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Harting tanzt bei Olympia

Erstellt von DL-Redaktion am Donnerstag 18. August 2016

Verschont uns, ihr Tugendwächter

File:Manet, Edouard - Olympia, 1863.jpg

Von Jan Feddersen

Zur Nationalhymne lässt sich schwer tanzen. Christoph Harting versucht es dennoch. Respektlos? Nein, Hymnen werden ohnehin überschätzt.

Wer Gold bei Olympischen Spielen gewinnt, darf sich so freuen, wie er oder sie will. Christoph Harting hat den Diskuswettbewerb gewonnen und zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“ auf der obersten Stufe des Medaillenpodiums die Arme vor dem Bauch verschränkt, gepfiffen, getänzelt und grimassiert.

Er hat hernach Interviews verweigert – und dies mit der Begründung, eher ein in sich gekehrter Typ zu sein, nicht wie sein Bruder Robert ein Fachmann für Selbstvermarktung. Die rituelle Verleihung der Goldmedaille eher lax zu absolvieren ist im Hinblick auf die Bedeutung Olympischer Spiele natürlich der höchste Akt der Selbstinszenierung. Damit wird man nicht unbekannt!

Aber letztlich ist es die Angelegenheit des Geehrten allein, wie er sich bei der Übergabe der wichtigsten Trophäe in seinem Sport verhält: seine Sache, nicht die nationaler Tugendwächter, für die eine Performance der Andacht wichtig ist – vielleicht noch gekrönt durch Tränen. Wer sich über die Vorstellung des Berliners aufregt – und das taten in den sozialen Netzwerken sehr viele –, verkennt, dass Spitzensport in demokratisch-liberalen Ländern keine Domäne patriotischer Aufschäumung sein darf.

Quelle    :     TAZ >>>>> weiterlesen

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Grafikquelle    :

Artist
Title Olympia wikidata:Q737062
Date
Medium oil on canvas
Dimensions 130 × 190 cm (51.2 × 74.8 in)
Accession number RF 644retrieved from Wikidata

:

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2 Kommentare zu “Harting tanzt bei Olympia”

  1. E. Winkler sagt:

    Das Benehmen von Politikern lässt oftmals auch sehr zu wünschen übrig (s. Stinkefinger von Gabriel).

  2. Tom Menkar sagt:

    Wenn du denkst: das ist geile Musikke,
    die Bässe knallen satt und breit,
    dann, Alter hey, tanz die Republikke
    und tanz den ollen Gauck – Freeeiheeeeit.

    Von da bis youtube ist’s nicht weit.

    Immerhin: wer tanzt, marschiert nicht. Und tanzen
    kannst du auf alles, ich sah letztens einen, der
    auf Strasbourg tanzte. Natürlich auf größerer Um-
    laufbahn als die meisten Zeitgenossen – aber er
    marschierte dafür nicht.

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