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Archiv für Januar 30th, 2021

Politik und Menschen

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2021

Ohne unsere Sehnsucht wären wir verloren

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Träume der  Gefangenen eines Staates ?

Von Anna Fastabend

Wenn Tristesse und Trostlosigkeit herrschen, muss man sich sein kleines Paradies selbst bauen. Manchmal reicht auch schon die bloße Vorstellung davon.

Wenn ich in diesen Tagen durch die Online­nachrichtenseiten scrolle, taucht ein Begriff besonders häufig auf: die Sehnsucht. Von der „Sehnsucht nach Entspannung“ lese ich dann, der „Sehnsucht nach Geselligkeit“ oder der „Sehnsucht nach Zirkusluft“ – und bin sicher nicht die Einzige, die sich angesprochen fühlt.

Seit knapp einem Jahr ist das Gefühl der Sehnsucht omnipräsent, auch wenn wir uns natürlich nach ganz verschiedenen Dingen sehnen: manche nach Fußballgucken im Stadion, Gruppenmeditationen oder einem Strandurlaub an der Algarve, andere nach Frankfurter Kranz bei den Großeltern, Kölner Karneval oder nach der Sekunde, wenn im Club der Bass einsetzt.

Ich selbst sehne mich gerade am meisten nach Theaterbesuchen, nach dieser wunderbaren Mischung aus schwitzenden Körpern, mäandernden Textpassagen und ästhetischer Revolte. Weil mich einfach nichts so sehr auf neue Gedanken bringt und nur wenig so glücklich macht wie diese seltenen magischen Theatermomente, bei denen ich mich wirklich verstanden fühle. Wie in einer Szene, an die ich gerade oft denken muss: Benny Claessens stakst im Gorki-Theater als verlorenes Teenagermädchen über die Bühne und singt „Born to Die“ von Lana Del Rey, die Lyrics liest er von seinem Smartphone ab.

Unendlich kitschig war das, aber auch so präzise dargestellt, dass es mich an mein eigenes Verlorenheitsgefühl als 15-Jährige erinnerte. Ein Gefühl, das seit der Coronapandemie manchmal wieder ziemlich präsent ist.

Ein Kaffee in der U-Bahn!

Auch nach Umarmungen mit Freun­d:in­nen und Besuchen bei meinen Eltern sehne ich mich, nach dem Essen in meiner Lieblingspizzeria und dem hauseigenen Jack Russell Terrier, der es sich dort gerne neben meinem Tisch bequem macht, nach Roadtrips durch Europa und nach ganz profaner Normalität. Was gäbe ich dafür, mal wieder von Angesicht zu Angesicht streiten zu können oder in der U-Bahn einen Kaffee zu trinken!

Doch wie so oft merkt man erst im Nachhinein, wie gut man es eigentlich hatte und dass man viel zu viel für selbstverständlich gehalten hat, das sich aktuell so unerreichbar anfühlt. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass bei den meisten von uns das Gegenteil von Sehnsucht vorherrschte – ein Gefühl von Übersättigung.

Statt um Bedarfsdeckung ging es unserer Gesellschaft längst nur noch um Bedarfsweckung. Überall blitzten und blinkten uns Freizeit- und Konsumangebote wie die verlockendsten Möglichkeiten an, mal flüsterten, mal schrien sie: Sei dabei! Kauf mich! Ich mache dich glücklich! Und wehe den Tagen, an denen alles auf einmal auf uns einstürmte, da hätten wir uns manchmal am liebsten heulend auf den Boden geworfen wie vom Kindergeburtstag überreizte Vierjährige.

Gleichzeitig hatte alles immer schöner, schneller und ergreifender sein müssen, damit wir überhaupt noch etwas spürten. Das Abhandensein von Sehnsucht hatte uns nicht nur überdrüssig, sondern auch maßlos gemacht. Es war einfach zu viel des Guten gewesen, wie bei einem „All you can eat“-Büffet, das nach anfänglicher Euphorie ja oft in ein zwanghaftes „Alles muss probiert werden“ ausartet.

Kurzum: Wir hatten oft alles und wollten nichts oder nichts mehr richtig – und dann war das große Fressen mit einem Mal vorbei.

Im Prinzip ähnelte unser präpandemischer Gemütszustand dem der Kugelmenschen, mit denen Platon in seinem Werk „Symposion“ den Ursprung der Sehnsucht zu erklären versucht. Diese Kugelmenschen galten mit ihren vier Händen, vier Füßen und zwei Gesichtern als vollkommene Wesen und wollten in ihrem Übermut die Götter angreifen. Doch die kamen den Kugelmenschen zuvor und teilten sie zur Strafe in zwei Hälften, von denen die eine seitdem nach der anderen sucht, um sich mit ihr zu vereinen.

Ist es nicht auch bei uns so, dass mit dem Wegfall unseres bisherigen Lebens auch ein Großteil unserer Identität verloren ging? Eine Identität, die lange Zeit allerdings kaum Luft bekam, so sehr wie wir sie mit Plunder, Ramsch und scheinbaren Verpflichtungen zugekleistert haben. Und die sich vielleicht erst jetzt richtig ausbilden kann, wenn wir anhand unserer nun auftauchenden Sehnsüchte erkennen, was uns wirklich wichtig ist.

Deshalb ist es auch keine große Überraschung, dass die Sehnsucht immer dann ihre Hochphase hatte, wenn die Zeiten besonders mies und schrecklich waren. Sobald Unsicherheit, Krieg und Krankheit herrschten, zogen sich die Menschen in ihr Innerstes zurück, von wo aus sie gefahrlos zu ausgedehnten Reisen in die Fantasie aufbrechen und von so schönen Dingen wie der Liebe und der Natur träumen konnten. Nicht umsonst gilt die Sehnsucht als eine der wichtigsten Triebfedern der Romantik und brachte etliche Romane, Kompositionen und Gemälde hervor, voll mit unerreichbaren Geliebten und verwunschenen Wäldern.

„Hätten die Nüchternen / Einmal gekostet / Alles verließen sie / Und setzten sich zu uns / An den Tisch der Sehnsucht / Der nie leer wird“ heißt es in einem frühromantischen Liedtext von Novalis. Sechs Zeilen, die eigentlich vom Geheimnis der ewigen Liebe handeln – aber ebenso eindrucksvoll verdeutlichen, dass Hingabe an die Sehnsucht in einer Phase des Mangels eine echte Linderung sein kann.

Quelle      :     TAZ       >>>>>         weiterlesen


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Oben      —    Straßenstand mit Postern, Damaskus    /    selbst fotografiert

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Bertramz

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Unten     —       Sehnsucht, Gemälde von Oskar Zwintscher, 1895

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Das Lübcke-Verfahren

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2021

Eine sinnlose, erschreckende Tat

Bild Dr. Walter Lübcke.jpg

Ein Kommentar von Thomas Fischer

Im Verfahren wegen des Mordes an Walter Lübcke ist das Urteil des Tatgerichts verkündet worden. Gibt es Neues? Eine erste Annäherung.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat den Angeklagten Stephan Ernst am 28. Januar 2021 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem hat das Gericht den Vorbehalt der Anordnung von Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Nähere Analysen sind vor Kenntnis der schriftlichen Urteilsgründe nicht möglich. Ein paar erste Anmerkungen kann man formulieren

Wer die Nachricht von dem Urteil kurz nach der mündlichen Verkündung las oder hörte und überrascht war, kann kein Kunde des Deutschlandfunks sein. Denn dieser hatte am 25. Januar, also drei Tage zuvor, in einer Bildunterzeile auf seiner Website geschrieben: »Im Prozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten und CDU-Politikers Walter Lübcke ist ein Urteil gesprochen worden.« Auch den Urteilsinhalt kannte der DLF bereits: »Mittäter und Mitwisser blieben ungeklärt«, und: »Viele Fragen blieben offen. Sie muss jetzt die Politik klären.« Dafür erfuhren wir aber bereits das Tatmotiv, die Beweislage bezüglich des weiteren dem Angeklagten Ernst vorgeworfenen Tötungsdelikts sowie das Ergebnis hinsichtlich des wegen Beteiligung angeklagten Mitangeklagten H.

Alles klar also, schon drei Tage vor Urteilsverkündung! Der DLF, Mutter des Qualitätsjournalismus, hat damit selbst »Bild« überholt. Man muss allerdings sagen, dass der Sender sich damit durchaus in den Sound der Verhandlung einpasste. Diese hatte ja, wie man sich erinnert, mit der bemerkenswerten Aufforderung »Hören Sie nicht auf Ihre Anwälte, hören Sie auf mich!« des Vorsitzenden an die beiden Angeklagten begonnen. Er hatte auch gleich erläutert, wie er sich das vorstellte, wenn man auf ihn hört: »Ein freimütiges Geständnis wirkt sich immer günstig aus.«

Der Scherz mit dem günstigen Ausgang

Zumindest einer konnte also bei der Urteilsverkündung rundum mit sich zufrieden sein: »Ich habe gesagt: Ein Geständnis wirkt sich perspektivisch immer zugunsten des Angeklagten aus«, sprach der Vorsitzende (nach Meldung der »SZ«) bei der »mündlichen Mitteilung des wesentlichen Inhalts der Urteilsgründe«, wie es in der Strafprozessordnung heißt (Paragraf 268 Absatz 1 Satz 2). Nun könnte man es gewiss für einen ziemlich misslungenen Scherz halten, die Verhängung von lebenslanger Freiheitsstrafe bei gleichzeitiger Feststellung »besonders schwerer Schuld« für einen »günstigen« Ausgang zu halten.

Dieser Eindruck könnte sich sogar noch verstärken, wenn man bedenkt, dass die Reststrafenaussetzung zur Bewährung bei lebenslanger (!) Freiheitsstrafe praktisch genau dieselbe Prognose zukünftiger Rechtstreue voraussetzt wie die Nichtanordnung oder Aussetzung der Sicherungsverwahrung. Die mögliche (!) »Günstigkeit« für den Angeklagten liegt also irgendwo in einer unabsehbaren (!) Zukunft bei einer wissenschaftlichen Feinabstimmung zwischen zwei »Prognose«-Begriffen (!). Dies noch eine »Gunst« zu nennen bedarf schon einer gesunden Portion Optimismus (beim Angeklagten) und Selbstgewissheit (beim Richter). Da aber jedenfalls das Letztere außer Frage steht, kann man sicher sein, dass der Scherz mit dem günstigen Ausgang nicht witzig gemeint war. Allenfalls »Bild« könnte der »Günstigkeits«-Theorie zustimmen; dort war in freudiger Erwartung berichtet worden: »Staatsanwalt will Lübcke-Killer für immer wegsperren« (22. Dezember 2020).

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Jedenfalls dürfte die zitierte goldene Regel des Vorsitzenden über die Wirkung von Geständnissen (jeder Art) auch gegen den Rat der Verteidiger den meisten Strafverteidigern vermutlich keinen Anlass geben, sie an ihre Mandanten weiterzureichen.

Hoffentlich kein mehrbändiges Urteil

Über die Geständnisse des Angeklagten Ernst ist hinreichend berichtet worden. Es ist hier gewiss nicht der Ort, in das allgemeine Beweiswürdigen und Besserwissen einzustimmen, das seit Monaten in der und für die interessierte Öffentlichkeit aufgeführt wird. Der Strafsenat hat alle Geständnisse, Widerrufe, Abänderungen und Einschränkungen gehört und gewogen und ist zu einem Ergebnis gekommen, wie es seine Aufgabe war. Die Erwägungen, die die fünf Richter zu ihrer Entscheidung bestimmten, wird man in den schriftlichen Urteilsgründen nachzulesen haben. Man kann nur hoffen, dass sie nicht den Versuch unternehmen, als weiteres Beispiel für die Kraft der Gerichte zur zeitgeschichtlichen Forschung in die Geschichte einzugehen, will sagen: Man muss nicht über jeden Mord 800 Seiten Urteilsgründe schreiben, nur weil die Hauptverhandlung lang war. Die Frankfurter Richter sind aber erfahrungsgemäß nicht so anfällig für die Freude an mehrbändigen Urteilswerken wie Gerichte aus manchen anderen Bezirken.

»Der erste rechtsradikal motivierte politische Mord an einem Politiker seit Walther Rathenau« – dies war einer der Lieblings-Slogans einer der historischen Betrachtung zugewandten Presse in den Monaten des »Lübcke-Verfahrens«. Was dieser Versuch einer Sensationalisierung eigentlich ausdrücken oder bewirken sollte, blieb im Dunkeln. Soll das eine Art von schaurigem »Rekord« aufzeigen, eine kriminelle Höchstleistung, eine sensationelle Neuheit? Wir haben in der Vergangenheit einen ersten politisch motivierten Mord an einem Generalbundesanwalt, einen ersten Mord an einem BDI-Präsidenten, einen ersten rechtsradikalen Sprengstoffanschlag auf ein Oktoberfest, eine erste rechtsradikale Mordserie an Immigranten, einen ersten islamistischen Massenmord in Berlin und vieles andere erlebt. Was soll die Herausstellung eines Merkmals des Opfers, um die Tat nicht als zweite oder wiederholte, sondern als »erste« einer imaginären Serie darstellen zu können? Es ist eine eher abstoßende Methode der Aufwertung von Nachrichten, aus dem fiktiven Einstellen eines schlimmen Ereignisses in eine angebliche Reihe einen zusätzlichen Sensations- und Gruseleffekt zu generieren: »Erste Tote«, »erste Unruhen«, »erste Plünderungen«…

Wie das verwertet wird und dass die Betonung des Zeitabstands zum Mord an Rathenau im Jahr 1922 (auch) eine etwas andere Nuance anschlägt, ist klar: Der Mord an Walter Lübcke wird vielfach als »Zeichen« und Menetekel, als äußerer Ausdruck und Höhepunkt einer rechtsextremen Radikalisierung und Gewaltbereitschaft beschrieben, die »nun erstmals« wieder wie in der Weimarer Republik zum Mittel des politischen Mordes greife. Ob diese Schlussfolgerung so stimmt, scheint mir nicht sicher, und die dahinterstehenden Analogien erscheinen mit vorschnell, alarmistisch einerseits und verharmlosend andererseits.

Ein Fanatiker und dummes, armes Würstchen

Waren fanatische Rechtsradikale zwischen 1949 und 2019 friedlicher? Und sind sie heute eher der Ansicht als in den Sechzigern oder den Neunzigern, »Fische im Wasser« eines angeblichen Volkszorns gegen die üblichen Objekte ihrer Vernichtungsfantasien zu sein? Muss, soll, kann der Mord von Kassel die Deutschen mehr aufrütteln als das offene Auftreten der »Wehrsportgruppe Hoffmann«, die »Hetzjagd von Guben« oder die Brände von Lichtenhagen? Ich weiß es nicht. Man sollte Menschen wie dem Angeklagten Ernst nicht den Eindruck vermitteln, sie stünden in einer historisch bedeutsamen Reihe und an der Spitze einer Bewegung, deren mörderische Manifestationen sich über ein Jahrhundert erstrecken. Der wegen Mordes verurteilte Angeklagte Ernst ist, nach allem, was man als Zeitungsleser weiß, nicht nur ein gewaltbesessener Fanatiker, sondern auch ein eher dummes, armes Würstchen, wie fast alle Menschen mit ähnlich verkrüppeltem Weltbild und Motivationsapparat. Ihm eine Rolle als Figur der politischen Zeitgeschichte zuzuschreiben, wäre zu viel der Ehre für ihn und seine Gesinnungsgenossen.

Der Rest des Urteilsspruchs ist, wie er ist: Auch dazu konnte man schon tage- und wochenlang das Wesentliche lesen. Die Form der Vernehmung des Opfers des dem Angeklagten vorgeworfenen zweiten Tötungsdelikts durch den Vorsitzenden des Senats und die Verteidiger des Angeklagten mag, wenn man den Berichten folgt, weniger Zufall als vorweggenommenes Ergebnis gewesen sein. Und die bemerkenswerte Figur des Mitangeklagten Markus H., der sich aus dem Gestrüpp der Ernst’schen Geständnisse auf wunderbare Weise in die Freiheit rettete, wird noch nachwirken. »Kein objektives Beweisergebnis« sprach, so wusste es die Mehrzahl der »Prozessbeobachter« schon seit Längerem, für seine Tatbeteiligung. Nun ja, wir werden sehen, was das OLG dazu schreibt.

Quelle      :         Spiegel      >>>>>        weiterlesen


Grafikquellen    :

Oben      —       Walter Lübcke

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Politiker und Humanismus ?

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2021

Ein Zertifikat wider jeden humanistischen Geist

Quelle:    Scharf  —  Links

Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Sozusagen als schöne Bescherung im Dezember 2020 bietet die Humanistische Vereinigung K.d.ö.R. (HV) einen 6-Wochen-Kurs zum geprüften Humanisten an.  Dieser als „Produkt“ bezeichnete Humanismus-Kurs mit Zertifikat widerspricht jeder humanistischen Gesinnung, das Leben autonom zu gestalten, eigenverantwortlich und in Harmonie mit der Welt. Ein solches Zertifikat ist auch unvereinbar mit der dezidierten Aussage von Humanists International (HI), wonach es keiner Zulassungsprozedur, Einführungssriten oder Verbandszugehörigkeit bedarf, um  Humanist zu sein. (To be a humanist there is no entrance procedure, no necessary rite of passage, and no hierarchy to which you must belong.) An sich sollte die HV das wissen, ist sie doch Mitglied von HI. Der Kurs-Tutor aber macht die kühne Zusage, aus einem Menschen ohne Vorkenntnisse in nur 6 Wochen, nach bestandener Abschlussprüfung mit hochwertigem und qualifiziertem Zertifikat und für nur 49 €, einen geprüften Humanisten zu machen.

Schier abwegig erscheint es, dass man eine humanistische Geisteshaltung zu einem billigen Lehrstoff degradiert, der dann sogar noch zertifiziert wird und zum geprüften Humanisten führt. Und wie müssen alle Humanisten fühlen, die bisher im persönlichen Umfeld oder öffentlich in Sachen Humanismus unterwegs sind, ohne geprüfte Humanisten zu sein. Sind sie ohne Zertifikat überhaupt für ihre Tätigkeit legitimiert?

Dabei kann man sich das von der HV angebotene Zertifikat ganz einfach dadurch ersparen, dass man die Website von HI und dort insbesondere die Sparte: Was ist Humanismus? (What is Humanism?) durchstöbert. Da findet man u.a. die Amsterdamer Erklärung mit den sieben fundamentalen und weltweit anerkannten Prinzipien des Humanismus, ein Minimum-Statement und schließlich den erlösende Hinweis, dass jeder als Humanist gilt, der sich mit den vorgestellten Gedanken im Wesentlichen identifizieren kann, und zwar selbst dann, wenn es noch irgendwelche Spitzfindigkeiten geben sollte. (Anyone who broadly agrees with the above might be described as a humanist, or might identify themselves as a humanist (even if they happen to have one or two quibbles)). Na, wer hätte das gedacht? So einfach geht Humanismus, auch ganz ohne Prüfung und Zertifikat und Gebühr.

Vielleicht am schlimmsten wären die heute noch nicht absehbaren Langzeitfolgen eines zertifizierten Humanismus als Auslöser eines Zwei-Klassen-Humanismus mit eben geprüften Humanisten à la HV und solchen, die sich auf HI berufen.

Die Darstellungen der HI bedeuten, dass ein Humanismus-Zertifikat wider jeden humanistischen Geist ist. Und das macht das „Produkt“ der HV nicht nur völlig unglaubwürdig, sondern geradezu lächerlich. Was macht der geprüfte Humanist denn mit seinem Zertifikat? Beruflich ist es wertlos, es qualifiziert ihn für gar nichts. Und für die Bescheinigung einer humanistischen Gesinnung ist es laut HI unnötig und somit sinnlos. Dumm gelaufen, Geld zum Fenster hinausgeworfen! Geprüfter Humanismus à la HV mit Zertifikat geht so ganz sicher nicht und sollte schleunigst in der Versenkung verschwinden. Gegenüber dem einladenden Geist der Humanists International ist das „Produkt“ der HV eher abstoßend.

Urheberrecht
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Grafikquelle    :

Humanistischer Unterricht am Fürstenhof: Massimiliano Sforza als Schüler mit seinem Erzieher Gian Antonio Secco (links). Buchmalerei von Giovanni Pietro da Birago in dem für Massimiliano angefertigten Exemplar der lateinischen Grammatik (Ars minor) des Aelius Donatus, der Handschrift Mailand, Biblioteca Trivulziana, Ms. 2167, fol. 13v (um 1496/1499)

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Der fatale Jetztismus

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2021

Corona zeigt uns, wie sich globale Krisen anfühlen. 

"1JahrNurBlockiert", Demonstration von Fridays For Future, Berlin, 13.12.2019 (49214062363).jpg

Von Luisa Neubauer

Als Reaktion schalten viele in einen radikalen Gegenwartsmodus. Doch wollen wir die Erderwärmung stoppen, gilt es, Zukünfte zu verteidigen.

In den ersten Monaten der Coronapandemie sprach man oft davon, dass wir durch die Bewältigung dieser Krise lernen würden, wie Krisen insgesamt ernst genommen und bewältigt werden können. Auch ich dachte das. Man glaubte, dass wir – dadurch gestärkt – auch selbstbewusst die ökologischen Katastrophen angehen würden. Mittlerweile denke ich, dass im schlimmsten Fall das Gegenteil eintreten könnte. Aber von Anfang an.

Mühelos ist es der Gesellschaft gelungen, fast ein gesamtes Jahr Corona zu behandeln, ohne ernsthaft über die direkte Gegenwart hinauszublicken. Wäre es anders gewesen, hätte sich gezeigt, dass Corona zwar überraschend kam, aber keinesfalls eine Überraschung war. „Die Auswirkungen wären kaum abzuschätzen, gleichwohl katastrophal“, schrieben die Ver­fas­se­r:in­nen im Grünbuch für Öffentliche Sicherheit schon im Jahr 2015 über die Gefahren von mutierten Sars-Viren in Deutschland.

Die Lehren aus dem 20. Jahrhundert schienen so eindeutig: Gefahr geht von Männern in Kriegslaune aus, vom Faschismus, von dreckigen Industrien und überheblichen Technologien. Und dann kommt das 21. Jahrhundert und präsentiert ausgerechnet die Fledermaus, die von der menschlichen Gier zur Wanderschaft gezwungen wird. Es sind Tiere wie sie, die Zoonosen wie HIV, Ebola, Mers und vermutlich auch Covid-19 bei zu aggressiver Nähe auf Menschen übertragen.

Politik ist in diesen Zeiten immer weniger das, was wahr ist, und wird immer mehr zu dem, was sich gut anfühlt. Kurzatmige Erzählungen verfangen, hohle Souveränität und Schnellschussreaktionen werden belohnt. Nirgendwo wird das deutlicher als in der Coronapolitik. Denn Corona ist eben, entgegen den gängigen politischen Narrativen, kein Einzelfall. Sondern viel eher ein Vorbote, von dem, was kommt, wenn Naturzerstörung und hemmungsloses Emittieren pandemische Zeitalter und ökologische Katastrophen provozieren.

Aus dieser Blindheit ergibt sich die politische Unfähigkeit, sich mit dem zu beschäftigen, was jenseits der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz, geschweige denn nach der nächsten Welle, passieren kann – oder muss.

Gleichzeitig aber wächst die gesellschaftliche Skepsis gegenüber Quick-Fixes, die Menschen sind ja nicht blöd: Man erlebt ein erschöpfend langsames Impfgeschehen, während das Virus zunehmend mutiert, das Raunen über eine dritte Welle setzt ein. Und ganz zart lugt dahinter die Frage auf, was genau uns davon abhalten sollte, in absehbarer Zeit wieder in eine Pandemie hineinzurasseln.

Diese Stimmung trifft nun auf eine schon länger anwachsende Gegenwartspräferenz. Denn schon deutlich vor Corona haben Teile der Klimabewegung, Medien und Politik angefangen, die Zukunft mit einer relativ unausweichlichen Katastrophe gleichzusetzen.

Das schien einst eine hilfreiche Strategie zu sein: Wenn die Menschen die Krise nicht sehen wollen, bringt man sie zu ihnen. Heute hat sich die Situation jedoch radikal geändert, niemand muss sich mehr ausmalen, wie unbarmherzig ungebremste Krisen sein können. Wir erleben es ja gerade.

Und so hat die Kombination aus coronabedingter Krisenmüdigkeit und erwachsendem Bewusstsein für die nahenden planetaren Kipppunkte ganz nebenbei das Gegenwärtige als beste verfügbare Option zementiert. Wenn die Zukunft schlicht eine extremere Version des Heute sein soll, dann wollen viele nach der nächsten Welle noch lieber nochmal eine Runde Gegenwart verkonsumieren, statt sich mit Zukunftsfragen zu belasten. Feiern bis zur Apokalypse.

