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Wir, die Verräter

Erstellt von Uri Avnery am Samstag 15. Oktober 2011

Wir, die Verräter

Autor Uri Avnery

„ES GIBT Situationen, in der ein wirklicher Patriot keine Alternative hat, als ein Verräter zu sein,“ schrieb Rudolf Augstein in einer Rezension von einem meiner Bücher in den späten 80er-Jahren. Das Buch „Mein Freund, der Feind“ beschrieb u.a. meine Begegnung mit Yassir Arafat. Es war die erste Begegnung zwischen einem Israeli und dem Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Sie fand während der Schlacht um Beirut 1982 statt; um dies durchzuführen, musste ich die feindlichen Linien überqueren.

Während ich noch auf dem Rückweg war – auf der Straße von Beirut nach Rosh Hanikra hörte ich im Radio, dass vier Regierungsmitglieder verlangt hätten, mich wegen Verrats anzuklagen. Tatsächlich ordnete Menachem Begins Regierung mit Ariel Sharon als Verteidigungsminister offiziell an, dass der Staatsanwalt ein Strafrechtsverfahren gegen mich beginnt. Nach der Untersuchung kam der Staatsanwalt Yitzhak Zamir zu der Schlussfolgerung, dass ich nicht das Gesetz gebrochen hätte, einesteils, weil ich in Beirut ein Gast der IDF war und andernteils, weil es keine rechtliche Unterscheidung zwischen dem östlichen Teil der Stadt gab ( den die IDF kontrollierte) und dem westlichen Teil (der in Händen der PLO war).

In den 14 Jahren, die diesem 1.Treffen vorausgegangen waren, hielt ich regelmäßig Kontakte mit der PLO-Führung, obwohl sie offiziell als Terror-Organisation definiert wurde und Arafat als Erz-Terrorist. Ich berichtete Rabin, während er Ministerpräsident war (1974-77) über diese Kontakte. Es waren nur 11 Jahre später, dass Israel einen Vertrag mit der PLO schloss, unser Ministerpräsident Arafat umarmte und die Minister, die mich als Verräter vor Gericht bringen wollten , selbst Pilgerreisen zu ihm machten.

ALS AUGSTEIN seinen Kommentar über Verrat schrieb, dachte er besonders an Nazideutschlands berühmtesten Fall von Verrat: den 1944 von Klaus von Stauffenberg ausgeführten Komplott, als er versuchte, Adolf Hitler zu ermorden. Von Stauffenberg, ein Kriegsheld, der im 2.Weltkrieg ein Auge und mehrere Finger verloren hatte, überlegte lange, bis er sich für den Schlag entschied. Als wirklicher Patriot kam er zu dem Schluss, dass nur das Töten Hitlers Deutschland vor der Katastrophe der Niederlage retten und den unnötigen Tod Hunderttausender Menschen in einem verlorenen Krieg verhindern kann. Aber er hatte dem Führer Treue geschworen und als gläubiger Katholik sah er den Treuebruch als eine sehr ernste Angelegenheit an. Ein Aufstand mitten in einem Krieg war natürlich Verrat.

Fast alle Deutschen wären heute damit einverstanden, dass ein solcher Akt von Verrat moralisch und gerecht wäre. Daher wurde die Straße, in der das Hauptquartier des deutschen Generalsstabs lag und in dessen Hof Stauffenberg erschossen wurde, nach ihm benannt. Hier liegen Verrat und Patriotismus dicht neben einander.

Klaus von Stauffenberg war kein Linker. Im Gegenteil. Er war ein Mann der Rechten, sehr konservativ, ein Nachkomme vieler Generationen einer Adelsfamilie. Viel öfter sind es Leute vom linken Flügel, die wegen Verrat angeklagt werden. Diese Anklage mag der gewöhnlichste Fluch jener Rechten sein – weltweit und besonders in Israel – der den Linken verpasst wird: dass sie ihr Volk und ihr Land verraten.

