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Vitali Klitschko

Erstellt von Uli Gellermann am Dienstag 16. September 2014

Ich krieg dich, der Teufel kriegt dich

File:Klitschko.jpg

Autor: U. Gellermann

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Datum: 13. September 2014

„Ich bin ein rollender Donner, ein gießender Regen – Ich komme wie ein Hurrikan an“, so beginnt „Hells Bells“, jenes Stück der Rockgruppe AC/DC, das den Boxer Vitali Klitschko lange Jahre als Einlauflied in den Ring begleitete. „Ich will keine Gefangenen nehmen, kein Leben verschonen – Keiner legt sich mit mir an . . .“ so klingen die verrockten Höllenglocken des alten Boxers und neunen Bürgermeisters von Kiew. Und wer jetzt unwillkürlich an die Soldateska denkt, die das Kiewer Regime in die Ost-Ukraine geschickt hat, um die dortigen Autonomie-Bestrebungen mit großkalibrigen Geschützen in Trümmer zu legen, der sollte sich in Acht nehmen: Denn Klitschko ist in Potsdam gerade zum „M100 Media Award“-Preisträger gekürt worden. Das ist schon was.

Das „M100 Sanssouci Colloquium“ versammelt jährlich, rund um einen harten Kern von Springer-Verlags-Leuten, die angebliche Elite des deutschen Journalismus und preist dann jemanden, der auch irgendwie zur Elite gehören soll. Nicht, dass die Kai Dickmanns (BILD), Matthias Döpfners (Springer-Chef), Ulrich Deppendorfs (ARD) oder Hans-Ulrich Jörges´ (Stern) besonders gute Journalisten wären. In dieser Ecke der Branche schreibt ohnehin nur jeder von jedem ab und nennt das dann Meinungsvielfalt. Nein, aber man sitzt dort wo die Meinung gemacht wird, das macht wichtig. Nun darf also Vitali Klitschko auch das Gefühl haben er wäre was – was auch immer.

Doch Vitali, der Junge, der sein Boxhandwerk auf einem sowjetischen Militärstützpunkt erlernt hat und bis heute besser Deutsch als Ukrainisch spricht, war zu Höherem berufen. Die deutsche Kanzlerin hatte eigentlich ihn als neuen Präsidenten der Ukraine vorgesehen und die deutschen Medien, allen voran Springers WELT und Springers BILD taten alles, um den Mann während der Aktionen auf dem Kiewer Maidan in bestem Licht erscheinen zu lassen. Dumm nur, dass die Springer-Blätter nicht in der Ukraine gelesen wurden. Die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU hat viel gutes Geld und jede Menge schlechter Ratschläge in Klitschko investiert. Und der SPD-Koalitionspartner in Gestalt von Frank Walter Steinmeier hat sich sogar höchst persönlich auf den Maidan begeben, um den Boxer ganz nach vorne zu bringen.

Der gute Boxer und ständige politische Verlierer konnte auf seinem Weg nach oben jede Hilfe brauchen. Denn bei Wahlen, dem klassischen Mess-Instrument für politischen Erfolg, zog er immer den Kürzeren: Im März 2006 trat Vitali Klitschko erstmals bei der Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kiew an und wurde mal so gerade zweiter Sieger. Dann gab es zwei Jahre später vorzeitige Neuwahlen zum Bürgermeisteramt und Vitali erreichte nur den dritten Platz. Zwischenzeitlich hatten die USA ein paar Milliarden in eine echte ukrainische Revolution investiert. Die fand dann auch auf dem Maidan statt. Dort wurde Vitali zu einer richtig überragenden Figur. Bei einer Länge von 2.00 Metern kein wirkliches Wunder. Immerhin spielte er gemeinsam mit Oleg Tjahnynok von der Nazi-Swoboda-Partei und dem Timoschekko-Schützling Arsenji Jazenjuk zeitweilig Chef im Ring des Maidan. Als dann noch Frank Walter Steinmeier und der bewaffnete RECHTE SEKTOR zur Verstärkung auftauchten, gelang es, den bisherigen, ziemlich demokratisch gewählten Präsidenten der Ukraine ins Exil zu schicken. Glückwunsch! wollte man dem Vitali schon zurufen, aber Präsident wurde dann doch ein anderer, immerhin konnte Klitschko endlich den Job des Kiewer Bürgermeisters ergattern.

Nun stand der baumlange Kerl in Potsdam wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum, das sich eigentlich eine schöne Kanone gewünscht hat aber mit einer Zwille vorlieb nehmen musste und wußte nicht wohin mit seinen großen Händen. Ein goldenes Bambi von Burda hatte Klitschko schon, auch ein Bundesverdienstkreuz hatte ihm das Kanzleramt bereits umhängen lassen, der Rest ist Mauer: Er hätte doch die Absicht eine Mauer zu bauen, sagte er am Rand der Preisverleihung, entlang der Grenze zu Russland, 2300 Kilometer lang. Es gehe darum, die Separatisten im Osten des Landes von weiterem Nachschub an Waffen und Kämpfern abzuschneiden. Das Volk im Osten der Ukraine ist wirklich undankbar. Da hilft nur der Mauerbau. – „Ich habe meine Glocke“ glaubt man im Hintergrund AC/DC zu hören, „ich werd dich mit mir in die Hölle nehmen. Ich krieg dich, der Teufel kriegt dich.“


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Source http://maidan.org.ua/news/index.php3?bn=maidan_foto&key=1100774288&action=view The whole source website is under GNU FDL
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