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TikTok und Datensicherheit:

Erstellt von DL-Redaktion am Montag 17. August 2020

Das nette chinesische Unternehmen

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Von  Tilman Baumgärtel

Der US-Präsident führt einen Privatkrieg gegen das soziale Netzwerk TikTok wegen angeblicher Spionage. Wofür es die Nutzerdaten verwendet, ist unklar.

Bis zum 15. September soll die chinesische Unterhaltungs-App TikTok nach dem Willen des amerikanischen Präsidenten Trump an ein „nettes, amerikanisches Unternehmen“ verkauft werden. Das chinesische Unternehmen Bytedance, das Tiktok betreibt, verhandelt unter anderem mit Microsoft und Twitter, hat aber gleichzeitig gegen die Verkaufsauflage in den USA geklagt.

Auch die EU untersucht derzeit Tiktok, das vor allem bei Kindern und Teenagern beliebt ist. Und derzeit prüfen auch das Bundesgesundheitsministerium und die Landesregierung des Saarlands, ob sie den Kanal weiterhin nutzen wollen.

Das erscheint wie ganz schön viel Drama um eine Smartphone-App, die bis vor Kurzem vor allem als Superspreader für neue Tanzmoves und Teeniewitze bekannt war. Nun kann man sich zu Recht fragen, ob eine App, die ihre Nutzer mit einem ununterbrochenen Strom von Kurzvideos bombardiert, ein kultureller Fortschritt ist.

Tiktok wird aber nicht wegen der Verbreitung von Flachsinn international untersucht und geprüft. Die amerikanische Regierung wirft dem Unternehmen immerhin vor, dass die App die nationalen Sicherheitsinteressen der USA verletze. Donald Trump scheint aus taktischen Gründen während des US-Wahlkampfs geradezu einen Privatkrieg gegen Tiktok zu führen – eigentlich ungeheuerlich, dass sich ein amerikanischer Präsident so an einer Mobiltelefon-App abarbeitet.

Shadowban

Von anderer Seite wird die App dafür kritisiert, dass sie kontroverse Inhalte unterdrücken würde – besonders solche, die der chinesischen Regierung missfallen. Protestvideos aus Hongkong oder über den Genozid an den Uiguren würden von dem Unternehmen zwar nicht gelöscht, aber mit einem „Shadowban“ belegt – also den Nutzern selten angezeigt.

Die Belege für den ersten Vorwurf sind dürftig. Zwar meldete das Wall Street Journal in der vergangenen Woche, dass Tiktok in der Vergangenheit Daten seiner Nutzer gesammelt habe, mit denen man den Standort ihrer Handys orten kann. Tiktok hat das allerdings bereits im November 2019 eingestellt; ähnliche Daten werden auch von anderen sozialen Medien gesammelt. Generell basiert das Geschäftsmodell von allen großen Internetunternehmen darauf, so viele Daten wie möglich von ihren Nutzern zu speichern. Das macht es nicht besser, aber Tiktok scheint dabei nicht aggressiver als andere Unternehmen ­vorzugehen.

Dass China das Unternehmen zwingen könnte, Nutzerdaten weiterzugeben, hat Tiktok-Gründer Zhang Yiming bestritten, denn die lägen auf Servern in den USA und Singapur. Aber die chinesische Regierung agiert mittlerweile wie die Mafia, die bekanntlich „Methoden hat, dich zum Reden zu bringen“. Dieses Versprechen ist also wenig wert, und persönliche Informationen in der Hand dieser durchdigitalisierten Diktatur sind in der Tat eine albtraumhafte Vorstellung. Allerdings wissen wir seit den Snowden-Enthüllungen auch, dass amerikanische Geheimdienste schon lange international Userdaten aus den sozialen Medien abgreifen.

Ansonsten hat sich Tiktok in der Vergangenheit meist mustergültig verhalten und den Forderungen entsprochen, die an chinesische Internetunternehmen zu Recht herangetragen werden. Zunächst einmal ist die App keine Kopie von amerikanischen Internetgeschäftsmodellen, wie das bei vielen anderen chinesischen Unternehmen der Fall ist. Der Erfolg von Tiktok beruht auf einem komplett originären Konzept.

Weiterhin hat Tiktok von Anfang an versucht, auf der eigenen Plattform durch Moderation ein Mindestmaß an Ordnung sicherzustellen. Andere soziale Medien wie Facebook, Youtube oder Twitter empfanden das jahrelang als unnötig. Sie behaupteten wahlweise, dass dies ein Eingriff in die Meinungsfreiheit sei oder wegen der Masse an Nutzerinteraktion schlicht nicht möglich. Erst unter dem zunehmenden Druck der Öffentlichkeit begann man zähneknirschend und nachlässig damit, wenigstens einigen der übelsten Lügnern und Hetzern das Handwerk zu legen.

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Neonazis, Antisemiten und Spinnern wie dem selbst ernannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling in Deutschland oder dem Identitären-Quatschkopf Martin Sellner in Österreich wurde bei Youtube erst der Kanal weggenommen, als sie über die Plattform ihr Publikum gefunden hatten. Schwurbelkoch Attila Hildmann ist sogar bis heute regelmäßig bei Youtube aktiv.

Das Sündenregister ist kurz

In den USA konnten die Russen über Facebook und andere soziale Medien 2016 Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen nehmen. In den Philippinen trug die Plattform zum Wahlsieg des diktatorischen Staatschefs Rodrigo Duterte bei. In Myanmar führten auf Facebook gestreute Propagandalügen zur gewaltsamen Vertreibung der Rohingya nach Bangladesch. Im Vergleich dazu ist das Sündenregister von Tiktok kurz.

Quelle        :         TAZ        >>>>>        weiterlesen

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Grafikquellen        :

Oben     —     Tiktok

Ein Kommentar zu “TikTok und Datensicherheit:”

  1. Jimmy Bulanik sagt:

    Gewisse Plattformen im Internet wie Tik Tok, Instagram, Facebook, Twitter und Co.und Datenschutz sind ein Widerspruch in sich selbst. Es muss niemand diese Plattformen benutzen. Zum Thema Datensicherheit sollen sich alle ihre Gedanken machen. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, diese Plattformen nutzen zu wollen oder nicht.

    Daher empfehle ich den Menschen lieber zu Instrumenten der Kryptografie. Wie dem Signal Messenger, dem Tor Browser, dem Tails Betriebssystem zum Beispiel.

    Dazu hier die Quellen:

    Signal Messenger

    https://singal.org

    Tor Browser

    https://www.torproject.org/de

    Tails

    https://tails.boum.org

    Das schützt die Menschen in der Wirklichkeit.

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