Gemäß der Ansicht des rechten Flügels untergraben die Linken die nationale Stabilität und helfen dem Feind, der uns vernichten will. Die Linken sind fast immer gegen ein großes Militärbudget und behaupten, dass Geld sei nötiger für soziale Dienste wie Erziehung, Gesundheit und Wohlfahrt. Für sie hat das Individuum einen höheren Wert als die Nation und der Staat. Sie sucht Frieden und ist dafür bereit, gegenüber dem Feind Konzessionen zu machen. In der israelisch-palästinensischen Arena, ist sie bereit, Teile des Landes abzutreten, die der Allmächtige selbst dem jüdischen Volk versprochen hat. Kurz gesagt: die Linken sind widerwärtige Verräter.

Die Linken in Israel und in aller Welt kontern, dass sie die wirklichen Patrioten sind; denn sie sind es, die eine gesunde Gesellschaft suchen, die die wirklich Grundlage der nationalen Sicherheit ist. Schließlich sind es nur die Bürger, die sich als Teil des Landes und des Staates fühlen, die bereit sind voll und ganz für diesen zu kämpfen. Außerdem kann kein Staat endlos Krieg führen. Der Staat und das Individuum benötigen Frieden, und nur im Frieden kann ein Staat all seine geistigen und materiellen Ressourcen entwickeln.

Nach den Linken kultiviert die Rechte Hassgefühle, Furcht und Vorurteile gegen andere, in fremden Ländern und gegen Minderheiten innerhalb des eigenen Staates. Um die Unterstützung der Massen zu gewinnen, versucht die Rechte, ständig Spannungen zu schüren und Kriegsabenteuer zu verursachen, ein Phänomen, das ihre eigene verzerrte Weltansicht rechtfertigen kann. Deshalb ist der rechte Flügel eine Bedrohung für den Staat und seine Bürger und führt letzten Endes in eine nationale Katastrophe, die in unserm Fall die Zerstörung des „Dritten Tempels“ bedeuten würde, das erneuerte jüdische Gemeinwesen. Kurz gesagt: widerwärtige Rassisten.

UNSERE EIGENE Geschichte schließt Beispiele von Verrat ein, die dem des Deutschen von Stauffenberg vor langer Zeit vorausgingen. Vor vielen Jahren habe ich einmal mit jemanden zusammen zu Mittag gegessen, der damals eine Schlüsselfigur in der israelischen Wirtschaft war. Während des Gespräches deutete ich auf Shimon Bar Kochba, der den misslungenen jüdischen Aufstand 132-135 n. Chr. gegen Rom anführte; er war ein verrückter Abenteurer. Dass die Zeloten der großen Revolution, die ihm vorausgegangen waren, Verbrecher waren und dass auch die Makkabäer vor ihnen einen mörderischen Bürgerkrieg führten.

Der Bankier starrte mich mit seinen blauen Augen mit einem Blick riesigen Erstaunens an. Er hatte nie solch seltsame Ansichten gehört. In dem Augenblick entschied ich mich, eine Artikelserie über dieses Thema zu schreiben. Sie wurden in einer Serie in Haolam Hazeh veröffentlicht und verursachten keine Aufregung.

Einige Zeit später jedoch schrieb Yehoshafat Harkabi, ein früherer Chef des militärischen Nachrichtendienstes und zur Zeit ein Historiker an der Hebräischen Universität ein Buch in derselben Art, und der Damm brach. Er schrieb: die Rebellion der Zeloten gegen Rom war ein Akt des Wahnsinns. In der Sprache von heute könnten sie extreme Rechte genannt werden. Sensible Leute wie König Herodes Agrippa II. warnte vor dem sinnlosen Abenteuer gegen die riesige Militärmacht der römischen Supermacht. Aber die Zeloten brachten diese Stimmen zum Schweigen, ermordeten jeden, der gegen die Rebellen sprach und übernahmen die Macht in der jüdischen Gemeinde. Als die Römer 70 n.Chr. Jerusalem belagerten, verbrannten zelotische Gruppen sich gegenseitig die Getreidelager, mit der Gewissheit, dass sie diese nicht benötigen, weil der Allmächtige selbst seine Heilige Stadt erlösen wird.

