DEMOKRATISCH – LINKS

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RENTENANGST

Wir sind die Einzigen

Erstellt von Diogenes am Freitag 18. November 2011

– und ganz allein die RICHTIGEN

Zum Parteitag der Partei DIE LINKE in Rheinland-Pfalz

Immer wieder hören wir es und es löst beim Parteipublikum Ovationen aus:

Wir sind die Einzigen

–         Die die WAHRHEIT sagen,

–         die die Welt richtig erklären und

–         die die richtigen Lösungen haben und

–         Forderungen stellen!

Nur versteht man uns noch nicht.
Nur will man nicht DIE EINE WAHRHEIT.

Wir sind die Radikalsten, denn wir wissen und sagen

–         der Kapitalismus muss weg,

–         die Banken müssen verstaatlicht werden und

–         wir fordern Frieden und Gewaltfreiheit, überall, jetzt, sofort.

–         Nur wir sind konsequente Gegner der Nazis, DIE ANTIFASCHISTEN. DIE DEMOKRATEN.

–         Uns allein gehört die soziale Frage! Nur wir vertreten die Mehrheit des Volkes.

–          Wir sind die Partei des Forderns und Klagens. Bürgerproteste hingegen mögen wir nur, wenn wir nicht mitregieren!

Nur will man uns nicht – als DIE „Alleinvertreter“.
Nur glaubt man uns nicht, dass wir können, was wir wollen.

Wir sind die Schweigsamen, denn man hört uns nicht sagen,

–         der reale Sozialismus war kein Sozialismus,

–         die deutsche Sozialdemokratie und die deutschen Gewerkschaften sind mit unseren (SPD-Mitglieder, Gewerkschaftsakteure) Dazutun in die Sackgasse geschlittert,

–         die bisher beschrittenen Wege des „realen Sozialismus“ waren opferreiche Irrwege,

–         wir suchen gemeinsam (mit dem Volk) nach den Gründen für vergangenes Versagen auch
bei uns, nicht nur bei den Gegnern und

–         wir übernehmen Verantwortung, wir nennen auch die Taten und Täter beim Namen.

Denn – DIE PARTEI, DIE LINKE, sie hat immer noch recht. WIR sind unter uns!

DIE PARTEI,
dass sind vor allem ihre Mandatsträger in Bund  und Ländern, ihre bezahlten Mitarbeiter und Funktionäre.
DIE PARTEI,
dass sind auch die Gläubigen, die Disziplinierten, die Folgsamen, die Ab- und Zustimmer.
DIE PARTEI,
hat in Erfurt „Disziplin gezeigt“, den Gehorsam ihren „Vortänzern“ nicht versagt. Wir sind „geschlossen“ marschiert und haben unsere Kompromisse „gedrechselt“, damit sie uns zusammenhalten mögen.

Nur, wer will solche „Geschlossenheit“,
wer vertraut noch auf das Beifallklatschen und Marschieren?

DIE LINKE
geht ihren einsamen Weg auf dem ihr vertrauten Kurs. Voran, einzig, und allein!

DIE LINKE
ist keine Bewegung, sie ist ein Geldsammel- und Medienapparat, abhängig von Steuermitteln und Stimmungslagen.

DIE LINKE
reagiert, wo doch sie agieren müßte –  Mit Taten, als Vorbild, beginnend in den eigenen Reihen.

DIE LINKE
macht lagweilige Propaganda, wo sie das Fragen und Hören üben müßte.

DIE LINKE
gibt allein Antworten auf  IHRE  Fragen, nach IHREN Welt- und Menschenbildern.

DIE LINKE
ist randständig, marginal, isoliert, glanzlos.

BügerInnen
haben ihre Ängste, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen, ihre Illusionen, aber auch ihre Freuden, ihre Glücksmomente, ihre Erwartungen und Sichtweisen, die ihnen Vertrauten und die ihnen Fremden.

BürgerInnen
wollen gehört werden und ihr Leben gestalten, selbst Gestaltungskraft sein!

