.scharf-links.de zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen. Hierbei müssen die Autoren und die Quelle genannt werden. Urhebervermerke dürfen nicht verändert werden.  Einzelheiten zur Lizenz in allgemeinverständlicher Form finden sich auf der Seite von Creative Commons http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/.

*********************************************************

Grafikquelle :

Oben      —     „The death of the Jews will end the Saarland’s distress.“

Abgelegt unter Deutschland, Kultur, Mensch, Religionen | Keine Kommentare »

DER ROTE FADEN

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2021

Der erste Vintage-Kanzler

Roter Faden Hannover rote Zusatzmarkierung.jpg

Durch die Woche mit Silke Mertins

Olaf Scholz und andere Secondhand-Modelle: Unsere Kolumnistin war Bier trinken mit dem künftigen Kanzler Scholz und einem Labrador.

Die Minderjährige, die zu meiner Infektionsgemeinschaft gehört, findet mich verhaltenskonservativ. Warum nicht mal bei einem unbekannten, aber sehr coolen Vintage-Onlineshop in London Klamotten bestellen? Ist total vertrauenswürdig, sie kennt ihn nämlich von Instagram! Wieso Müsli zum Frühstück verzehren, wenn man auch Eis essen kann?

Und was soll bitte das immer gleiche Nein auf die Frage, ob sie ein Katzenbaby haben darf? Schließlich macht eine mehr doch keinen großen Unterschied, wenn man ohnehin schon zwei Katzen und einen Hund hat.

Sehr uncool im Übrigen auch, dass ich und meine EC-Karte nur widerwillig mit der Minderjährigen durch Secondhand-Läden streifen, wo neuerdings altmodische Klamotten völlig überteuert ebenfalls als Vintage veräußert werden. Immerhin: Die Wiederverwendung von Kleidungsstücken, die nur einen Schritt von weißen Tennissocken in Sandalen entfernt sind, ist wenigstens nachhaltig.

Diese Art der Nachhaltigkeit wird derzeit auch in der Politik gepflegt. Denn eigentlich war Olaf Scholz schon aussortiert und im hinteren Teil des Kleiderschranks verschwunden. Doch als die SPD mal wieder das Problem hatte, nichts zum Anziehen zu finden, wurde er hervorgekramt, frisch aufgebügelt und dem Wahlvolk als Vintage angeboten. Und siehe da: ein Verkaufsschlager!

Bierchen mit Olaf

Das erinnert mich an meine erste längere Begegnung mit ihm. Olaf, wie er damals von taz­le­r*in­nen genannt werden wollte, war SPD-Chef in Hamburg-Altona und wollte mal ein Bierchen trinken gehen. Es ergab sich, dass ich und meine liebste Kollegin vor dieser Verabredung einen Hund besuchten, der als Scheidungstier dringend ein neues Zuhause brauchte.

2017-09-04 BSPC Hamburg Opening by Olaf Kosinsky-2.jpg

Hm! Ich Kanzler wie mach ich das denn bloß? Wer füttert mich denn ?

Als wir aufbrachen, hatte ich eine Leine mit einem liebesbedürftigen und verfressenen Labrador namens Paula in der Hand. Wir überlegten kurz, ob wir Olaf absagen oder wenigstens über die Hundebegleitung informieren sollten, befanden aber, dass er ja nur ein kleines Licht der mächtigen Hamburger SPD sei und dankbar zu sein hatte, den Abend mit uns verbringen zu dürfen.

Nun, es stellte sich heraus, dass Olaf sich in Paulas Anwesenheit ungefähr so wohl fühlte wie Merkel bei Putin. Er wollte sie trotz guten Zuredens weder streicheln noch unter seinem Stuhl Krümel wegschlecken lassen.

Die Hamburger SPD in den 1990ern muss man sich als eine CSU des Nordens vorstellen. Olaf gehörte quasi zu den jungen Wilden (!), die sich Rot-Grün wünschten. Während er darlegte, wie gut die Milieus von SPD und Grünen zusammenpassten, rückte er kaum merklich immer weiter vom Tisch ab, bis er sich schließlich fast an die Wand presste.

Quelle        :        TAZ-online          >>>>>        weiterlesen

*********************************************************

Grafikquellen          :

Oben        —             Roter Faden in Hannover mit beschriftetem Aufkleber als Test für einen möglichen Ersatz des auf das Pflaster gemalten roten Strichs

****************************

Unten          —     

BSPD 26 in Hamburg: 4.9.2017 Opening

Abgelegt unter Deutschland, Hamburg, P.CDU / CSU, P.SPD | Keine Kommentare »

DL – Tagesticker 27.10.2021

Erstellt von DL-Redaktion am 27. Oktober 2021

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

*********************************************************

In vergleichbare Fälle wird von vielen Häusern nach einen staatlichen Kammerjäger gerufen! Für gewöhnlich braucht es eine lange Zeit die aufgelaufenen Schäden des Versagens zu reparieren.