Einer der vernünftigen Leute, der in der verrückt gewordenen Stadt blieb, Rabbi Yochanan Ben Sakkai; sagte die Zukunft richtig voraus. Ben Sakkai tat so, als wäre er tot, und ließ sich in einem Sarg aus der Stadt tragen; er traf sich mit dem römischen Kommandeur und bat um Erlaubnis, in Yavne zu wohnen und dort ein geistliches Zentrum zu eröffnen.

Das war ein totaler Verrat an seinem Volk: die Front zu wechseln, Feigheit, Kontaktaufnahme mit dem Feind, Kollaboration. Als ich ein Jugendlicher war, war ich Mitglied der Irgun, eine vorstaatliche Gruppe im Untergrund; wir organisierten eine Scheingerichtsverhandlung gegen ihn. Er wurde des Verrates für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Zeloten waren unsere Helden.

Aber die kollektive Weisheit des jüdischen Volkes pries Ben Sakkais Verrat und stellte fest, dass dieser Schritt die Bewahrung des Judentums während 2000 Jahre Diaspora gewährte. Mit anderen Worten: sein Verrat rettete das Volk. Sein Handeln war ein patriotisches Handeln. Die jüdische Gemeinde war in der Lage, auf ihrem Land zu bleiben und blühte, bis zum Kommen des nächsten Verrückten, Bar Kochba, noch ein Mitglied der extremen Rechten, um die heutige Terminologie anzuwenden.

Das Schicksal der Makkabäer war in der Geschichte besser. Sie haben sich positiv ins jüdische Bewusstsein eingegraben, während an andere zelotischen Aktivitäten an Tisha B’Av trauernd gedacht wird, werden die makkabäischen Taten andrerseits an den Feiertagen gefeiert, und die zionistische Bewegung hat sie als Freiheitskämpfer bejubelt, die die Juden von fremden Unterdrückern befreiten.

Und tatsächlich hatten die Makkabäer im Gegensatz zu den Zeloten und zu Bar Kochba eine realistische Ansicht der politischen Situation ihrer Zeit. Sie schlossen Bündnisse und bereiteten die Rebellion weise vor. Doch die Makkabäerkriege im zweiten Jahrhundert v.Chr. war vor allem ein Bürgerkrieg. Wir sagen, die Makkabäer führten einen mörderischen Feldzug gegen die Hellenisten – aber wer waren die Hellenisten? Es waren diejenigen, die die aufgeklärteste und fortgeschrittenste Kultur ihrer Zeit akzeptierten, etwa dem Status heute, der im allgemeinen der amerikanischen oder westlichen Kultur entspricht.

Das „national-religiöse“ Lager jener Tage und was heute als Hügeljugend bezeichnet wird, sahen die Hellenisten als Verräter an, genau die Art und Weise, wie die Linken heute gebrandmarkt werden. (Dies hielt die Hasmonäerkönige, die den Makkabäern folgten, nicht davon ab, selbst die griechische Kultur anzunehmen, wie einige ihrer Namen andeuten).

VIELE JAHRHUNDERTE später wurde die Krone des verrückten Messianismus an Shabbetai Zvi weitergegeben. Seine Lehre faszinierte im 17. Jahrhundert die jüdischen Massen rund um die Welt – und zwar mit unglaublicher Geschwindigkeit. Nur eine kleine Anzahl von Juden wagte es, diesem Wahnsinn zu widerstehen – sie wurden die „Verräter“ jener Zeit. Als die Seifenblase sich auflöste und der sog. Messias zum Islam konvertierte, wurde klar, dass die Opponenten Recht hatten. Dies brachte aber die Massen nicht dazu, sie beliebt zu machen. Im Gegenteil, wie Gershom Scholem uns erzählt: nach Shabbetai Zwis Schande wurden seine Opponenten sogar noch mehr gehasst.