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Wir erleben eine neuartige Zukunftsverdrossenheit. Kleine Fortschritte gehen unter in einer Welt, die hitzt, schmilzt und flutet wie nie zuvor. 67 Prozent der Deutschen sehen die Klimakrise als große Gefahr. Früher wäre das ein gutes Zeichen gewesen, die Leute wären also bereit, zu protestieren, etwas zu tun. Genau das hat sich jetzt geändert, es fehlt an Perspektive. Wofür lohnt es es sich noch zu kämpfen? Mittlerweile scheint nichts mehr so radikal, wie hoffnungsvoll in die Welt zu blicken.

Als wäre das nicht genug, ist all das nun das Einfallstor für jene, die die stumpfe Singularisierung der Krise nutzen und verhindern wollen, dass die Ausbreitung des Coronavirus symptomatisch und der notwendige Wandel systemisch gedacht werden. Der Versuch, die Stimmen des Wandels und die Idee einer ganzheitlichen Krisenbewältigungsstrategie zu zermürben, nimmt Kampagnencharakter an. Man verspricht schnelle Lösungen, radikalisiert jene, die die Normalisierung von Hunderten Coronatoten pro Tag hinterfragen, und bittet die Klima­krise, nicht mehr zu nerven – man habe ja anderes zu tun. Schließlich erklärt die konservativ-liberale Ecke – hochstrategisch – die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens für unmöglich. Weil die Coronakrise ja gezeigt habe, dass wir doch nicht so gut in Krisenbewältigung sind. Erst Corona, danach tiefer rein in das Wachstum um jeden Preis. Klimaschutz wird stilisiert als Langzeitform der Coronapolitik: kein Spaß mehr, keine Freiheiten mehr, kein Mehr mehr.

Quelle        :      TAZ         >>>>>         weiterlesen


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Oben        —       1JahrNurBlockiert: Luisa Neubauer liest ihre Rede vor, die sie vor einem Jahr beim ersten Streik von Fridays For Future Berlin gehalten hat. Berlin, 13.12.19

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DL – Tagesticker 30.01.2021

Erstellt von DL-Redaktion am 30. Januar 2021

Direkt eingeflogen mit unseren Hubschrappschrap

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Ordnen sich anerkannte – DR./ Prof. Wissenschaftler-Innen – den Anordnungen eines absoluten Laien-Kabinett unter,, wird jedem Teil der Bevölkerung bewusst, das es sich hier nur um viel, sehr viel Geld, handeln kann ! Was sonst sollte Anlass geben, alle Studien an den Haken zu hängen ?

Corona-Vakzin

1.) Neuer Kandidat im Impfstoff-Drama

Zwar häufen sich die Pannen bei der Impfung gegen Sars-CoV-2, doch das Vakzin des kleinen US-Herstellers Novavax weckt Hoffnung. Wenn Lieferengpässe drohen, Vakzine fehlen und die Hersteller auf Verpflichtungen mit anderen Staaten verweisen, wird jedes positive Signal über Impfstoffe als Erfolgsmeldung aufgenommen. Zu Euphorie besteht zwar wenig Anlass, aber nach einer guten Nachricht klingt es durchaus, was der kleine US-Hersteller Novavax über seinen Impfstoffkandidaten mitgeteilt hat: NVX-CoV2373, so die Abkürzung des proteinbasierten Vakzins, liegt demnach bei nahezu 90 Prozent Wirksamkeit. Zudem hätten abschließende klinische Studien gezeigt, dass die Impfung genauso gut gegen die englische Mutante von Sars-CoV-2 wie gegen den „Wildtyp“ wirkt. In einem früheren Abschnitt der klinischen Prüfung hätte sich zudem auch eine gute Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante gezeigt. Zur Erinnerung: Die Wirksamkeit der mRNA-basierten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna beläuft sich Studien zufolge auf 95 und 94,1 Prozent, der von Astra Zeneca kommt auf 70,4 Prozent, wies aber zu wenige Studienteilnehmer unter den Hochbetagten aus – da können sich die 89,3 Prozent Wirksamkeit von Novavax durchaus sehen lassen. Der nur mit einer Spritze zu verabreichende Impfstoff von Johnson & Johnson kommt nach vorläufiger Mitteilung des Herstellers auf eine ähnliche Wirksamkeit wie der von Astra Zeneca, kann aber schwere Verläufe ähnlich gut verhindern wie die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna. Paul Heath, Experte für Infektionskrankheiten von Kindern an der Universität London, ist denn auch begeistert vom Novavax-Vakzin, von den „enorm aufregenden Ergebnissen“, die zeigen würden, dass der Impfstoff „hocheffektiv gegen Covid-19 ist und zudem auch – ganz wichtig – gegen die sich so schnell verbreitende englische Variante des Virus hilft“. In England war die neue Mutante aufgetreten, während die Studie noch lief ,und galt zuletzt als Auslöser für mehr als die Hälfte aller Neuinfektionen in Großbritannien.

Sueddeutsche-Zeitung-online

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War es jemals anders ? Oben sitzen die schrappenden Fettsäcke und unten Kratzt das leidende Volk, um für die Fehler der gewählten Narren die Schulden zu begleichen. Oben möchte unter den drohenden Glanz ihrer Corona stahlen. Das Land hat ein Großwahljahr vor Augen!