Merkel geht – aber noch nicht so ganz

1,) Zeit des Machtwechsels

Bei der ersten Bundestagssitzung gab es viele Abschiede. Kanzlerin Merkel bleibt noch geschäftsführend im Amt. Eine erste Zäsur dagegen ist die Wahl der Bundestagspräsidentin. Peter Altmaier saß zwei Reihen hinter der Bundeskanzlerin auf der Ehrentribüne. Der Bundeswirtschaftsminister von der CDU hatte vor der konstituierenden Sitzung des Bundestags am Dienstag noch eine launigen Tweet abgesetzt: „Guten Morgen Deutschland! Heute endet meine Mitgliedschaft im Bundestag – nach 27 guten Jahren.“ Am Ende schrieb er: „Danke für Support und sorry für Fehler. Macht’s gut & besser! Thx!“ Doch je länger im Plenum die 736 neu gewählten Frauen und Männer debattierten und das Bundestagspräsidium wählten, desto mehr schien Altmaier seinen Jahren als Parlamentarier nachzutrauern, wenn man seinen Gesichtsausdruck richtig deutete. Viel lachen sah man den jovialen Saarländer nicht. Es war ohnehin eine Parlamentssitzung der Abschiede, aber auch des Neuanfangs. Allein durch die vielen jungen Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Doch zuvor meinte der FDP-Ehrenvorsitzende Hermann Otto Solms: Er gehe zufrieden und zuversichtlich. Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bedankte sich für die „vielen erfüllten Jahre“ im Parlament.

msn-online

*********************************************************

Sucht sich nicht eine-r seine Freunde-Innen dort, wo er sie glaubt zu finden ? Wer das Parteien-Pack in einen Sack steckt wird feststellen – es kommen immer die gleichen Gestalten heraus. Aber ganz abgesehen von den Parteien, ist die AfD nicht die Aussaat einer versagenden CDU.

Ein Bundestagsvize von Höckes Gnaden?

2.) AfD

Der AfD-Kandidat für das Bundestagspräsidium ist bereits Parlamentsvize – im Thüringer Landtag. Mitgewählt wurde Michael Kaufmann dort auch aus der Linksfraktion. Zu Beginn der neuen Wahlperiode ist es wieder so weit: Der Bundestag will in seiner konstituierenden Sitzung an diesem Dienstag ein Parlamentspräsidium wählen. Als Nachfolgerin für Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble von der CDU hat die SPD als größte Fraktion die Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas nominiert, die anderen Fraktionen benannten Kandidaten als Stellvertreter. Auch die AfD-Fraktion versucht wieder, einen Parlamentsvizepräsidenten zu stellen. Kandidieren soll der 57-jährige, im Saale-Orla-Kreis direkt gewählte Thüringer Neuabgeordnete Michael Kaufmann. Bisher ist die AfD im Präsidium nicht vertreten. Die anderen Fraktionen im Bundestag lehnten in der vergangenen Wahlperiode alle AfD-Kandidaten für dieses Amt mehrheitlich ab, führende Abgeordnete erklärten Kandidaten aus der in Teilen als rechtsextrem eingestuften Partei für unwählbar, auch weil deren Spitzenvertreter vor demokratie- und menschenfeindlichen Äußerungen nicht zurückschrecken. „Die Ablehnung ist grundsätzlicher Natur“, sagte auch diese Woche ein Sprecher der FDP.

Zeit-online

*********************************************************

Müsste der Mensch nicht alleine aus Protest gegen den Herdenauftrieb aus Nazi-onaler Staatsräson von Merkel, seinen Anschluss verweigern, um nicht als Willen- und Meinungs-loses Urviech  angesehen zu werden? Was wir hier sehen und hören ist eine eindrucksvolle Politik der Unfähigsten und Unwissenden Clowns.

Sag mir, wo du stehst!

3.) Der Fall Kimmich

Die Aufregung um den Impfstatus von Joshua Kimmich ebbt nicht ab. Die Annahme, der Fußballer habe keine Wahl, ist falsch. Was ist eigentlich passiert in den vergangenen vier, fünf Tagen? Hat Jo­shua Kimmich heimlich Blutdiamanten für seine Freundin gekauft? Hat er sich große Aktienpakete von sinistren Waffenproduzenten gesichert? Wurde er beim intimen Plausch mit Beatrix von Storch gesichtet? Ist seine Mitgliedschaft bei Scientology aufgeflogen? Oder hat das Dopinglabor in Köln etwas Verdächtiges im Urin des Bayern-Spielers entdeckt, Epo oder Wachstumshormone? In Wirklichkeit ist es viel, viel schlimmer: Joshua Kimmich ist nicht geimpft. Die Republik ist in heller Aufregung. Empörungspartikel schwirren nicht nur in den sozialen Netzwerken umher wie gefährliche Geschosse. Die Causa Kimmich wird auch prominent auf Programmplätzen besprochen, die reserviert sind für das hochpolitische Tagesgeschehen. Twitter hyperventiliert. Köpfe werden geschüttelt, Anklagen erhoben, Urteile gefällt. Was ist eigentlich passiert? Nun ja, der Nationalspieler mit der bis dato untadeligen Vita hat eine persönliche Gesundheitsentscheidung getroffen, so wie er das in seiner Karriere, besser: in seinem Leben, wohl schon dutzendfach getan hat. Nur hat es früher, in der vermeintlich guten alten Zeit, niemanden interessiert, ob er sich etwas (legales) spritzen ließ oder nicht, ob er Vorsorge gegen dieses oder jenes Zipperlein getroffen hat – oder eben nicht. Von Interesse war, ob Kimmich gut in Form war, ob er schöne Vorlagen gab oder Tore schoss.