Und bis jetzt erwähnten wir noch nicht den Erz-Verräter, den Propheten Jeremia, der die Kapitulation predigte. Er war ein wirklicher Defätist. Dafür wurde er von der rechten Regierung des 6. und 7. Jahrhunderts v. Chr. in einen Schlammgraben geworfen. Doch seine Worte wurden in die Bibel aufgenommen, während die seiner Feinde vergessen wurden.

Man könnte noch unzählige Beispiele aus der Geschichte anderer Völker zitieren. In Krisenzeiten werden die wirklichen Patrioten diejenigen sein, die zum Frieden und zum Kompromiss aufrufen, kurz „die Linken“, als Verräter angesehen, wogegen die Nationalisten aller Arten, die Kriegstreiber und die zum Hass aufwiegeln als Patrioten wahrgenommen werden.

Es trifft auf sie zu, was der britische Philosoph Samuel Johnsohn sagte: „Patriotismus ist die letzte Zuflucht eines Schurken.“

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

Veröffentlicht in Haaretz am Vorabend von Yom Kippur, am 7.10.2011

6 Kommentare zu “Wir, die Verräter”

  1. Gilbert Kallenborn sagt:

    Die Makkabäer trotzten der stärksten Armee des Planeten, der römischen, in der Wüste Judäa und am Ende blieb nur noch die Felsenfestung Massada. Dort wurden sie dann mit Katapulten beschossen, die nicht nur Steine, sondern auch gefangene Juden und Familienangehörige
    durch die Luft schleuderten, nach heroischem Widerstand über Jahre wurde der Massenselbstmord beschlossen. Selbstmord per se, ist dem Juden in der Thora verboten, doch hier ging es darum, die Frauen nicht zu römischen Legionshuren und die Kinder nicht zu Lustknaben Roms werden zu lassen, es drohte hier weit mehr wie eine „normale“ Kriegsgefangenschaft der Männer, der letzten jüdischen Guerillas.
    Zum Beweis, daß es weder aus Wassermangel geschah, Massada ist unterhöhlt von riesigen Steinkammern für Wasser der Regenfälle des Winters noch wegen Lebensmittelmangel wurde regelrecht ein Tisch gedeckt für die dann ungehindert einziehenden Eroberer umgeben von Leichen.
    Sorgsam dahingelegt, aufgebahrt.
    Es wurden die Namen der Sippenführer auf Tonscherben geschrieben, es wurde gelost wer wen zuletzt umbringt, der Freund den Freund. Das wurde für eine Legende gehalten -bis die Scherben tatsächlich tausende Jahre später in Massada gefunden wurden.
    Kapitulation? Die Kämpfer von Massada kapitulierten genausowenig wie die des Warschauer Ghetto.
    Die jüdische Linke und der bürgerliche Rest haben hier eine einzige Meinung zum allereinzigen Mal dieselbe.
    Das ist der historische Schnittpunkt. Massada.
    Heute,in der Moderne,wird es schwer sein, den Feind von heute als Partner für morgen zu sehen, das ging bei Arafat, Arafat war kein Islamo-Faschist und Frauen waren gleichberechtigt in der PLO, in der Al-Fatah, der Stammzelle der PLO, die PFLP war sowieso kommunistisch, keine Debatte Mann-Frau und deswegen, in der arabischen Welt einem Minderheit.
    Heute ist nur noch die Hamas und die Hizbullah da -beides fanatische Islamofaschisten. Iran-bezahlt, Judenhasser, Todfeinde Israels.
    „Frieden“ mit diesen ist nicht möglich, Patriotismus wird zum Selbsterhalt, zur Notwehr des eigenen Überlebens.
    Es gibt im Nahen Osten keinen Platz für einen demokratischen israelischen Staat unter der Beachtung der Menschenrechte der Palästinenser -mit der libanesischen Hizbullah und der Hamas des Gazastreifen als Raubtiere, die nur darauf warten die Friedenstaube zu zerfetzen, die sowieso verwundet herumtorkelt. Kein Platz zumn Landen, nicht Israel, nicht außerhalb.

