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Warum gibt es Lotto ?

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 22. Oktober 2020

Räudiger Auswuchs des Kapitalismus

Ziehung der Lottozahlen, Ziehungsgeräte Spiel 77 und Zusatzzahl im Main Tower.jpg

Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Letzte Woche gewann eine Frau 42,2 Millionen Euro im Lotto. Schön für sie. Aber es ist wahrscheinlicher, dabei arm zu werden als reich. Warum unterstützt der Staat so etwas?

Haben Sie sich mitgefreut letzte Woche, als verkündet wurde, dass eine Frau aus Baden-Württemberg rund 42,5 Millionen Euro im Lotto gewonnen hat? Haben Sie sich gefragt, was Sie wohl mit so einem Gewinn machen würden? Kann man machen. Man kann aber auch mal fragen: Warum gibt es überhaupt Lotto? WTF & cui bono?

Nichts für ungut, Frau aus Baden-Württemberg, Glückwunsch, ich gönne allen Lottospielenden ihre Gewinne. Allzu großherzig muss man dazu nicht sein, denn so viele Leute werden durch Lotto nicht reich. Es ist wahrscheinlicher, durch Lotto arm zu werden als reich. Leute, die regelmäßig Lotto spielen – knapp 7,3 Millionen Deutsche – werden oft dafür belächelt, manchmal auch für ihren naiven Optimismus bewundert. Wenn es denn überhaupt rauskommt, dass sie spielen. Denn Lotto wird als kulturelles und politisches Phänomen relativ selten betrachtet, was eigenartig ist, weil es immerhin ein staatlich unterstütztes Spiel ist: Der Staat regelt das Lotteriemonopol, entsendet Beamte zu den Ziehungen, verdient an den Einsätzen.

Räudiger Auswuchs des Kapitalismus

Man könnte natürlich sagen: Ist doch cool, dass das staatlich überwacht wird, sonst würden die Leute sich bei dubiosen Darknet-Anbietern abzocken lassen. Ja, cool, so wie es jetzt läuft, werden sie einfach vom Staat abgezockt. Von einem Staat, der vorschreibt, dass Glücksspielwerbung immer den Hinweis auf die Suchtgefahr enthalten muss – und gleichzeitig werden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Lottozahlen vorgetragen, ohne Hinweis auf die Suchtgefahr und stets in der Nähe von Nachrichten und Wetter, als würde es sich um gesellschaftlich relevante Informationen handeln und nicht um einen räudigen Auswuchs des Kapitalismus, der Menschen ärmer und kränker macht.

Margarete Stokowski-0672.jpg

Verschiedene Studien haben außerdem untersucht, welche Art der Umverteilung durch staatliche Lotteriemärkte stattfindet. Überraschung: keine gute.

Spielsucht ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die tödlich enden kann. In einer kanadischen Studie von 2007 kam heraus, dass Spielsüchtige statistisch gesehen 3,4-mal häufiger versuchen, Suizid zu begehen, als der Rest der Bevölkerung. Verschiedene Studien haben außerdem untersucht, welche Art der Umverteilung durch staatliche Lotteriemärkte stattfindet. Überraschung: keine gute. „Unsere Analyse zeigt, dass Lotterien eine Form der regressiven Besteuerung darstellen“, heißt es in der Abhandlung „Wer spielt Lotto?“ von 2008. Regressive Besteuerung bedeutet: Je ärmer man ist, desto mehr zahlt man ein, oder auch: Umverteilung von unten nach oben.

Quelle       :    Spiegel-online          >>>>>          weiterlesen

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Grafikquellen       :

Oben       —        Equipment of Zusatzzahl der Ziehung der Lottozahlen and Spiel 77 (lottery) at the Television studio of Hessischer Rundfunk in Main Tower, Frankfurt am Main

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