TAZ-online

*********************************************************

Hat der politische Alt-Troll vielleicht nur zu lange auf den falschen Bahnhof – auf den richtigen Zug gewartet ?Das nächste Mal zuerst den Uferlosen fragen? Aber vielleicht kamen die alten Halluzinationen auch nur erneut zum Ausbruch? Was nützt aber das Doppelte – wenn der immer wieder neu kommende letzte Schuss verpasst wir?

Ex-Ministerpräsident Stoiber mit Corona infiziert

4.) Trotz Doppelimpfung

CSU-Politiker Edmund Stoiber ist an Covid-19 erkrankt. Er ist in häuslicher Quarantäne und hat leichte Symptome, heißt es. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der doppelt geimpft ist, hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. „Er ist in häuslicher Quarantäne und hat ganz leichte Symptome, aber natürlich bleibt er erstmal zu Hause“, bestätigte der Sprecher des 80-Jährigen am Dienstagabend entsprechende Informationen der „Bild“-Zeitung. Hin und wieder müsse Stoiber husten, zudem habe er etwas Schnupfen. „Es geht ihm soweit gut.“ Am Vortag habe Stoiber zum Beispiel noch von Zuhause aus eine Video-Laudatio aufgenommen.

Tagesspiegel-online

*********************************************************

Jähring – hört sich an wie Lehrling. Ist es nicht Auffällig das viele der Anwärter auf einen Sitz in den Parlamenten als Sekretäre begonnen haben ? Oder wie anders wäre zu erklären das selbst an die 80 Prozent der Bundestagsabgeordneten eine akademische Ausbildung als Beruf angeben und dort ja auch ihre nicht vorhandenen Fähigkeiten nahezu tagtäglich unter Beweis stellen? Viele haben lange Studiert – aber rein gar nichts gelernt? Wer wundert sich noch ob dieser Unfähigkeit, wenn Land und Leute absaufen?

20161221 xl 1515--Gehard-Mester Weiter so.jpg

Ein Schlag ins Parteikontor

5.) Politik Die Linke

Die schwere Niederlage bei der Bundestagswahl kommt Die Linke und ihr politisches Umfeld teuer zu stehen. Der 26. September war für Nicolas Jähring kein guter Tag. Er dürfte diesem Datum mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen entgegengesehen haben. So wie viele Menschen, die im Bundestagswahlkampf aktiv waren, wobei die Anteile von Hoffen und Bangen unterschiedlich verteilt waren, je nach Partei. Jähring hatte sich für die Linke engagiert; es war Folge seiner politischen Überzeugung und Teil seines Jobs. In den letzten vier Jahren war er Mitarbeiter des Linke-Bundestagsabgeordneten Lorenz Gösta Beutin und betreute dessen Wahlkreisbüro in Flensburg. Beutin war bei der Wahl 2017 in den Bundestag gewählt worden, als Zweiter auf der Landesliste der Linken in Schleswig-Holstein. Auch diesmal war er Nummer Zwei. Aber die Talfahrt der Linken bedeutete für sie im Nordwesten nur ein Bundestagsmandat. Beutin war raus, das war Jähring schon am Wahlabend klar. Und damit auch, dass er demnächst seinen Arbeitsplatz verliert. Nicolas Jähring ist einer von vielen, die den schweren Misserfolg der Linken ganz persönlich zu spüren bekommen. Denn es geht nicht nur um Abgeordnete, es geht auch um eine erhebliche Zahl von Mitarbeitern bei der Bundestagsfraktion, in Abgeordnetenbüros, beim Parteivorstand und längerfristig auch bei der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung. Es geht um Personal, Finanzen und Arbeitsmöglichkeiten einer Partei, die Aktionsfähigkeit gerade jetzt dringend nötig hat, um aus dem Tief wieder herauszukommen.

ND-online

*********************************************************

Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

*********************************************************

Anregungen nehmen wir gerne entgegen

Wir erhalten in letzter Zeit viele Mails mit Texten zwecks Veröffentlichung – Um diese zu Verbreiten  sollten Sie sich aber erst einmal vorstellen und zeigen mit wem wir es zu tuen haben.  Danke !

Treu unserem Motto: Es gibt keine schlechte Presse, sondern nur unkritische Leser

*********************************************************

Grafikquellen          :

Oben     —   DL / privat – Wikimedia

***************************

Unten     —       Karikatur von Gerhard Mester zum Klimawandel: „Weiter so“

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare »