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Archiv für Juli 10th, 2021

Schland der Corona-Schläfer

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juli 2021

Uns passieren schwierige Dinge

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Der letzte Schluck aus der Flasche bevor die Impf-dose den Rest erledigt.

Resilienz

Geschichte: Die psychologische Resilienzforschung begann mit den Studien von Emmy Werner. Die US-amerikanische Entwicklungspsychologin hat rund 700 Kinder, die 1955 auf der hawaiianische Insel Kauai geboren wurden, 40 Jahre lang begleitet. Sie hat beobachtet, wie sie sich entwickeln, wie ihre Schulleistungen sind und was ihr Umfeld über sie sagt. Ein Drittel der Kinder wuchs unter schwierigen Bedingungen auf. Manche von ihnen wurden in Armut groß, die Eltern waren krank oder die Kinder traumatisiert. Werner stellte fest, dass wiederum ein Drittel dieser Kinder trotzdem zu gesunden Erwachsenen herangewachsen ist. Das lag einerseits daran, dass sie früh gelernt haben, das Beste aus Situationen zu machen und Verantwortung zu übernehmen, aber auch daran, dass sie Personen um sich hatten, die sie unterstützten und an sie glaubten.

Ländervergleich: Hierzulande nehmen sich etwas mehr Menschen als sehr resilient wahr, als Menschen in anderen Ländern. Das ist das Ergebnis der internationalen Forschungsstudie „Project Discovery“, die der britische Geländewagenhersteller Land Rover in Auftrag gegeben hat. Die Forschenden befragten insgesamt 7.000 Menschen aus sieben Ländern, darunter 1.000 aus Deutschland. Während sich im internationalen Durchschnitt nur 7 Prozent der Befragten als „sehr resilient“ bezeichneten, waren es in Deutschland zumindest 9,3 Prozent – der höchste Wert im Vergleich mit den USA, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich und China. Im Alltag: Die meisten Teilnehmenden mit einer hohen Resilienz gaben bei der Studie an, Musik zu hören (55 Prozent). Im Vergleich zum Durchschnitt aller Befragten fällt vor allem auf: Resiliente Menschen lesen offenbar mehr Zeitung als andere – 43 Prozent der sich als sehr resilient Bezeichnenden sagten das über sich, im Durchschnitt waren es nur 28 Prozent. Die Studie zeigt außerdem, dass das Zusammenleben mit einer:einem Partner:in die Belastbarkeit stärkt. 67 Prozent aller Befragten mit hoher Resilienz leben in einem gemeinsamen Haushalt, während es bei den Menschen mit geringer Resilienz nur jede:r Zweite ist. Darüber, wie es sich mit anderen Wohnformen verhält, gibt die Studie keinen Aufschluss.

Pandemie: Die wahrgenommene Resilienz ist über den Verlauf der Pandemie hierzulande nur leicht zurückgegangen, wie die Cosmo-Studie unter anderem von der Universität Erfurt und dem Robert-Koch-Institut beobachtet hat. Als Grund nannten die Studienteilnehmenden vor allem das Wissen, sich nicht unterkriegen zu lassen, gefolgt von der Überzeugung, in der Lage zu sein, notwendige Wege zu finden, um weiterzumachen. Menschen über 50 Jahre weisen dabei eine höhere Resilienz auf, als jüngere Teilnehmende. Jüngere Menschen geben aber an, während der Pandemie mehr Unterstützung bekommen zu haben, vor allem von ihrer Familie.

Vergangene Krisen: Viele Gesellschaften gerieten während der Kälteperiode im 6. Jahrhundert nach Christus und der sogenannten Kleinen Eiszeit im 13. und 19. Jahrhundert unter Druck, aber sie konnten sich anpassen. Das zeigen zwei Fallstudien eines Forschungsteams unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte. Die Forschenden identi­fizierten fünf Erfolgsstrategien, die die Gesellschaften anwendeten: neue sozioökonomische Möglichkeiten ergreifen; robuste Energiesysteme nutzen, neue Ressourcen durch Handel generieren, etwa zwischen feuchten und trockenen Regionen, politisch effektiv auf natürliche Extremereignisse reagieren oder in neue Umgebungen auswandern.

Quellen: „Project Discovery“; Uni­ver­sität Erfurt; Max-Planck-Institut

Wir sprechen gerade viel über Resilienz. Was sie mit einem Schwamm gemeinsam hat und warum sie gerade jetzt so wichtig für uns ist. Ein Gespräch mit der Psychotherapeutin Isabella Helmreich und den Stressforscher Omar Hahad – führte Stella Schalamon.

taz am wochenende: Frau Helmreich, Herr Hahad, Resilienz scheint das Zauberwort unserer Zeit zu sein. Warum?

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Isabella Helmreich: In der Pandemie haben wir gemerkt, wie sehr es unsere psychische Gesundheit beeinträchtigt, wenn wir nicht mehr so leicht unsere Freunde sehen und positive Erfahrungen machen können. Wir versuchen, Strategien zu entwickeln, um damit umzugehen. Resilienz meint die Aufrechterhaltung oder Wiedergewinnung der psychischen Gesundheit während oder nach stressvollen Lebensereignissen.

Omar Hahad: Die Menschen waren schon vor der Pandemie mit zunehmenden Lebenswidrigkeiten konfrontiert. Es gibt immer mehr Leistungsansprüche, immer mehr psychische Erkrankungen. Deshalb will man herausfinden, warum manche Menschen dabei stark und gesund bleiben, oder schnell wieder funktionieren und andere schon aus kleinen Krisen nicht mehr herauskommen.

Das Wort Resilienz ist so nichtssagend, haben Sie einen besseren Namen dafür?

Helmreich: Kein Wunder, denn ursprünglich ist es ein Fachwort aus der Materialkunde für Werkstoffe. Ich empfehle immer, an einen Tafelschwamm aus der Schule zu denken. Den kann man zusammenquetschen, an die Wand werfen, auf ihm herumtreten, aber er kehrt immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Abprallen, zurückspringen – das bedeutet Resilienz.