  2. Helmut Kokoschka sagt:

    Entweder, GK hatte den Artikel nicht gelesen oder er hat ihn nicht verstanden. Es kann auch sein dass beides zutrifft. Die Schuldigen an diesem Dilemma kennt er ganz genau! Die Welt ist so einfach: auf der einen Seite die Guten, (das sind immer die, desgleichen Glaubens, dergleichen Weltanschauung, oder dergleichen Partei.) Auf der anderen Seite “ die Bösen „, das sind immer diejenigen, die nicht ins Raster passen, in diesem Fall die Palästinenser. Ich bin der festen Überzeugung, dass GK, wäre er im Gazastreifen als Muslim zur Welt gekommen, mit der gleichen Überzeugung ein fanatischer Judenhasser wäre. Beide Parteien berufen sich auf denselben Gott.
    Ich glaube an keinen Gott.
    Vor einem halben Jahr habe ich im Fernsehen einen Bericht über einen indischen Guru gesehen, der 80 Jahre seines Lebens damit verbracht hat, die Wahrheit herauszufinden.: er kann jede beweisen, dass in einer Kuh mindestens 60.000 Götter Leben. Deshalb darf man kein Rindfleisch essen und alle Menschen sollen sich lieben. Das die beiden letzten Behauptungen richtig sind, hat die Wissenschaft bewiesen. Zu viel Rindfleisch macht krank und zu wenig Liebe, macht Tote. Deshalb ist der Guru für mich absolut glaubwürdig, Juden, Moslems und Christen nicht.!

  3. emschergenosse sagt:

    @Otto Koko

    zum zweiten Mal „erwische“ ich dich, dass du anderen unterstellst, sie haben einen Artikel nicht verstanden. Hast du eigentlich diese Weisheit mit dem Löffel gefressen?

    Jeder Leser verfasst einen Kommentar aus seiner Sichtweise, wobei Gefühle und Erlebnisse eine Rolle spielen und die daraus resultierende Motivation, seine Meinung mitzuteilen.

    In diesem Sinne ist es natürlich eine törichte Denkweise behaupten, wenn jemand als Muslim geboren worden wäre, denke er anders.
    Das beste Beispiel, dass es nicht so sein muss, ist Uri Avnery, der Verfasser des Artikels. Du kannst nicht alles an ‚wenn‘ und ‚dann‘ festmachen. Damit könnten Idioten die Weltgeschichte erklären.
    Wenn das Stauffenberg-Attentat gelungen wäre, dann …“ – hier gäbe es etliche Möglichkeiten; denn der Graf war ein erzkonservativer Adliger und Militarist und den vielen „DANN“ als Möglichkeiten des Weiterlebens könnte man kaum folgen.