Armut und Corona

2.) Es reicht nicht mehr

Teure Masken, teure Lebensmittel, weniger Minijobs: Auch die Ärmsten verlieren in dieser Krise Geld. Sie brauchen mehr Hilfe. Wenn der deutsche Staat festlegt, was einem Bedürftigen zusteht, schaut er ganz genau hin: 4,70 Euro im Monat für Toilettenpapier und andere Hygieneartikel, 8,71 Euro für Schuhe, 3,68 Euro für Bücher. Aus lauter solchen penibel berechneten Einzelbeträgen setzt sich die Summe zusammen, die Mittellose als Unterstützung erhalten. Das kann man so machen, bei aller Kritik im Detail. Aber dann muss man in einer Situation wie jetzt auch bereit sein, diese extrem knapp kalkulierte Hilfe aufzustocken. Denn diese Pandemie ist gerade für die Ärmsten im Land eine teure Angelegenheit. So gilt seit Anfang dieser Woche eine erweiterte Maskenpflicht. Ohne medizinische Maske darf man nicht mehr in den Bus oder in den Supermarkt. Doch vor allem die sicheren FFP2-Masken sind teuer, kosten im Zehnerpack schnell 15 oder 20 Euro. Zugleich haben viele Hartz-IV-Empfänger jetzt weniger Geld zur Verfügung. Viele haben ihren Minijob verloren, mit dem sie sich die Stütze aufstocken. Diese Krise hat vor allem solche Kleinstarbeitsverhältnisse vernichtet. Im September (neuere Zahlen gibt es nicht) meldeten fast 100.000 Hilfsempfänger weniger als im Jahr zuvor, dass sie auch Arbeitseinnahmen hatten. Am Ende des Monats fehlt ihnen auch deshalb Geld, weil manche Tafel nicht wie gewohnt Lebensmittel verteilt. Im vergangenen Frühjahr war fast jede zweite Tafel geschlossen. Zugleich sind die Preise für Lebensmittel überdurchschnittlich stark gestiegen. Sie wurden im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent teurer, Fleisch um 6 Prozent und Obst sogar um über 7 Prozent. Dass die Inflation insgesamt nur gering zunahm (um 0,5 Prozent), ist kein Trost für diejenigen, die einen Großteil ihres Geldes für alltägliche Dinge wie Lebensmittel ausgeben müssen. Und bei Hartz-IV-Familien fällt jetzt meist auch das kostenlose Essen weg, das ihre Kinder in Kitas oder Schulen bekamen.

Zeit-online

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Vielleicht möchte sich Merkel zum Abschied aus ihren Amt mit dem Lorbeer der Triage Krönen ?

Probleme beim Impfstart in Europa

3.) Mehr Geimpfte, noch mehr Kritik

Überlastete Hotlines und Widersprüche bei der Zulassung: Negative Schlagzeilen dominieren den Impfstart in Europa. Dabei verdecken sie, dass es auch Fortschritte gibt. Es ist eine Entwicklung, die sich nahtlos in die vielen Rückschläge, Widersprüche und Unklarheiten beim Start der Corona-Impfungen in Europa einreiht: Die Europäische Arzneibehörde hat am Freitagnachmittag empfohlen, den Impfstoff, den die Universität Oxford zusammen mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca entwickelt hat, als dritten Impfstoff in der Europäischen Union zuzulassen, und zwar für alle Menschen über 18. Die deutsche Impfkommission war allerdings zuvor zu einer anderen Einschätzung: Der Impfstoff von AstraZeneca soll nur bei Personen eingesetzt werden, die jünger als 65 Jahre sind, entschied sie am Freitag. Denn für ältere gebe es bisher nicht genug Daten. Die Impfpläne werden so noch weiter durcheinander geraten. Zuvor hatte Astrazeneca bereits mitgeteilt, dass die EU bis Ende März statt der geplanten 80 Millionen Impfdosen nur 31 Millionen erhalten soll. Und bei dem Impfstoff, den Biontech zusammen mit dem US-Konzern Pfizer vertreibt, fiel die Liefermenge in dieser Woche wie angekündigt deutlich geringer aus als ursprünglich geplant, weil ein Werk in den Niederlanden umgerüstet wird. Dieser Engpass verschärft die ohnehin schon chaotische Lage in vielen Bundesländern. Länder, die die zweite Impfdosis nicht zurückgelegt, sondern dafür auf die neuen Lieferungen gesetzt hatten, können derzeit kaum Erst­impfungen durchführen und müssen teils geplante Termine wieder absagen. Und dort, wo Termine vergeben werden, bricht die Infrastruktur unter dem Andrang teils komplett zusammen. Etwa in Niedersachsen, wo am Donnerstag die Terminvergabe für alle begann, die älter als 80 Jahre sind und nicht in Heimen leben: Rund 500.000 Menschen waren dort auf einen Schlag berechtigt, sich impfen zu lassen. Dem standen 250 Mit­ar­bei­te­r*in­nen an einer Telefonhotline und eine völlig überlastete Website gegenüber. Die zunächst zur Verfügung stehenden 15.000 Termine waren nach gut einer Stunde vergeben, die ganz überwiegende Zahl der Impfwilligen blieb frustiert zurück. Ähnlich unbefriedigend war der Impfstart außerhalb der Pflegeheime am Montag in Nordrhein-Westfalen verlaufen.