Alles Negative prallt einfach von mir ab, wenn ich resilient bin?

Helmreich: Das denken viele, aber resistent zu sein und Stress abprallen lassen zu können, ist nur ein Teil von Resilienz. Es geht darum, sich wie der Schwamm verformen zu lassen. Uns passieren schwierige Dinge, vielleicht entwickeln wir psychische Krankheiten, durchleben negative Emotionen, aber durch interne und externe Ressourcen regenerieren wir uns wieder.

Hahad: Resilienz bedeutet nicht, dass das Stressniveau auf einer Geraden bleibt. In einer stressigen Situation gibt es einen Ausschlag nach unten. Jeder Mensch ist stressreaktiv und das ist notwendig. Menschen, die resilienter sind, schaffen es aber, nach dem Tief schnell wieder auf das Ausgangsniveau zurückzukommen. Es gibt sogar Menschen, die es schaffen, nach einer Krise ein höheres Funktionsniveau zu erreichen, an ihr zu wachsen.

Nehmen wir ein Beispiel: Ich habe mich auf meinen Traumstudienplatz beworben, der genau das versprach, was ich in meinem Leben machen wollte, doch dann werde ich abgelehnt. Wie hilft mir Resilienz?

Helmreich: Es ist normal, dass Sie erst mal traurig oder verzweifelt sind. Aber als resilienter Mensch schaffen Sie es, eine Chance darin zu sehen. Sich ein Jahr Zeit für Praktika zu nehmen, neue Ideen zu entwickeln, oder wenn Ihnen das Ziel so wichtig ist, zu überlegen, wie Sie sich weiterqualifizieren können, um den Platz doch noch zu bekommen.

Und wenn ein mir sehr nahe stehender Mensch stirbt?

Helmreich: Auch da ist es wichtig, eine Phase der Trauer und des Abschieds zu haben. Das gehört dazu. Negative Emotionen sollen durch Re­si­lienz nicht weggemacht werden, sie gehören zum Leben dazu und sind wichtig und nützlich. Resilient sein bedeutet nicht, sich gegen alles zu wappnen und keine Schwäche mehr zu zeigen. Aber es ist natürlich auch wichtig, irgendwann wieder aus der Trauer heraus­zukommen.

Was gehört zu den Ressourcen, die mir dabei helfen?

Helmreich: Ich vergleiche sie gern mit einem Blumenstrauß. Manche Ressourcen fallen direkt ins Auge, manche sind tief unten in meinem Strauß versteckt oder müssen erst noch ausgebildet werden. Resilienz entsteht im Zusammenspiel von Umwelt und persönlichen Faktoren. Das kann ein gutes soziales Netzwerk sein, eine optimistische Einstellung, dass man selbstbewusst ist, gut für sich sorgt oder schnell neue Lösungen findet. Wir erforschen außerdem übergeordnete kognitive und neuronale Resilienzmechanismen im Gehirn. Zum Beispiel die Amygdala, eine Struktur im Gehirn, die für Emotionen verantwortlich ist oder einen positiven Bewertungsstil, der bewirkt, dass jemand Dinge in einem positiven Licht sehen kann.

Wie erklären Sie, dass manche Menschen mehr von diesen Ressourcen haben als andere?

Helmreich: Studien haben gezeigt, dass es wichtig ist für Kinder, Krisen zu durchleben und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Menschen, die ein mittleres Ausmaß an kritischen Lebensereignissen in ihrem Leben bewältigt haben, sind resilienter als die, die weniger Krisen oder zu viele Krisen hinter sich haben. Sogenannte Helikoptereltern tun ihren Kindern also keinen so großen Gefallen.

Hahad: Auch der sozioökonomische Status hat etwas damit zu tun, ob Menschen resilienter sind oder nicht. Menschen, die weniger Zugang zu Bildung, Kultur und sozialen Netzwerken haben, sind beim Aufbau von körperlicher und mentaler Gesundheit eingeschränkt. Das sehen wir gerade in der Pandemie.

Helmreich: Es gibt keinen Menschen, der nicht resilient ist. Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Ressourcen, die ihm im Umgang mit schwierigen Situationen helfen, der eine mehr, der andere weniger. Hier spielt auch die Genetik eine Rolle. Dennoch kann jeder Mensch seine Resilienz stärken. Laut Studien sogar bis ins hohe Alter und egal wie resilient, jeder Mensch kann davon profitieren.

Wie mache ich das?

Helmreich: Es hilft leider nichts, wenn Sie nur ein Buch lesen. Sie müssen üben. In Resilienztrainings schaut man sich zum Beispiel Grundannahmen an, die man schon als Kind gelernt hat. Wenn man als Kind beigebracht bekommen hat, alles allein zu schaffen, kann man sich vornehmen, Hilfe holen zu dürfen. Es gibt auch eine einfache Übung, die den Blick für die schönen, kleinen Dinge trainiert, den resiliente Menschen häufig haben. Man steckt sich Kichererbsen oder kleine Steine in die Tasche, und jedes Mal, wenn man etwas Schönes sieht, wechselt man die Tasche. Am Abend geht man durch, was man am Tag Schönes erlebt hat. Es gibt allerdings nicht die eine Anleitung für alle.

Das bedeutet aber, dass ich aktiv werden, Zeit und vielleicht auch Geld investieren muss. Sollte nicht die Welt besser werden, als dass ich als Individuum daran arbeite, mich für kommende Krisen zu wappnen?

Hahad: Das wäre natürlich der anzustrebende Idealfall. Leider ist es aber häufig so, dass wir nur eingeschränkt etwas an der Ursache eines Problems ändern können, und da hilft Resilienz, das Stressempfinden subjektiv zu gestalten.

Wir werden immer irgendwie mit Stress umgehen müssen, und deswegen ist es gut, wenn wir weiter an unserer Resilienz arbeiten?