  4. Gilbert Kallenborn sagt:

    Nun, ich habe Uri Avnery in Israel selber kennengelernt, das ist ein Mann, der unbeugsam seinen Weg geht und er stand vor einer Anklage als Staatsfeind.
    Für ein Land im Kriegszustand seit 60 Jahren -Israel- 24 Stunden am Tag, sieht der Betroffene alt aus, wenn die Anklage durchgeht.
    Avnery aber gilt als Volksheld der Linken Israels, als unangepasster Denker, seine Artikel kenne ich seit den 80ern. Ich kann sie in englisch und in hebräisch lesen und ich denke -ich habe sie verstanden. Wieso sollte ich automatisch ein Judenhasser sein, wäre ich im Gazastreifen geboren worden? Ich war dort und habe mit Arabern gefischt, vom Kutter aus, da waren keine Judenhasser dabei, andere waren Geschäftspartner für die Camel „Flex“-Produkte, Schleifmittel, Trennscheiben, insbesondere wichtig beim Bau, die wurden alle in meinen Kibbutz hergestellt Zusammensetzung: 1 Schweizer Ingenieur für das „Rezept“ 1 Deutscher Freiwilliger (Gil, ich )für die Mischung der Granulate 1 Fabrik mit Russen, Arabern, Juden, Beduinen und der LKW-Fahrer war ein Druse, der Mann für „Aza“ Das „G“ wird im Hebräischen nicht ausgesprochen. Ich widerspreche, wer in Gaza geboren wird sei automatisch Judenhasser, mein lieber Gen. Kokoschka.
    Warum? Ich war dort. Gaza war ein vollkommen vielseitiger Ort, bis die Hamas ans Ruder kam. Und das kam sie, indem sie die „Al Fatah“ Die Opferbereiten von Arafat (einst PLO =Palestine Liberation Organisation) umlegte, arabischer Bruderkrieg. Bis heute nicht vorbei.
    Bevor also ein Gaza-Einwohner sich einen Juden zum hassen sucht, guckt er zuerst nach seinem arabischen Nachbarn, ob der Hamas oder Fatah-Anhänger ist. Israel hat Gaza zuerst besetzt, dann aufgegeben. Das vergessen die meisten. Der Machtkampf um Gaza ist ein Machtkampf zwischen der Islamofaschistischen Hamas, Iran-bezahlt und indoktriniert und der gemäßigen PLO/Fatah, in englisch „PA“ Palestine Authority, die von den USA, EU und Israel anerkannt wird wäre da nicht Gaza. In Gaza herrscht die Hamas, in derWestbank“ (für Andere: Judäa und Samaria) die PA, aus der PLO entstanden. Dazwischen liegt Israel. Ein politisch-religiöses Tollhaus, ein Pulverfass. Nein -niemand wird mit Hass geboren.
    Hass wird erzeugt. Wie, haben uns die Nazis vorgemacht und die Stasi der DDR hatte genug braune Scheisse zum abkupfern, Propaganda braun oder stalinrot war dieselbe Volksverarsche, nämlich Entmündigung, Entrechtung, Mensch als Rädchen nur in der Maschine, Arbeits-Roboter ohne individuelle Würde -“ die Partei, die Partei hat immer recht …“ Drauf geschissen.
    Ich wurde im Saarland geboren, das ist überwiegend katholisch-aber ich bin nicht Katholik geblieben.
    Jeder Mensch kann alles ändern, wenn er will. Nichts ist statisch, nichts ist gottgegeben, wie sagte mein Rabbi:
    „Gott gab dem Menschen den Arm, aber am Ende des Armes ist die Hand und damit muss der Mensch selber umgehen, sät er nicht, erntet er nicht, er wird verhungern. Manna wird nicht mehr vom Himmnel fallen, das gabs nur für Moses beim Exodus. Der Herr hätte besser einen Kompass vom Himmel geworfen….“
    20 verdutze Elite – Schüler aus ganz Israel, keiner wusste, was der Rabbi meinte… „Na? Moses biegte nach links ab, wo Milch und Honig flossen-Israel. Er hätte rechts abbiegen müssen-da wäre er bei den Ölquellen gelandet und Israel hätte Öl. wäreWeltmacht, haha!“
    Der Witz ging binnen 1 Woche durch ganz Israel, machst du einen Witz über Mohammed (siehe die dänischen Karrikaturen) da bringen sie dich um. Hier war es der Chief Rabbi of Israel selber. Später gab er zu, den Witz habe er nicht selber erfunden, sondern in der Armee aufgeschnappt (was Wunder er war Fallschirmjägerrabbi). Die Quelle sei ein Kibbutznik gewesen, ein Linker. Nein, nicht Avnery.

