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Verwüstung

Erstellt von DL-Redaktion am Freitag 25. September 2015

Wie der Klimawandel Konflikte anheizt

von Agnès Sinai

Zwischen 2006 und 2011 verzeichnete Syrien die längste Dürreperiode und die größten Ernteverluste seit den frühesten Zivilisationen im Fruchtbaren Halbmond, jenem Winterregengebiet, das sich von Israel bis in den Südwesten des Iran erstreckt und in dem die Menschen vor mehreren Tausend Jahren damit anfingen, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.

Von den 22 Millionen Einwohnern, die Syrien 2009 hatte, waren fast anderthalb Millionen von der fortschreitenden Wüstenbildung  betroffen. Die Fol­ge war eine massive Landflucht von Bauern, Viehzüchtern und deren Fa­milien. Der Exodus verschärfte die sozialen Spannungen, die durch den Zustrom irakischer Flüchtlinge nach der US-Invasion im Jahr 2003 entstanden waren.

Jahrzehntelang hatte das Baath-Regime in Damaskus die natürlichen Ressourcen des Landes rücksichtslos ausgebeutet, den wasser­intensiven Anbau von Weizen und Baumwolle subventioniert und ineffiziente Bewässerungsmethoden gefördert. Hinzu kamen Überweidung und Bevölkerungswachstum. Aus all diesen Gründen sind zwischen 2002 und 2008 die Grundwasserreserven um die Hälfte zurückgegangen.

Für das Zusammenbrechen der syrischen Landwirtschaft waren mehrere Faktoren entscheidend, vom Klimawandel über die Misswirtschaft im Umgang mit natürlichen Ressourcen bis hin zur Bevölkerungsentwicklung. Dieses „Zusammenspiel von wirtschaftlichen, sozialen, klimatischen und ökologischen Veränderungen hat den Gesellschaftsvertrag zwischen Bürgern und Regierung untergraben, die Oppositionsbewegungen wachgerufen und die Legitimität des Assad-Regimes unwiderruflich beschädigt“, analysieren Francesco Femia und Caitlin Werrell vom Washingtoner Zentrum für Klima und Sicherheit. Auch den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) führen die beiden zumindest teilweise auf die lange Trockenperiode zurück.

Diese Dürre ist nicht allein durch natürliche Klimaschwankungen zu erklären – es handelt sich um eine Anomalie: „Der Rückgang der Niederschläge in Syrien steht in Zusammenhang mit dem steigenden Meeresspiegel im östlichen Mittelmeer […], verbunden mit der abnehmenden Bodenfeuchtigkeit. Für diese Entwicklungen gibt es allem Anschein nach keine natürliche Ursache. Die beobachtete Trockenheit und Erwärmung passen vielmehr zu Klimamodellen, die die Auswirkungen des Anstiegs von Treibhausgasen zeigen“, heißt es in der Zeitschrift der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften.

Quelle: le monde diplomatique >>>>> weiterlesen

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Fotoquelle: Wikipedia – Urheber Tiberio Frascari

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