Hahad: Genau. Stress ist ein täglicher Begleiter des Lebens und das Konzept der Resilienz deshalb immer relevanter. Aber natürlich sollte man es nicht nutzen, um Menschen zu sagen, ihr müsst nur an eurer Resilienz arbeiten, dann wird alles gut. Es muss sich in erster Linie natürlich etwas an den objektiven Gegebenheiten ändern. Und erst im zweiten Schritt sollte die Arbeit an der individuellen Resilienz kommen.

Ist die Welt stressiger geworden oder Menschen weniger resilient?

Hahad: Man kann nicht sagen, dass die Resilienz immer gleich bleibt, denn sie reagiert auf Krisen. Es gibt Schwankungen im Stresserleben, in Angst und Depressivität.

Auf die Suche nach einer politisch verordneten Herden-Immunität?

Helmreich: Wir beobachten, dass die Menschen sich im Alltag schneller aus der Bahn bringen lassen. Aktuell vermischt sich Privates und Arbeit. Wir sind jederzeit erreichbar, checken abends noch die Mails, schauen etwas im Internet nach. Das macht es vielen Menschen schwer, Ruhephasen einzubauen und sich abzugrenzen. Das verursacht viel Stress.

Wäre irgendwann eine Pille für mehr Resilienz praktisch?

Helmreich: Die Pille danach für traumatische Erlebnisse wäre sicher praktisch. Aber eine Pille generell für Resilienz würde sehr viel wegnehmen, weil Negatives auch zum Leben gehört und ihm Tiefe gibt. Wir brauchen das Auf und Ab für unsere persönliche Entwicklung.

Wie können ganze Gesellschaften resilienter werden?

Quelle          :       TAZ-online         >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —     Mexican Beer: Corona 6-Pack

2.) von Oben        —     Looking northeast across 82nd St at New York Psychoanalytic Society on a mostly cloudy afternoon.

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3.) von Oben        —       An unusually personal billboard, located along the northern edge of the parking lot on the northeastern corner of the junction of Fifth and Chestnut Streets in downtown LouisvilleKentuckyUnited States.

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Unten    —       Schafe auf dem Weschnitzdamm

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Geht es Rinks oder Lechts?

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juli 2021

Der Verfassungsschutz als Spätwarnsystem

File:Thomas Haldenwang und Horst Seehofer in der Bundespressekonferent am 6. Oktober 2020.jpg

Wenn erst die Spitze als Wurm im Holz das sabbern beginnt – braucht es schon eine längere Zeit zur Reinigung.

Als Bundesinnenminister Horst Seehofer jüngst den Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) für 2020 vorstellte, nannte er als größte Bedrohungen Rechtsextremismus und Antisemitismus.[1] „Wir haben einen Alarmzustand“, urteilte er auf der Pressekonferenz. Hat der CSU-Politiker, dessen Amtszeit demnächst mit der Bundestagswahl endet, also doch verstanden? Nein. Davon kann keine Rede sein.

Der neue Verfassungsschutzbericht beinhalte „Neuigkeiten von vorvorgestern“, kritisierte etwa Ronen Steinke die 420 Seiten starke Publikation in der „Süddeutschen Zeitung“ scharf.[2] „Nur nichts überstürzen. Nur nicht zu früh Alarm schlagen! Das ist das Prinzip des Berichts.“ Steinke weiter: „Wenn der Verfassungsschutz für die Bewertung von Viren zuständig wäre, dann würde er wahrscheinlich irgendwann im Jahr 2024 bekanntgeben, dass das Coronavirus nach vorläufiger erster Einschätzung als Verdachtsfall auf Krankheitserregung eingestuft wird.“

Und die Linken-Politikerin Martina Renner twitterte: „Mehr als 20 Jahre nach Gründung des Instituts für Staatspolitik (IfS) hat auch das BfV dessen Rolle für extreme Rechte erkannt.“ Sie kritisierte: „Wenn so die von Haldenwang betonte ,Wellenbrecherfunktion‘ des BfV aussieht, dann wundere ich mich nicht über den anhaltenden Aufschwung von Rechtsaußen.“ Anders gesagt: Dafür, dass die Behörde ein „Frühwarnsystem“ der Demokratie sein möchte, ist der Verfassungsschutz oft erstaunlich spät dran. Mehr noch: Viele brisante und für die Demokratie äußerst bedrohliche Erkenntnisse werden der Öffentlichkeit vom Geheimdienst nur in Mini-Portionen verabreicht. Oder ganz unterschlagen.

Immerhin hat die „Neue Rechte“ im neuen Verfassungsschutzbericht erstmals ein eigenes Unterkapitel bekommen. BfV-Präsident Thomas Haldenwang spricht von „geistigen Brandstiftern“ in dieser Szene, erwähnt Götz Kubitscheks Institut für Staatspolitik, den Verein „Ein Prozent“, die Identitäre Bewegung, das „Compact“-Magazin des einstigen linken Revolutionärs Jürgen Elsässer. Der Präsident des Inlandsgeheimdienstes sieht ein informelles Netzwerk am Werk, in dem nach seinen Worten „rechtsextremistische bis rechtskonservative Kräfte“ zusammenwirken. Auch der Antaios-Verlag wurde unter Beobachtung gestellt. Haldenwang bestätigte damit Informationen von „Zeit Online“. Im Bericht selbst wird der Verlag nicht explizit genannt.

Detailliert skizziert hingegen der Autor Andreas Speit in seinem jüngst erschienenen Buch die sich seit Jahren entwickelnden Vernetzungen zwischen den Akteuren – und wie sie sich mit der Querdenken-Szene und der Corona-Leugnungsbewegung vereint haben.[3] Das aber haben das Bundesamt und auch die Landesämter für Verfassungsschutz nicht ausreichend im Blick, wie auch das von der Amadeu-Antonio-Stiftung verantwortete Portal „Belltower News“ am Beispiel der Coronaleugner*innen-Szene belegt.[4]

003 Protest gegen Acta in Munich.JPG

Fahnen hinterließen immer lange Schatten, selbst wenn HGM sie im Rücken hatte!

