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Zypern als Exempel?

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 13. Mai 2013

Pathologisches Lernen: Zypern als Exempel

A Golden Coast Hotel öble - Bay of Golden Coast Hotel - panoramio (3).jpg

Hier ein Artikel von Rudolf Hickel zum Thema Zypern. Hickel war Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bremen.

 Das dilettantische Vorgehen der europäischen Eliten bei der „Rettung“ Zyperns hätte um Haaresbreite zu einer weiteren, dramatischen Zuspitzung der Eurokrise geführt. Sieht man davon – vorerst – einmal ab, kennzeichnen die neue Etappe jedoch auch mutige Tabubrüche. Insofern kann man durchaus von einem Lernprozess sprechen, wenn auch von einem pathologischen.

 Völlig zu Recht hat die Eurogruppe entschieden, von dem derzeit geschätzten Gesamtvolumen von 20 Mrd. Euro „nur“ die Hälfte beizusteuern. Damit wird Zypern mit 10 Mrd. Euro beteiligt. Hier müssen – und werden endlich auch die Profiteure der Banken, die auch den Absturz zu verantworten haben, zur Kasse gebeten. Denn Zypern ist heute einer der europäischen Dreh- und Angelpunkte für ausländisches Kapital – speziell aus Russland, aber auch aus Deutschland und Großbritannien.

 Zwar trägt die Insel mit ihren 3000 Unternehmen und einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 30 Mrd. Euro nur 0,2 Prozent zur Eurowirtschaft bei. Doch mit günstigen Steuer- und Zinskonditionen wurde dort der Bankensektor über Jahre aufgebläht. Inzwischen übersteigt er (ausschließlich der ausländischen Banken) das Bruttoinlandsprodukt Zyperns um das Achtfache. Nur dies erklärt, warum dieser Ministaat, der erst 2004 dem Eurowährungsraum beigetreten ist, möglicherweise eine monetäre Systemkrise hätte auslösen können. Zur gesamten Wertschöpfung trägt der Finanzsektor mehr als 45 Prozent bei, der Tourismus weitere 25. Die industrielle Basis ist also auch im internationalen Vergleich minimal.

 Der völlig überdimensionierte Finanzsektor ist das Ergebnis eines hoch riskanten Geschäftsmodells: Nicht nur überhöhte Zinssätze für Einlagen, niedrige Steuersätze für Unternehmen und die Steuerbefreiung von Dividenden innerhalb von Holdingskonstruktionen haben wie ein Magnet ausländisches Kapital angezogen, sondern durch „kreative Steuergestaltung“ bietet die Bankeninsel zudem die Konditionen einer Steueroase. (Dazu passen die Hinweise auf gewaschene Drogengelder.)

Quelle: Blätter >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :

A Golden Coast Hotel öble / Bay of Golden Coast Hotel

Ein Kommentar zu “Zypern als Exempel?”

  1. Thomas sagt:

    Herr Hickel hat keine Ahnung wovon er redet.
    Der Finanzsektor ist überall auf der Erde überdimensioniert. Auch andere Staaten der Eurozone haben ebenfalls dieses Geschäftsmodel: Luxemburg und Malta, z. B.. Es besteht in niedrigen Steuern und laschen Kontrollen der Finanzströme mit dem Ziel, ausländisches Kapital anzulocken, auch aus dubiosem Ursprung und an den heimischen Steuerbehörden vorbei.

    Sie sind gescheitert, weil sie es seriös investieren und anlegen wollten, in Geldanlagen, die in der EU bis vor kurzem noch als sicher galten: nämlich in Staatsanleihen. Dumm nur, dass es sich vorwiegend um die Griechenlands handelten. Durch den Schuldenschnitt, der diesen Gläubigern dort abverlangt wurde, wurde die größte Bank Zyperns fast in den Konkurs und die zweitgrößte in den Kunkurs getrieben. Ohne die Hilfe von außen war der Staatsbankrott nur eine Frage der Zeit.

    Mit der als „Zypern-Rettung“ in den Medien genannten Maßnahme ist der Finanzsektor in Zypern zerschlagen. Das sollte wohl auch der Zweck sein. Selbst wenn ein neues Geschäftsmodel in Sicht wäre, würde es sofort von den aufgelegten Sparmaßnahmen zunichte gemacht werden. Zypern wird also den Weg der anderen südeuropäischen Krisenländern folgen. Der gekennzeichnet ist durch sinkende Wirtschaftsleistung, erwartet wird eine Schrumpfung um acht Prozent noch in diesem Jahr, sinkende Steuereinnahmen, höhere Staatsverschuldung, Massenarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Abbau sozialer Sicherungen, vermehrte Obdachlosigkeit, Zusammenbruch der medizinischen Versorgung für Menschen ohne Geld bis hin zu einem drastischen Anstieg der Zahl der Suizide.

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