TAZ-online

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So geht das Spiel des Lebens ? Einmal Diener, immer Knecht. Erst wenn der im Livree dem politischen Dummschwätzer das zu bringende Wasser in die Fresse schüttet, hören Menschen auf, sich als Sklaven zu benehmen.

Armut und Ungleichheit

4.) Hintergrund der Habenichtse

Die Armut hat mächtige Feinde. Die Bundesregierung sieht sie als Problem, der neue US-Präsident Joe Biden hat ihr den Kampf angesagt, der Internationale Währungsfonds warnt vor einem Anstieg der Ungleichheit durch die Pandemie. Dennoch hält sich die Armut hartnäckig. Warum ist das so? »Die Ursachen für Armut sind vielfältig«, stellt die Diakonie fest. Unter den oft genannten Gründen finden sich Arbeitslosigkeit, Krankheit, hohe Mieten und Niedriglöhne, besonders gefährdet seien Frauen im Rentenalter, alleinerziehende Eltern und kinderreiche Familien. Was hier aufgelistet wird, sind allerdings bloß unterschiedliche Armutslagen. Die Armutsursachen sind weniger vielfältig. Niedriglohn. Als »armutsgefährdet« gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zu Verfügung hat. Die Ursache von Armut ist daher in Eigenarten der Einkommensquelle zu suchen. Für jene, die nicht vermögend sind, also für die meisten, ist diese Quelle der Arbeitsplatz. Wie viel man dort verdient, wird gerne auf die Leistung der Arbeitenden zurückgeführt. Die Wahrheit aber ist: Der Lohn ist das Ergebnis eines Interessengegensatzes. Da Unternehmen auf Gewinn und Umsatzsteigerung zielen, wollen sie ihre Kosten gering halten. Sie zahlen daher so wenig Lohn wie möglich und so viel wie nötig. Umgekehrt wollen Beschäftigte möglichst viel Lohn und verzichten so stark wie nötig. Dieser Gegensatz wird als Machtkampf auf dem Arbeitsmarkt ausgefochten. Hier gilt die Daumenregel: Je leichter ersetzbar ein Arbeitnehmer ist, um so geringer der Lohn. Ein Niedriglohn spiegelt also eine schwache Machtposition der Beschäftigten wider, die verbreitet ist: Laut Statistischem Bundesamt galten 2019 in Deutschland 5,7 Prozent aller Vollzeitarbeitenden als armutsgefährdet, woraus sich am Ende des Arbeitslebens häufig die »Altersarmut« (15,8 Prozent der Über-65-Jährigen) ergibt. Wie lohnend geringe Bezahlung sein kann, das belegen die Konten der reichsten Deutschen, zu denen Dieter Schwarz (Lidl), Beate Heister und Karl Albrecht (Aldi) gehören.

ND-online

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Solch nützliche Typen füllten früher die Hutablagen der PKW und wurden als Wackel-Dackel bekannt.

Eskaliert der Impfstoffstreit zwischen Großbritannien und der EU?

5.) »Akt der Feindschaft«

Einem Dokument zufolge wollte die EU geheime Impfstofflieferungen an Großbritannien mit Kontrollen an der nordirisch-irischen Grenze verhindern. Das löste Empörung aus. Noch am Abend lenkte Brüssel ein. Der Streit um Impfstofflieferungen zwischen der EU und dem britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca hat sich zu einer diplomatischen Krise zwischen London und Brüssel entwickelt. Nachdem die Europäische Union angekündigt hatte, den Export zwischen Irland und Nordirland künftig streng überwachen zu wollen, hat die nordirische Regierungschefin Ariene Foster der EU einen »Akt der Feindschaft« vorgeworfen. Mit der Kontrolle der Exporte von in EU-Ländern produzierten Impfstoffen schaffe die EU eine harte Grenze zwischen Nordirland und Irland, wie sie das Nordirland-Protokoll eigentlich verhindern solle, twitterte sie. Dies sei ein »unglaublicher Akt der Feindschaft« und ein »aggressives und beschämendes Vorgehen«. Der britische Premierminister Boris Johnson rief die EU-Kommission zu einer umgehenden Erklärung über ihre Absichten hinsichtlich möglicher Kontrollen auf. Und die EU-Kommission antwortete am Abend mit einer Stellungnahme. Demnach führe sie zwar eine Regelung ein, die Ausfuhren von Impfstoffen an eine Genehmigung durch die Mitgliedstaaten bindet. Das Nordirland-Protokoll bleibe davon jedoch unberührt. »Die Kommission wird die Schutzklausel nicht auslösen«, heißt es. Sollten Impfstoffe jedoch ohne Autorisierung in Drittländer exportiert werden, werde die EU alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, hieß es. Eine dementsprechende Verordnung werde nach ihrer Verabschiedung am Samstag veröffentlicht.

Spiegel-online

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„Der freche Bengel“

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