Zwar beobachtet der Verfassungsschutz, dass die Reichsbürger-Szene im Vergleich zum Vorjahr etwas Zulauf bekommen hat. Die Behörde führt diesen Anstieg vor allem auf die Proteste gegen die staatlichen Coronamaßnahmen zurück. „Die getroffenen Maßnahmen haben zu einer erhöhten Dynamik und Aktivität in Teilen der ,Reichsbürger‘- und ,Selbstverwalter‘-Szene geführt“, heißt es in Haldenwangs Bericht. „Die Ideologie der meisten Szeneangehörigen ist an die verschiedensten Verschwörungsideologien anschlussfähig.“

Neu und motivierend für die Szene sei, „dass andere Kritiker der Coronamaßnahmen die ,Reichsbürger‘ und ,Selbstverwalter‘ bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen nicht ausgrenzen, sondern gemeinsam mit ihnen protestieren.“

„Weit überwiegend“ aber sieht der Verfassungsschutz in den Demonstrationen gegen die Coronapolitik der Bundesregierung „demokratische Proteste“. „Querdenken“, obwohl doch angeblich im Visier des Verfassungsschutzes, wird im gesamten Bericht nur einmal erwähnt – im Zusammenhang mit dem Aufruf von Jürgen Elsässer zur Demonstration der Bewegung am 29. August 2020 in Berlin: „Jetzt gilt es! Jetzt ist die Chance da, das Merkel-Regime tatsächlich zu stürzen“, wird der Rechtsextremist zitiert. „Der Wind der Veränderung bläst gewaltig – so wie im Herbst 1989. Eine friedliche Revolution liegt in der Luft.“ Dass die Coronaleugner*innen-Szene generell versucht, die Revolution von 1989 zu vereinnahmen – beispielsweise finden viele Demonstrationen montags statt –, wird nicht weiter kontextualisiert.

Generell fehlt, so Nicholas Potter, „eine detaillierte Erfassung von den demokratiefeindlichen und zutiefst antisemitischen Protesten aus dem ,Querdenken‘-Spektrum und die genaue Rolle der extremen Rechten“. Bitter nötig wäre laut Amadeu-Antonio-Stiftung zudem eine statistische Analyse des Rechtsterrorismus im Online-Bereich. „Denn immer mehr Rechtsextreme organisieren sich international und weitgehend anonym in informellen Chatgruppen und Online-Foren – und stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar, wie die Anschläge von Halle über Christchurch bis Utøya schmerzhaft zeigen.“[5]

Noch immer verharmlost: Rechtsextreme in Sicherheitsbehörden

Immerhin zu einem eineinhalb Seiten langen Unterkapitel haben es die „Rechtsextremisten in den Sicherheitsbehörden“ gebracht. Im Sommer 2019 war der Autor dieses Textes Mitherausgeber des Sammelbandes „Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz“ – im damals kurz zuvor erschienenen Verfassungsschutzbericht für 2018 wurde das Problem noch mit keiner Zeile erwähnt. Inzwischen sind eine ganze Reihe weiterer Bücher zu diesem Komplex erschienen, etwa von Dirk Laabs oder Aiko Kempen.[6]

Nun ist im Verfassungsschutzbericht für 2020 die Rede von „mehreren Fällen“ aus den vergangenen Jahren, „bei denen Anhaltspunkte für eine rechtsextremistische Einstellung von Mitarbeitern aus Sicherheitsbehörden vorlagen“. Von der „Vorbereitung auf den sogenannten Tag X“ ist die Rede, von „Drohnachrichten, unterschrieben mit ,NSU 2.0‘“ sowie „Chatgruppen unter Beteiligung von Polizisten“ – nichts, was nicht bereits in Buchform oder Zeitungsartikeln zu lesen war.

Immerhin warnt der Geheimdienst: „Ausgestattet mit teilweise speziellen Fähigkeiten, Zugang zu Waffen und mitunter sensiblen Informationen, können solche Personen eine erhebliche Gefahr für den Staat und die Gesellschaft darstellen.“ Zudem würden sie das Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen untergraben.

Quelle         :           Blätter-online         >>>>>         weiterlesen

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Grafikquellen          :

Oben     —      Thomas Haldenwang (Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz) und Horst Seehofer (Bundesinnenminister) in der Bundespressekonferent am 6. Oktober 2020 bei der Vorstellung des Lageberichts zum Rechtsextremismus in Sicherheitsbehörden

Author Klaus Oberhausen       /    Source     –    https://www.flickr.com/photos/191025070@N03/50596560768/
This file is made available under the Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.
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Unten          —         February 11th, 2012 Protest anti ACTA in Munich, „banana republic“ flag

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WER KÄMPFT IN TIGRAY?

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juli 2021

In den Schulen stapelt sich ­Munition neben Tafelkreide

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Von Laura-Maï Gaveriaux und Noé Hochet-Bodin

In der Region im Norden Äthiopiens geht es nicht allein um den Konflikt zwischen den Aufständischen und der Zentral­regierung. Auch die Nachbarländer Sudan und Eritrea spielen eine wichtige Rolle. Nun hat Addis Abeba eine einseitige Waffenruhe verkündet. Vorbei ist der Krieg damit aber noch nicht.

Juni 2021, al-Qadarif im Südosten des Sudan: Pick-ups rasen durch die leeren Straßen, Läufe von Kalaschnikows zeigen in den Himmel, Maschinenpistolen rattern. Hier kommt man sich vor wie am Ende der Welt. Die kleine Kreisstadt hat kaum die einfachste Infrastruktur und liegt am Rand eines Gebiets, in dem trotz der zahlreichen Kontrollpunkte bewaffnete Gruppen jeglicher Couleur unterwegs sind.

Al-Fashaga, 250 Quadratkilometer fruchtbares Land, liegt im Dreiländereck von Sudan, Äthiopien und Eritrea; Addis Abeba und Khartum streiten sich um das Gebiet. Seit dem Ausbruch des Kriegs im äthiopischen Tigray am 5. November 2020 haben hier, in dieser ohnehin schon instabilen Region, zehntausende Menschen Zuflucht gesucht.