Manche BürgerIn
will ihre und die Zukunft ihrer Kinder nun selbst mehr in die Hände nehmen.

Manche BürgerIn
beginnt zu ahnen, mit Forderungen an DIE POLITIK, DIE POLITIKER ist es nicht getan. Sie vertraut lieber ihrem Kopf und ihren Händen!

Die BügerIn merkt, ich bin  nicht allein, mit meinen Gefühlen und Gedanken!
Sie sucht Austausch, Erkennbarkeit, Anregungen –

Sie sucht nicht Antworten und Stellvertretung bei DEN LINKEN –
Irgendwo.

DIE LINKE in Rheinland-Pfalz ist eine traditionelle Partei.
DIE LINKE in Rheinland-Pfalz ist eine schwache Partei.

Und ihre Mitglieder sind zersplittert, zerstreut, vereinzelt, überwiegend Erfahrungs- und Bildungsarm.
Die Ansprüche an die Anderen sind hoch, an sich selbst sind sie eher gering, nur in Worten ist sie  radikal.
Denn, den eigenen Schwächen und Stärken geht sie nicht auf den Grund, ihre „Maßnahmen“ gehen nicht an die Wurzeln!

DIE LINKE
will die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern.

Sie hat vergessen, dass dazu und voran die Selbstveränderung gehört.

DIE LINKE
liebt Ideologie die „wärmt“, sie will die ganz große Politik, DIE UMWÄLZUNG.

Sie übersieht, dass jede Revolution ein allmählicher Prozess der Wandlungen ist.

DIE LINKE

will den großen Sprung, den großen Wurf (sagt sie). Dafür hat sie ein Programm. Man solle sich auf „die Inhalte konzentrieren“, sagt sie.
Aber kommt es nicht immer auf den Menschen, die PERSON(en) an,
auf ihre Glaubhaftigkeit, ihr Vorbild für eine neue Lebensweise?

Was taugen drei MdB´s,
die qualifiziert Sachpolitik machen,
aber innerparteilich Spalter, Intriganten, Ausgrenzer sind?

Was taugen Landesvorsitzende,
die lügen, tricksen, täuschen?

Was taugen Landesvorstandsmitglieder,
die lieber den Corpsgeist des Vorstandes, als ihrer kritischen Vernunft folgen?

Was taugen Delegierte,
die zu tief fliegen, als das sie bereit und in der Lage wären politisches Profil, Persönlichkeit zu zeigen?

Was taugen „Vertreter“
in Gremien und Strömungen, denen das Format fehlt, sich über die Interessen konkurrierender Cliquen zu erheben?

Wo sind Persönlichkeiten,
die „Kante ziegen“ und nicht dabei nach wohlgefälligen Mehrheiten und vielleicht auch nach Pöstchen oder dem Gefühl „Dazuzugehören“ schielen?

Wenn es so bleibt, dann zieht der Strom der Gesellschaft gestaltenden Menschen an dieser Linken vorbei. DIE LINKE ist als politische Partei immer noch ein Projekt der Vergangenheit,

nein, sie ist kein Projekt mehr, sondern ein erstarrter Apparat,
eine Maschine, ein Funktionärsgetriebe.

PS: Was hat das alles mit der aktuellen Debatte um die Neonazis, um Staats- und Gesellschaftsversagen zu tun?

DIE LINKE ist Teil der zu lösenden Probleme und weniger Teil der Lösung, als sie es sich selbst gern einredet. Wenn DIE LINKE RLP berechtigt Neonazis und die sie begünstigenden Kräfte und Verhältnisse angreift, so ersetzt das noch lange nicht die eigentliche Aufgabe, fähiger, seriöser, vertrauenwürdiger und leistungsfähiger Teil einer Bürgerinnenbewegung des Aufstandes des Gewissens gegen eine reaktionäre Gesellschaftsentwicklung und deren Treiber und Profiteure zu sein und gemeinsam mit den BürgerInnen Wege in eine menschenwürdigere Zukunft zu suchen.

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Grafikquelle    :    (By Mikosch (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

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