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Verschwörerische Sichten

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 8. November 2018

Trump wird nie verlieren

File:Donald Trump (27150683144).jpg

Eine Kolumne von

Hans-Georg Maaßen erkennt „Linksradikalismus“ in der SPD, vielen Amerikanern erscheint ausgerechnet Demokratieverächter Trump als einzig vernünftige Wahl: Verschwörungsideologien machen es möglich.

Es gibt eine dunkle Gemeinsamkeit der beiden großen Themen der vergangenen Tage, zwischen der Midterm-Wahl in den USA und der Entlassung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen: In beiden Fällen sind Verschwörungstheorien zentral. Und es geht nicht nur um einzelne Mutmaßungen, stattdessen muss man von Verschwörungsideologien sprechen: den Gedankengebäuden einer konspirativ geprägten Weltsicht.

Der Begriff Verschwörungstheorie erscheint sogar als Verharmlosung, das Prinzip dahinter ist größer und gefährlicher. Eine Verschwörungstheorie soll eine Verschwörung erklären. Eine Verschwörungsideologie aber ist eine eigene Weltsicht, bei der alle Informationen auf passende Weise einsortiert werden. Im Extremfall wird der Geist gegen alle störenden Fakten geradezu immunisiert.

Bekannt geworden ist eine Umfrage der „Washington Post“ von 2017. Trump-Wählern wurden zwei Fotos von Amtseinführungen vorgelegt, das von Trump mit den charakteristischen weißen Zelten und Planen. Und das von Obama vier Jahre zuvor, auf dem eindeutig und auf den ersten Blick mehr Menschen zu sehen waren:

40 Prozent der Trump-Wähler sagten erwartungsgemäß, das Foto mit der größeren Menschenmenge gehöre zu Trump. Der hatte ja getwittert, die größte Menge angezogen zu haben. Diese Menschen dürften eine gewisse Anfälligkeit für Verschwörungstheorien aufweisen, schließlich muss man dafür die Berichterstattung der redaktionellen Medien für flächendeckend irreführend halten.

Trumps Twitteraccount mehr trauen als den eigenen Augen

15 Prozent der Trump-Wähler aber gaben eine zutiefst verstörende Antwort. Sie erklärten, das Foto mit den weißen Planen gehöre zu Trump – aber darauf seien mehr Menschen zu sehen als auf dem anderen Foto. Bumm.

Diese Gruppe dürfte bereits tief in die Verschwörungsideologie abgesunken sein, denn sie traute offenbar den Behauptungen auf Trumps Twitteraccount mehr als den eigenen Augen.

Die Vermutung, dass diese Leute einfach sturzbekloppt seien, ist auf gefährliche Weise falsch, und das beweist ausgerechnet Hans-Georg Maaßen. Dem kann man viel nachsagen, aber mangelnde Intelligenz gehört definitiv nicht dazu, im Gegenteil. Maaßen hat mit seiner bestürzenden Rede vor europäischen Geheimdienstchefs gezeigt, dass er nicht bloß Verschwörungstheoretiker ist – sondern Verschwörungsideologe.

File:Hans-Georg Maaßen 02.jpg

Anders lässt sich „Linksradikalismus“ in der SPD – der Partei gewordenen Pendlerpauschale – schlicht nicht erkennen. Das ist keine Verschwörungstheorie mehr über Juso-Kevin, der den sozialistischen Umsturz plant zur Errichtung eines protomarxistischen Kühnertismus. Nein, das ist Ideologie.

Maaßens „persönliche Dolchstoßlegende“

Damit zeigt Maaßen nicht nur, wie abstrus weit rechts er steht. Er führt auch die politische Funktion der Verschwörungsideologie mustergültig vor: die Konstruktion eines Sündenbocks, dem jede Schuld auch an eigenen Fehlleistungen zugeschoben werden kann und der ansonsten Undenkbares rechtfertigt. Maaßen strickt seine „persönliche Dolchstoßlegende“.

Das ist umso dramatischer, weil Maaßen in seiner Funktion tatsächlich über Geheimwissen verfügte, sodass seine Anhänger stets einen hervorragenden Grund haben, sein Wort für bare Münze zu nehmen. Wenn Maaßen Linksradikale in der SPD behauptet, muss man prüfen, ob er die Partei nicht hat beobachten lassen, in seiner Verschwörungsideologie wäre das folgerichtig.

Wenn jemand mit so einem Weltbild an der Spitze eines ohnehin verschwörungsgefährdeten Geheimdienstes stand, muss der komplette Dienst durchleuchtet und viel strenger demokratisch kontrolliert werden. Die verschwörerische Weltsicht ist die Parallele zwischen Maaßen und der amerikanischen Rechten.

Quelle     :    Spiegel-online >>>>> weiterlesen

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Grafikquellen      :

Oben    —        Donald Trump speaking with supporters at a campaign rally at Veterans Memorial Coliseum at the Arizona State Fairgrounds in Phoenix, Arizona.

Author Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America
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Unten     —       Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz

Source Bundesministerium des Innern/Sandy Thieme
Author Bundesministerium des Innern/Sandy Thieme

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