Am 4. November hatte die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) eine Reihe von Angriffen auf Stützpunkte der äthiopischen Streitkräfte verübt. Der Gegenschlag folgte sofort. Inzwischen hat der Krieg tausende Tote gefordert, darunter auch acht Mitarbeiter humanitärer Organisationen, wie die UNO bekanntgab.1 Am 9. November 2020, so berichtete Amnesty Interna­tio­nal, wurden in Mai Kadra Hunderte abgeschlachtet, vermutlich durch eine tigrische Miliz.

Im Motwakil, einem heruntergekommenen Hotel, sind mehrere humanitäre Hilfsorganisationen untergekommen. Hier ist auch die Operationsbasis für Ärztinnen, Ingenieure und Krankenpflegerinnen – Menschen, die ursprünglich aus Tigray stammen und aus den USA und Kanada hierhergeeilt sind. Sie kümmern sich um die Geflüchteten in den Lagern, die im Sudan in aller Eile errichtet wurden, die meisten in al-Qadarif und Kassala. Der schnelle Zustrom dieser ausländischen Helferinnen und Helfer zeugt von einer großen Diaspora, die gut vernetzt ist und über beträchtliche finanzielle Mittel verfügt.

Soldaten aus Eritrea in äthiopischer Uniform

In einem breiten Ledersessel in der Hotellobby jongliert ein mittelalter Mann mit besorgter Miene von früh bis spät mit mehreren Telefonen. Teklaw H., der sich als „Chef seines Stamms“ vorstellt, ist gerade aus Chicago angekommen. Er koordiniert mit den lokalen Behörden die Tätigkeit unzähliger informeller Unterstützungsgruppen. Die größte Herausforderung besteht darin, Passierscheine vom Militär zu erhalten, das den Zugang zu den Flüchtlingslagern kontrolliert.

Seine Bereitschaft, mit den Journalisten zu sprechen, lässt erahnen, dass H. auch eine diskrete politische Rolle spielt. „Unsere schlimmste Befürchtung seit dreißig Jahren ist wahr geworden. Wir werden zwischen einer feindlichen Zentralregierung und dem eri­trei­schen Feind zerrieben“, sagt er uns. Er ist ein ehemaliger tigrischer Rebell, seine Mutter und Schwestern leben im Lager Um Rakuba.

Im aktuellen Konflikt vollzog sich ein spektakulärer Wandel der militärischen Allianzen. Äthiopien wird von Eritrea, der seit 1993 unabhängigen einstigen äthiopischen Provinz, unterstützt. Zuvor herrschte zwei Jahre Krieg zwischen beiden Parteien, in Äthio­pien war damals die TPLF an der Macht. Und im Grenzkrieg beider Länder zwischen 1998 und 2000 stand Tigray an vorderster Front.2

Im Juli 2018 schloss der neue äthio­pische Ministerpräsident Abiy Ahmed direkt nach Amtsantritt überraschend ein Friedensabkommen mit Eritrea. Nach zwanzig Jahren wurden erstmals di­plo­ma­tische Beziehungen zwischen den feindlichen Brüdern aufgenommen, ermutigt von den USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die die Region um das Rote Meer befrieden wollten. Aus heutiger Sicht war diese Versöhnung ein Warnschuss für die TPLF.3 Seither ist Eri­trea ein starker Verbündeter der äthiopischen Machthaber gegen die Region Tigray.

Monatelang hat Abiy die offensichtliche Beteiligung Eritreas geleugnet. Erst Eritrea gab sie am 18. April 2021 in einem Brief an den UN-Sicherheitsrat zu.4 Erschütternde Videos, die Geflüchtete auf ihren Handys mitbrachten, zeigten schon seit einiger Zeit kümmerlich mit alten äthiopischen Uniformen getarnte eritreische Soldaten, die sich durch ihren Akzent verrieten.

„Von außen betrachtet war das Leugnen Äthiopiens lächerlich. Aber viele Parteigänger Addis Abebas glaubten der Propaganda, und Abiy konnte es sich nicht leisten, die Wahrheit zu früh einzugestehen“, meint der Soziologe Roland Marchal, der sich mit dem Horn von Afrika beschäftigt. „Damit hätte er zugegeben, dass er eins seiner Kriegsziele, nämlich die Wiederherstellung der äthiopischen Souveränität in Tigray, einfach an den eritreischen Präsidenten Isayas Afewerki verscherbelt hat.“

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Der nämlich geht als zweifacher Sieger aus den Ereignissen hervor: Er bändigt den Unruheherd an seiner Grenze und rächt sich gründlich an den Tigrern, die im Jahr 2000 maßgeblich an der demütigenden Niederlage seines ­Landes gegen Äthiopien beteiligt waren.

Es war die erneute Verschiebung der ursprünglich für August 2020 geplanten allgemeinen Wahlen in Äthio­pien, die im Herbst die Lunte entzündet hatte. Die Regierung in Addis Abeba hatte die erste Verschiebung mit der Coronapandemie begründet, die zweite mit logistischen Problemen. Im September führte die TPLF dann selbstständig Kommunalwahlen durch und erklärte sich sogleich selbst zum Sieger, was wiederum von Addis Abeba nicht anerkannt wurde.

Die Frage der Wahlen, die die Zentralregierung schließlich am 21. Juni dieses Jahres – allerdings nicht in Tigray – durchführen ließ, war zwar der Casus Belli, nicht aber die Ursache des Konflikts. „Alle wollten kämpfen. Der Krieg war vorhersehbar, ja unausweichlich“, urteilt Marchal.

Abiy hatte der Vormachtstellung, die die tigrische Elite seit dem Sturz der marxistisch-leninistischen Junta von Mengistu 1991 in Äthiopien innehatte, ein Ende gesetzt. Die von Abiy 2019 gegründete Wohlstandspartei schwenkte die Fahne des Patriotismus und förderte den Gedanken des Medemer (etwa: Synergie), ein Konzept, das auf der offiziellen Facebook-Seite des Ministerpräsidenten mit einer Girlande leerer Begriffe umschrieben wird: „Ermutigung, zusammenzuarbeiten für eine gemeinsame Vision und auf ein für alle segensreiches Ziel hin, das auf den Erfolgen der Vergangenheit beruht und deren Fehler zu korrigieren bemüht ist, um eine harmonischere Union zu schaffen.“ Tatsächlich geht es vor allem darum, das drückende Erbe der TPLF abzuschütteln, die die Macht in Äthiopien von 1991 bis 2018 fest in den Händen hielt.