  5. Helmut Kokoschka sagt:

    # Emschergenosse,
    Falls das, „Otto Koko “ eine Verspottung sein sollte, dann ist diese misslungen.

    Da springt der Schreiber aus dem Gebüsch der Anonymität und erwischt mich, in einem Internetforum das weltweit zu lesen ist. Eine seltsame Art von „erwischen“. Die anschließende Frage nach der Weisheit die ich mit Löffeln gefressen habe, kann ich Beantworten: nein. Ich weiß noch nicht einmal was „Weisheit“ ist. Zu oft schon haben die Weisen und Klugen die Menschheit in Tod und Verderben gestürzt.
    Den nächsten Satz kann ich voll unterstützen. Nicht jeder Mensch kommt mit Deiner, meiner, oder der Lebenserfahrung von Gilbert auf die Welt. Wir haben die Möglichkeit uns eine eigene Meinung zu bilden. Viele Millionen Menschen haben diese Möglichkeit nicht. Wenn diese Menschen aber nicht alle Informationen haben, können sie auch nicht die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen. Um Alternativen zu entwickeln, muss man sich fragen mit „wenn und dann „stellen, tut man das nicht, urteilt man ausschließlich aus seiner Sicht. Im Gegensatz zu anderen, bin ich gerne auf der Seite der “ verrückten und Idioten „. Sind es doch die normalen, die gebildeten die die Welt und die Parteien regieren. Dazu zählst Du auch. Zu Stauffenberg habe ich kein Wort geschrieben.
    # Gilbert
    Gerade eben habe ich die Nachrichten gesehen. Eine Palästinenserin die zu dreimal lebenslänglich und 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist frei gekommen. Das erste was Sie vor der Fernsehkamera gesagt hat war: Sie wird weiterhin versuchen Juden zu töten. Juden haben Ihr Land genommen.Juden töten Palästinenser usw. Man muss sich doch fragen: woher kommt dieser Hass. Ist dieser Hass berechtigt, zumindest teilweise. Mit dieser Palästinenserin hattest Du es wohl nicht zu tun, bei seinem Besuch. Trotzdem glaube ich, dass es auf beiden Seiten ein paar “ Idioten “ gibt, die Fanatismus nicht mit Fanatismus beantworten, die Hass, nicht mit Hass beantworten und Töten nicht mit Töten beantworten. Als ausgewiesener“ Idiot“ stelle ich mir vor, ich wäre Palästinenser mit all den negativen Erfahrungen. Wie könnte ich trotzdem einen Schritt auf die Juden zu gehen um das Morden zu beenden. Diese Überlegung würde ich Natürlich auch als Jude machen. Auf beiden Seiten wäre ich ein Verräter und würde mit dem Tod bedroht. Vernunft ist für die herrschenden und die fanatischen ein gefährlicher Gegner, Sie raubt Ihnen Ihre Existenz. Vielleicht ist es ein Forum wie dieses, dass die Menschen auf beiden Seiten dazu bringt, einmal über die Rechte der jeweils anderen Seite nachzudenken. Es wäre der erste Schritt auf dem Weg zum Frieden. Vielleicht wäre das „Weise „,ich weiß es nicht.

  6. emschergenosse sagt:

    nee, Otto, das sollte keine Verspottung sein.

    Wenn du allerdings anführst, dass du zu Stauffenberg kein Wort geschrieben hast, bin ich geneigt zu unterstellen, dass du dieses Mal nicht verstanden hast, was ich sagen wollte.

    Es ging um die Bedingung „WENN/DANN“. Im weitläufigen Sinne von: Wenn der Hund nicht geschissen hätte, dann hätte er den Hasen gefangen. Oder eben Stauffenberg.

    (Hoffentlich werden die Menschen nie in der Lage sein, Zeitmaschinen zu bauen. Das wäre fatal!)

    Das Folgende macht mich Rentner ein wenig stinkig, zumal ich deine Aussage nicht betätigen kann.

    Sind es doch die Normalen, die Gebildeten, die die Welt und die Parteien regieren. Dazu zählst Du auch.

    Leider – oder gottseidank – nicht!

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