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Vernissage und Untertänig

Erstellt von Gast-Autor am Sonntag 3. Februar 2013

„Kunst kommt von Können“

……. wurde mir mal von einem bekannten Künstler gesagt. „Können“ bedeutet Maltechniken beherrschen und ausprobieren, bedeutet aber auch, sein Innerstes auf Leinwand oder Papier zu bringen. Es bedeutet Beobachtungsgabe und das Umsetzen mit Pinsel, Farbe und anderen Materialien.

Jeder Künstler kann seine Bilder öffentlich zeigen und das liebe Volk bekommt somit die Möglichkeit sie anzuschauen und sich sein Urteil bilden.

In Deutschland gibt es viel bekannte zeitgenössische Künstler, wo es sich lohnt, die Ausstellungen zu besuchen und auf so einer war ich heute.

Mir geht es in meinem Artikel nicht darum, den Künstler zu bewerten, denn dies steht nicht in meinem Ansinnen, sondern um das Drumherum einer erlebten Vernissage.

Voller Freude und Neugier auf den bekannten Künstler betrat ich die Galerie. Wenn man dies Betreten nennen konnte. Oha, dachte ich, ein volles Haus und sieh mal an, es schien großes Interesse zu bestehen.

Die Tür ging gerade noch auf und ich suchte mir in der Ecke eine Platz. Natürlich ganz hinten und konnte somit nicht sehen, ob der Künstler anwesend war, natürlich nicht.

Vor mir standen in schwarzen Mänteln eine Herde Zuhörer, die einer Dame lauschten, welche versuchte zu erklären, was der Maler mit seinen Bildern aussagen wollte.

Vor lauter Menschen konnte man die Bilder kaum sehen.

Gut, gehen wollte ich auch nicht gleich und hörte aufmerksam den Ausführungen zu, da ich das Leben des Künstlers kenne und es immer interessant ist, was Andere darüber zu wissen glauben.

Nach einer halben Stunde, fast im Mief erstickend und die Wut in mir ansteigend, weil die Erzählerin mit blühender Fantasie die Bilder auseinander nahm. Es kamen nur wenige Zitate, die der Künstler selbst zu ihnen preis gegeben hatte. Diese Dame las alles ab und schmetterte mit Kälte den Text in die Meute.

Die Stille im Raum unter den Zuhörern wurde mir unerträglich, denn es juckte mir gewaltig in den Fingern entsprechende Fragen zu stellen. Dies habe ich aber tunlichst unterlassen um die schwarz bemäntelten Zuhörer nicht aus ihrer Andacht aufzuwecken. Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können.

Niemals echt, waren meine Gedanken, denn hier ging es um sehen, und gesehen zu werden. Wer hatte denn ein wirkliches Interesse an den Inhalten der Bilder und wer nur an der Berühmtheit des Künstlers?

Als dann die Erzählerin innerhalb einer Bildbeschreibung, die Gesichtszüge von Jesus erkennen wollte, konnte ich nicht mehr an mich halten. Laut lachend verließ ich diesen Raum derweil fast  alle Anderen sich in ihrer Andacht nicht stören ließen. Halt, bis auf ein paar welche ebenfalls die Veranstaltung verließen.

Wenn ich meinen Mund in dieser Situation und an dieser Stelle geöffnet hätte, würde man mich sicher hochkant aus der Veranstaltung befördert haben. Im Nachhinein ärgere mich dann aber  immer, warum ich nicht mutig genug war. Dieses mal aber war mein Respekt vor dem Künstler doch zu groß, da ich ihn sehr gern mag.

Dieses ist vielleicht nur eine simple Erzählung, aber man kann deutlich erkennen, wie untertänigst wir eigentlich sind. Ein berühmter Künstler wird gehuldigt. Das ist vollkommen in Ordnung, aber man muss über die Bilder diskutieren, eigene Erkenntnisse auswerten können und nicht noch die Veranstalter zur Königspersonen erheben. Es kann auch nicht sein, dass sich niemand traut ein Wort zu verlieren oder Zwischenfragen zu stellen und Menschen gehen, da die Atmosphäre einfach miefig und spießig ist. Der Künstler hätte eine solche Atmosphäre nie gewollt, da bin ich mir sicher.

Aber als Künstlerin sieht man dies genau und eines ist gut an der Sache, ich kann berichten, kann malen, und fühle mich nach diesen kleinen Alltagserlebnissen Sau wohl, ein „Bunter Vogel“ zu sein, der nicht Untertanen mäßig in der Masse mit schwimmt, ansonsten könnte ich selber nicht künstlerisch tätig sein. Wie langweilig wäre ich dann und würde im großen Grau untergehen, auch wenn mein Anderssein dem Einen und Anderen nicht passt.

Dem Künstler sei Dank, dass er ausgestellt hat. Ich werde seine Bilder später in Ruhe betrachten und mir meine eigene Meinung bilden ohne Laudatio von Irgendwem und ohne eine stumme schwarze Menschenmenge, die mich erdrückt. Dieses bestärkt mich wieder in meinen Bildern welche meinem Leben mehr Farbe geben!

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+Fotoquelle: Wikipedia  Gemeinfrei

Beschreibung Boote am Ufer der Oise
Quelle vggallery.com
Urheber bzw.
Nutzungsrechtinhaber
Vincent van Gogh
Datum 1890

2 Kommentare zu “Vernissage und Untertänig”

  1. Günter Obermeier sagt:

    Ja, es geht wohl, wie bei vielen anderen Veranstaltungen auch, um das gesehen werden. Spießer unter sich.

  2. Schichtwechsler sagt:

    Diese Dame las alles ab und schmetterte mit Kälte den Text in die Meute.

    Kommt mir sehr bekannt vor.
    Die Dame, die ich meine, ist Mitglied bei den Linken.

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