„Ich interessiere mich kaum für Politik und ich mag Abiy nicht“, verrät uns zum Beispiel Michael Hunde, Unternehmer im Pharmasektor in Addis Abeba. „Aber für mich sind die Leute von der TPLF richtige Teufel. Sie haben sich in den 27 Jahren, während sie an der Macht waren, die Taschen vollgestopft und sich nie um das Wohl der Äthiopier geschert. Ich bedaure das Leiden der Tigrer, aber wenn sie da rauskommen wollen, müssen sie sich von der TPLF abwenden.“

Um zu verstehen, woher der Vorwurf des „tigrischen Privilegs“ stammt, muss man ins Jahr 1991 zurückgehen. Nach dem siegreichen Marsch der TPLF auf Addis Abeba und Mengistus überstürzter Flucht konnte sie die Macht in allen Bereichen an sich reißen. Durch die Auflösung der alten Strukturen konnte sie 90 Prozent der Posten in der Armee neu besetzen und sich die alleinige Kontrolle über die Geheimdienste sichern.

Quelle         :         LE MONDE diplomatique-online           >>>>>          weiterlesen 

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Grafikquellen          :

Oben     —     A map of the Ethiopian Regions and Chartered Cities with their flags and with their Regional Capitals and Regional largest city marked. Derived from https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ethiopia_Regions_Blank.png Using Flags from Commons.

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Unten      —       Soldiers belonging to the Ethiopian Naitonal Defense Forces put on African Union berets and craverts during a ceremony in Baidoa, Somalia, to welcome them into the African Union peace keeping mission on January 22. AU UN IST PHOTO / Tobin Jones

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Eine These der Jugend

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juli 2021

Wer Boomer hatet, disqualifiziert sich selbst

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Sie sollten sich nur der Politik entsagen, sonst ist es um sie geschehen! Die Politik frisst ihre eigenen Kinder !

Von Beate Wilms

Zwei Jahre lang habe ich gedacht: Das kann die nicht besser wissen. Das hat der bloß so zugespitzt. Das hört schon wieder auf. Aber nachdem nun auch Kolleg:innen, die ich ansonsten sehr schätze, das Feindbild der Fridays for Future übernehmen und sich auf „die Boomer“ als Quelle allen (Klima-)Übels einschießen, reicht es mir. Schluss damit! Hört endlich auf!

Privilegiert?! Konsumsüchtig?! Wachstumsgläubig?! Wer eine Generation so allgemein und unreflektiert hatet, kann nur im Tal der Ahnungslosen wohnen, ohne Internet, ohne Bibliotheken, ohne Kontakt zu Menschen, die zwischen Mitte der 1950er und Ende der 1960er Jahre geboren sind. Da hätte man ansonsten nämlich einfach mal nachlesen können, wer oder was diese Boo­me­r eigentlich sind. Oder besser noch: Ei­ne:n von ihnen fragen.

Ich zum Beispiel hätte bereitwillig geantwortet. Hätte berichtet, wie undankbar es war, im selben Jahr geboren worden zu sein wie 1.357.303 andere Kinder in Deutschland, das damals noch BRD und DDR war. Denn das Wort „Boomer“ hat nichts mit gut, groß, schön oder teuer zu tun. Es ist die Abkürzung von Babyboomer, was nur heißt: Verdammt viele Schreihälse auf einmal. Zu viele. Viel zu viele…

Kleiner Vergleich gefällig? Voriges Jahr kamen hierzulande gerade mal 773.100 Babys auf die Welt, das sind fast die Hälfte weniger.

Warum die Geburtenrate in meiner Kindheit explodierte, ist schnell erzählt: Zum Babyboom kam es, als der Zweite Weltkrieg lange genug her war und es wieder genug Männer und in der Bundesrepublik, in die ich hineingeboren wurde, auch einen gewissen Wohlstand gab. Wobei Wohlstand hieß, dass sich die Familien einen (!) gebrauchten (!) VW oder Opel und ein (!) Telefon leisten konnten. Oder zwei Wochen Sommerurlaub. Im eigenen Land natürlich, fast wie heute mit Corona: Nordsee, Eifel, Hunsrück – wir kommen!

Dafür war die Verhütung ein Problem. Die Antibabypille? Die musste erst noch zugelassen werden und gab es dann dank der bundesdeutschen Ärztemoral auch nur für Verheiratete, die schon drei oder vier Kinder plus schlimmste Menstruationsbeschwerden hatten. Erst 1970 änderte sich die Verschreibungspraxis – und, oh Wunder!, mit dem Babyboom war es dann schnell vorbei.

Zur Generation der Babyboo­me­r zu gehören, hieß also vom ersten Atemzug an keinen Platz zu haben. Spielwiesen waren überfüllt, Kindergartenplätze praktisch nicht vorhanden. In der Schule stopfte man uns mit 45 Mädchen und Jungen in eine Klasse. Bei den Ausbildungsstellen reichte es dann gar nicht mehr, und die Hochschulen waren schon vollgelaufen, bevor wir uns immatrikulieren konnten. War doch genau mein Jahrgang nicht der erste große, dafür aber zahlenmäßig der stärkste. Diejenigen, die es von uns dann doch irgendwie ins Arbeitsleben schafften, zahlen zwar brav anderen die Rente. Doch für unsere eigene werden wir natürlich immer noch zu viele sein – und für die Pflegeversicherung erst recht.

Wir, werte Generation X, Y, Z, waren die ersten in der Bundesrepublik, für die brüchige und unstete Berufswege mit geringfügiger Beschäftigung, mit schlecht bezahlten Tätigkeiten, mit Niedriglohn und Leiharbeit normal waren. Um uns herum bauten die Regierungen den Sozialstaat erst ein bisschen aus, dann aber rapide ab, bis er nicht mehr wiederzuerkennen war, und erfanden im Zusammenspiel mit den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden und deren Verbündeten die „Ellbogengesellschaft“. Egoismus, Konkurrenz, Rücksichtslosigkeit und Eigennutz hießen die neuen Tugenden, mit denen wir uns aus der Masse herausrüpeln sollten.

Wir haben gegen Wald­sterben und Atomkraft protestiert

Wer das alles gar nicht wissen will und sich stattdessen ein „Boomer-Privileg“ herbeifantasiert, sollte nicht anderswo von Wokeness reden!

Hättet Ihr mich gefragt, hätte ich Euch auch etwas anderes erzählt: Zum Beispiel, dass es ein Mythos ist, dass sich Boomer nicht für die Zukunft unseres Planeten interessieren. Wer bitteschön hat denn Anfang der 1980er Jahre gegen das Waldsterben protestiert, das vor allem die Folge des sauren Regens war? Wer hat es geschafft, dass die europäischen Staaten, die USA, Kanada und die Sowjetunion 1983 das Genfer Luftreinhalteabkommen abschlossen? Dass Rauchgase entschwefelt wurden, sich der Katalysator durchsetzte, Grenzwerte für Schwefeldioxidausstoß und Stickoxide festgelegt wurden? Boo­me­r kämpften gegen ozonschichtvernichtende Fluorchlorkohlenwasserstoffe, gegen Autobahnen, gegen Atomkraftwerke, Wiederaufbereitungsanlagen, Endlager, aber auch gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen im Kalten Krieg – und gegen die Asylpolitik der Bundesregierung.

Quelle       :          TAZ-online         >>>>>          weiterlesen

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DL – Tagesticker 10.07.2021

Erstellt von DL-Redaktion am 10. Juli 2021

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Rums – es spricht ein neuer Meinungs-Papst! Ein Donnerwetter aus der CDU in Form eines Krisengewitters ? Äh – wer ist denn schon dieser Hinterbänkelnde Kiesewetter welcher mit Steinen aus seinen Glashaus wirft? Sagte die Bevölkerung früher nicht: „Hast du einen Opa – schick ihn nach Europa, magst du deine Oma bette sie aufs Sofa.“ Heute ist auch das EU-Parlament zu einen Abwehrtruppe der Christlichen DU-Kapitalisten  verkommen?

Außenpolitiker Kiesewetter rät Union zu kritischerem Kurs bei Nord Stream 2

1.) Strategiepapier

Für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist die Ostseepipeline ein »reines Wirtschaftsprojekt«. CDU-Außenexperte Kiesewetter empfiehlt im Wahlkampf hingegen nach SPIEGEL-Informationen eine kritische Haltung.Kaum ein großes Infrastrukturprojekt ist international so umstritten wie die Gaspipeline Nord Stream 2. Schon bald könnte sie jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland nach Europa liefern. Doch viele europäische Staaten und die USA sind gegen das Projekt, der Konflikt die Beziehungen zu Deutschland. Nord Stream 2 könnte auch vor der Bundestagswahl ein Streitthema werden. Der Russlandberichterstatter der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Roderich Kiesewetter, spricht sich dafür aus, dass die Union im Wahlkampf eine kritische Haltung vertritt. »Nord Stream 2 ist primär ein geopolitisches Projekt, mit dem Russland vor allem auf die Ausschaltung der Ukraine aus dem Gastransit nach Europa zielt«, schreibt Kiesewetter in einer »Handreichung zu Russlandfragen«, die dem SPIEGEL vorliegt. Der CDU-Außenexperte hat das Papier als Argumentationshilfe für den Bundestagswahlkampf verfasst. Er grenzt sich darin von der Behauptung ab, Nord Stream 2 sei ein »reines Wirtschaftsprojekt«.

Spiegel-online

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Dann braucht er sich ja keine Sorgen um seine politische Zukunft zu machen. Der Parteien-Clan wird seinen Wünschen nachkommen. In einer Regierung der versammelten Unfähigkeiten werden nur Ehren-Medaillen vergeben. So  überkam Merkel wohl die große Erleuchtung, zu den nächsten Wahlen nicht mehr anzutreten. Das Deutsches Clan-Volk hätte seine Mutti auch noch in einhundert Jahren wiedergewählt. Der Deutsche Michel wird auch erst Aufwachen, wenn sich die Erde mit einen Knall in Rauch aufgelöst hat. Oder eben selbst dann noch nicht!

Verkehrsminister Scheuer will im Amt bleiben

2.) Bundestagswahl

Er habe „noch viel vor“, sagt der mit der Maut gescheiterte Verkehrsminister und CSU-Mann. Der Ostbeauftragte Wanderwitz fordert mindestens einen Minister aus dem Osten in der neuen Bundesregierung. SPD-Chef Walter-Borjans kritisiert die Lockerungen in NRW. Armin Laschet mache „Schönwetterpolitik mit dem Blick auf die Bundestagswahl“. Der CDU-Vorsitzende Laschet lehnt ein Machtwort in Richtung des umstrittenen Bundestagskandidaten Maaßen ab, distanziert sich aber von dessen Aussagen in Bezug auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer würde sein Amt trotz breiter Kritik wegen der gescheiterten Pkw-Maut auch in einer neuen Regierung gerne weiterführen. Der CSU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mir macht es viel Freude. Ich werde hart kämpfen, in meinem Wahlkreis und dann bei den Koalitionsverhandlungen, dass dieses Investitions- und Innovationsministerium gut in die Zukunft geht. Ich habe noch viel vor.“ Scheuer ist seit März 2018 Ressortchef. In seine Amtszeit fällt das Scheitern der Pkw-Maut. „Es steht 88 zu 1“, sagte er mit Blick darauf. „88 Verordnungen und Gesetze haben wir als Verkehrsministerium in dieser Legislaturperiode durchgebracht durch Bundestag und Bundesrat. Wir haben den Koalitionsvertrag übererfüllt. Die Legislaturperiode war schon ziemlich knackig, aber auch ziemlich ergebnisorientiert.“ So betonte er mit Blick auf die Bahn: „Wir haben in dieser Legislaturperiode so viel Priorität gesetzt und Geld in das System Schiene gegeben wie nie zuvor.“

Süddeutsche-Zeitung-online

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Meinungen haben wir ja schon mehrere in den letzten Tagen gelesen und so wollen wir uns auf den Weg machen, wie der Politiker hieß, welcher sich dem freien Journalismus entgegen stellte – hier in dieser Bananenrepublik. War sein Name vielleicht ein CDU Hase – welcher nie etwas gewusst, geschweige denn gesehen hatte – ÄH – oder noch schlimmer nie wissen wollte.

Demo für türkischen Journalisten

3.) „Angriff auf unser Leben im Exil“

Nach dem Überfall auf Erk Acarer versammeln sich 200 Menschen, um ihre Unterstützung zu zeigen. Viele sind wie er Exi­lan­t*in­nen aus der Türkei. Es sind an die 200 Menschen, die sich am Donnerstagabend zu einer kurzfristig organisierten Solidaritätskundgebung für Erk Acarer am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg versammeln. Der aus der Türkei stammende Journalist, der in Berlin vor der Verfolgung durch das Erdogan-Regime Schutz gesucht hatte, war am Mittwochabend an seinem Wohnhaus in Neukölln von drei Männern angegriffen und verletzt worden. Offenbar handelte es sich um eine brutale Drohung: „Du schreibst nicht mehr!“, soll einer der Angreifer gerufen haben. Acarer lebt seit 2017 in Deutschland, bis Juli 2020 arbeitete er für die taz.gazete. „Zum Fürchten“ sei der Angriff auf Acarer, sagt eine Teilnehmerin der Demo am Donnerstagabend. Wie viele hier gehört sie zu der wachsenden Gruppe von Exi­lan­t*in­nen aus der Türkei, die vor dem Druck auf die dortige Zivilgesellschaft und die Meinungsfreiheit durch das AKP-Regime geflohen sind. „Erdogan-Faschismus“ nennt ihr Begleiter das. Der Angriff auf Acarer sei „ein Angriff auf unser Leben im Exil“, sagt einer der Redner. Die Tat sei „eine Drohung gegen alle, die sich hier für freie Medien einsetzen“, ergänzt Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen.

TAZ-online

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Zu spät aufgewacht heißt auch, die linke Zeit zur Opposition verschlafen zu haben ! Aber – es finden ja auch nicht an jeden Tag Wahlen statt, bei denen, die  in den Parlamenten-Sitzenden ihre zusammengeramschten Einkommen verteidigen müssen, da sie, wie wir es immer wieder hören und auch lesen – entsprechende Parteibeiträge nicht entrichtet haben. Aber wie sagt es der Volksmund: „Die Besen können gar nicht breit genug sein, um auch vor der eigenen Haustür zu kehren ?

Knoblauch verbreitet einen üblen Mundgeruch

„Covid-Heulboje“ – Lafontaine attackiert Lauterbach

4.) FACEBOOK-POSTING

In einem mit einer Verschwörungstheorie garnierten Facebook-Posting attackiert Oskar Lafontaine Karl Lauterbach scharf. Er und andere stünden „Arm in Arm mit der Pharmaindustrie“, behauptet Lafontaine. Diese mache Druck, dass auch Kinder geimpft würden.Linken-Politiker Oskar Lafontaine hat sich in einem Facebook-Posting sehr kritisch zur Corona-Politik der Bundesregierung geäußert – und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach scharf attackiert. Lafontaine nannte Lauterbach eine „Covid-Heulboje“, die die Delta-Variante nutze, um „Schreckensszenarien in die Welt zu setzen“. Aus Lafontaines Sicht stünden Lauterbach und andere Experte „Arm in Arm mit der Pharmaindustrie“ um „möglichst viele Leute zu impfen und den nächsten Lockdown vorzubereiten“.

Welt-online

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Im Land der Beuth-elnden CDU Rattenfänger scheint sich wohl ein entsprechendes Clan-Lager gebildet zu haben. Aber ähnliche „Fakultäten“ laufen auch in anderen Ländern umher und treiben manch einen der Uniformierten zu wahllos knüppelnden Husaren an?

Flüchtling klagt erfolgreich gegen umstrittenen Richter

5.) Politik Asylverfahren

Bundesverfassungsgericht erklärt Richter in Asylverfahren für ungeeignet. Mit rechten Thesen zur Migration sorgte ein hessischer Verwaltungsrichter 2019 für Aufsehen – jetzt hat ein Afghane erfolgreich in Karlsruhe geklagt, weil der Mann in seinem Asylverfahren entschieden hatte. Die Verfassungsrichterinnen und -richter gaben seiner Beschwerde statt, wie das Gericht am Freitag mitteilte. Der Asylbewerber hatte in Gießen vergeblich einen Befangenheitsantrag gestellt. Dessen Ablehnung sei »offensichtlich unhaltbar und damit willkürlich«, hieß es. Der betreffende Verwaltungsrichter hatte im August 2019 einer Klage der rechtsextremen NPD stattgegeben. Dabei ging es um ein Plakat für den Europawahlkampf mit dem Slogan »Stoppt die Invasion: Migration tötet!«. Die Gemeinde Ranstadt hatte die Entfernung angeordnet, die NPD klagte dagegen nach der Wahl. Der Richter hatte geurteilt, das Plakat sei »als die Realität teilweise darstellend zu bewerten«. Die Zuwanderung seit 2014/15 sei geeignet, »auf lange Sicht zum Tod der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu führen«. Dem Gericht seien »Fälle bekannt, in denen Asylbewerber zu Mördern wurden«.

ND-online

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Den Morgengruß an gleicher Stelle – schreibt jeden Tag
„Der freche Bengel“

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